{"id":176015,"date":"2019-07-03T08:00:26","date_gmt":"2019-07-03T06:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=176015"},"modified":"2019-07-03T08:00:26","modified_gmt":"2019-07-03T06:00:26","slug":"schuttbedeckte-gletscher-als-folge-der-globalen-erwaermung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/schuttbedeckte-gletscher-als-folge-der-globalen-erwaermung\/","title":{"rendered":"Schuttbedeckte Gletscher als Folge der globalen Erw\u00e4rmung"},"content":{"rendered":"<p>Die Alpen sind von der globalen Erw\u00e4rmung ungleich stark betroffen. Der Temperaturanstieg liegt hundert Prozent \u00fcber dem globalen Mittel. Eine Folge ist Gletscherschwund, eine noch weniger bekannte Folge ist Steinschlag. Die Felsw\u00e4nde werden durch die Erw\u00e4rmung und das darauf folgende Auftauen des Permafrostes instabil und verursachen schuttbedeckte Gletscher.<\/p>\n<p>Der Glaziologe <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/igf\/team\/wiss-mitarbeiterinnen\/kay-helfricht\/\"><em>Kay Helfricht<\/em><\/a> vom <em>Institut f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Gebirgsforschung<\/em> an der <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\"><em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschafte<\/em>n<\/a>, forscht im Projekt <em>Hidden.Ice<\/em> an den Auswirkungen der Schuttabdeckungen. Er und sein Team wollen wissen, ob vermehrte Schuttbedeckung den Eisschwund verst\u00e4rkt oder verlangsamt. Au\u00dferdem untersuchen sie, die Auswirkungen der schuttbedeckten Gletscher auf den Transport von Geschiebe in Gebirgsb\u00e4chen, die am Fu\u00dfe der Gletscher zutage treten.<\/p>\n<h3>\u00d6kologische Langzeitforschung<\/h3>\n<p>F\u00fcr eine Reihe von Gletschern \u00f6sterreichweit gibt es Satellitenbilder, welche die Entwicklung der vergangenen drei\u00dfig Jahre abbilden. Weitere Daten, die genutzt werden, sind jene von Flugzeugen und <em>unmanned aerial vehicles<\/em> (UAV). Hauptuntersuchungsgebiet ist der etablierte LTER-Standort <em>Jamtalferner<\/em> in der Silvretta. Ein Gebiet, in dem die Zunahme der schuttbedeckten Gletscher mit historischen Daten belegt ist. Wertvolle Informationen liefern alte Fotos und Karten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lter-austria.at\/\"><em>LTER-Austria<\/em><\/a> ist die <em>\u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr \u00f6kologische Langzeitforschung<\/em>, die an Strukturen und Funktionen von \u00d6kosystemen forscht \u2013 sowie an deren langfristigen Reaktionen auf Umwelteinfl\u00fcsse. Mehrere Forschungseinrichtungen sind beteiligt.<\/p>\n<h3>Massive Schuttschicht konserviert<\/h3>\n<p>Im Vergleich zum Himalaya gibt es auf \u00f6sterreichischen Gletschern noch relativ wenig Schutt, erkl\u00e4rt der Forscher. Allerdings nehme dieser auf den betroffenen Gletschern tendenziell zu. Meist misst die Schuttschicht auf den Gletschern nur wenige Zentimeter bis mehrere Dezimeter. Stark schuttbedeckte Gletscher wirken auf den Laien wie Ger\u00f6llhalden.<\/p>\n<p>Die Bedeckung kann unterschiedliche Auswirkungen auf das Eis darunter haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine massive und geschlossene Schuttschicht konserviert das Eis.<\/li>\n<li>Bei einer eher uneinheitlichen und d\u00fcnnen Eisschicht schmilzt das Eis schneller. Grund ist die zus\u00e4tzliche W\u00e4rme, die von dem dunkleren Material abgestrahlt wird.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><\/h3>\n<h3>Gestein in Hochgebirgsb\u00e4chen<\/h3>\n<p>Um den Transport des Ger\u00f6lls durch Hochgebirgsb\u00e4che zu untersuchen, schaut sich <em>Helfricht<\/em> den \u00dcbergang vom schuttbedeckten Eis bis zum eisfreien Gletschervorfeld an. Hier ist mit einem erh\u00f6hten Abtransport von lockerem Ger\u00f6ll zu rechnen. Die genauen Vorg\u00e4nge gilt es in dem Projekt zu kl\u00e4ren. Offenbar ist, dass das Gesteinsmaterial an den Flanken der Gletscherzunge abrutscht. Dadurch wurd das bisher bedeckte Eis freigelegt und das Gestein gelangt direkt in den Abfluss.<\/p>\n<p>\u00dcber das Schmelzwasser werden die Ger\u00f6llablagerungen in die Hochgebirgsb\u00e4che transportiert, wo sie in R\u00fcckhaltebecken und Wasserfassungen gelangen und diese verlegen. Wasserfassungen sind alle baulichen Anlagen zur Gewinnung von Wasser aus Grundwasser, wie zum Beispiel Brunnen.<\/p>\n<h3>Schutt-Transport durch Schmelzwasser<\/h3>\n<p>Diese Vorg\u00e4nge fallen in den Forschungsbereich der <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/wasserbau\/index.html.de\"><em>Abteilung Wasserbau<\/em><\/a> an der <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em>, weshalb der Glaziologe eng mit den Experten zusammenarbeitet.<\/p>\n<blockquote><p>\u201cUnsere Arbeitsthese ist, dass ein gro\u00dfer Teil des lockeren Schutts auf den Gletschern direkt an den Gletscherzungen in den Abfluss gelangt. Dort nimmt das Schmelzwasser das Material mit. Besonders bei Starkniederschl\u00e4gen und an hei\u00dfen Sommertagen landet deshalb sehr viel Schutt in den B\u00e4chen und wird talw\u00e4rts transportiert.\u201c <em>Kay Helfricht<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3><\/h3>\n<h3>Geologische Messmethoden<\/h3>\n<p>Die Wissenschafter unterscheiden in zwei Kategorien von Schutt:<\/p>\n<ul>\n<li>das feine Material (Sediment) das im Wasser st\u00e4ndig in Schwebe gehalten wird;<\/li>\n<li>das gr\u00f6bere Material (Geschiebe), das vom flie\u00dfenden Wasser am Grund mitgenommen wird;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Projekt wird vor allem der Transport gr\u00f6berer Teile untersucht. Dieser ist allerdings schwierig zu messen. \u201cMan kann zwar Fangk\u00f6rbe einbringen, aber es ist oft sehr unsicher, wie repr\u00e4sentativ solch eine Messung wirklich ist\u201d, erkl\u00e4rt <em>Helfricht<\/em>. Deshalb werden zus\u00e4tzlich geologische Messmethoden eingesetzt, in welchen die H\u00f6henunterschiede der an- und abgelagerten Ger\u00f6llvolumen vermessen werden. Dabei wird die Oberfl\u00e4che der Gletscherzunge und des Gletschervorfeldes mit bis zu zwanzig Messpunkten pro Quadratmeter mit Luftaufnahmen kartographiert. Bei regelm\u00e4\u00dfiger Durchf\u00fchrung erlaubt dies eine genaue Berechnung der Ger\u00f6llvolumen.<\/p>\n<h3>Computersimulation des Transports<\/h3>\n<p>Die erste Bestandsaufnahme l\u00e4uft bereits. Die Messungen sollen in den kommenden Sommern wiederholt werden. Diese Daten sollen dann die Computersimulation des Geschiebetransports in den B\u00e4chen erm\u00f6glichen. Das Projekt l\u00e4uft bis zum Jahr 2021.<\/p>\n<p><em>Hidden.Ice<\/em> wird von der <em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em> (\u00d6AW) gef\u00f6rdert. Projektpartner sind die <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/\"><em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em><\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.ku.de\/\"><em>Katholische Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/www.enveo.at\/\"><em>ENVEO Environmental Earth Observation IT GmbH<\/em><\/a> sowie die <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\"><em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur Wien<\/em><\/a>.<\/p>\n<p><em>Kay Helfricht<\/em> kam 2014 als Junior Researcher an das <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/igf\/institut\/\"><em>Institut f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Gebirgsforschung<\/em><\/a> der <em>\u00d6AW<\/em> und ist inzwischen als Postdoc t\u00e4tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-erkenntnisse-durch-praezise-modellierung-von-gletschereisdicke\/\">Neue Erkenntnisse durch pr\u00e4zise Modellierung von Gletschereisdicke<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/quantenphysikalische-analyse-zur-praezisen-datierung-von-gletschereis\/\">Quantenphysik zur pr\u00e4zisen Datierung von Gletschereis<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/antarktis-hier-sollte-eis-sein\/\">Antarktis: Hier sollte Eis sein!<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/gletscherschmelze-in-groenland-der-antarktis-und-am-hindukusch\/\">Gletscherschmelze in Gr\u00f6nland, der Antarktis und am Hindukusch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Alpen sind von der globalen Erw\u00e4rmung ungleich stark betroffen. 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