{"id":174720,"date":"2019-06-20T08:59:12","date_gmt":"2019-06-20T06:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=174720"},"modified":"2019-06-20T08:59:12","modified_gmt":"2019-06-20T06:59:12","slug":"der-lely-melkroboter-ist-im-finale-des-europaeischen-erfinderpreis-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/der-lely-melkroboter-ist-im-finale-des-europaeischen-erfinderpreis-2019\/","title":{"rendered":"Der Lely Melkroboter ist im Finale des Europ\u00e4ischen Erfinderpreis 2019"},"content":{"rendered":"<p>Ein Astronaut ist mit einem Seil mit dem Raumschiff verbunden, kann sich aber frei im Raum bewegen. Diese freie Bewegung wollte die <a href=\"https:\/\/www.lely.com\/at\/\"><em>Lely Group<\/em><\/a> auch den K\u00fchen w\u00e4hrend des Melkens erm\u00f6glichen. Wenn die Kuh in den Melkstand tritt, schiebt sich ein Roboterarm unter ihren K\u00f6rper und steuert den Melkvorgang. Im Melkstand steht der Kuh ein Futtertrog zur Verf\u00fcgung und die Melkbecher werden mithilfe von Lasertechnologie angelegt. W\u00e4hrend des Melkvorgangs werden die Bewegungen der Kuh mit Sensoren aufgenommen, so dass der Roboterarm ihren Bewegungen folgen kann.<\/p>\n<p>Die Melkmethode erm\u00f6glicht den\u00a0 K\u00fchen ihren eigenen Rhythmus zu leben. Der Melkstand steht ihnen 24 Stunden offen und ist frei betretbar. Laut den Erfindern nimmt der selbstgew\u00e4hlte Zeitpunkt den K\u00fchen den Stress und steigert die t\u00e4gliche Milchleistung um einen Liter pro Kuh.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich erm\u00f6glicht der Melkstand dem Landwirt die Kontrolle der Futteraufnahme und der Milchleistung. Zur Datenabnahme wird die Marke am Halsband der Kuh gescannt. Eine Software zur Analyse der Daten\u00a0liefert dem Landwirt die Informationen, die er braucht, um die Gesundheit seiner Tiere zu erhalten und seine Betriebsabl\u00e4ufe zu verbessern.\u00a0Die Innovation brachte die\u00a0niederl\u00e4ndischen Erfinder, <em>Alexander van der Lely<\/em> und <em>Karel van den Berg, ins Finale des <a href=\"https:\/\/www.epo.org\/news-events\/events\/european-inventor\/finalists\/2019.html\">Europ\u00e4ischen Erfinderpreises 2019<\/a>,<\/em> der am 20. Juni in Wien verliehen wird. Die Beiden im Interview mit <em>Innovation Origins<\/em>:<\/p>\n<h4>Die Lely Group hat 1600 Patente im Agrarsektor. Haben Sie die alle im Kopf?<\/h4>\n<p><u>Lely<\/u>: Nein, (lacht). Die \u00e4ltesten Patente bestehen seit zwanzig Jahren. Die w\u00fcrde ich nicht mehr wissen. Aber unser Patentteam kennt sie alle.<\/p>\n<h4>Werden auch alle Patente genutzt?<\/h4>\n<p>Nein, wenn wir eine Idee haben, dann lassen wir nicht nur diese eine Idee patentieren, sondern auch alle Ideen um diese Idee herum. Wir melden also mehrere Patente an, nutzen aber nicht alle.<\/p>\n<h4>Die Lely Group forscht nicht nur im Bereich Melken, sondern auch in Sektoren wie F\u00fctterung und Kuhgesundheit. In welchem Bereich halten Sie die meisten Patente?<\/h4>\n<p><u>Lely<\/u>: Beim <a href=\"https:\/\/www.lely.com\/at\/losungen\/melken\/astronaut-a5\/\">Melkroboter<\/a>. Die Produktentwicklung begann 1985 und seitdem melden wir Patente an. Alle weiteren Patente fallen auf den <a href=\"https:\/\/www.lely.com\/at\/losungen\/futtern\/vector\/\">Futterroboter<\/a>, den wir vor zehn Jahren gelauncht haben.<\/p>\n<h4>Die Niederlande sind im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Global_Innovation_Index\">Global Innovation Index 2017<\/a> auf Platz drei von hundertdrei\u00dfig Volkswirtschaften. Denken Sie, dass die Niederlande innovativen Unternehmen einen Standortvorteil bieten?<\/h4>\n<p><u>Lely<\/u>: Aus der Perspektive der Agrarwirtschaft sind wir ein sehr kleines Land. Wir m\u00fcssen Dinge anders machen, um zu \u00fcberleben. Wir m\u00fcssen Dinge entwickeln, um jeden verf\u00fcgbaren Quadratzentimeter Land und jeden verf\u00fcgbaren Tropfen Wasser zu nutzen. Holland ist sehr bekannt f\u00fcr seine zukunftsorientierte Agrarwirtschaft.<\/p>\n<p><u>van den Berg<\/u>: Wir haben ein hohes Wissensniveau in der Agrarwirtschaft &#8211; und gute Techniker, die mit offenen Augen an die Dinge herangehen.<\/p>\n<p><u>Lely:<\/u> Die Agrarwirtschaft ist einer der Topsektoren in Holland.<\/p>\n<h4>Sie haben die Entwicklung am <em>Lely Astronaut<\/em> 1985 begonnen und die ersten beiden Patente 1986 eingereicht. Wie viele Patente stecken in dem System?<\/h4>\n<p><u>Lely<\/u>: Achthundert.<\/p>\n<h4>Was war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bei der Entwicklung von Lely Astronaut \u2013 und warum?<\/h4>\n<p>Mit dem Lely Astronauten wollten wir den Landwirten den schwierigen Prozess des Melkens abnehmen. Unsere Maschine sollte mit der f\u00fcnfhundert Kilogramm schweren Kuh interagieren und ihr volle Bewegungsfreiheit lassen. Die Maschine musste sensibel genug sein, um die nur f\u00fcnf Zentimeter gro\u00dfen Zitzen der Kuh zu finden und gleichzeitig sehr robust sein, um nicht kaputt zu gehen. Ich glaube, das war das gr\u00f6\u00dfte Ding, was meinst du Karel?<\/p>\n<p><u>van den Berg<\/u>: Ja, die Zitzen zu finden &#8211; eine f\u00fcnfhundert Kilogramm schwere Kuh bewegt sich und k\u00f6nnte die Maschine auch ruinieren. Man braucht eine exakte Position, die gleichzeitig robust und stark ist &#8230;<\/p>\n<p><u>Lely:<\/u> &#8230; f\u00fcr eine gro\u00dfe Kuh &#8230;<\/p>\n<p><u>van den Berg<\/u>: &#8230; und auch kuhfreundlich. Die Kuh muss freiwillig zum Melkstand kommen. Das funktioniert nur, wenn sie den Roboter mag. Aber sie kommt auch wegen des Futters, das sie im Melkstand vorfindet.<\/p>\n<p><u>Lely<\/u>: Die Zitzen haben einen Durchmesser von zwei Zentimetern und m\u00fcssen in ein Loch von zwei Zentimetern gehen. Durch die Flexibilit\u00e4t der Zitzen gibt es aber auch ein bisschen Spielraum.<\/p>\n<h4>Wie haben Sie das Problem gel\u00f6st?<\/h4>\n<p><u>Van den Berg<\/u>: Durch Sensoren am Ende des Roboterarms erkennt die Maschine die Distanz zu den Zitzen. Aber auch der Laserscanner hilft mit, die Zitzen zu finden.<\/p>\n<p><u>Lely<\/u>: Der Lasercanner ist sehr pr\u00e4zise.<\/p>\n<p><u>van den Berg<\/u>: Aber auch der Glaube, es schaffen zu k\u00f6nnen, ist bei der Probleml\u00f6sung sehr wichtig. Es gab zu dem Zeitpunkt noch andere Unternehmen, die an dem Problem geforscht haben.<\/p>\n<p><u>Lely<\/u>: Es ist der Glaube an die eigene F\u00e4higkeit und Ausdauer. An etwas zu glauben, dranbleiben und nichts Geringeres als die beste L\u00f6sung zu akzeptieren.<\/p>\n<h4>Gab es auch einen Punkt, an dem Sie aufgeben wollten?<\/h4>\n<p>(beide lachen laut)<\/p>\n<p><u>Lely<\/u>: Es gab einen gewissen Punkt, an dem wir uns f\u00fcr die beste Technologie entscheiden mussten. Wir diskutierten lange, bevor wir uns auf den Laserscanner einigten. Das bedeutete f\u00fcr uns &#8211; als damals noch sehr kleines Familienunternehmen \u2013 eine gro\u00dfe Investition, die sehr viel Mut erforderte. (lacht)<\/p>\n<p><u>van den Berg<\/u>: Sp\u00e4ter waren wir sehr froh, dass wir uns f\u00fcr den Laserscanner entschieden hatten.<\/p>\n<h4>Und: welche Innovation k\u00f6nnen wir uns als n\u00e4chstes von Ihnen erwarten?<\/h4>\n<p>Das d\u00fcrfen wir nicht verraten, das ist geheim. Wenn Sie dar\u00fcber berichten, bekommen wir kein Patent mehr. (lacht) In unserer Forschung geht es immer um die Milchviehwirtschaft und derzeit arbeiten wir hart an einer umweltfreundlichen L\u00f6sung f\u00fcr den Mist. Wir wollen bei den Milchbauern eine Kreislaufwirtschaft etablieren. Das Wissen um die Wirkung von Mist ist durch den Einsatz von D\u00fcngemitteln etwas in Vergessenheit geraten. Im Mist und Urin der K\u00fche sind viele Mineralstoffe enthalten. Derzeit ist Mist aber blo\u00df Abfall, der CO2-Emissionen ausst\u00f6\u00dft. Wir wollen den Mist wieder auf die Felder zur\u00fcckbringen. Aber nicht in seiner originalen Form, sondern so, dass er die gleiche Wirkung hat, wie D\u00fcngemittel.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h4>\n<p><strong>\u00dcber die Lely Gruppe:<\/strong><\/p>\n<p>Das Unternehmen wurde 1948 von den Br\u00fcdern Lely in Maassluis gegr\u00fcndet. Anlass war die erste Erfindung &#8211; ein Sternradschwader. Mittlerweile ist die Zahl der Patente auf 1600 angewachsen. Die Technologien sind in den Sektoren Melken, F\u00fctterung, Tiergesundheit, Kuhkomfort, Managementsysteme und Gro\u00dfmilchviehbetriebe angesiedelt. Nach wie vor Familienunternehmen, besch\u00e4ftigt die Gruppe 1200 Mitarbeiter und setzt j\u00e4hrlich f\u00fcnfhundertsechs Millionen Euro um. Seit 2004 wird Lely in zweiter Generation von <em>Alexander van der Lely<\/em> geleitet. Er studierte <em>Fertigungs- und Betriebstechnik<\/em> und entwickelte gemeinsam mit dem Elektroingenieur <em>Karel von Berg<\/em> den automatischen Melkastronauten.<span style=\"color: inherit; font-size: 1.56em; font-weight: 600;\">Auch interessant:<\/span><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/digitalisierung-der-milchvieh-wirtschaft\/\">Digitalisierung der Milchvieh-Wirtschaft<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/nachhaltige-verbesserung-der-klauengesundheit-von-kuehen\/\">Nachhaltige Verbesserung der Klauengesundheit von K\u00fchen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Astronaut ist mit einem Seil mit dem Raumschiff verbunden, kann sich aber frei im Raum bewegen. Diese freie Bewegung wollte die Lely Group auch den K\u00fchen w\u00e4hrend des Melkens erm\u00f6glichen. 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