{"id":187093,"date":"2019-09-24T14:00:21","date_gmt":"2019-09-24T12:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=187093"},"modified":"2019-09-24T14:00:21","modified_gmt":"2019-09-24T12:00:21","slug":"187093-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/187093-2\/","title":{"rendered":"Der Einfluss der Antibabypille auf die Denkf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Neurobiologin Belinda Pletzer von der <em>Universit\u00e4t Salzburg<\/em> untersucht die psychische Wirkung der Antibabypille. Dabei konzentriert sie sich auf die neurobiologischen Auswirkungen auf die Strukturen im Gehirn \u2013 und ob diese reversibel sind. Interessierend ist vor allem die Pubert\u00e4t als sensible Phase der Gehirnentwicklung.<\/p>\n<p>Es gibt etwa 9000 Studien zu Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen der Pille. Neben k\u00f6rperlichen Erscheinungen wie Gewichtszunahme, Bluthochdruck und Thrombosen wurden auch bereits psychische Auswirkungen untersucht. Bis jetzt waren es aber erst etwa f\u00fcnfzehn Studien, die sich mit dem Einfluss der Antibabypille auf das Gehirn besch\u00e4ftigten. Die Ursache psychischer Auswirkungen im Gehirn zu beobachten, ist auch f\u00fcr Pletzer, die unter anderem Biologie und Psychologie studiert hat, die geeignete Methode.<\/p>\n<p>Die Forscherin widmet sich in ihrer Studie Antibabypillen mit zwei unterschiedlichen Wirkstoffen:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Levonorgestrel<\/em> hat androgene \u2013 eher verm\u00e4nnlichende \u2013 Wirkung;<\/li>\n<li><em>Drospirenon<\/em> hat anti-androgene \u2013 eher verweiblichende \u2013 Wirkung;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Frauen reagieren emotional sehr unterschiedlich auf die Einnahme der verschiedenen verf\u00fcgbaren Antibabypillen. Dazu Pletzer:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBei manchen Frauen f\u00fchrt die Einnahme zu depressiven Verstimmungen. Bei anderen hat diese einen stabilisierenden Effekt. Schlie\u00dflich werden manche Antibabypillen auch bei <em>pr\u00e4menstruellem Syndrom<\/em> (PMS) verschrieben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>PMS bezeichnet komplexe k\u00f6rperliche und emotionale Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus der Frau.<\/p>\n<h3>Tests zur Denkf\u00e4higkeit<\/h3>\n<p>Das Projekt soll zeigen, was Frauen, welche die Antibabypille gut vertragen, von Frauen unterscheidet, bei denen dies nicht der Fall ist. Weiters soll untersucht werden, wie die verschiedenen Antibabypillen das Gehirn w\u00e4hrend sensibler Perioden der Gehirnentwicklung wie der Pubert\u00e4t beeinflussen.<\/p>\n<p>Die Tests erfolgen mithilfe von fMRT-Scans an der <a href=\"https:\/\/salk.at\/Christian-Doppler-Klinik.html\">Christian Doppler Klinik<\/a>. Die Probandinnen m\u00fcssen verschiedene kognitive Aufgaben l\u00f6sen und die Scans dokumentieren, ob sich durch die Pilleneinnahme die Gehirnstruktur oder Gehirnaktivierung ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Tests erfolgen vor, w\u00e4hrend und nach der Antibabypillen-Einnahme. Nach dem Absetzen der Antibabypille wird gepr\u00fcft, ob der Einfluss reversibel ist.<\/p>\n<p>Pletzer ist am <a href=\"https:\/\/www.uni-salzburg.at\/index.php?id=143\"><em>Centre for Cognitive Neuroscience<\/em><\/a> in Salzburg t\u00e4tig. Ihrem Projekt wurde ein <em>Starting Grant des Europ\u00e4ischen Forschungsrats<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.eubuero.de\/erc-stg.htm#StG\">ERC<\/a>) zuerkannt, der mit 1,5 Millionen Euro dotiert ist. Die 36-j\u00e4hrige Ausnahmeforscherin hat Biologie, Psychologie, Philosophie und Mathematik studiert und hat ein doppeltes Doktorat. Au\u00dferdem ist sie Mutter von vier Kindern. Die F\u00f6rderung l\u00e4uft \u00fcber f\u00fcnf Jahre und erm\u00f6glicht ihr eine umfassende Studie mit 300 Probandinnen.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/ccns.sbg.ac.at\/people\/pletzer\/\">Belinda Pletzer<\/a> im Interview:<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_187096\" aria-describedby=\"caption-attachment-187096\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-187096 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Belinda_Pletzer_2_01-400x600.jpg\" alt=\"DDR. Belinda Pletzer , NAWI Salzburg\" width=\"400\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-187096\" class=\"wp-caption-text\">DDR. Belinda Pletzer, Universit\u00e4t Salzburg (c) Andreas Kolarik\/Herbert Rohrer<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Hat es einen Grund, warum es bisher noch kaum Studien zur Auswirkung der Pille auf die Psyche gibt?<\/h4>\n<p>Wenn man von Psyche spricht, denkt man an emotionales Befinden. Schon seit den 1960er Jahren ist bekannt, dass die Pille Auswirkungen auf die Psyche hat. Es gibt auch Studien dazu, aber die Ergebnisse sind zwiegespalten. Manche Studien weisen erh\u00f6hte Depression nach, andere stabilisierende Effekte auf das emotionale Befinden. Es gibt beides, Frauen reagieren verschieden. Diese Effekte wurden von Frauen\u00e4rzten beobachtet und in Studien belegt.<\/p>\n<p>Ich denke bei Psyche an die neurobiologischen Strukturen im Gehirn \u2013 und dazu gibt es noch kaum geeignete Untersuchungen. Zum Beispiel gibt es Studien, die im Gruppenvergleich untersuchten, ob sich die Gehirnstruktur von Frauen welche die Pille nehmen, von jenen unterscheidet, die sie nicht nehmen. Das ist methodisch zweifelhaft. Jeder Mensch ist anders.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchren eine Longitudinal-Studie durch und vergleichen die Entwicklung der Gehirnstruktur von Frauen, bevor, w\u00e4hrend und nachdem sie die Pille genommen haben.<\/p>\n<h4>Welcher Art sind die kognitiven Aufgaben, welche die Probandinnen w\u00e4hrend der Tests erf\u00fcllen m\u00fcssen?<\/h4>\n<p>Dadurch, dass es in dem Bereich noch kaum Studien gibt, versuchen wir die Kognition m\u00f6glichst breit abzudecken. In der Regel sind dies die Aspekte: r\u00e4umlich, verbal und Ged\u00e4chtnis. Wir testen<\/p>\n<ul>\n<li>Navigationsaufgaben<\/li>\n<li>Arbeitsged\u00e4chtnis<\/li>\n<li>Verbale Fl\u00fcssigkeit<\/li>\n<li>Gesichtserkennung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu Gesichtserkennung haben wir eine Vorstudie, in der wir zeigen konnten, dass die Gesichtserkennung bei Einnahme von bestimmten Arten der Antibabypille besser ist. Die Gesichtserkennung korreliert mit der grauen Masse in der Gehirnregion, die f\u00fcr die Gesichtserkennung zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von uns hat sich eine andere Gruppe die Gehirnaktivierung angesehen, die ebenso korreliert. Je l\u00e4nger die Frauen die Pille einnehmen, umso mehr.<\/p>\n<p>Gesichtserkennung k\u00f6nnte man einreihen in die Studien, welche den Einfluss der Antibabypille auf das Ged\u00e4chtnis untersucht haben. Tats\u00e4chlich und mit ganz viel Vorsicht kann man sagen: Der gemeinsame Nenner der wenigen vorhandenen Studien ist, dass sich Ged\u00e4chtnisleistung durch die Einnahme der Antibabypille leicht zu verbessern scheint.<\/p>\n<p>Das sagt nicht, dass die Einnahme der Antibabypille positiv oder negativ ist, sondern lediglich, dass sie eine Auswirkung haben k\u00f6nnte. Da jede Frau anders auf die Pilleneinnahme reagiert und es noch kaum geeignete Studien gibt, kann man auch noch keine Empfehlung abgeben.<\/p>\n<h4>Welche Befunde zum Thema gibt es aus vorangehenden Studien?<\/h4>\n<p>Grundlage f\u00fcr unsere Hypothesen sind Befunde, wie k\u00f6rpereigene Hormone auf das Gehirn wirken. Wir haben uns eine Reihe von Gehirnregionen angesehen, die immer &#8211; in verschiedenen Studien und bei verschiedenen Probandinnen &#8211; \u00e4hnlich auf Hormone reagieren. Wenn \u00d6stradiol ansteigt, dann gibt es mehr graue Masse und mehr Aktivit\u00e4t im Hippocampus. Weil in der Pille meist ein sehr starkes synthetisches \u00d6strogen (Ethinyl-\u00d6stradiol) enthalten ist, erwarten wir uns einen \u00e4hnlichen Effekt. Aber das ist noch zu zeigen.<\/p>\n<p>Anmerkung: \u00d6stradiol ist ein Sexualhormon und im Vergleich mit Estron und Estriol das wirksamste nat\u00fcrliche Estrogen (\u00d6strogen). Es wird vor allem in den Follikeln der Eierst\u00f6cke gebildet.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h4>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-erkenntnisse-zu-orientierungsablaeufen-im-gehirn\/\">Neue Erkenntnisse zu Orientierungsabl\u00e4ufen im Gehirn<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/wie-das-gehirn-zwischen-stimme-und-klang-unterscheidet\/\">Wie das Gehirn zwischen Stimme und Klang unterscheidet<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/studie-per-ki-gehirn-von-maennern-und-frauen-unterscheidet-sich\/\">Studie per KI: Gehirn von M\u00e4nnern und Frauen unterscheidet sich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neurobiologin Belinda Pletzer von der Universit\u00e4t Salzburg untersucht die psychische Wirkung der Antibabypille. 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