{"id":177322,"date":"2019-07-16T14:00:20","date_gmt":"2019-07-16T12:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=177322"},"modified":"2019-07-16T14:00:20","modified_gmt":"2019-07-16T12:00:20","slug":"schwellenland-indien-frueherkennung-von-diabetes-durch-augenspiegel-adapter-fuer-smartphones","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/schwellenland-indien-frueherkennung-von-diabetes-durch-augenspiegel-adapter-fuer-smartphones\/","title":{"rendered":"Schwellenland Indien: Fr\u00fcherkennung von Diabetes durch Augenspiegel-Adapter f\u00fcr Smartphones"},"content":{"rendered":"<p>Diabetes ist nicht mehr nur eine Krankheit von Industriel\u00e4ndern. Laut des <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/de\/about-us\/whd\/world-health-day-2016-beat-diabetes\/news\/news\/2016\/16\/who-calls-for-global-action-on-diabetes\">Weltgesundheitsberichts der WHO von 2016<\/a> sind mittlerweile vor allem auch Schwellenl\u00e4nder betroffen. Unter anderem Indien. Hier ist etwa jeder Zehnte zuckerkrank. Dabei ist gerade Typ-2-Diabetes, sie gilt als Wohlstandskrankheit, vermeidbar. Wer gesund lebt, sich viel bewegt und ausgewogen ern\u00e4hrt, auf ein normales K\u00f6rpergewicht achtet und auf Zigaretten verzichtet wird eher nicht an dieser Stoffwechselkrankheit leiden. Und: Rechtzeitig erkannt kann der Betroffene darauf hoffen, dass er mit wenigen Medikamenten auskommt. Zudem k\u00f6nnte sich seine Insolinresistenz sogar wieder umkehren. Somit m\u00fcsste er eben nicht mit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Nervensch\u00e4den, dem diabetischen Fu\u00df und Erblindung rechnen.<\/p>\n<p>In Indien leidet etwa jeder dritte Zuckerkranke an einer diabetischen Retinopathie (DR). Das ist eine durch Diabetes hervorgerufene Erkrankung der Netzhaut. Unbehandelt f\u00fchrt die DR h\u00e4ufig zur Sehbehinderung und sogar Blindheit. Ein Problem, das vor allem auf dem Land, wo es keine ausreichende medizinische Versorgung gibt, h\u00e4ufig vorkommt.<\/p>\n<h3>Pilotprojekt in Bangalore<\/h3>\n<p>Und genau hier setzt das gerade von Dr. Maximilian Wintergerst, Arzt an der <a href=\"https:\/\/www.ukbonn.de\/42256BC8002AF3E7\/direct\/startseite-augenklinik\">Augenklinik des Universit\u00e4tsklinikums Bonn<\/a> und seinem Kollegen, Prof. Robert Finger in Kooperation mit Dr. Kaushik Murali und Dr. Mahesh Shanmugam der <a href=\"https:\/\/www.giftofvision.org\/home\">Sankara Eye Foundation Bangalore<\/a> ins Leben gerufene Pilotprojekt an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_177327\" aria-describedby=\"caption-attachment-177327\" style=\"width: 493px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-177327\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/image_large-600x397.jpg\" alt=\"\" width=\"493\" height=\"326\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-177327\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Divyansh Mishra, Dr. Mahesh Shanmugam, Dr. Maximilian Wintergerst, Dr. Kaushik Murali, Dr. Payal Shah (f.l.t.r.) \u00a9 Augenklinik \/ UK Bonn<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Mediziner m\u00f6chten gemeinsam vor Ort eine mobile, effektive und kosteng\u00fcnstige L\u00f6sung zur Fr\u00fcherkennung von DR testen. Es handelt sich dabei um ein g\u00e4ngiges Smartphone in Kombination mit einem entsprechenden Adapter. Denn hiermit k\u00f6nnen medizinisch geschulte Hilfskr\u00e4fte eine notwendige Augenspiegelung, auch Funduskopie bzw. Ophthalmoskopie genannt, durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dazu Dr. Wintergerst:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSmartphones sind heutzutage allgegenw\u00e4rtig und die Kameras vieler Ger\u00e4te sind so gut, dass sie sich prinzipiell f\u00fcr die medizinische Bildgebung eignen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der zugeh\u00f6rige Adapter, also der Smartphone-Augenspiegel, kostet nur wenige hundert Euro. Zudem ist er schnell und einfach zusammengebaut. F\u00fcr das Screening-Verfahren nutzen die \u00c4rzte die Kamera des Smartphones, um ins Auge zu sehen. Dazu fokussiert der Adapter den Strahlengang der Kamera und der Beleuchtungsquelle so, dass die Mobiltelefone wie ein Augenspiegel funktionieren.<\/p>\n<h3>Untersuchung per Telemedizin<\/h3>\n<p>So k\u00f6nnen die Hilfskr\u00e4fte fernab eines medizinischen Zentrums Aufnahmen von der Netzhaut des Patienten machen. Die Bilder werden dann vom Smartphone per Internet an den Augenarzt im Krankenhaus gesendet. Und dieser erkennt sofort, ob ein Patient eine DR hat.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDurch die Ophthalmoskopie k\u00f6nnen Augenerkrankungen des hinteren Augenabschnittes, wie beispielsweise die Diabetische Retinopathie, erfasst werden\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Wintergerst und er erg\u00e4nzt \u201esie zeigt sich durch eine Sch\u00e4digung kleiner Blutgef\u00e4\u00dfe, der sogenannten Mikroangiopathie.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit den durch die Telemedizin erhaltenen Informationen kann der Arzt auch gleich beurteilen, ob eine Behandlung notwendig ist. Und diese k\u00f6nnte dann zum Beispiel eine Laserbehandlung sein. Ist die Netzhaut unterversorgt, kann sie ver\u00f6det werden. All dies erfordert nat\u00fcrlich eine gute Ausbildung der \u00c4rzte. Doch immerhin: Gerade in Indien bieten Krankenh\u00e4user \u00e4rmeren Menschen kosteng\u00fcnstige bis kostenlose Behandlungen an, deren Auslagen in anderen Bereichen wieder kompensiert werden.<\/p>\n<h3>Vorstudie lief erfolgreich<\/h3>\n<p>Bevor die deutschen und indischen Mediziner das derzeitige Pilotprojekt ins Leben riefen, testeten sie in einer Vorstudie direkt vor Ort verschiedene Anwendungen. Denn, so Dr. Wintergerst:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs ist nat\u00fcrlich ein Unterschied, ob die Ger\u00e4te an Orten mit Maximalversorgung und von Augen\u00e4rzten mit entsprechender Erfahrung getestet werden oder vor Ort, wo die Infrastruktur nicht optimal ist und die Untersuchungen durch augen\u00e4rztliches Hilfspersonal durchgef\u00fchrt wird.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr ihre erste Studie nahmen die Forscher mit den entsprechend aufger\u00fcsteten Smartphones Bilder des Augenhintergrundes von 200 Diabetes-Patienten in Bangalore auf. Ihr Fazit: Prinzipiell war mit allen Smartphone-basierten Verfahren eine Augenhintergrund-Untersuchung m\u00f6glich. Doch schlie\u00dflich entschieden sie sich f\u00fcr den Adapter, der f\u00fcr ihren speziellen Anwendungszweck zur Erkennung der DR am besten geeignet war. Denn es gibt durchaus noch andere M\u00f6glichkeiten, das Smartphone in der Augenheilkunde zu verwenden. Dazu Dr. Wintergerst:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAls bildgebendes Instrument kann ein Smartphone zum Beispiel Sch\u00e4den am Sehnerv erkennen, und dieser wiederum kann ein Hinweis auf ein Glaukom sein.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Etablierung von DR Screening<\/h3>\n<p>Der von dem deutsch-indischen Mediziner-Team f\u00fcr Bangalore ausgew\u00e4hlte Adapter soll nun f\u00fcr die Dauer des Pilotprojekts eingesetzt werden. Ziel der n\u00e4chsten zwei Jahre ist die Etablierung eines telemedizinischen DR Screenings in den \u00e4rmeren Stadtvierteln von Bangalore und der l\u00e4ndlichen Umgebung.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind s\u00e4mtliche Vorbereitungen getroffen, so dass mit dem Projekt gestartet werden kann. So wurde k\u00fcrzlich bereits mit der Schulung von 20 Optometristen in der Smartphone-basierten Funduskopie begonnen. Dr. Wintergerst plant zudem, die Screening Camps auch immer mal wieder pers\u00f6nlich vor Ort zu betreuen.<\/p>\n<p>Auch kommen demn\u00e4chst sechs Augen\u00e4rzte und Mitarbeiter des Sankara Eye Hospitals Bangalore an die Augenklinik nach Bonn. Denn das dortige GRADE Reading \u00a0Center ist auf systematisch standardisierte Bildanalyse spezialisiert. Entsprechend werden sie von den hiesigen Experten in die speziellen Anforderungen der Auswertung von mittels Smartphone aufgenommenen Bildern des Augenhintergrunds eingef\u00fchrt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWichtig ist uns ein nachhaltiger Wissenstransfer, so dass die telemedizinischen Screenings langfristig nach dem Projektende weitergef\u00fchrt werden k\u00f6nnen\u201c, betont Wintergerst.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Hoffnung, dass alles gut funktioniert, hat er zusammen mit seinen Kollaborations-Partnern aus Indien eine gro\u00dfe Vision:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEine Ausweitung des telemedizinisches DR-Screening-Programmes auf weitere Krankenh\u00e4user der Sankara Eye Foundation mit dem in Bangalore etablierten telemedizinischen Reading Center als koordinierendes Zentrum. Dies k\u00f6nnte die augen\u00e4rztliche Versorgung f\u00fcr viele Menschen mit Diabetes, insbesondere in l\u00e4ndlichen Gebieten mit schlechter medizinischer Infrastruktur, deutlich verbessern.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch sieht er das Potential, dass dieses telemedizinische Screening-Konzept, wenn es erfolgreich ist, auf andere Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder \u00fcbertragen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das Projekt wird \u00fcbrigens im Rahmen einer Klinikpartnerschaft in H\u00f6he von rund 50.000 Euro vom Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit und der Else-Kr\u00f6ner-Fresenius-Stiftung insgesamt \u00fcber zwei Jahre gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/start-up-of-the-day-dopavison-moechte-kurzsichtigkeit-per-digitalanwendung-behandeln\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Start-up of the day: Dopavision m\u00f6chte Kurzsichtigkeit per Lichtstimulation behandeln<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diabetes ist nicht mehr nur eine Krankheit von Industriel\u00e4ndern. 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