{"id":178460,"date":"2019-07-22T17:00:01","date_gmt":"2019-07-22T15:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=178460"},"modified":"2019-07-22T17:00:01","modified_gmt":"2019-07-22T15:00:01","slug":"wie-milch-zur-faser-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-milch-zur-faser-wird\/","title":{"rendered":"Start-up of the Day: Wie Milch zur Faser wird"},"content":{"rendered":"<p>Die Mikrobiologin und Modedesignerin <em>Anke Domaske <\/em>entwickelte eine Textilfaser aus Kuhmilch. Die Milchfaser entsteht aus Milchabf\u00e4llen, ist sowohl \u00f6kologisch als auch biologisch abbaubar und besonders hautfreundlich.<\/p>\n<p><em>Domaske<\/em> war von der Idee angetrieben, chemisch unbehandelte Kleidung zu entwickeln. Dabei stie\u00df sie auf Milchproteine \u2013 und ein Verfahren, das schon in den 1930er-Jahren entwickelt worden war. Weil das Verfahren wenig energie-effizient war und umweltsch\u00e4dliche Chemikalien erforderte, brachte sie es im eigenen Labor zur Marktreife. Das n\u00f6tige Equipment besorgte sie sich im Supermarkt um zweihundert Euro. Allerdings nutzte sie auch das Labor im <em>Faserinstitut Bremen<\/em>. Die Arbeit gestaltete sich langwierig. Aber schlie\u00dflich war es soweit und <em>Domaske<\/em> hatte eine Milchfaser, die biologisch und kompostierbar war. Seither wurde ihre Innovation mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.<\/p>\n<h3>Weich wie Seide<\/h3>\n<p>Der Herstellungsprozess der Milchfaser klingt wie ein Kochrezept: Basis ist das in der Milch enthaltene Kasein, das in den Flocken von saurer Milch verf\u00fcgbar wird. Das Kasein wird getrocknet und mit weiteren Zutaten wie Bienenwachs, Weizenkleie und Wasser vermengt, erhitzt und geknetet. Die so entstehende Masse wird durch Spinnd\u00fcsen gepresst, um Fasern zu erhalten. Nach einer thermischen Trocknung werden die Fasern zu F\u00e4den gesponnen. In der F&amp;E-Phase nutzte <em>Domaske<\/em> die Maschinen im <em><a href=\"https:\/\/www.faserinstitut.de\/\">Faserinstitut Bremen<\/a>.<\/em> Mittlerweile verf\u00fcgt sie \u00fcber eine eigene Produktion am Firmensitz Hannover.<\/p>\n<p>Die Milchfaser f\u00fchlt sich auf der Haut weich wie Seide an, hat eine antibakterielle Wirkung und ist feuchtigkeitstransportierend und klimaregulierend. Im dermatologischen Test erhielt <a href=\"https:\/\/www.qmilkfiber.eu\/\"><em>QMilk <\/em><\/a>die Bewertung<em> ausgezeichnet<\/em>. Die Pflege ist unkompliziert: Der Stoff ist strapazierf\u00e4hig und in der Maschine waschbar.<\/p>\n<p>Das Schneiderhandwerk hat <em>Domaske<\/em> \u00fcbrigens von der Gro\u00dfmutter gelernt. Ihr eigenes Modelabel <a href=\"http:\/\/www.mcc-style.com\/#\/about\"><em>Mademoiselle Chi Chi<\/em> <\/a>entstand schon w\u00e4hrend dem Studium. Mit der Milchfaser erhielt das Label seine eigene Faser. Mittlerweile wird die Innovation auch von Herstellern wie Vaude genutzt. Nach der Milchfaser entwickelte Domaske eine Hautpflegeserie aus Kuhmilch. Beide Produkte werden online vertrieben. In Kooperation mit einem italienischen Unternehmen wurde aus der Milchfaser Vlies f\u00fcr Taschent\u00fccher. Au\u00dferdem betreut <em>Domaske<\/em> auf der Milchfaser aufbauende Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der Medizin, die allerdings noch nicht marktreif sind.<\/p>\n<p><strong>Die Gr\u00fcnderin im Interview:<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_178462\" aria-describedby=\"caption-attachment-178462\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-178462\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/2_IMGL4233print2-Kopie-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178462\" class=\"wp-caption-text\">Anke Domaske (c) QMILK<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Was ist Ihre Motivation? Welches Problem l\u00f6sen Sie und warum ist das wichtig?<\/h4>\n<p>Wir m\u00f6chten etwas bewegen und Probleme l\u00f6sen. Es sind mehrere Ans\u00e4tze. Aber vor allem geht es uns darum, dass viel Milch weggesch\u00fcttet wird, weil sie nicht der Lebensmittelverordnung entspricht. Ein Problem, das zum Beispiel dann entsteht, wenn der Milchwagen beim Bauern mit Versp\u00e4tung eintrifft. Allein in Deutschland entstehen so zwei Millionen Tonnen Milchabfall pro Jahr. F\u00fcr uns ist diese Milch ein wertvoller Rohstoff, aus der wir die Milchfaser produzieren.<\/p>\n<h4>Was war das gr\u00f6\u00dfte Hindernis, das Sie \u00fcberwinden mussten? Gab es einen Moment in dem Sie aufgeben wollten?<\/h4>\n<p>Es gab viele Hindernisse, aber das gr\u00f6\u00dfte Hindernis war sicher die Entwicklung der Faser an sich. Unsere Anspr\u00fcche waren hoch. Die Milchfaser sollte nat\u00fcrlich und nachhaltig sein. Aber an der Idee gezweifelt habe ich nie &#8211; egal wie gro\u00df das Hindernis war.<\/p>\n<h4>Was waren die bisher sch\u00f6nsten Momente? Welche Leistungen haben Sie wirklich stolz gemacht?<\/h4>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Highlights waren die Lieferung meiner ersten Maschine, das erste Produkt auf dem Markt zu sehen und der <em>Greentech Award 2015<\/em>.<\/p>\n<h4>Was k\u00f6nnen wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?<\/h4>\n<p>Es kommen immer mehr Produkte auf den Markt unter anderem finden wir gerade viele Anwendungen im Schuhbereich. Die Hersteller mit denen wir kooperieren, sind an unserem Filz interessiert, in dem die Milchfaser mit Wolle gemischt ist und sehr gute klimaregulierende Eigenschaften hat. Wolle w\u00e4rmt im Winter und k\u00fchlt im Sommer.<\/p>\n<figure id=\"attachment_178464\" aria-describedby=\"caption-attachment-178464\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-178464\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/1_S2440027-600x400.jpg\" alt=\"QMILK Kosmetik (c) QMILK\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178464\" class=\"wp-caption-text\">QMILK Kosmetik (c) QMILK<\/figcaption><\/figure>\n<h4><\/h4>\n<h4>Wo m\u00f6chten Sie mit Ihrem Unternehmen in f\u00fcnf Jahren sein \u2013 was ist Ihr h\u00f6chstes Ziel?<\/h4>\n<p>Das h\u00f6chste Ziel ist es einmal ein Haus komplett aus QMILK zu bauen \u2013 rein theoretisch ist dies m\u00f6glich!<\/p>\n<h4>Was macht Ihre Innovation besser\/anders als existierende Dinge?<\/h4>\n<p>Wir haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem wir sehr nachhaltig und ohne Abf\u00e4lle produzieren k\u00f6nnen. Zudem upcyclen wir einen Nebenstoffstrom aus der Lebensmittelindustrie und nutzen die Wirksamkeit der Natur.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/h4>\n<p><strong><em>Sie interessieren sich f\u00fcr Start-ups? Einen \u00dcberblick \u00fcber alle unsere Artikel zu diesem Thema finden Sie\u00a0<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=start+up\">hier<\/a>.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mikrobiologin und Modedesignerin Anke Domaske entwickelte eine Textilfaser aus Kuhmilch. Die Milchfaser entsteht aus Milchabf\u00e4llen, ist sowohl \u00f6kologisch als auch biologisch abbaubar und besonders hautfreundlich. Domaske war von der Idee angetrieben, chemisch unbehandelte Kleidung zu entwickeln. Dabei stie\u00df sie auf Milchproteine \u2013 und ein Verfahren, das schon in den 1930er-Jahren entwickelt worden war. 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