{"id":179591,"date":"2019-08-13T17:00:59","date_gmt":"2019-08-13T15:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=179591"},"modified":"2019-08-13T17:00:59","modified_gmt":"2019-08-13T15:00:59","slug":"start-up-of-the-day-sewts-moechte-regionale-und-vollautomische-bekleidungsherstellung-etablieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/start-up-of-the-day-sewts-moechte-regionale-und-vollautomische-bekleidungsherstellung-etablieren\/","title":{"rendered":"Start-up of the day: sewts m\u00f6chte vollautomatische Bekleidungsherstellung etablieren"},"content":{"rendered":"<p>T-Shirts k\u00f6nnen von einer langen Reise erz\u00e4hlen. Bevor sie in Deutschland zum Verkauf angeboten werden, wandern sie zun\u00e4chst von den Baumwollplantagen in den USA in die Webereien und F\u00e4rbereien nach Indien. Vern\u00e4ht werden sie dann in Bangladesch. Nach sage und schreibe etwa 40.000 km landen sie schlie\u00dflich in den H\u00e4fen von Hamburg oder Rotterdam. Neben der Produktion werden somit besonders bei ihrem Transport Unmengen an Treibhausgasen freigesetzt. Aus Kostengr\u00fcnden ist eine lokale Herstellung bis heute jedoch noch nicht m\u00f6glich. Das k\u00f6nnte sich zuk\u00fcnftig \u00e4ndern. Denn das junge Start-up <a href=\"https:\/\/www.sewts.de\/\">Sewts GmbH<\/a> \u2013 Sewts ist eine Kombi aus dem Englischen Suit und to sew \u2013 m\u00f6chte die Textilproduktion wieder nach Deutschland holen. Statt von Menschen gefertigt, soll die Arbeit komplett durch Roboter \u00fcbernommen werden. Einen Prototypen zur vollautomatischen Handhabung von Textilien \u2012 und zwar als Teilschritt einer industriellen Gro\u00dfw\u00e4scherei \u2012, stellten die drei Gr\u00fcnder Alexander Bley, Tim Doerks und Till Rickert k\u00fcrzlich auf dem <a href=\"https:\/\/zentrum-digitalisierung.bayern\/veranstaltungen\/techcheck-2019-erfolgsfaktor-mensch\/\">Tech Check<\/a> in M\u00fcnchen vor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_179593\" aria-describedby=\"caption-attachment-179593\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-179593\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/team_sewts-002@sewts-600x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-179593\" class=\"wp-caption-text\">Founders:\u00a0 Tim Doerks, Till Rickert, Alexander Bley (f.l.t.r) @sewts<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wir sprachen mit Alexander Bley \u00fcber die Gr\u00fcndung von sewts und die Visionen des Unternehmens.<\/strong><\/p>\n<h3><em>Wie kamt Ihr auf die Idee zur Gr\u00fcndung von Sewts?<\/em><\/h3>\n<p>Die Idee war ein schleichender Prozess. Zwei unser Gr\u00fcnder, Tim und ich, besch\u00e4ftigten sich w\u00e4hrend des Studiums intensiv mit dem Thema Faserverbundwerkstoffe. Hier ging es vor allem um das gro\u00dfe Thema der Leichtbaustruktur von Flugzeugfl\u00fcgeln aus Carbon. Dazu muss man wissen, dass die technischen Textilmaterialien wie Carbongewebe zur Fertigung \u00fcbereinandergelegt und dann mit Harz infiltriert werden. Im Studium ging es darum, das Handling dieser forminstabilen Werkstoffe zu automatisieren. Die Herausforderung war, vorherzusehen, wie sich solch weiche Materialien beim Auslegen verhalten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Entwicklungsphase stellten wir uns die Frage, in welchen Branchen eine solche L\u00f6sung noch Sinn machen w\u00fcrde. So kamen wir auf die Textilproduktion. Vor allem, da wir alle drei davon \u00fcberzeugt sind, dass die Wege, die Bekleidung heutzutage hinter sich legt, genauso auch wie die Verarbeitungsprozesse \u2012 vom F\u00e4rben bis hin zum N\u00e4hen zu Dumpingpreisen \u2012 alles andere als nachhaltig sind. Kurze Verarbeitungswege w\u00e4ren nicht nur in punkto Emissionsreduktion interessant, sondern sie k\u00f6nnten langfristig auch das Bildungsniveau in L\u00e4ndern wie Bangladesch durch den Wegfall von niedrig-qualifizierten Jobs erh\u00f6hen. \u00c4hnliches haben wir durch Produktionsumstellungen in den 50ern ja auch schon in Deutschland erlebt.<\/p>\n<h3><em>Wo seht Ihr die speziellen Einsatzbereiche?<\/em><\/h3>\n<p>In erster Linie sehen wir den Einsatzbereich in allgemeinen Vern\u00e4hprozessen, zum Beispiel von Kleidung aber auch Auto- oder Flugzeugsitzbez\u00fcgen. Im Moment fokussieren wir uns aber auf die industrielle Gro\u00dfw\u00e4schereitechnik. Denn dabei steht derzeit immer noch ein Mensch an der Maschine und sortiert die Textilien nach ihrer Kategorie vor, um sie dann entsprechend in den B\u00fcgelautomaten zu legen. Durch unsere Entwicklung w\u00e4re eine kosteng\u00fcnstige, vollautomatische Gro\u00dfw\u00e4scherei m\u00f6glich.<\/p>\n<h3><em>Was macht euer Produkt im Vergleich zu anderen Produkten besonders?<\/em><\/h3>\n<p>Es gibt tats\u00e4chlich schon Bem\u00fchungen, etwas \u00c4hnliches zu entwickeln. Zum Beispiel hat sich ein US-Start-up auf das Vern\u00e4hen von Fu\u00dfmatten und Kopfkissen spezialisiert. Doch die Amerikaner arbeiten mit einem sogenannten kartesischen Portalsystem \u2012 das hei\u00dft: Deren Roboter laufen auf Schienen. Entsprechend sind sie nur f\u00fcr ihren spezifischen Einsatzbereich verwendbar.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu ist unser Roboter flexibel, denn er kann zwischen Produkten unterscheiden. Daf\u00fcr haben wir vorher verschiedene Textilien eingescannt und klassifiziert. Das hei\u00dft, dank KI erkennt unser Roboter Farbe, Oberfl\u00e4che, Material und auch das Produkt selbst. So kann er beispielsweise eine Serviette von einem Kopfkissen unterscheiden. Er wei\u00df auch um Materialeigenschaften und Biegesteifigkeit. Zudem haben wir Greifpunkte errechnet, wie die Textilien faltenfrei zu handhaben sind. Dank all dieser Hintergrundinformationen kann unsere Entwicklung mit einer viel h\u00f6heren Produktvariabilit\u00e4t arbeiten.<\/p>\n<h3><em>Was war die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde, die ihr anfangs \u00fcberwinden musstet?<\/em><\/h3>\n<p>Ich w\u00fcrde fast sagen, die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde war, den Schritt in die Selbst\u00e4ndigkeit zu wagen. Wir h\u00e4tten n\u00e4mlich alle promovieren k\u00f6nnen. Und bis kurz vor der Realisierung, wussten wir noch nicht, ob wir ein Stipendium bekommen.<\/p>\n<h3><em>Gab es einen Moment, an dem Ihr aufgeben wolltet?<\/em><\/h3>\n<p>Nein, zum Gl\u00fcck nicht. Wir hatten uns aber auch ein finales Ziel gesetzt: Unser privates Geld h\u00e4tte \u2012 auch ohne Einnahmen \u2012 f\u00fcr circa sechs Monate gereicht. Wenn es nach dieser Zeit nicht funktioniert h\u00e4tte, h\u00e4tten wir aufgegeben. Zum Gl\u00fcck war dies nicht der Fall.<\/p>\n<h3><em>Was war f\u00fcr euch in Bezug auf die Gr\u00fcndung der beste Moment, was hat euch besonders stolz gemacht?<\/em><\/h3>\n<p>Es gab eigentlich zwei gro\u00dfe Momente. Der eine war, als wir beim Notar sa\u00dfen und die Gr\u00fcndungsurkunde unterschrieben. Wir hatten zwar schon ein Jahr an unserem Roboter gearbeitet \u2013 aber das war im universit\u00e4ren Umfeld. Und pl\u00f6tzlich waren wir dann Unternehmer.<\/p>\n<p>Der andere Moment war Mitte Juli. Hier sind wir zum ersten Mal w\u00e4hrend des Tech Checks des <a href=\"https:\/\/www.vbw-zukunftsrat.de\/\">Zukunftsrates der Bayerischen Wirtschaft<\/a> mit unserem Prototypen an die \u00d6ffentlichkeit gegangen, ohne Angst zu haben, dass unsere Idee geklaut wird. Denn wir hatten zuvor das internationale Patent angemeldet. W\u00e4hrend der Veranstaltung wurde uns best\u00e4tigt, welch innovativen Charakter unsere Entwicklung hat.<\/p>\n<h3><em>Worauf d\u00fcrfen wir uns in den n\u00e4chsten Jahren freuen, sprich: Was k\u00f6nnen wir in den kommenden Jahren von euch erwarten?<\/em><\/h3>\n<p>Im Moment fokussieren wir uns auf das Thema der vollautomatischen W\u00e4scherei. Das hei\u00dft, wir arbeiten daran, dass unsere Roboter aus dem W\u00e4scheberg Handt\u00fccher und Bettlaken erkennen und faltenfrei in eine B\u00fcgelmaschine legen k\u00f6nnen. Hier geht es uns vor allem darum, in dem Bereich der vollautomatischen Textilhandhabung unsere Kompetenz aufzubauen. Wir wollen hier erst eine Glaubw\u00fcrdigkeit schaffen, bevor wir im n\u00e4chsten Schritt in die vollautomatische Bekleidungsproduktion gehen. Unser Ziel ist es dabei, die Prozesskette industrieller Gro\u00dfw\u00e4scherein zu 100% zu automatisieren. Erste Produkte wird es hier im November 2020 geben. Unser n\u00e4chster Schritt wird dann circa im Jahr 2023 sein: In diesem Zeitrahmen wollen wir das erste, vollautomatisch in M\u00fcnchen produzierte T-Shirt auf den Markt bringen.<\/p>\n<h3><em>Was treibt euch jeden Morgen an?<\/em><\/h3>\n<p>Die Vorstellung, in 20 bis 30 Jahren auf das eigene Leben zur\u00fcckzuschauen und stolz darauf zu sein, die Welt in punkto Nachhaltigkeit ein kleines St\u00fcck nach vorne gebracht zu haben. Also selbst einen Wert, einen positiven Impact geschaffen zu haben.<\/p>\n<h3><em>Wie ist eure Vision: Wo seht ihr euer Unternehmen in 5 Jahren und was ist euer ultimatives Ziel?<\/em><\/h3>\n<p>Langfristig stellen wir uns vor, die Produktion von ma\u00dfgeschneiderten, regional und in einer kurzen Zeitspanne gefertigten Bekleidungsst\u00fccken zu etablieren \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig von jedweden Gr\u00f6\u00dfennormen wie S oder L. Das hei\u00dft, unsere Vision ist, dass der Kunde sein K\u00f6rperbild sowie seine Ma\u00dfe per zum Beispiel Handyfoto einscannt und sie an unseren Roboter \u00fcbertr\u00e4gt. Dieser fertigt dann ein individuelles Kleidungsst\u00fcck.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Unsere Vision ist die Etablierung von vollautomatisch hergestellten, ma\u00dfgefertigten Textilien \u2013 um die Welt letztendlich nachhaltiger zu gestalten.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T-Shirts k\u00f6nnen von einer langen Reise erz\u00e4hlen. 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