{"id":183867,"date":"2019-09-04T08:00:46","date_gmt":"2019-09-04T06:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=183867"},"modified":"2019-09-04T08:00:46","modified_gmt":"2019-09-04T06:00:46","slug":"klimaerwaermung-trauben-reifen-schneller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/klimaerwaermung-trauben-reifen-schneller\/","title":{"rendered":"Klimaerw\u00e4rmung: Trauben reifen schneller"},"content":{"rendered":"<p>Woran erkennt der Winzer, dass die Trauben reif sind? Nach der traditionellen Methode kostet er h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Und zwar wie folgt: Traube in den Mund nehmen, reinbei\u00dfen, den Saft herauslaufen lassen und dabei H\u00f6he von Zucker- und Alkoholgehalt bestimmen. Und genau letzterer k\u00f6nnte in den klassischen Anbaugebieten in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten zum Thema werden. Denn laut einer Studie der <a href=\"https:\/\/www.unibe.ch\/\">Universit\u00e4t Bern<\/a> beginnt die Traubenernte seit gut 30 Jahren im Burgund durchschnittlich 13 Tage fr\u00fcher als in den \u2013 sage und schreibe \u2013 vergangenen sechs Jahrhunderten.<\/p>\n<h3>Trauben reagieren empfindlich auf Schwankungen<\/h3>\n<p>Dieses Ergebnis ist einerseits f\u00fcr Winzerinnen und Winzer sowie Weinliebhaber interessant. Denn Trauben reagieren sehr empfindlich auf Temperatur und Regen. H\u00f6here Temperaturen lassen die Trauben schneller reifen. Und die damit einhergehende, zunehmende Trockenheit bringt auch einen h\u00f6heren Alkoholgehalt. Und dieser ist so gar nicht gewollt. Nicht nur, dass der Trend zu leichteren Weinen geht. Weine mit einem zu hohen Alkoholgehalt schmecken auch leicht \u201ebrandig\u201c. Um dies zu vermeiden, ist nun die hohe Ingenieurskunst \u2013 hier sind die Deutschen \u00fcbrigens weltweit f\u00fchrend \u2013 des Keltermeisters gefragt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_184142\" aria-describedby=\"caption-attachment-184142\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-184142\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Winzer_20-002-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-184142\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Deutsches Weininstitut, deutscheweine.de<\/figcaption><\/figure>\n<p>Laut Frank R. Schulz, Abteilungsleiter Kommunikation des <a href=\"https:\/\/www.deutscheweine.de\/\">Deutschen Weininstituts<\/a>, k\u00f6nnen die Deutschen Winzer zumindest kurzzeitig die momentane Situation zu ihren Gunsten nutzen: Hier wachsen mittlerweile Welt-Rebsorten, wie Merlot oder Sauvignon Blanc, die bisher nur in S\u00fcdeuropa heimisch waren. W\u00e4hrend wiederum in Spanien die Traubenernte aufgrund der Trockenheit deutlich geringer ausf\u00e4llt, als in den Jahren zuvor. Und sogar im Norden Deutschlands, wie auf Sylt oder in Schleswig-Holstein, wird derzeit versucht, Rebsorten gedeihen zu lassen. Und nicht zuletzt zeigt auch der Schaumweinanbau im S\u00fcden Englands, dass sich die Weinregionen langfristig verschieben k\u00f6nnten. Um auf die klimatischen Ver\u00e4nderungen reagieren zu k\u00f6nnen, wird in den s\u00fcdlichen Regionen an den Z\u00fcchtungen gefeilt: Eine dickere Haut beispielsweise macht die Trauben etwas widerstandsf\u00e4higer.<\/p>\n<h3>Trauben als Klimaproxy<\/h3>\n<p>Mit ihrer Wetterempfindlichkeit eignen Trauben gleichzeitig sehr gut f\u00fcr einen Blick in die Klimavergangenheit. So l\u00e4sst sich der Erntebeginn hervorragend als sogenannter Klimaproxy nutzen. Dies ist sozusagen ein indirekter Anzeiger f\u00fcr Ver\u00e4nderung, wie wir sie auch aus anderen nat\u00fcrlichen Archiven kennen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Baumringe, Eisbohrkerne und Korallen. Und: Historische Dokumente wie die Weinlese. Die Wissenschaftler aus Bern werteten f\u00fcr ihre Analyse Datenreihen zur Traubenernte der vergangenen 664 Jahre aus.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDass sich der beschleunigte Erw\u00e4rmungstrend seit den 1980er Jahren in dieser Zeitreihe so klar erkennen l\u00e4sst, haben wir nicht vorhergesehen&#8221;, erkl\u00e4rt Christian Pfister, emeritierter Professor f\u00fcr Klima- und Umweltgeschichte an der Universit\u00e4t Bern und Mitglied des <a href=\"https:\/\/www.unibe.ch\/center_generell\/a_title_strat_forschung\/sf_occr\/content\/index_ger.html\">Oeschger-Zentrums f\u00fcr Klimaforschung<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er war zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz, Frankreich und Deutschland f\u00fcr die Studie verantwortlich.<\/p>\n<h3>Aufzeichnungen zu Lohnzahlungen an Erntehelfer<\/h3>\n<p>Thomas Labb\u00e9, der Hauptautor der Studie, der an den Universit\u00e4ten von Burgund und Leipzig forscht, rekonstruierte die Daten der Traubenernte in Beaune, der Weinhauptstadt des Burgunds, minuti\u00f6s bis ins Jahr 1354 zur\u00fcck. Er nutzte dazu eine gro\u00dfe Anzahl unver\u00f6ffentlichter Archivquellen, darunter Informationen \u00fcber Lohnzahlungen an Traubenpfl\u00fccker, Aufzeichnungen aus dem Stadtrat von Beaune und Zeitungsberichte. Die ununterbrochene Aufzeichnung von Daten zur Traubenernte, ist die l\u00e4ngste rekonstruierte Zeitreihe dieser Art und endet im Jahr 2018.<\/p>\n<p>\u201eBei den Erntedaten lassen sich klar zwei Phasen erkennen\u201c, so Thomas Labb\u00e9. Bis 1987 seien die Trauben typischerweise ab dem 28. September gelesen worden. Seit 1988 aber habe die Weinlese im Durchschnitt 13 Tage fr\u00fcher eingesetzt. Die Analysen des Datenmaterials zeigen, dass in der Vergangenheit hei\u00dfe und trockene Jahre ungew\u00f6hnlich waren, in den letzten 30 Jahren aber zum Normalfall geworden sind. Das aus Historikern und Naturwissenschaftlern bestehende Forschungsteam hat seine Zeitreihen mit Hilfe von detaillierten Temperaturaufzeichnungen aus Paris \u00fcber die vergangenen 360 Jahre validiert. Dies erm\u00f6glichte eine Sch\u00e4tzung der Temperaturen zwischen April und Juli f\u00fcr die Region Beaune \u00fcber alle im Datensatz abgedeckten 664 Jahre.<\/p>\n<h3>Vom Wissen zum Handeln<\/h3>\n<p>\u201eDer \u00dcbergang zu einer schnellen globalen Warmphase nach 1988 zeigt sich sehr deutlich. Und es ist f\u00fcr alle offensichtlich, dass die vergangenen 30 Jahre au\u00dfergew\u00f6hnlich waren\u201c, beschreibt Christian Pfister.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch w\u00fcnsche mir, dass unsere Rekonstruktion dazu beitr\u00e4gt, dass die Menschen die Klimasituation, in der sich unser Planet befindet, realistisch zu beurteilen und endlich zu handeln beginnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese einzigartige Rekonstruktion zur Weinlese im Burgund wurde soeben in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.clim-past.net\/15\/1485\/2019\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eClimate of the Past\u201c<\/a> der European Geosciences Union (EGU) publiziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woran erkennt der Winzer, dass die Trauben reif sind? Nach der traditionellen Methode kostet er h\u00f6chstpers\u00f6nlich. 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