{"id":188848,"date":"2019-10-05T16:41:53","date_gmt":"2019-10-05T14:41:53","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=188848"},"modified":"2019-10-05T16:41:53","modified_gmt":"2019-10-05T14:41:53","slug":"mobile-braille-tastatur-open-source-verfuegbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mobile-braille-tastatur-open-source-verfuegbar\/","title":{"rendered":"Mobile Braille-Tastatur open source verf\u00fcgbar"},"content":{"rendered":"<p>Der Bachelor-Student Johannes St\u0159elka-Petz entwickelte eine mobile Braille-Tastatur f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte. <em>OSKAR Concertina<\/em>, so der Name des Prototyps, ist ein Open-Source-Projekt. Die Pl\u00e4ne und der Programmcode sind frei online verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Wenn Blinde und Sehbehinderte einen Computer nutzen, dann verwenden sie ein eigenes Schriftsystem, das in der Braille-Tastatur umgesetzt ist. Die Braille-Tastatur hat den Vorteil haptischer Symbole. F\u00fcr Smartphones ist diese bisweilen noch nicht verf\u00fcgbar. Aktuell behelfen sich die Betroffenen mit Voice Control und virtueller Tastatur. Beide Varianten sind problematisch:<\/p>\n<ul>\n<li>Voice Control entbehrt der Privatsph\u00e4re;<\/li>\n<li>Die virtuelle Tastatur entbehrt der Haptik und ist langsamer als eine physische Tastatur;<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Zus\u00e4tzlicher Tool f\u00fcr das Smartphone<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/at.linkedin.com\/in\/johannes-strelka-petz\">Johannes St\u0159elka-Petz<\/a> besch\u00e4ftigte sich in seiner Bachelor-Arbeit mit dem Problem. Er studiert an der TU Wien <a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/adressbuch\/adressbuch\/orgeinheit\/1582\">Verfahrenstechnik<\/a> und schrieb seine Bachelor-Arbeit an der <a href=\"https:\/\/informatics.tuwien.ac.at\/\"><em>Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik <\/em><\/a>im Forschungsbereich<em><a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/adressbuch\/adressbuch\/orgeinheit\/4752\"> Multidisciplinary Design and User Research<\/a>.\u00a0<\/em> Inspiration f\u00fcr die Entwicklung einer mobilen Tastatur waren Vorlesungsunterlagen von Professor <a href=\"https:\/\/informatics.tuwien.ac.at\/people\/wolfgang-zagler\">Wolfgang Zagler<\/a>. Beim Bau des Prototypen orientierte er sich an einer Bauanleitung f\u00fcr eine Akkord-Tastatur. Die Anleitung ist auf <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/GKOS\">Wikipedia<\/a> verf\u00fcgbar. Die Komponenten sind handels\u00fcblich und basieren auf Schnittstellen wie Arduino, Bluetooth und USB.<\/p>\n<p>St\u0159elka-Petz entwickelte eine mobile Tastatur und implementierte Braille als international anerkannten Standard. Die Tastatur ist so klein ist, dass sie an der R\u00fcckseite des Smartphones befestigt &#8211; und \u00fcber Bluetooth mit g\u00e4ngigen Smartphones verbunden werden kann.<\/p>\n<h3>Konzept der mobilen Braille-Tastatur<\/h3>\n<p>Die Braille-Schrift basiert auf sechs Punkten, die in drei vertikalen Zweierreihen angeordnet werden. Um aus den sechs Punkten Buchstaben werden zu lassen, werden jeweils verschiedene Punktkonstellationen markiert. Zum Beispiel ist auf einer Taste der erste Punkt oben links markiert, auf einer anderen die drei Punkte am rechten unteren Ende. Insgesamt sind dies sechs Buchstaben, die in dieser Form auch auf der Braille-Tastatur realisiert werden &#8211; und erstastbar sind. Zwei zus\u00e4tzliche Tasten werden als Modifyer genutzt. Die Braille-Tastatur ist eine sogenannte Akkord-Tastatur. Ihre Funktion ist mit jener eines Klaviers vergleichbar. Auf dem Klavier entsteht durch das gleichzeitige Anschlagen mehrerer Tasten ein Akkord, auf der Braille-Tastatur entstehen Buchstaben.<\/p>\n<p>Basis f\u00fcr OSKAR Concertino war die deutsche Norm DIN 32 982. Da diese Norm jedoch etwas in die Jahre gekommen ist, entwickelte der Braille-Experte Professor <a href=\"https:\/\/www.bbi.at\/kontakt\">Erich Schmid<\/a> eine f\u00fcr heutige Computer und Smartphones angepasste Variante <em>Erich Schmids 8 Keys Braille<\/em>.<\/p>\n<h3>Prototyp der mobilen Braille-Tastatur<\/h3>\n<p>Der Student brachte die Braille-Tastatur auf ein mobiles Format. Diese gew\u00e4hrleistet der Zielgruppe bei der Texteingabe haptische Symbole. Dar\u00fcberhinaus ist diese auch Eingabeger\u00e4t. Sie \u00fcbernimmt die Funktionen von Tastatur, Touchscreen, Keypad und Fernsteuerung.<\/p>\n<p>Weil die Tastatur auf der R\u00fcckseite des Smartphones angebracht wird, haben es die Nutzer mit einem umgedrehten Tastensystem zu tun. Das erfordert eine andere Handhaltung als bei einer gew\u00f6hnlichen Tastatur. Aber die Tasten sind so angeordnet, dass dieselben Finger f\u00fcr die einzelnen Positionen zust\u00e4ndig sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_189271\" aria-describedby=\"caption-attachment-189271\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-189271 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Smartphone_oskar_concertina-600x450.jpg\" alt=\"mobile Braille-Tastatur Oskar \" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-189271\" class=\"wp-caption-text\">Johannes St\u0159elka-Petz mit der mobilen Braille-Tastatur Oskar. (c) TU Wien<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Evaluierung der mobilen Braille-Tastatur<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Ziel der Entwicklung war es, eine Tastatur zu schaffen, die im Stehen und Gehen mit einer Hand bedienbar ist. Dar\u00fcberhinaus sollte das System leistungsf\u00e4higer sein, als g\u00e4ngige mobile Texteingabemethoden. Um dieses Ziel zu \u00fcberpr\u00fcfen, setzte St\u0159elka-Petz die Tastatur in einer einh\u00e4ndigen und einer zweih\u00e4ndigen Variante um. Diese testete er an sieben Personen des <a href=\"https:\/\/www.bbi.at\/\"><em>\u00f6sterreichischen Bundes-Blindenerziehungsinstituts<\/em><\/a>. Teil der quantitativen Evaluierung war die Messung von Geschwindigkeit und Genauigkeit der Prototypen. Wobei die Einhandbedienung und Zweihandbedienung noch zus\u00e4tzlich mit der virtuellen QWERTZ-Tastatur verglichen wurden.<\/p>\n<h3>Zweih\u00e4ndig bedienbare Braille-Tastatur bevorzugt<\/h3>\n<p>St\u0159elka-Petz ging vom Ideal einer einh\u00e4ndig bedienbaren Tastatur aus. Die Probanden bevorzugten aber dezidiert den zweih\u00e4ndig bedienbaren Prototyp, der auch als Testsieger hervorging. Im Vergleich mit der virtuellen Tastatur erm\u00f6glichte dieser den Nutzern die vierfache Geschwindigkeit \u2013 und das bei h\u00f6herer Genauigkeit.<\/p>\n<p>Der Test zeigte, dass der Umgang mit der mobilen zweih\u00e4ndig zu bedienenden Braille-Tastatur rasch zu erlernen ist. Die Probanden f\u00fchrten die Tests ohne vorangehendes \u00dcben durch. Schon nach wenigen Minuten erreichten diese mit dem neuen Ger\u00e4t eine Schreibgeschwindigkeit von etwa zwanzig W\u00f6rtern pro Minute. Diese Geschwindigkeit ist mit jener auf der konventionellen Braille-Tastatur vergleichbar.<\/p>\n<p>Die Tests zeigten, dass eine mobile Akkord Tastatur wie <em>OSKAR<\/em> eine Alternative zum Touchscreen sein kann. Den Probanden war jedoch wichtig, dass die Tastatur neben der Texteingabe auch die Steuerung des Smartphones erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Als mobiles Ger\u00e4t kann <em>OSKAR<\/em> \u00fcbrigens nicht nur an Endger\u00e4ten wie einem Smartphone oder Tablet befestigt werden sondern auch an Unterarm und Hand.<\/p>\n<p>Die Bachelorarbeit von\u00a0St\u0159elka-Petz wurde von <a href=\"https:\/\/media.tuwien.ac.at\/people\/roman-ganhoer\/\">Roman Ganh\u00f6r<\/a> am Institut f\u00fcr <a href=\"https:\/\/informatics.tuwien.ac.at\/orgs\/e193\"><em>Visual Computing und Human-Centered Technologie<\/em><\/a> betreut. Am 24. September erhielt der Student den <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/site\/Ministerium\/Preise\/Wintec\/\"><em>WINTEC Preis<\/em><\/a> f\u00fcr Inklusion durch Naturwissenschaft und Technik des <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/site\/\">Sozialministeriums<\/a>.<\/p>\n<p>Den Link zur Bachelorarbeit finden Sie hier: <a href=\"https:\/\/oskar.ddns.mobi\/mediawiki\/images\/a\/af\/Bac-oskar.pdf\">OSKAR &#8211; Prototypische Implementierung und Evaluierung einer mobilen Braille-Texteingabemethode<\/a><\/p>\n<p>Den Link zur Open Source Bauanleitung f\u00fcr OSKAR Concertina finden Sie hier: <a href=\"https:\/\/gitlab.com\/teamoskar\/oskar_concertina\">https:\/\/gitlab.com\/teamoskar\/oskar_concertina<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/hable-types-super-fast-braille-on-your-smartphone\/\">Gerard &amp; Anton Award-winner Hable: types superfast braille on your smartphone<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/niederlaender-gewinnt-european-venture-programm-mit-hable-accessibility\/\">Niederl\u00e4nder gewinnt European Venture Programm mit \u201eHable Accessibility\u201c<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bachelor-Student Johannes St\u0159elka-Petz entwickelte eine mobile Braille-Tastatur f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte. 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