{"id":178945,"date":"2019-07-26T12:51:45","date_gmt":"2019-07-26T10:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=178945"},"modified":"2019-07-26T12:51:45","modified_gmt":"2019-07-26T10:51:45","slug":"europaeische-forscher-fordern-die-freigabe-des-genome-editing-fuer-die-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/europaeische-forscher-fordern-die-freigabe-des-genome-editing-fuer-die-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Forscher fordern die Freigabe des Genome-Editing f\u00fcr die Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Vor genau einem Jahr f\u00e4llte der <em>Europ\u00e4ische Gerichtshof <\/em>(EuGH) das Urteil zu <em>Genome-Editing<\/em>. Das Urteil ist in der Wissenschaft umstritten. Gemeinsam mit anderen europ\u00e4ischen Wissenschaftern fordern \u00f6sterreichische Forschungseinrichtungen eine Gesetzesanpassung. Die Forscher monieren, dass die Gesetzgebung auf veralteten wissenschaftlichen Grundlagen beruhe.<\/p>\n<p>Genome-Editing z\u00e4hlt zu den neuen Gentechnik-Verfahren, die ein gezieltes Eingreifen in das Erbgut von Organismen erm\u00f6glichen. W\u00e4hrend Genome-Editing bei Menschen und Tieren aus ethischen Gr\u00fcnden noch kein Thema ist, hat es in der Pflanzenzucht gro\u00dfe Erwartungen geweckt. Man hofft, damit vielversprechende Pflanzensorten entwickeln zu k\u00f6nnen. Zum Beispiel k\u00f6nnte das Ausschalten bestimmter Gene Z\u00fcchtungen widerstandsf\u00e4higer machen &#8211; gegen Krankheiten und klimwandelbedingte Trockenheit. Dadurch k\u00f6nnten Landwirte hohe Ertr\u00e4ge sichern und gleichzeitig den Einsatz von Chemikalien und Wasser verringern.<\/p>\n<p>Unter Genome-Editing werden verschiedene Verfahren subsummiert. Das geeignete Verfahren f\u00fcr die Pflanzenzucht ist CRISPR\/Cas9. Pr\u00e4zise, schnell und kosteng\u00fcnstig, soll es herk\u00f6mmliche, auf Chemikalien oder Bestrahlung basierende Verfahren abl\u00f6sen.<\/p>\n<h3>Weitreichende Konsequenzen<\/h3>\n<p>In der \u00f6ffentlichen Stellungnahme kritisieren die Forscher das Urteil des <em>Europ\u00e4ischen Gerichtshofs <\/em>in der <a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/documents.jsf?num=C-528\/16\">Rechtssache C-528\/16<\/a>, in dem auf <em>CRISPR\/Cas9<\/em> basierende Z\u00fcchtungen als genetisch ver\u00e4nderte Organismen (<em>GVO<\/em>) eingestuft wurden. Diese Einstufung hat weitreichende Konsequenzen. Feldstudien und Pflanzenz\u00fcchtungen sind innerhalb der EU praktisch unm\u00f6glich geworden. Vor allem aber erfordert diese Einstufung aufw\u00e4ndige und teure Zulassungsverfahren, die sich nur noch multinationale Konzerne leisten k\u00f6nnen, so die Argumente der Forscher. Sie f\u00fcrchten, dass in der EU nicht mehr in die Forschung investiert wird und kleinere Betriebe von der Z\u00fcchtung abgehalten werden.<\/p>\n<h3>Veraltete Richtlinie<\/h3>\n<p>Die Forscher begr\u00fcnden ihre Kritik damit, dass das Urteil auf einer veralteten <em>GVO<\/em>-Richtlinie aus 2001 basiere und fordern eine Aktualisierung der Gentechnik-Gesetzgebung. Diese soll den Fortschritten der Gentechnologie insbesondere im Bereich der gezielten Genver\u00e4nderung von Organismen (<em>GVO<\/em>) Rechnung tragen. Dabei soll bei Anwendungen der Genom-Editierung differenziert werden und zwar in<\/p>\n<ul>\n<li>Genome-Editing das natu\u0308rliche Mutageneseprozesse nachahmt;<\/li>\n<li>Genome-Editing, das mehr Kontrolle erfordert;<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>CRISPR\/Cas9<\/em> ahmt nat\u00fcrliche Mutageneseprozesse nach. Nicht alle Bereiche des Erbguts sind uneingeschr\u00e4nkt editierbar. Die Forscher setzen das Verfahren deshalb mit herk\u00f6mmlichen Pflanzenzuchtverfahren gleich, bei denen eine Genver\u00e4nderung durch Chemikalien oder Bestrahlung bewirkt wird. Herk\u00f6mmliche Verfahren fallen nicht unter die <em>GVO<\/em>-Gesetzgebung und sind somit von der Regulierung ausgenommen.<\/p>\n<h3>Abl\u00f6se f\u00fcr langwierige Verfahren<\/h3>\n<p>Herk\u00f6mmliche Verfahren erzeugen zuf\u00e4llige Variationen in den Genomen der Pflanze, die zu neuen Eigenschaften f\u00fchren. Sie erfordern aber aufw\u00e4ndige, zeit- und kostenintensive Selektion und R\u00fcckkreuzungen, um die neuen Variationen von hunderten unerw\u00fcnschten Mutationen zu trennen, erkl\u00e4rt <em>Ortrun Mittelsten Scheid<\/em>, Gruppenleiterin am <em>Gregor Mendel-Institut f\u00fcr Molekulare Pflanzenbiologie<\/em> (<em>GMI<\/em>). Zitat: \u201eDie neuen Verfahren wie <em>CRISPR\/Cas<\/em> erlauben die pr\u00e4zise Z\u00fcchtung, bei der die gleichen positiven Genomver\u00e4nderungen ohne die begleitenden Genomsch\u00e4den erzielt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h3>Nicht zu unterscheiden<\/h3>\n<p>Zus\u00e4tzlich problematisch sei, dass genom-editierte Z\u00fcchtungen im Nachhinein nicht mehr von Z\u00fcchtungen aus herk\u00f6mmlichen Verfahren unterschieden werden k\u00f6nnen. Weshalb deren Einfuhr in die EU problemlos m\u00f6glich sei. Das sei eine Tatsache, mit der sich die Gesetzgebung auseinandersetzen muss, erkl\u00e4rt <em>James Matthew Watson<\/em>, Head of Science Support am <em>Gregor Mendel-Institut f\u00fcr Molekulare Pflanzenbiologie<\/em> (<em>GMI<\/em>). Zitat: \u201eEs gab k\u00fcrzlich einen <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-019-02162-x?utm_source=twt_nnc&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=naturenews&amp;sf216356459=1\">Artikel<\/a> in der Zeitschrift <em>Nature<\/em> \u00fcber die Schwierigkeiten, mit denen die Lebensmittelpr\u00fcflabors in dieser Hinsicht konfrontiert sind.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschafter ist schwer nachzuvollziehen, warum in der Regulierung unterschieden wird, ob kleine Mutationen das Ergebnis spontaner Fehler bei der DNS-Replikation sind oder das Ergebnis von <em>CRISPR\/Cas<\/em>-basierter Technik. Das geht auch aus einem <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/13501764\/positionspapier-genom-editierung-mpg-de.pdf\">Positionspapier<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/de\">Max-Planck-Gesellschaf<\/a>t zur Genom-Editierung hervor.<\/p>\n<h3>Gegenmeinungen<\/h3>\n<p>Die Meinungen zu Genome-Editing gehen allerdings auseinander \u2013 und reflektieren die Kontroverse zur Gentechnologie allgemein. So wurde das Urteil des\u00a0<em>Europ\u00e4ischen Gerichtshofs <\/em> von Umweltsch\u00fctzern gelobt. Sie sehen in <em>Genom-Editing<\/em> die Gentechnologie durch die Hintert\u00fcr kommen.<\/p>\n<p>Auch in einem ethisch basierten Diskurs h\u00e4lt man <em>Genome-Editing <\/em>f\u00fcr bedenklich. Weil zu viele Unw\u00e4gbarkeiten bestehen, \u201edie bislang noch schwer abzusch\u00e4tzen sind und im Laufe der Jahre eingehend untersucht werden m\u00fcssen\u201c. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.gen-ethisches-netzwerk.de\/genome-editing\/risikodebatte-und-risikomanagement\/genome-editing-ohne-risiko\">gen-ethischesnetzwerk.de<\/a>). Mit diesem Argument gehen die Genethiker mit dem <a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/documents.jsf?num=C-528\/16\">Urteil<\/a> des <em>Europ\u00e4ischen Gerichtshofs<\/em> konform.\u00a0 Konkret warnen sie vor off-target-Effekten, das sind ungewollte Ver\u00e4nderungen der DNA an Stellen, an denen diese nicht vorgesehen waren.<\/p>\n<p>Ein Effekt, den <em>Watson<\/em> best\u00e4tigt, aber abschw\u00e4cht: \u201eEs ist richtig, dass die Genschere sogenannte off-target-Mutationen an anderen Stellen verursachen kann. Diese sind aber im Vergleich zu den Strahlungs- oder Chemie-Verfahren in der klassischen Z\u00fcchtung (1) besser vorhersehbar, (2) deutlich weniger, und (3) k\u00f6nnen im Prinzip durch die Sequenzierung des Gesamtgenoms auch entdeckt werden.\u201c<\/p>\n<h3>Die unterzeichnenden Institutionen:<\/h3>\n<p>Unterzeichnet wurde die \u00f6ffentliche Stellungnahme von folgenden Institutionen: <em>Austrian Institute of Technology<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.ait.ac.at\/ueber-das-ait\/center\/center-for-technology-experience\/\">AIT<\/a>), <em>The Institute of Science and Technology Austria<\/em> (<a href=\"https:\/\/ist.ac.at\/de\/home\/\">IST<\/a>), der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em> Wien (<a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\"><em>BOKU<\/em><\/a>) sowie dem <em>Gregor Mendel-Institut f\u00fcr Molekulare Pflanzenbiologie<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/gmi\/\">GMI<\/a>) und dem <a href=\"https:\/\/cemm.at\/\">Forschungszentrum f\u00fcr Molekulare Medizin<\/a> (<em>CeMM<\/em>) der <em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\"><em>\u00d6AW<\/em><\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/regierungen-rechtlich-zum-klimaschutz-verpflichten\/\">Regierungen rechtlich zum Klimaschutz verpflichten<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/investitionen-in-forschung-koennen-wirtschaftskrisen-gegensteuern\/\">Investitionen in Forschung k\u00f6nnen Wirtschaftskrisen gegensteuern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau einem Jahr f\u00e4llte der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) das Urteil zu Genome-Editing. Das Urteil ist in der Wissenschaft umstritten. Gemeinsam mit anderen europ\u00e4ischen Wissenschaftern fordern \u00f6sterreichische Forschungseinrichtungen eine Gesetzesanpassung. Die Forscher monieren, dass die Gesetzgebung auf veralteten wissenschaftlichen Grundlagen beruhe. 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