{"id":175894,"date":"2019-06-29T12:45:50","date_gmt":"2019-06-29T10:45:50","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=175894"},"modified":"2019-06-29T12:45:50","modified_gmt":"2019-06-29T10:45:50","slug":"medikamente-aus-massivem-gold-unterstuetzen-das-immunsystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/medikamente-aus-massivem-gold-unterstuetzen-das-immunsystem\/","title":{"rendered":"Medikamente aus massivem Gold unterst\u00fctzen das Immunsystem"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen zwanzig Jahren haben Nanopartikel in der Medizin eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle \u00fcbernommen. Sie kommen in Medikamenten zum Einsatz, z.B. bei Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Bereits im Jahr 2006 gab es \u00fcber 100 Medikamente mit Nanoanteilen auf dem Markt. Au\u00dferdem werden medizinische Ger\u00e4te in der Bek\u00e4mpfung von Bakterien vor allem in Krankenh\u00e4usern nanobeschichtet. Nanopartikel kommen au\u00dferdem in der Diagnostik, bei Therapien und Implantaten vor.<\/p>\n<p>In der Medizin werden f\u00fcr die Zukunft gro\u00dfe Erwartungen in die Nanotechnologie gesetzt, aber es stellen sich den Medizinern auch ethische Fragen. K\u00f6nnte die M\u00f6glichkeit, die menschlichen F\u00e4higkeiten mittels Nanotechnologie zu verbessern, dazu f\u00fchren, dass die Toleranzgrenze f\u00fcr geistige und k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen sinkt? K\u00f6nnte der ungleichm\u00e4\u00dfige Zugang zur Nanotechnologie endg\u00fcltig zu der sogenannten \u201e2-Klassen-Medizin&#8221; f\u00fchren?<\/p>\n<p>Letztere Frage stellt sich insbesondere, wenn man die j\u00fcngsten Untersuchungen von Forschern der Universit\u00e4t Genf (<a href=\"https:\/\/www.unige.ch\/\">UNIGE<\/a>), dem Nationalen Forschungsschwerpunkt \u201eBio-inspirierte Materialien&#8221; und der <a href=\"https:\/\/www.swansea.ac.uk\/medicine\/\">Swansea University Medical School<\/a> in Grossbritannie betrachtet. Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen von Goldnanopartikeln auf die Immunzellen im Zusammenhang mit der Antik\u00f6rperproduktion. Dadurch wollen sie den Weg f\u00fcr effektivere Impfstoffe und Therapien bereiten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_175891\" aria-describedby=\"caption-attachment-175891\" style=\"width: 363px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-175891\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/unige_120078.jpeg\" alt=\"Goldnanopartikel\" width=\"363\" height=\"279\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-175891\" class=\"wp-caption-text\">B-Lymphozyten (blau und gr\u00fcn) und Goldnanopartikel (rot) gemessen mit Dunkelfeld-Hyperspektralbildgebung in Verbindung mit Fluoreszenznachweis \u00a9 UNIGE<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Besser vertr\u00e4gliche Therapien<\/h3>\n<p>Die Mediziner untersuchten im Rahmen ihrer Studie verschiedenste Goldnanopartikel und gewannen so erste Erkenntnisse \u00fcber die Wirkung der Partikel auf die B-Lymphozytendie. Sie sind im menschlichen K\u00f6rper f\u00fcr die Antik\u00f6rperproduktion verantwortlich. Die Forscher gehen davon aus, dass die Nanopartikel sowohl die Wirkung von Medikamenten verbessern als auch deren Nebenwirkungen vermindern k\u00f6nnen. Dadurch k\u00f6nnte man, insbesondere im Bereich der Onkologie, auf Dauer besser vertr\u00e4gliche Therapien entwickeln. \u201eDie entwickelte Methodik erm\u00f6glicht es auch, die Biokompatibilit\u00e4t von Nanopartikeln bereits in einem fr\u00fchen Stadium der Entwicklung eines neuen Nanodrugs zu testen\u201c, erkl\u00e4ren die Forscher.<\/p>\n<p>Als Produzent von Antik\u00f6rpern sind die B-Lymphozyten ein wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems. Aus diesem Grund sind sie auch essentiell f\u00fcr die Entwicklung von Impfstoffen. Impfstoffe m\u00fcssen n\u00e4mlich B-Lymphozyten schnell und zerst\u00f6rungsfrei erreichen, was den Einsatz von Nanopartikeln besonders interessant macht.<\/p>\n<p>\u201eNanopartikel k\u00f6nnen einen Schutztr\u00e4ger f\u00fcr Impfstoffe &#8211; oder andere Medikamente &#8211; bilden, um sie gezielt dort abzugeben, wo sie am wirksamsten sind, und gleichzeitig andere Zellen zu schonen&#8221;, erkl\u00e4rt Carole Bourquin, Professorin an den Medizinisch-Wissenschaftlichen Fakult\u00e4ten der UNIGE, die diese Studie mit leitete. \u201eDieses Targeting erm\u00f6glicht auch die Verwendung einer geringeren Dosis an Immunstimulatoren bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer effektiven Immunantwort. Es erh\u00f6ht seine Wirksamkeit bei gleichzeitiger Reduzierung von Nebenwirkungen, vorausgesetzt, die Nanopartikel sind f\u00fcr alle Immunzellen unbedenklich.&#8221; \u00c4hnliche Studien seien bereits f\u00fcr andere Immunzellen durchgef\u00fchrt worden, aber noch nie zuvor f\u00fcr die kleineren und schwieriger zu handhabenden B-Lymphozyten, betonen die Forscher.<\/p>\n<h3>Gold als ideales Material<\/h3>\n<p>Gold ist f\u00fcr die Nanomedizin ideal. Es ist f\u00fcr den K\u00f6rper gut vertr\u00e4glich, leicht formbar und kann au\u00dferdem Licht absorbieren und dann W\u00e4rme abgeben. Diese Eigenschaft ist besonders in der Onkologie von Vorteil. \u201eGoldnanopartikel k\u00f6nnen zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden. Bei der Exposition gegen\u00fcber einer Lichtquelle geben die Nanopartikel W\u00e4rme ab und zerst\u00f6ren benachbarte Krebszellen. Wir k\u00f6nnten auch ein Medikament an der Oberfl\u00e4che der Nanopartikel anbringen, das an einen bestimmten Ort geliefert werden soll&#8221;, erkl\u00e4rt die UNIGE-Forscherin Sandra Ho\u010devar. &#8220;Um ihre Sicherheit und die beste Formel f\u00fcr den medizinischen Gebrauch zu testen, haben wir Goldkugeln mit oder ohne Polymerbeschichtung sowie Goldst\u00e4be entwickelt, um die Wirkung von Beschichtung und Form zu untersuchen. Dann haben wir unseren Partikeln 24 Stunden lang menschliche B-Lymphozyten ausgesetzt, um die Aktivierung der Immunantwort zu untersuchen.&#8221;<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler konnten bei ihrer Untersuchung mit Hilfe von Aktivierungsmarkern, die auf der Oberfl\u00e4che von B-Zellen angebracht wurden, bestimmen, wie sehr die Nanopartikel die Immunantwort aktiviert oder gehemmt haben. Je nach Form und dem Vorhandensein oder Abwesenheit einer oberfl\u00e4chlichen Polymerbeschchtung gab war der Einfluss auf die Immunantwort der Nanopartikel unterschiedlich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_175893\" aria-describedby=\"caption-attachment-175893\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-175893\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/laboratory-2815641_1920-600x400.jpg\" alt=\"Goldnanopartikel\" width=\"400\" height=\"267\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-175893\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eOberfl\u00e4cheneigenschaften sowie die Morphologie der Nanopartikel sind definitiv wichtig, wenn es um die Interaktion zwischen Nanopartikel und Zelle geht\u201c, sagt Martin Clift, Associate Professor of Nanotoxicology and In Vitro Systems an der Swansea University Medical School und Co-Leiter des Projekts. \u201eInteressanterweise haben die goldenen Nanost\u00e4bchen die Immunantwort gehemmt, anstatt sie zu aktivieren, wahrscheinlich durch Interferenzen an der Zellmembran oder weil sie schwerer sind.&#8221; Unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen hatte aber keines der getesteten Nanopartikel.<\/p>\n<h3>Erste Studien an Hirntumorpatienten<\/h3>\n<p>Unbeschichtete, kugelf\u00f6rmige Partikel w\u00fcrden sich f\u00fcr die biomedizinische Anwendung nicht eignen, da sie sich leicht zusammenballen w\u00fcrden, betonen die Forscher. Andererseits seien mit einem Schutzpolymer beschichtete Goldkugeln stabil und w\u00fcrden die B-Lymphozytenfunktion nicht beeintr\u00e4chtigen. (B-Zellen sind das Herzst\u00fcck der Impfstoffreaktion, aber auch in anderen Bereichen wie Onkologie und Autoimmunerkrankungen.) \u201eUnd wir k\u00f6nnen den Impfstoff oder das Medikament, das an die B-Lymphozyten abgegeben werden soll, leicht in dieser Beschichtung platzieren&#8221;, sagt Carole Bourquin. &#8220;Dar\u00fcber hinaus hat unsere Studie eine Methodik zur Beurteilung der Sicherheit von Nanopartikeln an B-Lymphozyten entwickelt, die noch nie zuvor durchgef\u00fchrt wurde. Das k\u00f6nnte f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Forschung besonders n\u00fctzlich sein, da der Einsatz von Nanopartikeln in der Medizin noch klare Richtlinien erfordert.&#8221;<\/p>\n<p>Aktuell gibt es erste Studien an Hirntumorpatienten. Goldnanopartikel k\u00f6nnen dazu klein genug gemacht werden, um die Blut-Hirn-Schranke zu \u00fcberwinden, so dass spezifische Antitumormittel direkt in die Krebszellen abgegeben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Forscherteam hat die Ergebnisse seiner Studie in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/journal\/ancac3\">ACS Nano<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em><strong>Mehr zum Thema Krebstherapien <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=krebs\">HIER<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen zwanzig Jahren haben Nanopartikel in der Medizin eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle \u00fcbernommen. Sie kommen in Medikamenten zum Einsatz, z.B. bei Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Bereits im Jahr 2006 gab es \u00fcber 100 Medikamente mit Nanoanteilen auf dem Markt. 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