{"id":178175,"date":"2019-07-19T11:30:53","date_gmt":"2019-07-19T09:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=178175"},"modified":"2019-07-19T11:30:53","modified_gmt":"2019-07-19T09:30:53","slug":"ueber-das-zusammenleben-mit-buddy-dem-gefaehrtenroboter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/ueber-das-zusammenleben-mit-buddy-dem-gefaehrtenroboter\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Zusammenleben mit Buddy, dem Gef\u00e4hrtenroboter"},"content":{"rendered":"<p><em>Buddy, the emotional roboter<\/em> ist ein Gef\u00e4hrtenroboter, ein neues Wesen im Haushalt, das verschiedene soziale Funktionen im Alltag erf\u00fcllt: er weckt die Kinder, erinnert an Termine und patrouilliert durch das Haus, um ungew\u00f6hnliche Vorkommnisse zu melden. Feldstudien zum Nutzen von Gef\u00e4hrtenrobotern in privaten Haushalten gibt es noch kaum. Die Sozialwissenschafterin <em>Astrid Weiss<\/em> plant eine. Im Interview spricht sie \u00fcber die Interaktion zwischen Mensch und Roboter, <em>Buddy<\/em> und ihr Forschungsprojekt <em>Shared Space<\/em>.<\/p>\n<p><em>Weiss<\/em> ist Senior Scientist am Institut f\u00fcr <em><a href=\"http:\/\/www.informatik.tuwien.ac.at\/fakultaet\/institute\/e193\">Visual Computing &amp; Human-Centered Technology<\/a><\/em> an der <a href=\"https:\/\/www.tuwien.at\/\"><em>TU Wien<\/em><\/a>. In ihren Forschungsprojekten geht es um die Auswirkung der Technologie auf das Alltagsleben und was Menschen veranlasst, eine Technologie abzulehnen oder anzunehmen. Nach Studien zu Produktions- und Service-Robotern widmet sie sich jetzt dem Gef\u00e4hrtenroboter Buddy, einem der ersten im Handel erh\u00e4ltlichen Roboter, der eine soziale Beziehung zum Menschen etablieren soll, so der Hersteller <em>Blue Frog Robotics<\/em>. <em>Weiss<\/em> im Interview:<\/p>\n<h4>Ein menschen\u00e4hnliches \u00c4u\u00dferes von Robotern soll auf Menschen eher unheimlich wirken. Wie sieht <em>Buddy<\/em> aus?<\/h4>\n<p><em>Buddy<\/em> ist circa einen halben Meter gro\u00df, hat einen kleinen Kopf, aber keine Arme und rollt durch die Wohnung. Er hat einen freundlichen Gesichtsausdruck, der auf einem Display gezeigt wird, das aber noch andere Informationen liefert und auch als Touchscreen genutzt werden kann. Buddy hat also ein durchaus kreatur\u00e4hnliches Aussehen, aber die Grenze zwischen Mensch und Maschine ist klar zu ziehen. Die <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/254060168_The_Uncanny_Valley_From_the_Field\"><em>Uncanny Valley<\/em> <em>Hypothese<\/em><\/a>, die Sie ansprechen, hat <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Masahiro_Mori_(roboticist)\"><em>Masahiro Mori<\/em><\/a>, ein Robotik Professor am <em><a href=\"https:\/\/www.titech.ac.jp\/english\/\">Tokyo Institute of Technology<\/a><\/em> in den 1970er Jahren aufgestellt. Sie besagt, dass ein Roboter, der kaum von einem Menschen zu unterscheiden ist, als unheimlich empfunden wird. Aber Roboter mit menschen\u00e4hnlichem Aussehen wirken nicht grunds\u00e4tzlich unheimlich auf Menschen. Es gibt im Design von Service-Robotern verschiedene Ann\u00e4herungen:<\/p>\n<p>Wenn einem Roboter Kopf, Arme und Beine gegeben werden, dann mit der Annahme, dass diese in Umgebungen eingesetzt werden, die f\u00fcr den Menschen gemacht sind. Ein menschen\u00e4hnliches \u00c4u\u00dferes kann darin f\u00f6rderlich wirken.<\/p>\n<p>In einer anderen Annahme geht man davon aus, dass Roboter Serviceger\u00e4te sind, die eine komplexe Bedienung erfordern, der Zweck des Ger\u00e4ts allerdings nicht ersichtlich ist. Das Design eines Stuhls zeigt mir, wie ich ihn nutzen muss. Beim Roboter ist das nicht der Fall. Deshalb spricht man auch von der <em>Black Box<\/em> Roboter. Ein menschen\u00e4hnliches Design soll die Bedienung also intuitiver machen.<\/p>\n<h4>Sie gehen in Ihrem Forschungsprojekt davon aus, dass sich d<em>ie Interaktion zwischen Nutzer und Gef\u00e4hrtenroboter mit der Zeit \u00e4ndert. Wie k\u00f6nnen wir uns das vorstellen<\/em>?<\/h4>\n<p>Techniker und Designer gestalten Produkte nach einem bestimmten Nutzungskonzept. Aber neue Technologien m\u00fcssen sich im Alltag erst bew\u00e4hren. Fraglich ist, wie die Produkte tats\u00e4chlich genutzt werden \u2013 und ob sie auch nachhaltig genutzt werden. Auch unterscheiden sich die Nutzungsweisen zwischen jungen, technikaffinen Menschen und Senioren, die vielleicht nur mit den Enkeln \u00fcber Videotelefonie kommunizieren wollen. Die Funktionen m\u00fcssen robust genug sein, sonst macht man die Dinge lieber selber.<\/p>\n<p>Roboter bringen zus\u00e4tzlich die Dimension <em>Novelty Effect<\/em> mit. Es ist h\u00e4ufig zu beobachten, dass sie am Anfang intensiv und auch spielerisch genutzt werden. Aber wenn die Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden, kann es sein, dass sich dieser Effekt verfl\u00fcchtigt. Wenn der Roboter nichts macht, wof\u00fcr er im Alltag n\u00fctzlich sein kann, wird er nicht mehr genutzt. Allerdings sind die Erwartungen auch verzerrt. Das liegt unter anderem an der Darstellung von Robotern in den Medien. Im Science Fiction Film <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/I,_Robot_(Film)\">I, Robot<\/a> <\/em>(2004<em>)<\/em>, gibt es zum Beispiel eine Szene, in der ein humanoider Roboter dem Protagonisten nachl\u00e4uft, weil dieser seinen Asthma-Spray vergessen hat. Das sind Eindr\u00fccke, die reale Roboter oft schwerf\u00e4llig erscheinen lassen.<\/p>\n<p>In meinem Projekt geht es um die Intensit\u00e4t der Nutzung und auch um den Nutzungsverlauf: welche Funktionen werden am Anfang genutzt, welche nachhaltig? Um den <em>Novelty Effect<\/em> auszuschlie\u00dfen, muss der Test mindestens ein halbes Jahr laufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_178178\" aria-describedby=\"caption-attachment-178178\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-178178\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Astrid-Weiss-c-Luiza-Puiu-600x401.jpg\" alt=\"Astrid Weiss testet den Gef\u00e4hrtenroboter Buddy in privaten Haushalten\" width=\"600\" height=\"401\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-178178\" class=\"wp-caption-text\">Astrid Weiss (c) Luiza Puiu<\/figcaption><\/figure>\n<h4><\/h4>\n<h4>Bisher war von sozialen Robotern eher im Zusammenhang mit \u00e4lteren Menschen zu h\u00f6ren, die leicht in Isolation geraten. Sie beziehen auch junge Menschen und Familien ein?<\/h4>\n<p>Das wurde von den Medien so transportiert. In meiner Studie wird es m\u00f6glichst viele verschiedene Haushaltskonstellationen geben: Seniorenp\u00e4rchen, Studenten Wohngemeinschaften, Singles und Familien. Auch Haustiere spielen eine Rolle. Wenn ein Haustier am Boden herumtollt hat das eine andere Dynamik als ein minimalistisch eingerichteter Single-Haushalt.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrtenroboter sind vielseitig und sollen zwei Aufgaben erf\u00fcllen:<\/p>\n<ul>\n<li>Menschen bei praktischen Alltagsaufgaben unterst\u00fctzen;<\/li>\n<li>Eine vom Benutzer wahrgenommene Beziehung unter Verwendung von simulierten sozialen Signalen etablieren;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Problematisch an Robotern ist, dass man von au\u00dfen nicht erkennt, welche Funktionen sie haben. Wenn viele Funktionen angeboten werden, muss das Ger\u00e4t \u00fcber Signale kommunizieren. Signale k\u00f6nnen Anzeigen auf dem Display, Sprache, Bewegungen, T\u00f6ne, Melodien, die durch diese T\u00f6ne entstehen oder blinkende Lichter sein. Die Kunst ist es, eine interessante Mischung an Funktionen anzubieten und einen einfachen Umgang damit zu erm\u00f6glichen. Au\u00dferdem muss der Roboter robust genug und doch erschwinglich sein. Man sieht, dass das technisch nicht einfach machbar ist. Eben wurde der Release von <em>Buddy<\/em> auf das Fr\u00fchjahr 2020 verschoben. Deshalb gibt es auch noch kaum Studien \u2013 nur viele Annahmen aus Laborstudien.<\/p>\n<h4>Was sind das f\u00fcr simulierte soziale Signale, die in der Beziehung Mensch\/Gef\u00e4hrtenroboter etabliert werden?<\/h4>\n<p>Man kann eine Vielzahl von sozialen Reaktionen triggern. <em>Byron Reeves<\/em> und <em>Clifford Nass<\/em> haben in ihrer <em>Media Equation Theorie<\/em> gesagt, dass wir Medien mit Lebewesen gleichsetzen. Wenn die Technik soziale Schl\u00fcsselreize anspricht, behandeln wir den Computer wie einen Menschen. Auf eine h\u00f6fliche Anrede reagieren wir ebenso h\u00f6flich. Aber es ist auch eine Frage der Ethik, wenn sich Buddy so benimmt, als h\u00e4tte er Emotionen. Weil man dann von einer Reziprozit\u00e4t oder Synchronit\u00e4t ausgeht. Der Nutzer kann nicht mehr unterscheiden, wie authentisch die Emotionen des Roboters sind. Die sozialen Schl\u00fcsselreize k\u00f6nnen relativ schnell getriggert werden.<\/p>\n<h4>Bei welchen praktischen Alltagsaufgaben soll der Gef\u00e4hrtenroboter unterst\u00fctzen \u2013 und wie?<\/h4>\n<p>Laut Hersteller ist Buddy unter anderem ein Spielkamerad f\u00fcr die Kinder. Zum Beispiel weckt er sie auf und kann Unterhaltungs- und Lernspiele spielen. Als pers\u00f6nlicher Assistent erinnert er an Aufgaben und Termine. Au\u00dferdem h\u00e4lt er den engen Kontakt zu Freunden und achtet auf das Haus. Er patrouilliert durch die R\u00e4ume und meldet, wenn eine T\u00fcr offensteht, die nicht offenstehen sollte, oder etwas am Boden liegt. Wenn zum Beispiel eine \u00e4ltere Person st\u00fcrzt, ist das eine sinnvolle Anwendung.<\/p>\n<p><em>Ein Video zu Buddy finden Sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=51yGC3iytbY&amp;feature=youtu.be\">hier<\/a><\/em><\/p>\n<h4>Braucht es bestimmte Rahmenbedingungen zur Einf\u00fchrung des Gef\u00e4hrtenroboters in den Haushalt?<\/h4>\n<p>Die einzige Rahmenbedingung ist die v\u00f6llig freiwillige Teilnahme und die M\u00f6glichkeit, jederzeit aussteigen zu k\u00f6nnen. Ein Forscher begleitet den Prozess, um zu beobachten, wie der Gef\u00e4hrtenroboter von den Teilnehmern wahrgenommen wird. Nach sechs Monaten wird der Roboter rausgenommen und nach einem Monat Pause wieder reingenommen. Dadurch kann man die Nichtnutzung besser verstehen. Die Beobachtung l\u00e4uft \u00fcber Tagebuch und Fragebogen. Aber auch spielerisch \u00fcber Zeichnungen, um die Kinder einzubeziehen.<\/p>\n<h4>Mit welchen Ergebnissen ist in der Studie zu rechnen?<\/h4>\n<p>Das h\u00e4ngt auch von den Standards ab, mit denen der Gef\u00e4hrtenroboter schlie\u00dflich geliefert wird. Aber es ist zu erwarten, dass dessen Wahrnehmung nach Nutzertyp beziehungsweise soziodemographischen Merkmalen variiert. Spiele werden von Haushalten mit Kindern sicher \u00f6fter genutzt. Weiters wird es einen Unterschied machen, wenn Tiere im Haushalt sind. Auch der <em>Novelty Effect<\/em> wird sich mitunter zeigen. Das hei\u00dft, eine starke Nutzung am Anfang, die \u00fcber die Zeit abflacht. Manche werden die Funktionen auch als nicht wertvoll empfinden. Es ist \u00fcbrigens m\u00f6glich, eigene Funktionen zu entwickeln \u2013 und so wird es auch zu Erweiterungen von Funktionen kommen.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h4>\n<h3><\/h3>\n<h3>\u00dcber Astrid Weiss<\/h3>\n<p>Senior Scientist <a href=\"http:\/\/igw.tuwien.ac.at\/hci\/people\/aweiss\">Mag. Phil. Dr. Phil. <em>Astrid Weiss<\/em><\/a> ist an der <em>TU Wien<\/em> am Institut f\u00fcr Visual Computing &amp; <em>Humancentered <\/em> Technology t\u00e4tig. Sie hat einen sozialwissenschaftlichen Hintergrund. Ihr Forschungsfokus liegt auf der Mensch-\/Roboter-Interaktion, Theory of Mind und nutzerzentriertes Design.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astridweiss.wordpress.com\/projects\/sharedspace\/\"><em>Shared Space<\/em><\/a> ist ihre dritte Studie an der <em>TU Wien<\/em> zum Thema Mensch-\/Roboter-Interaktion.<\/p>\n<p>Im <em><a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/de\/\">FWF<\/a> <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/de\/forschungsfoerderung\/fwf-programme\/firnberg-programm\/\">Hertha Firnberg<\/a><\/em>-Projekt: \u201eWahrnehmungsbasierte Mensch-Roboter-Kooperation\u201c untersuchte sie, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Serviceroboter in Zukunft aussehen k\u00f6nnte. Der Fokus lag auf der Bew\u00e4ltigung von Fehlersituationen.<\/p>\n<p>Im <em>FFG<\/em>-Projekt <a href=\"https:\/\/astridweiss.wordpress.com\/projects\/assistme-2015-2017\/\"><em>Assist me<\/em><\/a> untersuchte <em>Weiss<\/em> gemeinsam mit Kollegen vom Forschungsinstitut <em>Profactor<\/em> die Mensch-\/Maschine-Zusammenarbeit zwischen Facharbeitern und Roboterarm.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant: <i id=\"matbutton\" class=\"material-icons\"><\/i><\/h3>\n<div id=\"main-content\">\n<div class=\"container\">\n<div id=\"content-area\" class=\"clearfix\">\n<div class=\"et_pb_extra_column_main\">\n<article id=\"post-175789\" class=\"module single-post-module post-175789 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-eindhoven category-empfohlene category-rundschreiben tag-bruyninckx-de tag-ku-leuven-de tag-roboter tag-robotik et-has-post-format-content et_post_format-et-post-format-standard\">\n<div class=\"post-header\">\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/einige-hypes-und-verpasste-chancen-in-der-robotik\/\">Einige Hypes und verpasste Chancen in der Robotik<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/roboter-ki-rettungseinsaetze-unter-wasser\/\">Dank KI \u2013 Mobile Roboter helfen bei Rettungseins\u00e4tzen und unter Wasser<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/auch-roboter-werden-kreativer-wenn-man-sie-ihre-eignen-erfahrungen-machen-laesst\/\">Auch Roboter werden kreativer, wenn man sie ihre eignen Erfahrungen machen l\u00e4sst<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/massgeschneiderte-roboter-fur-jedermann\/\">Massgeschneiderte Roboter f\u00fcr Jedermann<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buddy, the emotional roboter ist ein Gef\u00e4hrtenroboter, ein neues Wesen im Haushalt, das verschiedene soziale Funktionen im Alltag erf\u00fcllt: er weckt die Kinder, erinnert an Termine und patrouilliert durch das Haus, um ungew\u00f6hnliche Vorkommnisse zu melden. 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