{"id":186074,"date":"2019-09-18T23:53:29","date_gmt":"2019-09-18T21:53:29","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=186074"},"modified":"2019-09-18T23:53:29","modified_gmt":"2019-09-18T21:53:29","slug":"pflanze-aus-traditioneller-chinesischer-medizin-wirkt-gegen-schwarzen-hautkrebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/pflanze-aus-traditioneller-chinesischer-medizin-wirkt-gegen-schwarzen-hautkrebs\/","title":{"rendered":"Pflanze aus Traditioneller Chinesischer Medizin wirkt gegen schwarzen Hautkrebs"},"content":{"rendered":"<p>Der schwarze Hautkrebs ist eine der gef\u00e4hrlichsten Krebsarten. In \u00d6sterreich erkranken j\u00e4hrlich 5000 Menschen daran. Die Zahl der F\u00e4lle ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Vor drei\u00dfig Jahren waren es noch f\u00fcnfhundert Menschen, die am schwarzen Hautkrebs erkrankt sind.<\/p>\n<p>Die Sterblichkeit ist hingegen nur gering angestiegen. Bei fr\u00fcher Erkennung stehen die Heilungschancen gut. Aber sobald sich Metastasen gebildet haben, sinken die Chancen f\u00fcr eine Heilung rapide. Das liegt auch daran, dass es kaum langfristig effektive Behandlungsm\u00f6glichkeiten gibt (Quelle: \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Dermatologie (<a href=\"https:\/\/www.oegdv.at\/web2\/\">\u00d6GDV<\/a>)).<\/p>\n<h3>Bio-aktive Substanzen aus Pflanzen<\/h3>\n<p>Am <a href=\"https:\/\/pharmazie.uni-graz.at\/\">Institut f\u00fcr Pharmazeutische Medizin<\/a> an der Universit\u00e4t Graz forscht man schon seit vielen Jahren an Naturstoffen, die f\u00fcr die Behandlung von Krebs eingesetzt werden k\u00f6nnen. Jetzt gelang dem Team ein Durchbruch, der die Heilungschancen von schwarzem Hautkrebs auch in fortgeschrittenem Stadium erm\u00f6glichen k\u00f6nnte. Ein Wirkstoff aus der Wurzel der Pflanze <em>Onosma paniculata<\/em>, eine Art von<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lotwurzen\"> Lotwurz<\/a>, konnte erfolgreich an Krebszellen und an M\u00e4usen getestet werden. Weiters gelang es den Forschern, den Wirkstoff zu modifizieren und die Wirkung weiter zu verbessern.<\/p>\n<p>Das Projekt wurde in einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit mit der <a href=\"https:\/\/www.tum.de\/\"><em>TU M\u00fcnchen<\/em><\/a> und dem <a href=\"https:\/\/www.helmholtz-muenchen.de\/\"><em>Helmholtz Institut M\u00fcnchen<\/em><\/a> durchgef\u00fchrt. Die Projektleitung lag bei <a href=\"https:\/\/pharmazie.uni-graz.at\/de\/mitarbeiten\/pharmakognosie\/bauer-rudolf-univ-prof-drrernat\/\">Rudolf Bauer<\/a> vom Institut f\u00fcr <em>Pharmazeutische Wissenschaften<\/em> (<a href=\"https:\/\/pharmazie.uni-graz.at\/en\/research\/pharmacognosy\/description\/\">Pharmakognosie<\/a>) an der Universit\u00e4t Graz. Er erforscht schon seit f\u00fcnfzehn Jahren Heilpflanzen aus der traditionellen Medizin, um bioaktive Inhaltsstoffe zu identifizieren und neue Leitsubstanzen zu entdecken.<\/p>\n<p>Forschungsziel war es, die Pflanzen zu ermitteln, die in der TCM als Heilmittel gegen krebs\u00e4hnliche Erkrankungen verwendet werden. Krebs\u00e4hnlich, weil die Definition des Begriffs Krebs in der TCM von jener in der westlichen Medizin abweicht, erkl\u00e4rt Nadine Kretschmer, Projektmitarbeiterin und Biologin an der <em>Medizinischen Universit\u00e4t<\/em> Graz. Weiters sollte deren Eignung als Wirkstoff f\u00fcr ein Medikament getestet werden. Circa achtzig Prozent aller Chemotherapeutika haben ihren Ursprung in der Natur, vor allem in Pflanzen. Allein in der Krebstherapie sind es siebzig Prozent. &#8220;Die Wirkstoffe, die am Markt sind, werden meistens noch weiter synthetisch modifiziert um die Wirkung zu optimieren. F\u00fcr die kommerzielle Herstellung werden die Wirkstoffe dann in der Regel synthetisch oder biotechnologisch hergestellt,&#8221; so Kretschmer.<\/p>\n<h3>Pflanzen aus der traditionellen Medizin<\/h3>\n<p>Der Beitrag den die Universit\u00e4t Graz zum Projekt leistete, basierte auf einer im Lauf der Jahre angewachsenen Datenbank mit mehreren hundert Heilpflanzen aus der traditionellen Medizin. Im vorliegenden Projekt lag der Fokus auf Pflanzen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Der Beitrag, den die deutschen Partner leisteten, war die Durchf\u00fchrung von RNA (Ribonukleins\u00e4ure)-Sequenzierungen und ersten Auswertungen. RNA-Sequenzierungen dienen der Bestimmung der Nukleotidabfolge in der RNA und zeigen, wie die genetische Information eines Gens zum Ausdruck kommt.<\/p>\n<p>In das Projekt gingen die sechsundsiebzig aussichtsreichsten Proben aus der Datenbank ein. Diese wurden getrocknet, zu 253 Extrakten verarbeitet und an verschiedenen Krebszellen getestet. Am Ende war es die <em>Onosma paniculata Bureau &amp; Franch<\/em>., eine Art von Lotwurz, die das Potenzial f\u00fcr weitere Studien hatte. Die wirkungsvolle Substanz <em>\u03b2-\u03b2-Dimethylacrylshikonin (DMAS)<\/em> kommt in der Wurzel der Pflanze vor.<\/p>\n<h3>Keine Nebenwirkungen<\/h3>\n<p>Im Experiment wurde die Substanz an Zellen von malignen Melanomen getestet. Die Substanz zerst\u00f6rte die Zellen &#8211; womit deren Wirksamkeit belegt werden konnte. Um die Substanz auf Nebenwirkungen zu testen, wurden erste in-vivo-Tests an M\u00e4usen durchgef\u00fchrt, die an Hautkrebs erkrankt waren. Das <em>\u03b2-\u03b2-Dimethylacrylshikonin<\/em> wurde direkt in den Tumor gespritzt, wo es dessen Ver\u00e4nderung und Absterben bewirkte. Beobachtet wurden zwei Arten von Absterben:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Apoptose, als ein vom K\u00f6rper induziertes, kontrolliertes Absterben<\/li>\n<li>Die Nekrose, als unkontrolliertes Absterben;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nebenwirkungen gab es keine.<\/p>\n<h3>Zwei Folgeprojekte geplant<\/h3>\n<p>Anschlie\u00dfende Versuche hatten das Ziel, die Substanz zu modifizieren, um die Wirksamkeit zu verbessern. Dabei zeigte sich ein bestimmtes Shikoninderivat als besonders wirkungsvoll. Womit erwiesen werden konnte, dass sich die Substanz zur Entwicklung eines Medikaments eignet. Bis dahin sind allerdings noch zwei Folgeprojekte geplant. Es bedarf noch gr\u00f6\u00dferer Studien und auch die Art der Verabreichung sei noch offen, erkl\u00e4rt Kretschmer.<\/p>\n<p>Kretschmer betont, dass die TCM lediglich Inspiration f\u00fcr den Wirkstoff war. Nach wie vor sei nicht klar, wie dieser in der TCM wirkt. In der TCM werden \u00fcblicherweise keinen einzelnen Pflanzen verwendet, sondern Pflanzenmischungen. Diese werden teeartig zubereitet. Im Versuch die Wirkung der TCM zu entschl\u00fcsseln, kochte das Team die getrocknete Pflanze im Verfahren der TCM und setzte sie im Zellkulturexperiment ein. Dabei war allerdings keine Antitumorwirkung zu beobachten. Mehr Potenzial sieht Kretschmer in einer \u00f6lbasierten Zubereitungsmethode, die auf die betroffenen Hautstellen aufgebracht wird. Weil darin die Shikonine in h\u00f6herer Konzentration vorhanden sind.<\/p>\n<h3>\u00dcberpr\u00fcfung der Identit\u00e4t der Pflanzenarten<\/h3>\n<p>Weiters wurde im Verlauf des Projekts die Identit\u00e4t der als TCM-Mittel verkauften Lotwurz-Arten getestet. \u201eEs gibt Wurzeln, die der von uns untersuchten Pflanze sehr \u00e4hnlich sehen und wir haben festgestellt, dass die Arten in China oft unter falschen Namen verkauft werden.\u201c Das ist problematisch, weil in manchen der verkauften Pflanzen Stoffe enthalten sind, die sch\u00e4dlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kretschmer und das Forschungsteam fanden eine technische L\u00f6sung f\u00fcr das Problem: eine d\u00fcnnschicht-chromatografische Methode, mit der die Pflanzen unterschieden werden k\u00f6nnen. Die Innovation basiert auf einem CAMAG-System und ist einfach genug, um auch in Apotheken angewendet zu werden.<\/p>\n<p>Die D\u00fcnnschicht-Chromatografie (engl.: thin layer chromatography (TLC)) ist ein physikalisch-chemisches Trennverfahren, das zur Untersuchung der Zusammensetzung von Proben genutzt wird.<\/p>\n<p>Das Grundlagenprojekt wurde vom Wissenschaftsfonds <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/\">FWF<\/a> gef\u00f6rdert und wurde Anfang 2019 abgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Publikationen:<\/strong><\/p>\n<p>Kretschmer, N.; Deutsch, A.; Durchschein, C.; Rinner, B.; Stallinger, A.; Higareda-Almaraz, J.C.; Scheideler, M.; Lohberger, B.; Bauer, R.: Comparative Gene Expression Analysis in WM164 Melanoma Cells Revealed That \u03b2-\u03b2-Dimethylacrylshikonin Leads to ROS Generation, Loss of Mitochondrial Membrane Potential, and Autophagy Induction, in: Molecules 2018, 23<\/p>\n<p>Durchschein, C.; Hufner, A.; Rinner, B.; Stallinger, A.; Deutsch, A.; Lohberger, B.; Bauer, R.; Kretschmer, N.: Synthesis of Novel Shikonin Derivatives and Pharmacological Effects of Cyclopropylacetylshikonin on Melanoma Cells, in: Molecules 2018, 23<\/p>\n<p>Jahanafrooz, Z; Stallinger, A; Anders, I; Kleinegger, F; Lohberger, B; Durchschein, C; Bauer, R; Deutsch, A; Rinner, B; Kretschmer, N.: Influence of silibinin and \u03b2-\u03b2-dimethylacrylshikonin on chordoma cells, in: Phytomedicine 2018, 49<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/fehler-im-werdegang-von-zellen-helfen-krebserregende-ereignisse-zu-verstehen\/\">Fehler im Werdegang von Zellen helfen krebserregende Ereignisse zu verstehen<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/doppeltherapie-zur-senkung-der-rueckfallquote-bei-krebs\/\">Doppeltherapie zur Senkung der R\u00fcckfallquote bei Krebs<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der schwarze Hautkrebs ist eine der gef\u00e4hrlichsten Krebsarten. 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