{"id":174753,"date":"2019-06-20T13:39:20","date_gmt":"2019-06-20T11:39:20","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=174753"},"modified":"2019-06-20T13:39:20","modified_gmt":"2019-06-20T11:39:20","slug":"rik-breur-gewinnt-europaeischen-erfinderpreis-2019-in-der-kategorie-kleine-und-mittlere-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/rik-breur-gewinnt-europaeischen-erfinderpreis-2019-in-der-kategorie-kleine-und-mittlere-unternehmen\/","title":{"rendered":"Rik Breur gewinnt Europ\u00e4ischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Der Niederl\u00e4nder<em> Rik Breur<\/em> ist der Sieger des <em>Europ\u00e4ischen Erfinderpreis 2019<\/em> in der <em>Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen<\/em>. In seinem Startup <em>Finsulate<\/em> entwickelte er eine umweltfreundliche Antifouling-Faserbeschichtung f\u00fcr den Schiffsrumpf. Innovation Origins sprach den Erfinder am Rand des Events in Wien:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.finsulate.com\/de\/\">Finsulate<\/a> ist eine Antifouling-Faserbeschichtung, die den Rumpf von Schiffen vor dem Bewuchs von Meeresorganismen wie Algen, Muscheln und anderen Meeresbewohner sch\u00fctzt. Die Faserbeschichtung bietet eine Alternative zu biozidhalten Lacken. Diese t\u00f6ten zwar\u00a0 jedes Leben am Schiffsrumpf, l\u00f6sen sich aber langsam auf und sch\u00e4digen so das \u00d6kosystem Meer.<\/p>\n<p>Das Vorbild f\u00fcr seine Anti-Fouling-Faserbeschichtung hat Breur in der Natur gefunden. Beim Tauchen beobachtete er, dass sich auch auf Muscheln und Krabbenpanzern Meeresorganismen ansiedeln. Seeigel dagegen bleiben verschont. Das f\u00fchrte Breur auf deren stachelige Oberfl\u00e4che zur\u00fcck und \u00fcbernahm dieses Prinzip durch den Einsatz von nadelartigen Nylonfasern.<\/p>\n<p>Breurs Faserbeschichtung besteht aus einer umweltfreundlichen Schicht Klebstoff, die in Flocking-Technik &#8211; und einem elektrostatischen Verfahren &#8211; dicht mit kleinen nadelartigen Nylonfasern \u00fcberzogen wird.<\/p>\n<p>Der Forscher hat das Material umfassend getestet, um sicherzustellen, dass die Fasern nicht als Mikroplastik die Meere verschmutzen. Ein zus\u00e4tzlicher Vorteil der Faserbeschichtung ist deren treibstoffreduzierende Wirkung. Die gebr\u00e4uchliche Lackierung kann den Bewuchs von Meeresorganismen nicht vollkommen verhindern. Bei Bewuchs ist der Schiffsrumpf einem h\u00f6heren Wasserwiderstand ausgesetzt und der Treibstoffverbrauch kann bis zu vierzig Prozent ansteigen.<\/p>\n<p>Die Faserbeschichtung eignet sich sowohl f\u00fcr Schiffe, als auch f\u00fcr feste Bauwerke im Meer \u2013 wie etwa Bohrinseln oder Windkraftanlagen. Der Markt hat also gro\u00dfes Potenzial. <em>Rik Breur<\/em> im Interview:<\/p>\n<h4>Wie lange hat die Entwicklung der Antifouling-Faserbeschichtung gedauert und seit wann ist sie auf dem Markt?<\/h4>\n<p>Die ersten Tests im Wasser machten wir 2003. In den ersten drei bis vier Jahren haben wir die Fasertypen entwickelt, um herauszufinden, welcher Fasertyp effektiv ist. Nachdem wir die richtige Faser gefunden hatten, haben wir das Patent angemeldet. Dann wurde die Forschung praktischer. Wir mussten ein geeignetes Verfahren finden, die Beschichtung an Schiffsr\u00fcmpfen und befestigten Einrichtungen im Meer aufzubringen. Die Markteinf\u00fchrung erfolgte 2006 \u00fcber Fischfarmen. Diese waren f\u00fcr die Einf\u00fchrung besonders gut geeignet. Die Chemikalien werden nahe am Fisch vermieden, der sp\u00e4ter von Menschen verzehrt wird.<\/p>\n<h4>Wie konnten Sie die Forschung finanzieren?<\/h4>\n<p>Am Anfang finanzierten wir das Projekt haupts\u00e4chlich durch F\u00f6rdergelder, die teilweise aus europ\u00e4ischen Quellen, aber auch von der niederl\u00e4ndischen Regierung kamen. Das half uns sehr. Sp\u00e4ter nutzten wir Bankkredite mit staatlichen Garantien. Als sich die ersten kommerziellen Erfolge einstellten, begannen wir mit Investorengeldern zu arbeiten.<\/p>\n<h4>Was war ein ermutigender Moment in der Zeit der Forschung?<\/h4>\n<p>Es ist die Forschung selbst, die mich antreibt. Auch wenn es von Zeit zu Zeit Probleme gibt. Vor allem am Anfang hatte ich mit gro\u00dfen Problemen zu k\u00e4mpfen. Aber so lange ich die Probleme verstehe und daraus lernen kann, habe ich den Antrieb weiterzumachen.<\/p>\n<h4>Was hat Sie die gr\u00f6\u00dfte Kraft gekostet?<\/h4>\n<p>Das anstrengendste am gesamten Prozess war es, die Leute davon zu \u00fcberzeugen, dass das Produkt funktioniert. Viele haben es erst abgelehnt und mussten es erst sehen, um es zu verstehen und darauf zu vertrauen. Die Technologie stellt einen Durchbruch dar und unterscheidet sich stark vom Ansatz zuvor: Es ist kein Lack, sondern eine Beschichtung, keine geschmeidige Oberfl\u00e4che, sondern eine Textur. Die Leute denken, dass sich geschmeidige Objekte schneller im Wasser bewegen. Die \u00dcberzeugungsarbeit war sehr schwierig, aber seit es mehr Erfolg und mehr gl\u00fcckliche Nutzer gibt, ist es einfacher geworden.<\/p>\n<h4>Sie sind ein Einmann-Unternehmen \u2013 wie ist das Unternehmen organisiert?<\/h4>\n<p>Ich habe vieles ausgelagert. Einen Teil der Produktion, die Logistik und die Montage. Aber wir haben in den vergangenen zwei Monaten so viele Anfragen bekommen, dass ich schon in der Fr\u00fch um sieben Uhr drei\u00dfig beginne, die Anfragen aus Australien zu beantworten, untertags besch\u00e4ftige ich mich mit europ\u00e4ischen Kunden und am Abend beginne ich mit den Kunden aus Kanada und USA zu diskutieren. Das hei\u00dft, wir sind derzeit sicher zu klein. Wir arbeiten gerade an einem Investment, um zu expandieren.<\/p>\n<h4>Was ist Ihr unternehmerisches Ziel?<\/h4>\n<p>Mein Hauptziel ist es so viele Chemikalien wie m\u00f6glich loszuwerden. Um das als Unternehmen zu schaffen, brauchen wir mindestens f\u00fcnf bis zehn Prozent Weltmarktanteil.<\/p>\n<h4>Das hei\u00dft, Sie wollen das Unternehmen zum Wachsen bringen, um die Verunreinigung der Weltmeere einzud\u00e4mmen?<\/h4>\n<p>Ja sicher, wir m\u00fcssen wachsen und je schneller desto besser. Das Produkt ist erprobt und die Leute akzeptieren es und sch\u00e4tzen die Wirkung. Wenn wir jetzt mehr Marketinggeld investieren und mehr Mitarbeiter im Vertrieb besch\u00e4ftigen, kann das Unternehmen leicht wachsen. In diesem Sinn sind wir jetzt in einer viel niedrigeren Risikophase als noch vor zwei Jahren, als wir noch an Kinderkrankheiten litten, die jetzt aber behoben sind.<\/p>\n<h4>Gibt es au\u00dfer der Biofouling- Faserbeschichtung noch andere Dinge, die Sie erforschen m\u00f6chten?<\/h4>\n<p>Im Moment bin ich noch Entrepreneur (lacht) und das ist f\u00fcr einen Forscher nicht ganz einfach. Ja, die Idee ist es, das Unternehmen bekannt zu machen und bis zu einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe zu bringen. Wenn die Gesch\u00e4fte erst gut laufen, gibt es wahrscheinlich andere, die besser sind in der F\u00fchrung eines Unternehmens. Und dann wird es auch andere Herausforderungen f\u00fcr mich geben. Ganz sicher.<\/p>\n<h4>Werden Sie in dem Feld bleiben oder das Feld wechseln?<\/h4>\n<p>Ich habe schon ein paar andere Ideen. Das ist das Dilemma des Erfinders. Man muss fokussiert bleiben. Wenn man alles machen will, funktioniert nichts mehr.<\/p>\n<h4>Gibt es ein \u00fcbergeordnetes Ziel f\u00fcr Ihre zuk\u00fcnftigen Forschungsprojekte?<\/h4>\n<p>Es war immer schon mein Ziel, Produkte zu entwickeln, die umweltfreundlicher sind als vergleichbare andere Produkte am Markt &#8211; Produkte mit einem geringeren CO2-Fu\u00dfabdruck und ohne sch\u00e4dliche Chemikalien. Ich m\u00f6chte zu einer etwas besseren Welt beitragen.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<em>\u00a0<\/em><\/h4>\n<h3>\u00dcber<em> Rik Breur<\/em><\/h3>\n<p>Der Wissenschafter widmete schon seine Doktorarbeit an der <em>Technischen Universit\u00e4t<\/em> <em>Delft<\/em> 2001 dem Thema Korrosion und Biofouling. Im Jahr darauf gr\u00fcndete er sein eigenes Forschungsunternehmen, aus dem schlie\u00dflich <em>Finsulate<\/em> hervorging.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/der-lely-melkroboter-ist-im-finale-des-europaeischen-erfinderpreis-2019\/\">Der Lely Melkroboter ist im Finale des Europ\u00e4ischen Erfinderpreis 2019<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Niederl\u00e4nder Rik Breur ist der Sieger des Europ\u00e4ischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen. In seinem Startup Finsulate entwickelte er eine umweltfreundliche Antifouling-Faserbeschichtung f\u00fcr den Schiffsrumpf. 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