{"id":189384,"date":"2019-10-07T08:00:20","date_gmt":"2019-10-07T06:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=189384"},"modified":"2019-10-07T08:00:20","modified_gmt":"2019-10-07T06:00:20","slug":"189384-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/189384-2\/","title":{"rendered":"Warum der Klimawandel Auswirkungen auf die Wasserverf\u00fcgbarkeit hat"},"content":{"rendered":"<p>Wenn wir den Wasserhahn aufdrehen, dann gehen wir davon aus, dass Wasser eine unbegrenzte Ressource ist. Aber Experten warnen: der Klimawandel wird zu einer ver\u00e4nderten Wasserverf\u00fcgbarkeit f\u00fchren. S\u00fc\u00dfwasser z\u00e4hlt zu den am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdeten \u00d6kosystemen weltweit.<\/p>\n<p>Es ist die Artenvielfalt in Seen und Fl\u00fcssen, die unsere Wasserqualit\u00e4t ausmacht. In einem \u00d6kosystem wie dem Flie\u00dfgew\u00e4sser tr\u00e4gt jedes einzelne Lebewesen seinen Teil zur Balance des Ganzen bei. Bei abnehmender Artenvielfalt ist die Wasserqualit\u00e4t gef\u00e4hrdet. Das wird langfristig selbst in der alpinen Region \u00d6sterreich zu einer ver\u00e4nderten Wasserverf\u00fcgbarkeit f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Wasserverf\u00fcgbarkeit sichern<\/h3>\n<p>Es war der Hydrobiologe <a href=\"https:\/\/forschung.boku.ac.at\/fis\/suchen.person_uebersicht?sprache_in=de&amp;menue_id_in=101&amp;id_in=6612\">Thomas Hein<\/a>, der im Rahmen des <em>Biennal Symposium of International Society for River Science<\/em> (<a href=\"http:\/\/isrs2019.info\/cms\/index.php\/home-235.html\">ISRS<\/a>) in Wien vor einem leichtfertigen Umgang mit den S\u00fc\u00dfwasser-Ressourcen warnte. Studien belegen, dass der Artenreichtum von S\u00fc\u00dfwasserlebewesen seit 1970 um 83 Prozent zur\u00fcckgegangen ist. Be\u00e4ngstigend sei nicht nur die Menge des Artensterbens, sondern auch die Geschwindigkeit, so Hein. Der laufende Verlust von Kleinstlebewesen, Insekten und Fischen destabilisiere langfristig das \u00d6kosystem der Flie\u00dfgew\u00e4sser. Das Aussterben einer Spezies sei endg\u00fcltig, betont der Forscher. Die verbliebene Biodiversit\u00e4t in den Flie\u00dfgew\u00e4ssern m\u00fcsse letztlich erhalten werden, um die Wasserverf\u00fcgbarkeit zu sichern.<\/p>\n<p>Hein ist Vorstand am Institut f\u00fcr <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/wau\/ihg\"><em>Hydrobiologie und Gew\u00e4ssermanagement<\/em> an der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em><\/a> (BOKU) Wien und Mitglied der globalen Initiative <a href=\"https:\/\/allianceforfreshwaterlife.org\/\"><em>Alliance for Freshwater Life<\/em><\/a>. Dabei handelt es sich um ein Expertennetzwerk, das L\u00f6sungen f\u00fcr die Entwicklung und Erhaltung von S\u00fc\u00dfwasser-\u00d6kosystemen besser vermitteln will. Ziel ist es, den Verlust und R\u00fcckgang der biologischen Vielfalt im S\u00fc\u00dfwasser umzukehren.<\/p>\n<h3>Appell an die Politik<\/h3>\n<p>Bis dato werden politische Initiativen zum Schutz des S\u00fc\u00dfwasserlebens nicht konsequent genug umgesetzt \u2013 so das Mantra der Organisation. Politische Strategien zur nachhaltigen Entwicklung und Nutzung von S\u00fc\u00dfwasser vernachl\u00e4ssigen meist die damit einhergehende biologische Vielfalt.<\/p>\n<p>Im Rahmen des<em> Biennal Symposium of International Society for River Science<\/em> (ISRS) in Wien stellten Forscher eine Reihe von Studien vor, welche die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversit\u00e4t beschreiben. Eines der zentralen Probleme: Der Wechsel von Starkregen und D\u00fcrreperioden, der zu \u00dcberschwemmungen und Absenkungen des Wasserspiegels in Fl\u00fcssen und Auenlandschaften f\u00fchrt. Beide Wetterereignisse verursachen einen R\u00fcckgang der Artenvielfalt.<\/p>\n<h3>Ausl\u00f6ser Starkregen und D\u00fcrreperioden<\/h3>\n<p>Das zeigte unter anderem eine Studie von <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Pawel_Napiorkowski2\">Pawel Napi\u00f3rkowsky<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/scientific-contributions\/2162563160_Nikola_Kolarova\/amp\">Nikola Kol\u00e0rova<\/a>, vom <em>Department of Hydrobiology<\/em> an der <a href=\"https:\/\/www.ukw.edu.pl\/strona\/english\"><em>Kazimierz Wielki Universit\u00e4t<\/em><\/a> im polnischen Bydgoszcz. Die Wissenschafter untersuchten die Auswirkungen von extremen Wetterereignissen auf den Zooplankton in den Auenseen im polnischen Vistula Tal. Die Studie lief \u00fcber eine Zeitdauer von neun Jahren.<\/p>\n<p>Als Zooplankton wird die Gesamtheit der im Wasser schwebenden tierischen Organismen bezeichnet. Sie tragen neben dem <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/geowissenschaften\/phytoplankton\/12277\">Phytoplankton<\/a> wesentlich zur Produktion von organischem Material im <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/geowissenschaften\/aquatische-oekosysteme\/847\">aquatischen \u00d6kosystem<\/a> bei.<\/p>\n<h3>Dominanz von R\u00e4dertierchen<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend gro\u00dfer klimatischer St\u00f6rungen haben nur einige wenige Arten die F\u00e4higkeit, die Ressourcen zu vereinnahmen. Im stark abgesunkenen Wasserspiegel erreichte deren Dominanz zwischen vierzig und sechzig Prozent. Sowohl \u00dcberschwemmungen als auch D\u00fcrreperioden f\u00f6rderten die Entwicklung von kleinen R\u00e4dertierchen, die sich von Schwebstoffen und Bakterien ern\u00e4hren. Diese haben die F\u00e4higkeit, sich an ein breites Spektrum von Umweltbedingungen anpassen zu k\u00f6nnen. Die Zunahme der Spezies der R\u00e4dertierchen ging auf Kosten der Krustentiere und wurde an verschiedenen Orten beobachtet.<\/p>\n<h3>Sauberere Wasserkraft<\/h3>\n<p>Heins Kollegin <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/56E0B1E862292180\">Astrid Schmidt-Kloiber<\/a>, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr <em>Hydrobiologie und Gew\u00e4ssermanagemen<\/em>t an der BOKU Wien, pl\u00e4dierte im Rahmen des Symposiums f\u00fcr eine<em> sauberere Wasserkraft<\/em>. Der Ausbau von Staud\u00e4mmen boomt weltweit. Bereits mehr als die H\u00e4lfte aller Fl\u00fcsse sind verbaut. \u00d6sterreich ist in der Nutzung von Wasserkraft in Europa die Nummer 1. Diese leistete 2017 mit 35,3 Prozent den gr\u00f6\u00dften Beitrag zum Gesamtaufkommen erneuerbarer Energie in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Zuz\u00fcglich Hochwasserschutzbauten befindet sich in \u00f6sterreichischen Fl\u00fcssen pro Flusskilometer ein Querbauwerk \u2013 so die Statistik des Bundesamts f\u00fcr Wasserwirtschaft. Das sind rund 33.000 Wanderhindernisse f\u00fcr Fische und andere Organismen. Unter anderem ist es die mangelnde Gew\u00e4sserdurchg\u00e4ngigkeit, welche die Nahrungssicherheit f\u00fcr Fische gef\u00e4hrdet und Wanderfischarten den Zugang zu ihren Laichpl\u00e4tzen verwehrt.<\/p>\n<p>Die negativen Effekte der baulichen Eingriffe in Flusssysteme erkl\u00e4ren, warum die vermeintlich saubere Wasserkraft wesentlicher Faktor des Artensterbens sei, so die Forscherin. Das m\u00fcsse allerdings nicht sein. Nachhaltige technische L\u00f6sungen gibt es bereits. In \u00d6sterreich wurden diese fallweise bereits umgesetzt. Global sieht sie jedoch einen Trend zur weiteren Verschlechterung.<\/p>\n<p>Nachhaltige Ma\u00dfnahmen, die in \u00d6sterreich bereits gesetzt wurden, sind<\/p>\n<ul>\n<li>Renaturierungsprojekte, wie <a href=\"http:\/\/www.viadonau.org\/unternehmen\/projektdatenbank\/aktiv\/auenwildnis\/details-zum-projekt\">Viadonau<\/a> und die <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s00506-018-0472-x\">\u00f6kologische Neugestaltung des Unterlaufs\u00a0 der Traisen.<\/a><\/li>\n<li>eine Fischwanderhilfe, die den Fischen und Mikroorganismen hilft, die baulichen Hindernisse verletzungsfrei zu passieren. Es handelt sich dabei um eine <a href=\"http:\/\/www.hydroconnect.at\/unternehmen\/\">Wasserkraftschnecke<\/a>, die zwei Funktionen in sich vereint: Fischlift und Stromproduktion.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/mit-einer-wanderhilfe-fuer-fische-oekostrom-erzeugen\/\">Mit einer Wanderhilfe f\u00fcr Fische \u00d6kostrom erzeugen<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/rueckgang-von-tagfaltern-auf-landwirtschaftlich-genutzten-wiesen\/\">R\u00fcckgang von Tagfaltern auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-forschungsprojekte-auswirkung-von-klimawandel-auf-den-auftrieb-von-tiefenwasser\/\">Neue Forschungsprojekte: Auswirkung von Klimawandel auf den Auftrieb von Tiefenwasser<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir den Wasserhahn aufdrehen, dann gehen wir davon aus, dass Wasser eine unbegrenzte Ressource ist. 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