{"id":176433,"date":"2019-07-07T13:22:34","date_gmt":"2019-07-07T11:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=176433"},"modified":"2019-07-07T13:22:34","modified_gmt":"2019-07-07T11:22:34","slug":"forschungsprojekt-one-health-was-tun-gegen-antibiotika-resistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/forschungsprojekt-one-health-was-tun-gegen-antibiotika-resistenz\/","title":{"rendered":"Forschungsprojekt \u201eOne Health\u201c: Was tun gegen Antibiotika-Resistenz?"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp 90 Jahren entdeckte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Fleming\">Alexander Fleming<\/a> vom Londoner St. Marys Hospital eher per Zufall den Wirkstoff Penicillin. Zwar dauerte es noch etwas, bis dessen Bedeutung durch die Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Boris_Chain\">Ernst Chain<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Howard_Walter_Florey\">Howard Florey<\/a> erkannt wurde. Doch immerhin erhielten die drei im Jahre 1945 f\u00fcr ihre Arbeit den Nobelpreis. Denn Krebstherapien, Operationen und vieles mehr w\u00e4re ohne Antibiotika als bakterient\u00f6tende Mittel um einiges riskanter.<\/p>\n<p>So langsam f\u00e4ngt das Blatt aber an, sich zu wenden. Laut WHO sterben j\u00e4hrlich an die 700.000 Menschen aufgrund von Antibiotika-Resistenzen. Und es wird gewarnt: Die Zahl k\u00f6nnte sich demn\u00e4chst verzehnfachen.<\/p>\n<p>Wobei sich der Anteil der Resistenzen in der Welt unterscheidet. Auch innerhalb der EU. So sollen in S\u00fcd- und Mitteleuropa \u2013 also Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn, Rum\u00e4nien und Polen \u2013 mehr als 50 Prozent bestimmter Bakteriengruppen gegen einzelne Antibiotika resistent sein. In Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien sind es deutlich unter zehn Prozent.<\/p>\n<p>Das liegt daran, dass es in manchen L\u00e4ndern Antibiotika fast an jeder Stra\u00dfenecke zu kaufen gibt. Wenn sie dann noch \u2013 abgesehen davon, dass R\u00fcckst\u00e4nde aus Fabriken ins Grundwasser gelangen \u2012, von skrupellosen Gesch\u00e4ftemachern verd\u00fcnnt werden und als falsches oder unwirksames Mittel oder mit falscher Dosierung auf den Markt kommen, haben Bakterien beste Chancen, sich an die Medikamente anzupassen und sie nutzlos zu machen. Alternativen wird es dann kaum mehr geben. Denn welcher Pharmakonzern forscht schon freiwillig an einem Medikament, dass nur reduziert und nicht in Massen eingesetzt werden kann?<\/p>\n<h3>&#8220;One Health \u2013 One Hygiene&#8221; forscht interdisziplin\u00e4r<\/h3>\n<p>Genau bei diesem Dilemma setzt die von der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/\">Universit\u00e4t Bonn<\/a>\u00a0und des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ukbonn.de\/42256BC8002AF3E7\/direct\/home\">Universit\u00e4tsklinikums Bonn<\/a>\u00a0neu gegr\u00fcndete Arbeitsgruppe &#8220;One Health \u2013 One Hygiene&#8221; an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_176438\" aria-describedby=\"caption-attachment-176438\" style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-176438\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/newsimage316625-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"360\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-176438\" class=\"wp-caption-text\">One Health &#8211; One Hygiene \u00a9Dirk Skutlarek<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit dem Ziel, Mensch, Tier und Umwelt ganzheitlich im Blick zu behalten, kooperieren Wissenschaftler \u00fcber die Grenzen von Instituten und Fakult\u00e4ten hinweg, um ihre Kompetenzen zu b\u00fcndeln. Sie kommen unter anderem aus der Medizin, Mikrobiologie, Chemie und Agrarwirtschaft. Denn Antibiotika werden nicht nur f\u00fcr Menschen und in Krankenh\u00e4usern, sondern auch in Tierst\u00e4llen zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ist eng miteinander verkn\u00fcpft. Diese Zusammenh\u00e4nge bed\u00fcrfen einer ganzheitlichen Betrachtung\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.ihph.de\/\">IHPH-<\/a>Direktor Prof. Dr. med. Dr. h.c. Martin Exner. Die Wissenschaftskooperation m\u00f6chte gemeinsam Forschungsprojekte zum Schutze vor antibiotika-resistenten Keimen entwickeln. Anschlie\u00dfend m\u00f6chte sie anwendungsbezogene Handlungsempfehlungen f\u00fcr den klinischen und landwirtschaftlichen Bereich geben.<\/p>\n<h3>Pr\u00e4ventionspotenziale sind noch lange nicht ausgesch\u00f6pft<\/h3>\n<p>Denn bis jetzt wei\u00df keiner so genau, wie es weitergeht, wenn sich antibiotika-resistente Keime durch Abwasser, G\u00fclle und Trinkwasser weiterverbreiten. Die Forschungsgruppe setzt die \u00f6ffentliche Gesundheit in den Fokus.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eOne Health ist unsere gemeinsame Basis, mit der wir alle relevanten Fragestellungen zur Verbreitung von Antibiotika und \u2013resistenten Bakterien in der Umwelt, aber auch bei Menschen und Tieren, die Zusammenh\u00e4nge und \u00dcbertragungswege untersuchen\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;, beschreibt Dr. med. Dr. agr. Ricarda Schmithausen vom Institut f\u00fcr Hygiene und \u00d6ffentliche Gesundheit (IHPH) des Universit\u00e4tsklinikums Bonn die Wissenschaftskooperation. Die Wissenschaftlerin hat in der Humanmedizin und in den Agrarwissenschaften zu dieser Thematik promoviert. Deshalb h\u00e4lt sie bei diesem komplexen Forschungsprojekt die F\u00e4den zusammen.<\/p>\n<p>Derzeit wird das One Health-Labor an den beiden Standorten Campus Poppelsdorf und Venusberg in Bonn nach dem neuesten Stand der Technik ausgestattet. Ziel ist es, die Forschungen zu b\u00fcndeln und interdisziplin\u00e4re Kompetenzen zu nutzen, um Menschen, Tiere und Umwelt noch besser vor Antibiotika-resistenten Bakterien zu sch\u00fctzen. Dazu Schmithausen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnsere Pr\u00e4ventionspotenziale sind noch lange nicht ausgesch\u00f6pft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Deshalb kooperieren an der Universit\u00e4t Bonn fakult\u00e4ts\u00fcbergreifend die Landwirtschaftliche Fakult\u00e4t mit dem Institut f\u00fcr Tierwissenschaften (ITW) sowie dem <a href=\"https:\/\/www.foodnetcenter.uni-bonn.de\/\">FoodNetCenter (FNC)<\/a> und die Medizinische Fakult\u00e4t mit dem Institut f\u00fcr Hygiene und \u00d6ffentliche Gesundheit und dem Institut f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie (IMMIP) am Universit\u00e4tsklinikum Bonn. Der \u201eOne Health\u201c-Gedanke spielt auch im Rahmen des Master-Studiengangs Global Health Risk Management &amp; Hygiene Policies in Kollaboration mit der Universit\u00e4t der Vereinten Nationen (<a href=\"https:\/\/unu.edu\/\">UNU<\/a>), dem Zentrum f\u00fcr Entwicklungsforschung (<a href=\"https:\/\/www.zef.de\/zefhome\/\">ZEF<\/a>) und der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (<a href=\"https:\/\/www.giz.de\/de\/html\/index.html\">GIZ<\/a>) eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<h3>Nachfolge von Verbundprojekt HyReKA<\/h3>\n<p>Die Arbeitsgruppe \u201eOne Health\u201c wurde als Fortsetzung des<a href=\"http:\/\/www.hyreka.net\/\"> HyReKA<\/a>-Verbundprojektes gegr\u00fcndet. HyReKA steht f\u00fcr \u201eBiologische bzw. hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abw\u00e4ssern und deren Bedeutung in Rohw\u00e4ssern\u201c. Das Projekt wird seit Jahren vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rdert. Hinzu kommen F\u00f6rdermittel von Partnern aus Wirtschaft und Politik.<\/p>\n<p>Bei HyReKA untersuchten die Forscher m\u00f6gliche Eintragspfade und Verbreitungswege von Antibiotika-resistenten Bakterien, Antibiotika-Resistenzgenen und Antibiotika-R\u00fcckst\u00e4nden an einem Krankenhaus der Maximalversorgung, an Tiermast- und Schlachtbetrieben sowie aus Flugzeugen und Flugh\u00e4fen. Zudem betrachteten sie deren Weiterverbreitung \u00fcber Kl\u00e4ranlagen in Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Weitere Gelder kommen durch Landesf\u00f6rderungen wie etwa des nordrhein-westf\u00e4lischen Ministeriums f\u00fcr Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) zur Untersuchung von 16 Badeseen in Nordrhein-Westfalen. Hier wurden \u00fcbrigens nur sehr geringe Mengen an Antibiotika und entsprechend resistenten Bakterien gefunden. Die von den Wissenschaftlern entwickelten Untersuchungsmethoden werden auch dem Labor des Landesamtes f\u00fcr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW f\u00fcr Untersuchungen zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p><strong>Weitere Artikel mit dem Thema &#8220;Antibiotika&#8221; in der Innovation Origins finden Sie <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=antibiotika\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp 90 Jahren entdeckte Alexander Fleming vom Londoner St. Marys Hospital eher per Zufall den Wirkstoff Penicillin. Zwar dauerte es noch etwas, bis dessen Bedeutung durch die Wissenschaftler Ernst Chain und Howard Florey erkannt wurde. Doch immerhin erhielten die drei im Jahre 1945 f\u00fcr ihre Arbeit den Nobelpreis. 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