{"id":180800,"date":"2019-08-12T08:00:12","date_gmt":"2019-08-12T06:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=180800"},"modified":"2019-08-12T08:00:12","modified_gmt":"2019-08-12T06:00:12","slug":"waldsterben-kampf-listelwald-ostallgaeu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/waldsterben-kampf-listelwald-ostallgaeu\/","title":{"rendered":"Kampf gegen das Waldsterben: Kleiner Wald \u2013 gro\u00dfes Vorbild"},"content":{"rendered":"<p>Die W\u00e4lder rund um den Globus werden immer weniger. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind zum gro\u00dfen Teil Rodungen \u2013 und es wird nicht besser. Gerade erst hat Brasiliens Regierungschef Jair Bolsonaro den Chef des Instituts f\u00fcr Weltraumforschung, Ricardo Galv\u00e3o, entlassen, nachdem der \u00fcber massive Abholzungen des Regenwald berichtet hatte, die auf Satellitenbildern zu sehen sind. So seien im Juni diesen Jahres 920 Quadratkilometer Regenwald im Amazonas verloren gegangen, 88 Prozent mehr als im Juni 2018. Im Juli sind nach Aussagen von Galv\u00e3o sogar 212 Prozent mehr B\u00e4ume gef\u00e4llt worden als im Juli 2018.<\/p>\n<p>Die Rodungen werden wohl auch in \u00e4hnlichem Tempo weitergehen, da Bolsonaro bereits angek\u00fcndigt hat, sie zugunsten von Soja-, Weizen- und Maisanbau oder Weideland f\u00fcr Rinder zuzulassen. Es werde keine keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet geben. Au\u00dferdem k\u00fcrzte er das Budget f\u00fcr den Klimaschutz und schreckt auch nicht davor zur\u00fcck, die im Wald lebenden indigenen V\u00f6lker notfalls mit Gewalt zu vertreiben, um mit den Rodungen fortfahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig spricht der Rest der Welt von einer dringen n\u00f6tigen Wiederaufforstung der W\u00e4lder, um einer weiteren Erw\u00e4rmung der Erde zumindest etwas entgegenzuwirken. In Deutschland plant Umweltministerin Julia Kl\u00f6ckner f\u00fcr September einen nationalen Waldgipfel. \u201eUnser Wald ist massiv gesch\u00e4digt\u201c, sagte sie der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/\">Rheinischen Post<\/a>. \u201eNur mit vereinten Kr\u00e4ften stemmen wir die Mammutaufgabe, die vor uns liegt, um unseren Wald zu retten &#8211; nicht nur f\u00fcr uns, sondern f\u00fcr die nachfolgenden Generationen.\u201c<\/p>\n<p>Auch zwischen Flensburg und Bodensee sind die W\u00e4lder n\u00e4mlich erheblich gesch\u00e4digt, in erster Linie durch St\u00fcrme oder Sch\u00e4dlinge. Laut <a href=\"https:\/\/www.sdw.de\/\">Schutzgemeinschaft Deutscher Wald<\/a> (SDW) sind bereits 120.000 Hektar abgestorben, vor allem Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen. Der <a href=\"https:\/\/www.bund.net\/\">Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz<\/a> (BUND) spricht nach dem gro\u00dfen Waldsterben in den 1980er Jahren schon von einem \u201eWaldsterben 2.0&#8243;.<\/p>\n<figure id=\"attachment_180796\" aria-describedby=\"caption-attachment-180796\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-180796\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_20190731_102848-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-180796\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Petra Wiesmayer<\/figcaption><\/figure>\n<h3>\u201eManchmal ist nichts tun am besten\u201c<\/h3>\n<p>Wie man etwas gegen dieses Waldsterben tun kann und wie ein nachhaltiger Wald aussieht, zeigt der kleine, nur 6,35 Hektar gro\u00dfer Listlewald bei Buchloe im Ostallg\u00e4u. Im Jahr 1998 erwarb die J. B. Kaiser&#8217;sche Armen- und Krankenstiftung den Wald von seiner damaligen Besitzerin, Kreszentia Listle, die ihn nach einem Sturmschaden im Jahr 1990 als Mischwald mit Fichten, Eichen, Eschen, Erlen, Birken und Ahorn neu gepflanzt hatte. Mittlerweile finden sich in dem Wald 14 verschiedene Baumarten und zahllose B\u00fcsche, Gr\u00e4ser und Gew\u00e4chse, die f\u00fcr die Gesamt\u00f6kologie, Artenvielfalt und auch die Klimaresistenz des Waldes wichtig sind.<\/p>\n<p>Der Listewald ist kein saubergefegter Wald und auch keiner, in dem alles wild wuchert, selbst wenn es teilweise den Anschein haben k\u00f6nnte. \u201eManchmal ist nichts tun am besten\u201c, betont Revierleiter Stephan Fessler vom <a href=\"http:\/\/www.aelf-kf.bayern.de\/\">Amt f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren<\/a>, das den Wald im Auftrag der Stiftung bewirtschaftet. Und er zeigt eindrucksvoll, \u201edass auch sehr gut gewirtschaftet werden kann, wenn man mit der Natur zusammenarbeitet.\u201c Dieses Nichtstun sei jedoch nicht immer einfach, da sich schon hin und wieder mal Leute \u00fcber die \u201eUnordnung im Wald\u201c beschweren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bis der Wald soweit war, wie er heute ist, war es ein langer Weg. Vor 35 Jahren sah es zwischen den B\u00e4umen aus, wie in den meisten W\u00e4ldern. Kahl und auf dem Boden lagen h\u00f6chstens die trockenen Nadeln. Nun ist alles gr\u00fcn und es bl\u00fchen Blumen. \u201eDer eine oder andere wird wohl denken, was ist das hier f\u00fcr ein Verhau? Lauter Unkraut, das Holz liegt kreuz und quer, aber genau das wollen wir heutzutage\u201c, sagt Fessler. \u201eFr\u00fcher hat man im Wald massiv aufger\u00e4umt. Jeder Stock kam raus bis hin zur Nadelstreu, das als Einstreu im Viehstall genutzt wurde, weil es kein Stroh gab.\u201c Das sei heutzutage nicht mehr notwendig und darum k\u00f6nne man es sich auch leisten, nicht mehr derart aufzur\u00e4umen. \u201eMan muss es sich auch leisten, weil es im Wald auch darum geht, dass man m\u00f6glichst viele Arten erh\u00e4lt und m\u00f6glichst vielen Arten Lebensraum schafft. Und genau das machen wir hier.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_180791\" aria-describedby=\"caption-attachment-180791\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-180791\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_20190731_103925-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-180791\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Petra Wiesmayer<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Unkraut als \u201eBegleitwuchs\u201c<\/h3>\n<p>Und so w\u00e4chst im Listlewald auch das Unkraut nicht unkontrolliert. In einem, nach einem Borkenk\u00e4ferbefall entstandenen \u201eK\u00e4ferloch\u201c, bietet es den neu gepflanzten, jungen B\u00e4umen, Schutz. \u201eWir mussten in k\u00fcrzester Zeit wieder standortgerechte Baumarten pflanzen und die ersten B\u00e4ume kommen durch den Begleitwuchs, die Brennesseln und das Gras auch schon durch\u201c, zeigt Fessler. Fichten gibt es an dem Standort nicht mehr, daf\u00fcr aber Erlen und Tannen, die allerdings durch Gitter gesch\u00fctzt sind um nicht dem Appetit der Rehe zum Opfer zu fallen. \u201eDie Tanne ist eine schattenliebende Baumart und vertr\u00e4gt die Freifl\u00e4che normalerweise nicht, weil sie Probleme hat mit Frostgef\u00e4hrdung. Trotzdem wollten wir hier eine weitere Baumart mit einbringen, die neben der Erle auch den wirtschaftlichen Gedanken etwas mit pr\u00e4gt und gleichzeitig zu diesem Standort hier passt. Der Begleitwuchs \u00fcbernimmt hier die Aufgabe der Fichte und erm\u00f6glicht so eigentlich der Tanne erst das Leben.\u201c<\/p>\n<p>Begleitwuchs ist das Schilf, das man im Listlewald \u00fcberall am Wegrand findet, zwar nicht, leistet aber, wie auch der Wasserdost, ebenfalls einen Beitrag zur Artenvielfalt. Man m\u00fcsse nicht st\u00e4ndig Grabenpflege betreiben, stellt Forstdirektor Stephan Kleiner klar. \u201eDank der neuen, naturbelassenen Bewirtschaftung wurde im Listlewald neuer Lebensraum geschaffen, der durch die fr\u00fchere Bewirtschaftung vernichtet worden war\u201c, freut er sich. \u201eDer Wasserdost brauch einen feuchten Lebensraum und gibt Nahrung gibt f\u00fcr einen Schmetterling: die spanische Flagge. Sie braucht den Wasserdost, um dort ihre Eier abzulegen und die n\u00e4chste Schmetterlingsgeneration sicherzustellen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_180797\" aria-describedby=\"caption-attachment-180797\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-180797\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_20190731_110012-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-180797\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Petra Wiesmayer<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Mehr auf den Standort besinnen<\/h3>\n<p>Einen weiteren \u201eGrundpfeiler der Biodiversit\u00e4t und \u00f6kologischen Vielfalt\u201c bilden im Listelwald auch Totholzb\u00e4ume, die ein Zuhause bieten f\u00fcr K\u00e4fer, Insekten, Schmetterlinge und auch Vogelarten wie den Specht, den Waldkauz, oder die Rothaube. \u201eSie beheimaten Arten, von denen andere Arten wiederum abh\u00e4ngig sind\u201c, sagt Kleiner. \u201eDer Specht baut seine H\u00f6hle in dieses Totholz hinein und dann gibt es jede Menge Nachmieter, die keine Miete zahlen. Da zieht dann der Waldkauz ein oder die Rothaube. Der Specht leistet sehr wichtige Vorarbeit f\u00fcr die Nachfolger. Man muss das eben auch aushalten und kann nicht alles immer gleich aufr\u00e4umen.\u201c<\/p>\n<p>Das fr\u00fchere forstliche Konzept, reine Fichte mit etwas Erle durchsetzt, sei \u00fcberholt, erkl\u00e4rt Fessler. Reine Fichtenw\u00e4lder sind n\u00e4mlich viel zu anf\u00e4llig bei Trockenheit, Sturm, f\u00fcr Borkenk\u00e4fer oder auch Schneebruch. \u201eWild einfach neue Baumarten zu pflanzen, und zu sehen, was passiert\u201c, sei aber auch keine L\u00f6sung. Man muss die W\u00e4lder zwar an das Klima anpassen und sie klimarestistent gestalten, aber: \u201eMan muss sich mehr auf den Standort besinnen und die passende Baumart suchen, und nicht versuchen, den Standort unter allen Umst\u00e4nden f\u00fcr die Fichte tauglich zu machen. Ich denke, wir sind hier auf seinem sehr guten Weg\u201c, so Fessler.<\/p>\n<p>Im Listlewald baut man daher auch auf zus\u00e4tzliche Baumarten, die die Natur kostenlos geliefert hat. \u201eSo kommt man auf engstem Kreis von einer Baumart pl\u00f6tzlich auf sieben Baumarten und hat schon gleich mal Biodiversit\u00e4t.\u201c Das sei die Zukunft, betont Fessler. \u201eDas ist die einzige Chance, wie dieser Wald auch in Zukunft als Wald erhalten bleiben kann. Bei 100% Fichte h\u00e4tten wir kaum Chancen bez\u00fcglich Klimawandel, dass hier der Wald als Waldstandort erhalten bleiben kann.\u201c<\/p>\n<p><em><strong>Mehr Artikel zum Thema Wald finden Sie <\/strong><\/em><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=wald\"><em><strong>HIER<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die W\u00e4lder rund um den Globus werden immer weniger. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind zum gro\u00dfen Teil Rodungen \u2013 und es wird nicht besser. 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