{"id":182366,"date":"2019-08-24T11:00:56","date_gmt":"2019-08-24T09:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=182366"},"modified":"2019-08-24T11:00:56","modified_gmt":"2019-08-24T09:00:56","slug":"eden-iss-umfangreiche-gemueseernte-in-der-antarktis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/eden-iss-umfangreiche-gemueseernte-in-der-antarktis\/","title":{"rendered":"EDEN-ISS: Umfangreiche Gem\u00fcseernte in der Antarktis"},"content":{"rendered":"<p>Das Klima in der Antarktis ist zum Gl\u00fcck noch unwirtlich. Und genau deshalb wurde hier 2018 vom <a href=\"https:\/\/www.dlr.de\/dlr\/desktopdefault.aspx\/tabid-10002\/\">Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR)<\/a> das Gew\u00e4chshaus <a href=\"https:\/\/eden-iss.net\/\">EDEN-ISS<\/a> aufgebaut. Denn direkt in der N\u00e4he der deutschen <a href=\"https:\/\/www.awi.de\/expedition\/stationen\/neumayer-station-iii.html\">Antarktisstation Neumayer III<\/a> wird die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft sowie f\u00fcr k\u00fcnftige Raumfahrtmissionen erforscht. Mittlerweile hat die \u00dcberwinterungscrew des <a href=\"http:\/\/www.awi.de\/\">Alfred-Wegener-Instituts (AWI)<\/a>, darunter DLR-Forscher Dr. Paul Zabel, ein Jahr im ewigen Eis verbracht. Die Ergebnisse stellte das Team am 23. August vor: Es gab eine unerwartet satte Ernte. Dazu Zabel:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eInsgesamt haben wir in neuneinhalb Monaten 268 Kilogramm Nahrung auf nur 12,5 Quadratmetern produziert, dabei unter anderem 67 Kilogramm Gurken, 117 Kilogramm Salat und 50 Kilogramm Tomaten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_182372\" aria-describedby=\"caption-attachment-182372\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-182372 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/EDEN-ISS_August2019_1-600x338.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-182372\" class=\"wp-caption-text\">Inside EDEN-ISS \u00a9Hanno M\u00fcller, AWI<\/figcaption><\/figure><\/blockquote>\n<p>Vor seiner Reise hatte sich Zabel \u00fcbrigens in niederl\u00e4ndischen Gew\u00e4chsh\u00e4usern bez\u00fcglich des k\u00fcnstlichen Gem\u00fcseanbaues schlau gemacht. Zabel erg\u00e4nzt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Geschmack des frischen Gem\u00fcses und dessen Geruch haben einen bleibenden Eindruck bei der \u00dcberwinterungscrew hinterlassen und sich sichtbar positiv auf die Stimmung im Team \u00fcber die lange Zeit der Isolation ausgewirkt&#8221;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Zusammenhang, der nun auch psychologisch erforscht wird.<\/p>\n<h3>Geringerer Energieverbrauch als erwartet<\/h3>\n<p>Zudem waren die Wissenschaftler \u00fcberrascht, dass sie viel weniger Energie ben\u00f6tigten, als urspr\u00fcnglich erwartet. Die Leistungsaufnahme des Gew\u00e4chshauses w\u00e4hrend der antarktischen Mission betrug im Durchschnitt 0,8 Kilowatt pro Quadratmeter Anbaufl\u00e4che. Sie war damit weniger als halb so gro\u00df wie bisher f\u00fcr Weltraumgew\u00e4chsh\u00e4user mit 2,1 Kilowatt pro Quadratmeter angenommen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDies ist ein wichtiger Aspekt f\u00fcr einen sp\u00e4teren Weltraumbetrieb und l\u00e4sst uns zuversichtlich in die Zukunft dieser Idee schauen&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;, so Projektleiter Dr. Daniel Schubert vom <a href=\"https:\/\/www.dlr.de\/irs\">DLR-Institut f\u00fcr Raumfahrtsysteme<\/a>. Zudem betont er die hierdurch m\u00f6gliche, sinnvolle Erg\u00e4nzung zu Welraumkost, die von der Erde mitgebracht wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn einem Jahr Antarktis mit unserem Gew\u00e4chshaus haben wir sehr anschaulich gesehen, wie sich auf kleinstem Raum genug Nahrung generieren l\u00e4sst, um die Verpflegung einer sechsk\u00f6pfigen Crew mit einem Drittel frisch angebauter Lebensmittel zu kombinieren.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<h3>Hoher Arbeitsaufwand soll reduziert werden<\/h3>\n<p>Nichtsdestotrotz: Die Forschenden sehen noch einiges an Entwicklungspotenzial. Denn, um wertvolle Astronautenzeit zu sparen, muss zuk\u00fcnftig der Arbeitsaufwand f\u00fcr Betreuung und Wartung noch deutlich gesenkt werden. Drei bis vier Stunden ben\u00f6tigte Zabel durchschnittlich pro Tag f\u00fcr den Anbau der Pflanzen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEtwa zwei Drittel der Zeit war ich mit Betrieb und Wartung der Gew\u00e4chshaustechnik besch\u00e4ftigt, ein weiteres Drittel ben\u00f6tigte ich f\u00fcr Aussaat, Ernte und Pflege. F\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Weltraumgew\u00e4chshaus muss der Aufwand wertvoller Astronautenzeit noch deutlich reduziert werden.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Hinzu kam die f\u00fcr Experimente ben\u00f6tigte Zeit von ungef\u00e4hr vier bis f\u00fcnf Stunden pro Tag. Das aeroponische Anbausystem, sprich mit N\u00e4hrl\u00f6sung ohne Erde, lie\u00df die Pflanzen gut gedeihen. Einige Pumpen bereiteten zwischenzeitlich Schwierigkeiten und die Biofilme in den N\u00e4hrstofftanks waren unerwartet stark, was aber behoben werden konnte.<\/p>\n<h3>Neue EDEN-ISS f\u00fcr Falcon-9-Rakete konzipiert<\/h3>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"EDEN ISS greenhouse as part of lunar and Martian base\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KOeSlwwuvWQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Aus den Ergebnissen und Erfahrungen des EDEN-ISS-Projekts ist nun ein neues Designkonzept f\u00fcr ein Weltraumgew\u00e4chshaus entstanden. Dieses Gew\u00e4chshaus ist recht kompakt f\u00fcr den Start mit einer Falcon 9-Rakete konzipiert. Gleichzeitig ist es entfaltbar und gro\u00df genug, um auf Mond oder Mars ausreichend Nahrung f\u00fcr die Astronauten bereitzustellen. \u201eDie Anbaufl\u00e4che betr\u00e4gt rund 30 Quadratmeter und ist damit fast dreimal so gro\u00df wie im Antarktis-Gew\u00e4chshauscontainer. Mit diesem System lassen sich rund 90 Kilogramm frische Nahrung pro Monat z\u00fcchten, was bei einer Pr\u00e4senz von sechs Astronauten einem halben Kilogramm Frischgem\u00fcse pro Tag und Astronaut entspricht&#8221;, erkl\u00e4rt Schubert.<\/p>\n<p>Das Konzept kann dar\u00fcber hinaus mit einem Biofilter\u2010System (C.R.O.P.) verbunden werden. Sein Zweck ist es, aus Bioabf\u00e4llen und Urin eine direkt zu verwendende D\u00fcngemittell\u00f6sung zur Pflanzenzucht herzustellen. Damit wird das Gew\u00e4chshauskonzept zu einem fast vollst\u00e4ndigen bio-regenerativen Lebenserhaltungssystem f\u00fcr zuk\u00fcnftige Habitate. Dazu Prof. Hansj\u00f6rg Dittus, DLR-Vorstand f\u00fcr Raumfahrtforschung und -technologie:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas jetzt vorgestellte Konzept f\u00fcr ein Weltraumgew\u00e4chshaus ist eine wertvolle Grundlage, auf der wir weitere Forschungsarbeit aufbauen wollen.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<h3>EDEN-ISS weltweit f\u00fcr Forschungsteams offen<\/h3>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr Paul Zabels nach Deutschland, lag das Antarktis-Gew\u00e4chshaus zun\u00e4chst im &#8220;Schlafmodus&#8221;. Zuvor hatte das DLR-Team im Januar 2019 alle Systeme gewartet und den Container komplett \u00fcberholt. Anfang Mai weckten die Bremer Forscher dann das System ferngesteuert aus seinem Schlaf und lie\u00dfen es hochfahren. Eine eingebrachte Aussaat begann zu gedeihen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDieser Schritt diente der Erprobung eines weiteren Raumfahrtszenarios. Denn ein potenzielles Gew\u00e4chshaus wird voraussichtlich bereits vor den Astronauten eintreffen und idealerweise bereits ferngesteuert seinen Betrieb aufnehmen&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;, erl\u00e4utert DLR-Forscher Schubert und er erg\u00e4nzt: \u201eDer Probelauf war ein voller Erfolg. Nun betreibt die aktuelle AWI-\u00dcberwinterungscrew das Gew\u00e4chshaus weiter, mit kr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung aus dem Bremer Kontrollzentrum, von wo aus wir so viel wie m\u00f6glich aus der Ferne \u00fcberwachen. F\u00fcr einen minimalen Aufwand der Crew mit m\u00f6glichst einfachen Abl\u00e4ufen bew\u00e4hren sich derzeit die im vergangenen Jahr entwickelten Prozeduren.&#8221;<\/p>\n<p>Auch steht das Gew\u00e4chshaus nun weltweit verschiedenen Forschungsgruppen, die in der Antarktis Pflanzenzucht-Experimente durchf\u00fchren m\u00f6chten, zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAls einer der ersten neuen Kooperationspartner hat bereits die amerikanische Weltraumagentur NASA original NASA-Salatsamen geschickt, wie sie auch auf der Internationalen Raumstation ISS kultiviert werden und nun bei uns in der Antarktis gedeihen&#8221;, erg\u00e4nzt Schubert.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Erkenntnisse f\u00fcr weltweite Nahrungsmittelproduktion interessant<\/h3>\n<p>Der gefrorene Kontinent Antarktis z\u00e4hlt zu den spannendsten Forschungsregionen der Welt. &#8220;Wir gewinnen dort vor allem Daten \u00fcber die globalen Klima\u00e4nderungen und die antarktische Lebensvielfalt. Das Gew\u00e4chshaus ist jedoch ein hervorragendes Beispiel daf\u00fcr, wie wir an der Neumayer-Station III auch an weiteren wichtigen Fragen der Zukunft forschen k\u00f6nnen. Wir haben schlie\u00dflich vieles mit der Raumfahrt gemeinsam, wenn wir in f\u00fcr Menschen lebensfeindliche Regionen gelangen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Gleichzeitig hat die dauerhafte Versorgung mit frischem Obst und Gem\u00fcse auch in diesem Jahr wieder einen sehr positiven Nebeneffekt f\u00fcr unsere \u00dcberwinterungscrew&#8221;, sagt Prof. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, die sich bei einem Aufenthalt an der Station selbst vom Geschmack eines saftigen Riesenradieschens aus dem Gew\u00e4chshaus \u00fcberzeugen konnte. Der Anbau von Gem\u00fcse sei deshalb grunds\u00e4tzlich auch interessant f\u00fcr zuk\u00fcnftige Missionen des Forschungseisbrechers Polarstern.<\/p>\n<p>Zudem ist die weltweite Nahrungsmittelproduktion eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Eine steigende Weltbev\u00f6lkerung bei gleichzeitigen Umw\u00e4lzungen durch den Klimawandel fordern neue Wege, um Nutzpflanzen auch in klimatisch ung\u00fcnstigen Regionen kultivieren zu k\u00f6nnen. F\u00fcr W\u00fcsten oder Gebiete mit tiefen Temperaturen aber\u00a0 auch bei Weltraummissionen zu Mond oder Mars erm\u00f6glicht ein geschlossenes Gew\u00e4chshaus von Wetter, Sonne und Jahreszeit unabh\u00e4ngige Ernten. Zudem wird hier weniger Wasser ben\u00f6tigt und es kann auf Pestizide und Insektizide verzichtet werden. Mit dem Projekt EDEN-ISS ist solch ein Modell-Gew\u00e4chshaus der Zukunft unter antarktischen Extrembedingungen in der Langzeiterprobung.<\/p>\n<h3>Die Partner des EDEN-ISS<\/h3>\n<p>EDEN-ISS wird vom DLR in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresforschung (AWI) im Rahmen einer \u00dcberwinterungsmission auf der deutschen Neumayer-Station III in der Antarktis realisiert. Damit das Gew\u00e4chshaus in der Antarktis funktioniert, arbeiten unter der Leitung des DLR zahlreiche weitere internationale Partner in einem Forschungskonsortium zusammen. Dazu geh\u00f6ren: <a href=\"https:\/\/www.wur.nl\/de.htm\">Wageningen University and Research<\/a> (Niederlande), <a href=\"https:\/\/www.intelligence-airbusds.com\/\">Airbus Defense and Space<\/a> (Deutschland), <a href=\"https:\/\/www.liquifer.com\/\">LIQUIFER Systems Group<\/a> (\u00d6sterreich), <a href=\"https:\/\/www.cnr.it\/en\">National Research Council<\/a> (Italien), <a href=\"https:\/\/www.uoguelph.ca\/\">University of Guelph<\/a> (Kanada), <a href=\"https:\/\/www.enginsoft.com\/\">Enginsoft<\/a>\u00a0(Italien), <a href=\"https:\/\/www.thalesgroup.com\/en\">Thales Alenia Space Italia<\/a> (Italien), <a href=\"https:\/\/www.arescosmo.it\/\">AeroCosmo<\/a> (Italien), <a href=\"https:\/\/www.heliospectra.com\/\">Heliospectra<\/a> (Schweden), <a href=\"http:\/\/www.lit.ie\/default.aspx\">Limerick Institute of Technology<\/a> (Irland), <a href=\"http:\/\/www.telespazio.com\/\">Telespazio<\/a>\u00a0(Italien) sowie die <a href=\"http:\/\/www.ufl.edu\/\">University of Florida<\/a> (USA). Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europ\u00e4ischen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 unter der Projektnummer 636501.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"EDEN ISS greenhouse in Antarctica for space\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pWnoh8jyQgI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Klima in der Antarktis ist zum Gl\u00fcck noch unwirtlich. Und genau deshalb wurde hier 2018 vom Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) das Gew\u00e4chshaus EDEN-ISS aufgebaut. Denn direkt in der N\u00e4he der deutschen Antarktisstation Neumayer III wird die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft sowie f\u00fcr k\u00fcnftige Raumfahrtmissionen erforscht. 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