{"id":178756,"date":"2019-07-23T18:37:45","date_gmt":"2019-07-23T16:37:45","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=178756"},"modified":"2019-07-23T18:37:45","modified_gmt":"2019-07-23T16:37:45","slug":"meilenstein-in-der-stammzellforschung-forscher-stellen-besonders-vielseitigen-stammzellentyp-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/meilenstein-in-der-stammzellforschung-forscher-stellen-besonders-vielseitigen-stammzellentyp-her\/","title":{"rendered":"Meilenstein in der Forschung: Wissenschaftler stellen besonders vielseitigen Stammzellentyp her"},"content":{"rendered":"<p>Einem internationalen Forscherteam ist im Bereich der Stammzellenforschung ein wichtiger Durchbruch gelungen. Sie haben einen Stammzellentyp aus Schweine- und Menschenzellen gewonnen, der dem sehr fr\u00fchen Stadium einer befruchteten Eizelle entspricht. Daher verf\u00fcgen diese Stammzellen \u00fcber ein besonders gro\u00dfes Entwicklungspotenzial und k\u00f6nnten ganz neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Forschung er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Zellen im K\u00f6rper erf\u00fcllen unterschiedliche Zwecke. Stammzellen sind jedoch Zellen, die noch keine bestimmte Aufgabe haben und daher zu fast jeder Zelle werden k\u00f6nnen, die der K\u00f6rper gerade ben\u00f6tigt. Somit k\u00f6nnen Stammzellen auch bei der Behandlung einiger Krankheiten eine Rolle spielen, die derzeit nicht heilbar sind. Stammzellen unterscheidet man in drei Gruppen: die adulten, embryonalen und induzierten pluripotenten Stammzellen.<\/p>\n<h3>Adulte, embryonale und induzierte, pluripotente Stammzellen<\/h3>\n<p>Adulte Stammzellen, auch gewebespezifische oder somatische Stammzellen genannt, existieren im ganzen K\u00f6rper ab dem Zeitpunkt der Entwicklung eines Embryos. Diese Zellen befinden sich in einem unspezifischen Zustand, sind aber st\u00e4rker spezialisiert als embryonale Stammzellen. Sie bleiben in diesem Zustand, bis der K\u00f6rper sie f\u00fcr einen bestimmten Zweck ben\u00f6tigt, zum Beispiel nach einer Verletzung als Haut- oder Muskelzellen oder zum \u201eReparieren\u201c von Organsch\u00e4den. Stammzellen sind unter anderem im Gehirn vorhanden, im Blut und den Blutgef\u00e4\u00dfen, der Leber und dem Knochenmark.<\/p>\n<figure id=\"attachment_178755\" aria-describedby=\"caption-attachment-178755\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-178755\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/embryo-1514192_1920-1-600x338.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178755\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Embryonale Stammzellen stammen aus der Blastozyste, dem Embryo, das vier bis f\u00fcnf Tage nach der Befruchtung der Eizelle durch das Sperma entstanden ist. Bevor sich der Embryo in die Geb\u00e4rmutter implantiert, bildet eine Masse von etwa 150-200 Zellen die Blastozyste. Diese besteht aus zwei Teilen: der \u00e4u\u00dferen Zellmasse, die Teil der Plazenta wird und der inneren Zellmasse, die sich zum menschlichen K\u00f6rper entwickelt. In der inneren Zellmasse befinden sich die embryonalen Stammzellen, die das gesamte Potenzial haben, sich zu jeder Zelle im K\u00f6rper zu entwickeln. Sie k\u00f6nnen zu Blutzellen, Hautzellen und allen anderen Zelltypen werden, die ein K\u00f6rper braucht. Embryonale, sogenannte pluripotente, Stammzellen k\u00f6nnen sich zu mehr Zelltypen entwickeln als adulte Stammzellen.<\/p>\n<p>Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) werden in einem Labor mit Hautzellen und anderen gewebespezifischen Zellen hergestellt. Diese Zellen verhalten sich \u00e4hnlich wie embryonale Stammzellen, so dass sie f\u00fcr die Entwicklung einer Reihe von Therapien n\u00fctzlich sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<h3>Durchbruch<\/h3>\n<p>Stammzellen, die Wissenschaftler aus Embryonen entnehmen, stammen in der Regel von zus\u00e4tzlichen Embryonen, die durch In-vitro-Fertilisation (IVF) entstehen. Diese, aus der Blastozyste entnommenen und im Labor zur Kultur gebrachten Zellen entwickeln sich aber nicht immer so gut wie im menschlichen Embryo. Umso gr\u00f6\u00dfer ist deshalb die Bedeutung der Forschungsergebnisse des Teams um Professor Dr. Heiner Niemann, Honorarprofessor der <a href=\"https:\/\/www.mh-hannover.de\/\">Medizinischen Hochschule Hannover<\/a> (MHH) und bis August 2018 Leiter des <a href=\"https:\/\/www.fli.de\/de\/institute\/institut-fuer-nutztiergenetik-ing\/\">Instituts f\u00fcr Nutztiergenetik in Mariensee des Friedrich-Loeffler-Instituts f\u00fcr Tiergesundheit<\/a>.<\/p>\n<p>Erstmals ist es dieser internationalen Forschergruppe aus Deutschland, Gro\u00dfbritannien und China gelungen, einen besonders vielseitigen Typ von Stammzellen in Schwein und Mensch herzustellen und unter Laborbedingungen zu vermehren. Die Wissenschaftler konnten mit Hilfe einer speziellen N\u00e4hrl\u00f6sung eine besonders entwicklungsf\u00e4hige Zellsorte produzieren: embryonale Stammzelllinien mit erweitertem Potenzial (EPSC).<\/p>\n<p>\u201eDie von uns gewonnenen EPSC sind etwas ganz Besonderes, denn sie haben ein gr\u00f6\u00dferes Entwicklungspotenzial als normale embryonale Stammzellen\u201c, sagt Professor Niemann. \u201eSie k\u00f6nnen sich nicht nur zu allen Zelltypen entwickeln, sondern auch extraembryonales Gewebe bilden, das den Embryo umh\u00fcllt und sp\u00e4ter wesentliche Teile der Plazenta bildet \u2013 den Trophoblasten.\u201c<\/p>\n<p>Normalerweise h\u00e4tten nur befruchtete Eizellen vor der eigentlichen Zellteilung und einzelne Blastomere ganz zu Anfang der Entwicklung bis etwa zum Vier- bis Achtzellstadium diese sogenannte Pluripotenz, betonen die Forscher. Bislang konnten solche pluripotenten EPSC nur aus M\u00e4usen erzeugt werden. Nun gelang die Umprogrammierung zum fr\u00fchen pluripotenten Stadium sowohl bei Schweinezellen als auch bei menschlichen embryonalen Stammzellen oder induzierten pluripotenten Stammzellen. \u201eWeil nun die biochemischen Signalwege genauer bestimmt werden konnten, ist es m\u00f6glich, auch EPSC aus Mensch und Schwein zu gewinnen und diese dann unter schon bew\u00e4hrten, etablierten Zellkulturbedingungen zu vermehren\u201c, so Niemann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_178753\" aria-describedby=\"caption-attachment-178753\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-178753\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/190718_Niemann-kl.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"240\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178753\" class=\"wp-caption-text\">Ein wichtiger Schritt f\u00fcr die regenerative Medizin \u2013 MHH-Professor Heiner Niemann hat eine neue Generation von Stammzellen mitentwickelt. \u00a9 MHH \/ Karin Kaiser<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Entwicklungszust\u00e4nde gezielt herstellen<\/h3>\n<p>\u201eDas Umprogrammieren der Zellen zum urspr\u00fcnglichen Stadium einer befruchteten Eizelle bietet nun die M\u00f6glichkeit, Zellkulturen mit embryonalen Eigenschaften herzustellen, ohne dass tats\u00e4chlich Embryonen zu Forschungszwecken eingesetzt werden m\u00fcssen\u201c, erkl\u00e4rt der Niemann. Das Forscherteam untersuchte im Rahmen der Studie die unterschiedlichen Entwicklungsstadien von Stammzellen und die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen. Dabei gelang es ihnen, bestimmte Entwicklungspfade embryonaler Stammzellen biochemisch zu hemmen und so gezielt gew\u00fcnschte Entwicklungszust\u00e4nde herstellen, Krankheitsverl\u00e4ufe zu untersuchen oder Entwicklungsst\u00f6rungen zu erforschen.<\/p>\n<p>Gerade die Schweinezellen bieten nach Ansicht Niemanns daf\u00fcr ideale Voraussetzungen. \u201eDas Schwein ist ein zunehmend bedeutsames Modell f\u00fcr die biomedizinische Forschung\u201c, betont er. Denn Schweine seien dem Menschen sehr \u00e4hnlich, ihre Organe etwa gleich gro\u00df und die Forschung an Schweinezellen besser etabliert als im Humanbereich. Au\u00dferdem lie\u00dfen sich Schweinezellen einfacher genetisch ver\u00e4ndern, da die Protokolle daf\u00fcr gut etabliert seien. \u201eBeim Menschen m\u00fcssen wir etwa die Gewebeunvertr\u00e4glichkeiten beachten\u201c, erkl\u00e4rt Professor Niemann. \u201eAus Schweinezellen l\u00e4sst sich m\u00f6glicherweise universell verf\u00fcgbares und vertr\u00e4gliches Gewebe erstellen, das in einer Zellbank eingelagert werden kann.\u201c Somit w\u00fcrden sich auch f\u00fcr den Ersatz solider Organe vom Schwein, die sogenannte Xenotransplantation, neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Bis es soweit ist, wird es noch eine Weile dauern, denn die Ergebnisse m\u00fcssen auch von anderen Forschergruppen best\u00e4tigt werden. \u201eWir stellen unsere Arbeit der wissenschaftlichen Community zur Verf\u00fcgung, damit sie \u00fcberpr\u00fcft werden kann, um zu beweisen, dass die Daten solide sind.\u201c Und das Interesse sei riesig. \u201eWir werden gerade mit Anfragen \u00fcberh\u00e4uft\u201c, sagt Niemann. St\u00e4ndig m\u00fcssten Zellen verpackt und weltweit verschickt werden, damit andere die Versuche nachvollziehen k\u00f6nnten. Niemann arbeitet derweil schon am n\u00e4chsten Forschungsantrag. Er sch\u00e4tzt, dass es in drei bis f\u00fcnf Jahren bereits die ersten Gewebebanken auf Basis der EPSC-Linien geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift \u201e<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/naturecellbiology\/index.html\">Nature Cell Biology<\/a>\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=stammzellen\"><strong>Weitere Artikel zum Thema Stammzellen<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einem internationalen Forscherteam ist im Bereich der Stammzellenforschung ein wichtiger Durchbruch gelungen. Sie haben einen Stammzellentyp aus Schweine- und Menschenzellen gewonnen, der dem sehr fr\u00fchen Stadium einer befruchteten Eizelle entspricht. 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