{"id":175609,"date":"2019-06-28T07:00:13","date_gmt":"2019-06-28T05:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=175609"},"modified":"2019-06-28T07:00:13","modified_gmt":"2019-06-28T05:00:13","slug":"roboat-grachten-staus-amsterdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/roboat-grachten-staus-amsterdam\/","title":{"rendered":"Mit \u201eRoboats&#8221; auf den Grachten gegen Staus auf Amsterdams Stra\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Die Niederlande sind als die Nummer- 1-Radfahrernation Europas bekannt und auch Amsterdam gilt als echte Fahrradstadt. Nat\u00fcrlich bewegen sich aber nicht alle Einwohner oder Touristen auf zwei R\u00e4dern fort, es gibt auch jede Menge Autos, LKWs und Lieferfahrzeuge, die die Stra\u00dfen ebenso verstopfen wie in anderen St\u00e4dten. Da Amsterdam jedoch auch die Stadt der Grachten ist, der verzweigten Kan\u00e4le, f\u00fcr die die niederl\u00e4ndische Hauptstadt ber\u00fchmt ist, hat sich die Stadtverwaltung nun etwas einfallen lassen, um den Stra\u00dfenverkehr k\u00fcnftig zu entzerren. Das Zauberwort hei\u00dft hier autonomes Fahren. Die Gesamtfl\u00e4che der niederl\u00e4ndischen Metropole besteht zu 25% aus Wasser und k\u00fcnftig sollen auf den Grachten neben den herk\u00f6mmlichen Booten auch autonom fahrende Boote, sogenannte \u201eRoboats&#8221;, verkehren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_175605\" aria-describedby=\"caption-attachment-175605\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-175605 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Roboattaxi_\u00a9-AMS-Institute-600x340.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"340\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-175605\" class=\"wp-caption-text\">Roboattaxi \u00a9 AMS-Institute<\/figcaption><\/figure>\n<p>Roboat sei von Beginn an eine Gemeinschaftsarbeit zwischen dem <a href=\"https:\/\/www.ams-institute.org\/\">AMS Institute<\/a>, dem <a href=\"http:\/\/www.mit.edu\">MIT<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.amsterdam.nl\/en\/\">Stadt Amsterdam<\/a> gewesen, sagt Marten Grupstra von der Stadtverwaltung Amsterdam. \u201eFakult\u00e4t und Forscher trafen sich in verschiedenen Foren, in denen die Auswirkungen autonomer Fahrzeuge diskutiert wurden. Die Frage, die aufgeworfen wurde, war, ob Amsterdam aufgrund des Privilegs eines Kanalnetzes in fahrerlose Autos investieren m\u00fcsse? Warum nicht autonome Boote benutzen? Wir erkannten schnell, dass die technologischen Herausforderungen der autonomen Navigation, insbesondere in st\u00e4dtischen Gebieten, neben dem Nutzen f\u00fcr die Stadt auch Innovationen und Chancen f\u00f6rdern k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<h3>Sicherheit gro\u00dfgeschrieben: Sensoren, GPS, Kameras<\/h3>\n<p>Das erste Roboat wurde schon 2016 getestet und legte einen zuvor programmierten Weg autonom zur\u00fcck. Die nun geplanten Fahrzeuge k\u00f6nnen aber noch viel mehr: Sie kommunizieren miteinander und k\u00f6nnen sich, wenn n\u00f6tig, zu einem l\u00e4ngeren Verbund zusammenschlie\u00dfen. So k\u00f6nnen sie zum Beispiel mehrere Fahrg\u00e4ste zu einem bestimmten Ziel bringen.<\/p>\n<p>Um Unf\u00e4llen vorzubeugen und eine sichere Navigation zu erm\u00f6glichen, sind die Roboats mit Sensoren, GPS-Modulen, Kameras und Mikrocontrolern ausgestattet. \u201eWenn das Roboat-Schiff auf ein Objekt im Wasser trifft, kann Roboat feststellen, ob es sich um ein station\u00e4res oder sich bewegendes Objekt handelt und wie weit das Objekt entfernt ist\u201c, erkl\u00e4rt Grupstra. \u201eDies geschieht mit Hilfe von LIDAR (Laser Image Detection and Ranging), erg\u00e4nzt durch Kamerabilder und GPS-Sensoren. Das Schiff bestimmt dann das beste Man\u00f6ver, um das Hindernis zu umgehen. Nach dem Passieren des Hindernisses setzt er seine optimale Route fort.\u201c<\/p>\n<p>Dieser so genannte Bewegungsplaner sei selbstlernend und passe seine F\u00e4higkeiten basierend auf der Erfahrung, wie die Man\u00f6ver ausgef\u00fchrt werden, an, um die zuk\u00fcnftige Ausf\u00fchrung st\u00e4ndig zu verbessern. \u201eDar\u00fcber hinaus lernen Algorithmen, das Verhalten verschiedener Arten von Objekten und anderen Booten auf dem Wasser zu erkennen. Je mehr Stunden das Schiff durch die Kan\u00e4le f\u00e4hrt, desto besser werden die Sch\u00e4tzungen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_175606\" aria-describedby=\"caption-attachment-175606\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-175606 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Roboatbridge\u00a9-AMS-Institute-600x340.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"340\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-175606\" class=\"wp-caption-text\">Roboatbridge \u00a9 AMS-Institute<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Gefahr durch Hackerangriffe sei bei Roboats genauso gro\u00df oder klein wie bei jedem fahrerlosen Auto, betont Grupstra. Deshalb setze ein Teil der Industrie, der an autonomen Fahrzeugen arbeitet, gro\u00dfe Anstrengungen in Sachen Cybersicherheit. Im unwahrscheinlichen Fall eines Unfall oder Notfalls k\u00f6nne Hilfe f\u00fcr die Passagiere ebenso schnell vor Ort wie als auf einer Stra\u00dfe. \u201eDie H\u00f6chstgeschwindigkeit in den Amsterdamer Kan\u00e4len betr\u00e4gt 6 km\/h. Das bietet eine sichere Umgebung im Vergleich zu den Stra\u00dfen von Amsterdam oder jeder anderen Stadt\u201c, so Grupstra. \u201eDer Vorteil von Roboat ist, dass es in einem dicht besiedelten Stadtgebiet navigieren wird. Im Falle eines \u2013 unwahrscheinlichen \u2013 Zwischenfalls ist medizinische Hilfe n\u00e4her als bei jedem \u00e4hnlich unwahrscheinlichen Unfall mit fahrerlosen Autos, die auf einer l\u00e4ngeren Strecke unterwegs sind.\u201c<\/p>\n<h3>Kein Ersatz f\u00fcr Stra\u00dfenverkehr<\/h3>\n<p>Die Einsatzm\u00f6glichkeiten der elektrisch angetriebenen Roboats sind vielf\u00e4ltig. Fahrg\u00e4ste k\u00f6nnen in einer Zentrale ihre Ziele melden. Daraufhin werden die Bootsrouten so geplant, dass m\u00f6glichst viele Fahrg\u00e4ste mit gleichen und \u00e4hnlichen Zielen transportiert werden. Nachts sollen sie M\u00fcll sammeln. Die Boote werden k\u00fcnftig aber nicht nur f\u00fcr den Personen- und Warentransport eingesetzt, sondern auch als provisorische Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccken, Marktpl\u00e4tze oder B\u00fchnen bei Festivals. Zus\u00e4tzlich sammeln die Boote Daten zur Luft- und Wasserverschmutzung, die Aufladung der Batterien erfolgt an speziell eingerichteten Ladestationen am Ufer.<\/p>\n<p>Roboat solle zwar den Stra\u00dfenverkehr nicht ersetzen, aber es k\u00f6nne den Druck auf die Stadt verringern, wenn die Infrastruktur der Kan\u00e4le besser genutzten w\u00fcrde, betont der Niederl\u00e4nder. \u201eHypothetisch k\u00f6nnten wir den Hausm\u00fcll im Stadtzentrum mit 48 schwimmenden M\u00fcllcontainern und 16 Roboats entsorgen. Das ist viel weniger als die Lastwagen, die derzeit zum Sammeln von M\u00fcll eingesetzt werden, was auch den Verkehr verlangsamt und die Infrastruktur der historischen Kanalw\u00e4nde besch\u00e4digt.\u201c<\/p>\n<p>Ein Problem, an dem Forscher bei den k\u00fcnftigen autonom fahrenden Autos noch l\u00f6sen m\u00fcssen, sieht man in Amsterdam bez\u00fcglich der Roboats nicht: Wie kommunizieren die autonomen Boote mit den menschlichen Kapit\u00e4nen der traditionellen Boote auf den Kan\u00e4len, die weiterhin ebenso unterwegs sein werden?<\/p>\n<figure id=\"attachment_175607\" aria-describedby=\"caption-attachment-175607\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-175607 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/\u00a9-MIT-600x338.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-175607\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 MIT<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eImmer mehr Boote, die die Amsterdamer Kan\u00e4le befahren, verf\u00fcgen \u00fcber unbemannte Kommunikationsger\u00e4te, mit denen sie die Position anderer Boote kennen, freie Pl\u00e4tze zum Anlegen und die Erlaubnis zum Einfahren in bestimmte Bereiche erhalten\u201c, so Grupstra. \u201eDie Stadt unternimmt gro\u00dfe Anstrengungen, um die \u201adigitalen Kan\u00e4le\u2018 zu schaffen und das Verkehrsmanagement auf dem Wasser voranzutreiben. Das bedeutet unter anderem, dass Boote in Amsterdam GPS-Tracking-Sensoren an Bord haben m\u00fcssen, sowie Sensoren in Br\u00fccken zur Absch\u00e4tzung und Beobachtung des Verkehrs auf den Kan\u00e4len. Roboat verwendet eine \u00e4hnliche Technologie, die es ihm erm\u00f6glicht, alle Boote in Amsterdam zu sehen und von ihnen gesehen zu werden.\u201c<\/p>\n<h3>F\u00fcnfj\u00e4hriges Forschungsprojekt<\/h3>\n<p>Roboat ist ein f\u00fcnf-j\u00e4hriges Forschungsprojekt und eine Zusammenarbeit zwischen dem Amsterdam Institute for Advanced Metropolitan Solutions und dem Massachusetts Institute of Technology, wo die Boote entwickelt und im hauseigenen Schwimmbad getestet wurden. Dabei haben Modelle der Boote, ausgehend von einem Abstand von einem Meter, innerhalb von zehn Sekunden ohne fremde Hilfe einen festen Verbund geformt. Die Zusammenarbeit mit dem MIT habe sich laut Grupstra aufgrund einer langj\u00e4hrigen akademischen Partnerschaft mit der TU Delft und der Wageningen UR, der Gr\u00fcnderv\u00e4ter des AMS Institute in den Niederlanden, angeboten. \u201eDas AMS Institute arbeitet f\u00fcr die Stadt Amsterdam an urbanen Innovationen. Das MIT ist bekannt f\u00fcr seine innovative Forschung in den Bereichen Robotik, k\u00fcnstliche Intelligenz und Stadtgestaltung &#8211; den Schl\u00fcsselbereichen f\u00fcr die Entwicklung von Roboat.\u201c<\/p>\n<p>Nach Abschluss des Projekts soll es in Amsterdam f\u00fcnf Gro\u00dfschiffe geben, sagt Grupstra. Dann liege es allerdings an den kommerziellen Partnern, \u201edie entwickelte Roboat-Technologie in gr\u00f6\u00dferem Umfang einzusetzen und autonome Seetransportl\u00f6sungen auf dem Markt (und in der Stadt) anzubieten.\u201c<\/p>\n<p>Und wie sieht die erste Zwischenbilanz bei Halbzeit des Projekts aus? \u201eDas Projekt begann im November 2016\u201c, sagt Grupstra abschlie\u00dfend. \u201eWir haben bereits wichtige Meilensteine in der Automatisierung erreicht, die Roboat weltweit an die Spitze der autonomen Navigation gebracht hat, einschlie\u00dflich: 100% Autonomie, von Dock zu Dock, ohne menschliche Eingriffe; Mehrschiffssteuerung (jedes Boot wei\u00df, wo sich die anderen befinden, und koordiniert seine Position und Bewegungen entsprechend); Mehrschiffskoordination und Formver\u00e4nderung; und Verriegelungs- und Andockm\u00f6glichkeiten.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Roboat - 24 months\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HzPIzvSXSDM?start=1&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Mehr zum Thema autonomes Fahren finden Sie <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=autonom\">HIER<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Niederlande sind als die Nummer- 1-Radfahrernation Europas bekannt und auch Amsterdam gilt als echte Fahrradstadt. 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