{"id":183024,"date":"2019-08-28T08:00:23","date_gmt":"2019-08-28T06:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=183024"},"modified":"2019-08-28T08:00:23","modified_gmt":"2019-08-28T06:00:23","slug":"professor-der-tu-wien-erteilt-dem-wasserstoffauto-eine-absage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/professor-der-tu-wien-erteilt-dem-wasserstoffauto-eine-absage\/","title":{"rendered":"Professor der TU Wien erteilt dem Wasserstoffauto eine Absage"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein Wasserstoffauto mit gr\u00fcnem Wasserstoff betrieben wird, ben\u00f6tigt es die etwa 2,4-fache Energie des klassischen Elektroautos, so die Rechnung von Professor <a href=\"https:\/\/www.ea.tuwien.ac.at\/ueber_uns\/mitarbeiter\/manfred_schroedl\/\">Manfred Schr\u00f6dl<\/a> von der TU Wien. Er h\u00e4lt den Energietr\u00e4ger Wasserstoff im Personenindividualverkehr f\u00fcr nicht sinnvoll.<\/p>\n<p>Die Diskussion um Wasserstoffauto kontra Elektroauto rei\u00dft nicht ab. In \u00d6sterreich heizte der Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz die Debatte an, als er unl\u00e4ngst verk\u00fcndete, seine Partei, die \u00f6sterreichische Volkspartei, wolle \u00d6sterreich zur <a href=\"https:\/\/www.sebastian-kurz.at\/magazin\/klimaschutz-geht-uns-alle-an\"><em>Wasserstoffnation Nummer Eins <\/em><\/a>machen. Teil der Strategie war es, das Land bis 2025 mit Wasserstofftankstellen abzudecken.<\/p>\n<h3>Senkung der Mobilit\u00e4ts-Emissionen<\/h3>\n<p>Wenige Monate zuvor hatten die Medien berichtet, dass \u00d6sterreich die Klimaziele nicht erreichen werde und mit hohen Strafzahlungen zu rechnen habe. Das Land hat sich verpflichtet, von 2005 bis 2030<\/p>\n<ul>\n<li>den CO2-Aussto\u00df um 36 Prozent zu reduzieren;<\/li>\n<li>den Strombedarf im Jahresdurchschnitt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken;<\/li>\n<li>die Emissionen im Bereich Mobilit\u00e4t um ein Drittel zu senken;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur beabsichtigten Strategie von Kurz ist zu wissen, dass es bis dato nicht mehr als f\u00fcnf Wasserstofftankstellen in \u00d6sterreich gibt. Der Wasserstoff, der dort erh\u00e4ltlich ist, wird gro\u00dfteils aus dem fossilen Energietr\u00e4ger Erdgas gewonnen. Mit der Wasserstoff-Technologie den R\u00fcckstand auf die Klimaziele innerhalb von zehn Jahren aufzuholen, scheint also zun\u00e4chst unwahrscheinlich.<\/p>\n<h3>Wasserstoffauto vs. Elektroauto<\/h3>\n<p>Professor Schr\u00f6dl vom Institut f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.ea.tuwien.ac.at\/home\/\"><em>Energiesysteme und Elektrische Antriebe<\/em><\/a> der TU Wien hat sich die Zahlen angesehen und erteilt der Wasserstoff-Technologie im Personenindividualverkehr eine klare Absage. Stattdessen fordert er die Forcierung der Elektromobilit\u00e4t und h\u00f6here F\u00f6rderungen f\u00fcr erneuerbare Energien &#8211; insbesondere der Photovoltaik.<\/p>\n<p>Wenn Schr\u00f6dl vom <em>Wasserstoffauto<\/em> spricht, dann meint er ein Auto, das mit Wasserstoff betrieben wird. Dieser wird in eine Brennstoffzelle geleitet, wo er zu Wasser oxidiert. Die freiwerdende Energie f\u00e4llt als Strom an, den man f\u00fcr den Antrieb von E-Motoren benutzt. Als Abfallstoff entsteht nur noch Wasser.<\/p>\n<p><em>Das Elektroauto<\/em> wird ebenso von einem Elektromotor angetrieben, bezieht die elektrische Energie jedoch aus einer Traktionsbatterie. Es st\u00f6\u00dft im Betrieb keine relevanten Schadstoffe aus und wird als emissionsfreies Fahrzeug eingestuft.<\/p>\n<h3>Energiebilanz bei gr\u00fcnem Treibstoff<\/h3>\n<p>In einem idealen Szenario geht Schr\u00f6dl von gr\u00fcnem Treibstoff aus und rechnet den Energieaufwand jeweils ab Windrad oder Photovoltaikanlage. Das Ergebnis? Ein Elektroauto braucht f\u00fcr eine Fahrt von 100 Kilometer ungef\u00e4hr 22 Kilowattstunden (kWh), ein Wasserstoffauto 52 kWh. Somit f\u00e4llt die Bilanz f\u00fcr das Wasserstoffauto deutlich schlechter aus. Dieses ben\u00f6tigt ungef\u00e4hr die 2,4-fache Energie des Elektroautos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"109\"><\/td>\n<td width=\"80\"><strong>km<\/strong><\/td>\n<td width=\"81\"><strong>kWh<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"109\"><strong>Elektroauto<\/strong><\/td>\n<td width=\"80\">100<\/td>\n<td width=\"81\">22<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"109\"><strong>Wasserstoffauto<\/strong><\/td>\n<td width=\"80\">100<\/td>\n<td width=\"81\">52<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Elektroauto rechnet Schr\u00f6dl zehn Prozent Verluste durch Zwischenspeichern und Laden hinzu und inkludiert daf\u00fcr einen Wert von 2 kWh.<\/p>\n<p>Beim Wasserstoffauto geht er von der Gewinnung mittels Elektrolyse, der Komprimierung auf 700 bar sowie dem Transport aus. Der so entstehende Verlust ist mit einem Wert von 13 bis 19 kWh inkludiert.<\/p>\n<h3>Energiebilanz des grauen Wasserstoffs<\/h3>\n<p>Dieser Idealfall trifft in der Praxis allerdings nicht zu. Laut Schr\u00f6dl werden aktuell \u00fcber 90 Prozent des Wasserstoffs aus der fossilen Quelle Erdgas hergestellt. Die Herstellung dieses sogenannten <em>grauen Wasserstoffs<\/em> ist mit einem Wirkungsgrad von etwa 66 Prozent aus energetischer Perspektive ineffizient. Zudem entsteht CO2. Zuz\u00fcglich der Verluste durch Kompression und Transport errechnet der Forscher einen Prim\u00e4renergiebedarf von 62 kWh f\u00fcr 100 Kilometer Fahrt \u2013 von der Erdgasf\u00f6rderung an gerechnet.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEin mit fossilen Energien betriebenes Wasserstoffauto ist auf 100 Kilometern energetisch nicht besser als ein gew\u00f6hnliches Verbrennungsauto mit einem Verbrauch von 6 bis 7 Litern Benzin oder Diesel.\u201c Manfred Schr\u00f6dl<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Produktionssteigerung bei erneuerbarer Energie<\/h3>\n<p>In \u00d6sterreich liegt der j\u00e4hrliche Verbrauch an elektrischer Energie derzeit bei etwa 70 Terrawattstunden (TWh). Davon kommen circa<\/p>\n<ul>\n<li>20 TWh aus fossilen W\u00e4rmekraftwerken;<\/li>\n<li>40 TWh aus Wasserkraft;<\/li>\n<li>10 TWh aus anderen erneuerbaren Quellen wie Wind, Photovoltaik oder Biomasse;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bis 2030 soll der Strombedarf zum einen von 70 auf 80 TWh steigen und zum anderen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen muss in den n\u00e4chsten zehn Jahren also um 30 TWh gesteigert werden. \u201eDieses Ziel zu erreichen, ist technisch prinzipiell m\u00f6glich, allerdings erfordert es einen starken politischen Willen\u201c, sagt Schr\u00f6dl.<\/p>\n<h3>Teure Wasserstoff-Initiative<\/h3>\n<p>Noch nicht in dieser Rechnung enthalten, ist die gr\u00fcne Wasserstoffinitiative &#8211; mit erneuerbarem Strom. Soll die angestrebte Reduktion des Benzin- und Dieselverbrauchs um ein Drittel \u2013 circa zehn Millionen Tonnen &#8211; erreicht werden, ergibt sich laut Schr\u00f6dl ein zus\u00e4tzlicher Bedarf an elektrischer Energie von 22 TWh. Damit w\u00e4re der Ausbau der erneuerbaren Energie von 30 TWh bis 2030 gro\u00dfteils aufgebracht.<\/p>\n<p>Deutlich effizienter w\u00e4re die erforderliche Senkung des Diesel- und Benzinverbrauchs durch den Ausbau einer batteriebasierten Elektromobilit\u00e4t. Diese w\u00fcrde nur zu einem zus\u00e4tzlichen Bedarf von 9 TWh an elektrischer Energie f\u00fchren.<\/p>\n<p>In jedem Fall erfordert der Ausbau der erneuerbaren Energien F\u00f6rderungen. Diese beziffert der Forscher allein im Bereich Photovoltaik &#8211; deren Output verf\u00fcnffacht werden m\u00fcsste &#8211; mit ungef\u00e4hr 250 Millionen Euro pro Jahr. Das sei Geld, das man andernfalls sp\u00e4ter f\u00fcr Strafzahlungen durch zu hohe CO2-Emissionen ausgeben m\u00fcsse, so Schr\u00f6dl.<\/p>\n<h3>Zukunft der Wasserstoff-Technologie<\/h3>\n<p>Auch wenn Schr\u00f6dl dem gr\u00fcnen Wasserstoff im Personenindividualverkehr eine Absage erteilt, so lehnt er diesen nicht generell ab. Vielmehr sieht er dessen Zukunft in Bereichen wie Langzeit-Energiespeichern, oder in der Industrie, wo auch die entstehende Abw\u00e4rme gut genutzt werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Mehr Artikel zum Thema Elektromobilit\u00e4t <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=elektro\">HIER<\/a><\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Mehr Artikel zum Thema Brennstoffzelle <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=wasserstoff\">HIER<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Wasserstoffauto mit gr\u00fcnem Wasserstoff betrieben wird, ben\u00f6tigt es die etwa 2,4-fache Energie des klassischen Elektroautos, so die Rechnung von Professor Manfred Schr\u00f6dl von der TU Wien. Er h\u00e4lt den Energietr\u00e4ger Wasserstoff im Personenindividualverkehr f\u00fcr nicht sinnvoll. Die Diskussion um Wasserstoffauto kontra Elektroauto rei\u00dft nicht ab. 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