{"id":185391,"date":"2019-09-13T17:00:36","date_gmt":"2019-09-13T15:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=185391"},"modified":"2019-09-13T17:00:36","modified_gmt":"2019-09-13T15:00:36","slug":"185391-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/185391-2\/","title":{"rendered":"Umwelt- und Sozialwissenschaft wichtige Aspekte der Bio\u00f6konomie"},"content":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur in Wien deckt alle Forschungsebenen der Bio\u00f6konomie ab und sieht darin ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Um die umfassende Forschung universit\u00e4tsintern koordinieren zu k\u00f6nnen, wurde jetzt ein <em>Zentrum f\u00fcr Bio\u00f6konomie<\/em> geschaffen.<\/p>\n<p>Der Begriff Bio\u00f6konomie bezeichnet das Streben nach einer Wirtschaftsform, in der Technologie und \u00d6kologie in Einklang gebracht werden. Ma\u00dfnahmen sind die Nutzung nachwachsender Ressourcen und die Reduktion fossiler Rohstoffimporte.<\/p>\n<p>An der\u00a0<a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\"><em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em><\/a> in Wien (BOKU Wien) ist Bio\u00f6konomie Programm: Mehr als achtzig Prozent der Institute forschen in dem Themenbereich. Der Schwerpunkt sei traditionell gewachsen, erkl\u00e4rt Martin Greimel, der Leiter des <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/en\/oeffentlichkeitsarbeit\/themen\/biooekonomie\"><em>Zentrums f\u00fcr Bio\u00f6konomie<\/em><\/a>. Die Universit\u00e4t habe von jeher Naturwissenschaften, Technologie und Sozialwissenschaften abgedeckt. Die Ausrichtung auf Bio\u00f6konomie sei 2016 in einer Selbstevaluierung mit internationaler Expertenbeteiligung erfolgt. Auf Basis einer St\u00e4rken\/Schw\u00e4chen Analyse wurde daraufhin 2019 das Zentrum f\u00fcr Bio\u00f6konomie gegr\u00fcndet, so Greimel.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fcchte der konsequenten Ausrichtung finden auch international immer wieder Anerkennung. Ein Vorzeigeprojekt ist <em>Carbofeed<\/em> &#8211; eine Methode, mit der CO2 auf Basis einer neuartigen Hefe, zu einem Tierfutterzusatz verarbeitet werden kann. Greimel: \u201eDamit kann CO\u00b2 als Rohstoffquelle nachhaltig nutzbar gemacht werden. Die Umwelt profitiert dabei ebenfalls, da keine zus\u00e4tzlichen landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen zur Tierfutterproduktion gebraucht werden.\u201c<\/p>\n<p><em>Den Link zum Projekt finden Sie <\/em><a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/biotec\/arbeitsgruppenresearch-groups\/research-group-mattanovich-gasser-sauer\/news\/transforming-co2-into-animal-feed\"><em>hier<\/em><\/a><\/p>\n<p>Zuletzt war die <em>BOKU Wien<\/em> auch federf\u00fchrend an der Entwicklung der <em>\u00d6sterreichischen Bio\u00f6konomiestrategie<\/em> beteiligt, die das <em>Bundesministerium f\u00fcr Nachhaltigkeit<\/em> 2018 in Auftrag gab.<\/p>\n<p>Im folgenden Interview gibt Martin Greimel Einblick in die Strategie:<\/p>\n<h4>Die Wirtschaft von nicht nachwachsenden Rohstoffen auf nachwachsende umzustellen ist eine der wirkungsvollsten Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel \u2013 so das Credo der <em>BOKU Wien<\/em>. Gleichzeitig scheint das Ideal unerreichbar. Von Ihnen kommt die Aussage: \u201eWenn wir in \u00d6sterreich alles auf nachwachsende Rohstoffe umstellen w\u00fcrden, br\u00e4uchten wir 50 Prozent mehr an Anbaufl\u00e4che. Was genau w\u00e4re das Szenario?<\/h4>\n<p>Bei dieser Aussage beziehe ich mich auf die Ergebnisse des von der BOKU Wien geleiteten Projektes <em>BioTransform.at<\/em>. Bei diesem Projekt wurde analysiert ob, beziehungsweise wie, auf Basis inl\u00e4ndischer Biomasse bis 2050 die Transformation zu einer <em>low carbon bioeconomy<\/em> in \u00d6sterreich m\u00f6glich w\u00e4re. In den dort vorgestellten Szenarios versuchen wir Entwicklungspfade dazustellen, wie mit der derzeitigen Fl\u00e4che &#8211; und den derzeitigen Importen &#8211; eine Umstellung von fossilen auf erneuerbare Rohstoffe m\u00f6glich w\u00e4re. Als R\u00fcckrechnung kann ermittelt werden, dass bei gleichbleibendem Konsum ein Fl\u00e4chenmehrbedarf von f\u00fcnfzig Prozent notwendig w\u00e4re &#8211; oder ein \u00e4quivalenter Import.<\/p>\n<p><em>Den Link zum Projekt finden Sie <\/em><a href=\"https:\/\/www.energyagency.at\/projekte-forschung\/energie-klimapolitik\/detail\/artikel\/biotransformat-perspektiven-fuer-die-etablierung-einer-auf-inlaendischen-ressourcen-basierenden-bio.html?no_cache=1&amp;cHash=b79b385a7176da672cdbe9c4dbca70e2\"><em>hier<\/em><\/a><\/p>\n<h4>Gibt es an der Bio\u00f6konomie-Strategie so etwas wie eine \u00f6sterreichische Perspektive?<\/h4>\n<p>Fast allen Strategien gemeinsam ist die Erzeugung biobasierter Rohstoffe zu Wasser zu Land und aus Abf\u00e4llen. Sowohl die Herstellung von Energie und Lebens- und Futtermitteln als auch jene von Materialien, Chemikalien und Pharmazeutika soll biobasiert erfolgen. Weiters sind auch biologische Be- und Verarbeitungsprozesse erforderlich.<\/p>\n<p>Spezifisch an der Bio\u00f6konomie-Strategie \u00d6sterreichs ist ein zus\u00e4tzlicher Fokus auf die Beachtung des Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsprinzips sowie die Miteinbeziehung relevanter Dienstleistungen und sozialwissenschaftliche Aspekte.<\/p>\n<h4>Die Schl\u00fcsselsektoren in der Bio\u00f6konomie-Strategie \u00d6sterreichs sind Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. Welche Ma\u00dfnahmen wurden f\u00fcr diese Sektoren entwickelt?<\/h4>\n<p>Durch den Klimawandel ergibt sich eine neue Herausforderung hinsichtlich der Versorgung. Laut Bio\u00f6konomie-Strategie will \u00d6sterreich auf eine optimierte Pflanzenzucht der Hauptfr\u00fcchte und der Baumarten des Waldes setzen. Man erwartet sich von neuen Fr\u00fcchten eine nachhaltige Einnahmequelle. Weiters erwartet man sich hohes \u00f6kologisches und \u00f6konomisches Potenzial<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0von Aquakulturen als sinnvoller Erg\u00e4nzung zu Land- und Forstwirtschaft;<\/li>\n<li>\u00a0von neuen Anwendungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Algenbiomasse im Lebensmittelbereich und bei Pharmazeutika;<\/li>\n<li>von der Erschlie\u00dfung zus\u00e4tzlicher Eiwei\u00dfquellen und Sonderkulturen;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen stehen nur teilweise im Fokus der <em>BOKU Wien<\/em>. Zum Beispiel haben wir derzeit wenige Aktivit\u00e4ten im Bereich Aquakulturen.<\/p>\n<h4>An welche Industriezweige ist zu denken, wenn es um neue, intelligente und biobasierte Produkte in \u00d6sterreich geht?<\/h4>\n<p>Die Zielsetzung alle Produkte und Verarbeitungs- sowie Bearbeitungsmethoden biobasiert herzustellen, betrifft sowohl bestehende Produkte, als auch innovative neue Produkte. \u00d6sterreich hat traditionell eine St\u00e4rke in Zellstoff- und Faserprodukten sowie S\u00e4ge- und Holzprodukten und k\u00f6nnte als Technologief\u00fchrer innerhalb Europas positioniert werden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr ein neues, innovatives Produkt w\u00e4re zum Beispiel das Lignin aus dem Holz. Dieses wurde bisher in den meisten F\u00e4llen zur Energiegewinnung verheizt. Die relevanten Institute an der <em>BOKU Wien<\/em> forschen an neuen ligninbasierten Produkten wie zum Beispiel Kleber, Parf\u00fcms, Pharmazeutika und Kosmetika.<\/p>\n<h4>Sie sprechen von einem erh\u00f6hten Bedarf an umwelt- und sozialwissenschaftlicher Forschung. Welche Probleme sind vordringlich?<\/h4>\n<p>Die Bio\u00f6konomie hat sich in der Vergangenheit auf die L\u00f6sung technologischer Probleme konzentriert, wie etwa Rohstoffbereitstellung, Technologien zur Aufbereitung der Biomasse, etcetera. In vielen F\u00e4llen wurden bereits gute Ergebnisse gefunden &#8211; zumindest im Laborma\u00dfstab. Dabei wurden jedoch h\u00e4ufig umwelt- und sozialwissenschaftliche Aspekte vernachl\u00e4ssigt. Dies hat zum Beispiel zu einer Tank\/Trog\/Teller Problematik gef\u00fchrt. Gemeint ist eine Konkurrenz zwischen Tank, Trog und Teller &#8211; also zwischen Biokraftstoffen und Futter- sowie Nahrungsmitteln.<\/p>\n<p>Das hat die gew\u00fcnschten positiven Ergebnisse der Bio\u00f6konomie verz\u00f6gert. Deshalb ist es wichtig, die Forschung zu den umweltwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Aspekten zu verst\u00e4rken. Im umweltpolitischen Bereich geht es um Themen wie Technologiefolgenabsch\u00e4tzung, Carbon Footprint und Biodiversit\u00e4t. Im sozialwissenschaftlichen Bereich geht es unter anderem um Standards, gesetzliche Regelungen, Ethik und Landnutzungskonflikte.<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hefen-als-natuerliche-eiweissquelle-fuer-tierfutter\/\">Hefen als alternative Eiwei\u00dfquelle f\u00fcr Tierfutter<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/180345-2\/\">Tief wurzelnde Pflanzen k\u00f6nnten trockene B\u00f6den nutzbar machen<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/europaeische-forscher-fordern-die-freigabe-des-genome-editing-fuer-die-landwirtschaft\/\">Europ\u00e4ische Forscher fordern die Freigabe des Genome-Editing f\u00fcr die Landwirtschaft<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schuttbedeckte-gletscher-als-folge-der-globalen-erwaermung\/\">Schuttbedeckte Gletscher als Folge der globalen Erw\u00e4rmung<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-qualitaetssicherungs-methode-soll-die-wiederverwertung-von-erde-aus-bodenaushubmaterial-anregen\/\">Forscher monieren die ungepr\u00fcfte Entsorgung von Erde aus Bodenaushubmaterial<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/wie-touristische-regionen-ihre-abfallwirtschaft-nachhaltig-optimieren\/\">Wie touristische Regionen ihre Abfallwirtschaft nachhaltig optimieren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur in Wien deckt alle Forschungsebenen der Bio\u00f6konomie ab und sieht darin ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. 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