{"id":188757,"date":"2019-10-06T08:00:27","date_gmt":"2019-10-06T06:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=188757"},"modified":"2019-10-06T08:00:27","modified_gmt":"2019-10-06T06:00:27","slug":"drei-tipps-von-nobelpreistraegern-fuer-eu-politiker-zur-innovations-foerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/drei-tipps-von-nobelpreistraegern-fuer-eu-politiker-zur-innovations-foerderung\/","title":{"rendered":"Drei Tipps von Nobelpreistr\u00e4gern f\u00fcr EU-Politiker zur Innovations-F\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p>Gegen Ende der Europ\u00e4ischen Innovationstage <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/events\/cf\/european-research-and-innovation-days\/item-display.cfm?id=23572\">gaben renommierte Wissenschaftler der Europ\u00e4ische Kommission und Politiker Ratschl\u00e4ge<\/a>, worauf sie bei der Forschungsfinanzierung mit Geldern des Horizon-Fonds der EU achten sollten (in H\u00f6he von rund 100 Milliarden Euro). Diese Zusch\u00fcsse f\u00fcr die wissenschaftliche Forschung werden vom <a href=\"https:\/\/erc.europa.eu\/\">Europ\u00e4ischen Forschungsrat<\/a> der EU vergeben. Wie sich herausstellt muss man kein Genie sein, um die Tipps zu verstehen, die die an diesem Forschungsrat beteiligten Spitzenwissenschaftler der Europ\u00e4ischen Kommission gegeben haben. Schlie\u00dflich geht es um Freiheit, Geld und Aufgeschlossenheit. Dazu kommt nat\u00fcrlich eine gute Portion Neugierde.<\/p>\n<h4><strong>Tipp 1: Konzentrieren Sie sich auf das Funktionsprinzip, nicht auf die Anwendung<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/events\/cf\/european-research-and-innovation-days\/speaker.cfm?id=1600\">Ben Feringa<\/a> ist Professor f\u00fcr Molekulare Wissenschaften an der Universit\u00e4t Groningen. Im Jahr 2016 erhielt er den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nobelpreis\">Nobelpreis<\/a>. Er baute den kleinsten Motor der Welt, den Nanomotor. Er wollte wissen, wie sich Molek\u00fcle bewegen, ohne sich zu fragen, was er dabei herausbekommt. Durch Zufall fand er heraus, dass Molek\u00fcle sich vorw\u00e4rts und nicht r\u00fcckw\u00e4rts bewegen. Dies erm\u00f6glichte ihm den Bau von Molekularmotoren. Er arbeitet nun an einer Beschichtung, die sich selbst reinigt, durch das Einbauen winziger Nanomaschinen. Diese k\u00f6nnen auf Solarmodulen angebracht werden, in Farbe f\u00fcr H\u00e4user verarbeitet werden, auf Fenster angebracht werden, die man durch die darin enthaltenen Molekularmotoren nicht mehr putzen muss, erkl\u00e4rte er. \u201eIch wollte verstehen, wie das Prinzip hinter molekulare Bewegung funktioniert. Ohne vorher den Nutzen zu kennen. Wenn man das Prinzip versteht, f\u00fchrt es zu vielen Innovationen.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Tipp 2: Lassen Sie den wissenschaftlichen Nachwuchs selbstst\u00e4ndig denken<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/events\/cf\/european-research-and-innovation-days\/speaker.cfm?id=1606\">Jean-Marie Lehn<\/a> ist Professor f\u00fcr Chemie an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg und erhielt 1978 den Nobelpreis f\u00fcr die chemische Grundlage der molekularen Erkennung. Er wollte wissen, warum sich bestimmte Molek\u00fcle gegenseitig suchen und andere nicht, was er die Soziologie der Molek\u00fcle nennt. Dabei entdeckte er, dass sie wie ein Schl\u00fcssel in einem Schloss zusammenpassen. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, dass der Europ\u00e4ische Forschungsrat talentierten jungen Wissenschaftlern Zusch\u00fcsse gew\u00e4hrt, damit sie unabh\u00e4ngig von Professoren denken und wissenschaftliche Forschung nach eigenem Ermessen betreiben k\u00f6nnen. Auf diese Weise baut Europa eine unabh\u00e4ngige Denkgruppe mit exzellenten wissenschaftlichen Forschern auf. Unabh\u00e4ngigkeit bedeutet laut Lehn auch Verantwortung. Das bedeutet, dass junge Wissenschaftler sich die Zusch\u00fcsse verdienen, aber ihre Forschung letztlich auch zu Ergebnissen f\u00fchren muss.<\/p>\n<h4>Tipp 3: Geben Sie talentierten Forschern viel Zeit<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/events\/cf\/european-research-and-innovation-days\/speaker.cfm?id=2019\">Emmanuelle Charpentier<\/a> ist wissenschaftliche Leiterin der Abteilung f\u00fcr Pathogene bzw. Krankheitserreger am Max-Planck-Institut. Sie gewann 2018 den <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kavli_Prize\">Kavli-Preis<\/a>. Sie ist Mikrobiologin und entdeckte, wie sich Bakterien gegen Viren wehren. Das daraus entstehende Wissen wird f\u00fcr die Gentechnik genutzt. Sie vertritt die Meinung, dass gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die Forschung vorgesehen werden sollte. Andernfalls ist Grundlagenforschung nicht m\u00f6glich. \u201eIch h\u00f6re von jungen Wissenschaftlern, dass sie nur drei Jahre Zeit haben, um etwas zu erfinden. Das ist viel zu kurz.\u201c Besser ist es, Stipendien zu vergeben, die eine langfristige Forschung &#8211; 10 bis 20 Jahre &#8211; erm\u00f6glichen, damit die Wissenschaftler Zeit zum Nachdenken haben. Politiker wollen schnelle Ergebnisse. Das ist nicht der richtige Weg\u201c, f\u00fcgte die ehemalige Pr\u00e4sidentin des Europ\u00e4ischen Forschungsrates Helga Nowotny hinzu. Sie leitete die Diskussion. \u201eForschung und Denken brauchen Zeit, um zu reifen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_188277\" aria-describedby=\"caption-attachment-188277\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-188277\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/nobel-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"619\" height=\"464\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-188277\" class=\"wp-caption-text\">v.l.n.r.: Professoren Emanuelle Charpentier, Ben Feringa, Gespr\u00e4chsleiterin und ehemalige Professorin Helga Nowotny, Professoren Virginijus Siksnys, Christine Petit und Jean Marie Lehn.<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen Ende der Europ\u00e4ischen Innovationstage gaben renommierte Wissenschaftler der Europ\u00e4ische Kommission und Politiker Ratschl\u00e4ge, worauf sie bei der Forschungsfinanzierung mit Geldern des Horizon-Fonds der EU achten sollten (in H\u00f6he von rund 100 Milliarden Euro). 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