{"id":178806,"date":"2019-07-24T16:00:30","date_gmt":"2019-07-24T14:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=178806"},"modified":"2019-07-24T16:00:30","modified_gmt":"2019-07-24T14:00:30","slug":"aus-zwei-galaxien-wird-eine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/aus-zwei-galaxien-wird-eine\/","title":{"rendered":"Was passiert, wenn aus zwei Galaxien eine wird"},"content":{"rendered":"<p>Die Galaxie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/NGC_1316\">NGC 1316<\/a> ist bei Astronomen seit Jahrzehnten ein beliebtes Forschungsobjekt und gibt den Wissenschaftlern trotzdem noch immer R\u00e4tsel auf. Die rund 60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte Galaxie im Sternbild Fornax, auf Deutsch Ofen, ist nur auf der S\u00fcdhalbkugel sichtbar und vom viel ausgedehnteren Nachbarsternbild Eridanus umgeben. Die Galaxie ist vor einigen Milliarden Jahren erst durch eine Kollision und danach eine Verschmelzung mit einer anderen Galaxie entstanden. Anschlie\u00dfend wurden noch weitere kleinen Galaxien eingemeindet.<\/p>\n<p>Durch gravitative Verzerrungen im Laufe ihrer Vergangenheit bekam sie ihre linsenf\u00f6rmige Struktur und die ausgepr\u00e4gten Wellenstrukturen, Ringe und Kreisb\u00f6gen in der sternreichen \u00e4u\u00dferen H\u00fclle. Durch die Verschmelzungen kam es zu einem Zustrom an Gas und im Zentrum zu einem supermassereichen Schwarzen Loch mit einer Masse von sch\u00e4tzungsweise 150 Millionen Sonnenmassen. NGC 1316 ist die hellste Galaxie des Fornax-Haufens.<\/p>\n<figure id=\"attachment_178802\" aria-describedby=\"caption-attachment-178802\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-178802 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/eso1734d-600x446.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"446\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178802\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 ESO\/A. Grado and L. Limatola<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Nachweis von Galaxien wie NGC 1316 extrem wichtig<\/h3>\n<p>\u201eDie Erkl\u00e4rung der Entstehung von Galaxien durch Verschmelzung von kleineren Vorl\u00e4ufern ist derzeit ein wichtiger Eckpfeiler unserer kosmologischen Modelle und Theorien\u201c, sagt Dr. Peter Kamphuis von der <a href=\"https:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/en\">Ruhr-Universit\u00e4t Bochum<\/a> (RUB). \u201eDaher ist der Nachweis von Galaxien wie NGC 1316 extrem wichtig.\u201c Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten Astronomen anhand solcher Galaxien den n\u00e4heren physikalischen Prozess und Ablauf einer oder mehrerer Verschmelzungen sowie den Einfluss auf die Galaxienentwicklung studieren.<\/p>\n<p>Aufgrund theoretischer Berechnungen waren Astronomen seit Langem davon \u00fcberzeugt, dass NGC 1316 viel Wasserstoff enthalten m\u00fcsste. Bisher gab es daf\u00fcr aber keinen Beweis. Nun haben Wissenschaftler der RUB um Dr. Peter Kamphuis unter der Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Paolo Serra vom italienischen <a href=\"http:\/\/www.inaf.it\/en\">Istituto Nazionale di Astrofisica<\/a> den Wasserstoff gefunden. Aus diesen Ergebnissen k\u00f6nnen sie nun eine genauere Theorie zur Bildung von Galaxien ableiten. \u201eNGC 1316 ist unter Astronomen ein sehr bekanntes Objekt\u201c, erz\u00e4hlt Peter Kamphuis. \u201eEs ist eine der hellsten Quellen im Radiobereich und das Lehrbuchexemplar einer Radiogalaxie.\u201c<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung des kalten interstellaren Mediums der Galaxie sei sehr ungew\u00f6hnlich, sagen die Forscher. Der Anteil an Wasserstoff und Helium betr\u00e4gt 98 Prozent, nur zwei Prozent sind schwere Staubteilchen. Das interstellare Medium, das \u201ebeim Kollaps von Riesengaswolken unter ihrer eigenen Masse Sterne bildet&#8221;, ist ein wichtiger Bestandteil einer Galaxie. Bei NGC 1316 haben die Wissenschaftler laut Paolo Serra aber einen gro\u00dfen Anteil des interstellaren Mediums in Staubform beobachtet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_178803\" aria-describedby=\"caption-attachment-178803\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-178803 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2019_07_23_bomans_ngc1316compositegreenmasked-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178803\" class=\"wp-caption-text\">Der Wasserstoff (gr\u00fcn) um die Galaxie NGC 1316 verteilt sich entlang von zwei Filamenten n\u00f6rdlich (links) und s\u00fcdlich der Galaxie. Zus\u00e4tzliche Klumpen aus Wasserstoff um NGC 1316 sind nicht zwangsl\u00e4ufig Teile der Filamente. Die Daten des Hintergrundbildes stammen vom Fornax Deep Survey und wurden mit dem VST-Teleskop der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte aufgenommen. \u00a9 ESO<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Genauere Theorie zur Bildung von Galaxien<\/h3>\n<p>Im Laufe ihrer Forschungen haben Astronomen herausgefunden, dass eine der urspr\u00fcnglichen Galaxien, aus denen NGC 1316 entstand, gigantisch war und ein Defizit an kaltem interstellaren Medium hatte. Die zweite Galaxie war etwa zehnmal kleiner und unserer Milchstra\u00dfe nicht un\u00e4hnlich. Da sie viel kalten Staub besa\u00df, brachte diese kleine Galaxie genug Staub in NGC 1316, um die Beobachtung zu erkl\u00e4ren. \u201eAllerdings sollte die kleine Galaxie auch eine Menge an Wasserstoff mitgebracht haben, der sich zum System addiert \u2013 der wurde aber bisher nicht gefunden\u201c, so Peter Kamphuis.<\/p>\n<p>Bis jetzt. Nun konnten die Forscher das R\u00e4tsel l\u00f6sen. \u201eWir konnten zeigen, dass der Wasserstoff in zwei langen, sehr schwachen Gasfilamenten verteilt ist, die sehr weit aus der Galaxie herausragen\u201c, erkl\u00e4rt Paolo Serra. Die Menge an Wasserstoff, die gemessen werden konnte, w\u00fcrde derjenigen entsprechen, die bei der Verschmelzung einer gro\u00dfen mit einer kleineren milchstra\u00dfen\u00e4hnlichen Galaxie zu erwarten sei. \u201eDank der neuen Beobachtungen haben wir alle Puzzleteile zusammengef\u00fcgt und haben jetzt eine genauere und koh\u00e4rente Theorie zur Bildung von Galaxien\u201c, fasst Peter Kamphuis zusammen.<\/p>\n<p>Die Arbeit wurde gef\u00f6rdert vom Europ\u00e4ischen Forschungsrat (PE9 ERC-2015-STG \u2013 Galaxy evolution in dense environments) und \u00fcber die Verbundforschung des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung im Projekt D-Meerkat: Ein deutscher Beitrag zur Weiterentwicklung der Radioastronomie im Zentimeterwellenl\u00e4ngenbereich.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der aktuellen Forschungen wurden in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/www.aanda.org\/\">Astronomy and Astrophysics<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=astronom\"><em><strong>Hier geht es zu mehr Artikeln zum Thema Astronomie<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Galaxie NGC 1316 ist bei Astronomen seit Jahrzehnten ein beliebtes Forschungsobjekt und gibt den Wissenschaftlern trotzdem noch immer R\u00e4tsel auf. 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