{"id":174593,"date":"2019-06-19T17:00:59","date_gmt":"2019-06-19T15:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=174593"},"modified":"2019-06-19T17:00:59","modified_gmt":"2019-06-19T15:00:59","slug":"internationaler-appell-an-alle-disziplinen-bei-forschungsarbeiten-zum-klimawandel-den-einfluss-von-mikroben-beruecksichtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/internationaler-appell-an-alle-disziplinen-bei-forschungsarbeiten-zum-klimawandel-den-einfluss-von-mikroben-beruecksichtigen\/","title":{"rendered":"Internationaler Appell: Bei Forschungsarbeiten zum Klimawandel den Einfluss von Mikroben ber\u00fccksichtigen"},"content":{"rendered":"<p>Sie tun Gutes \u2013 und doch sind sie weit mehr f\u00fcr Ihre negativen Auswirkungen bekannt: Mikroben. Kaum wird den Menschen bewusst, dass sie vielleicht irgendwo vorhanden sein k\u00f6nnten, breitet sich eine \u00fcbertriebene Vorsicht aus. Doch sollten wir besser die winzig kleinen Einzeller viel \u00f6fter mal ihre Arbeit machen lassen, als wir uns vorstellen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich haben sie unser Leben auf der Erde \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht. Denn die gesamte Evolution des Lebens geht auf Mikroorganismen zur\u00fcck. Seit \u00fcber 3,8 Milliarden Jahren pr\u00e4gen sie die Erde. Und schlie\u00dflich waren es sie, die die Lebensgrundlage f\u00fcr vielzellige Lebewesen und letztendlich auch den Menschen geschaffen haben.<\/p>\n<p>Und genau dieser ist jetzt dabei, unseren Lebensraum wieder zu zerst\u00f6ren. Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener Instituts, Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut f\u00fcr Marine Mikrobiologie beschreibt die aktuelle Situation:<\/p>\n<blockquote><p>Ein g\u00fcnstiges, stabiles Klima \u00fcber 12.000 Jahre und Technologien, die auf vergleichsweise billig verf\u00fcgbaren, nat\u00fcrlichen Energieressourcen wie Holz, Kohle, \u00d6l und Gas basieren, haben es der menschlichen Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glicht, exponentiell zu wachsen. Erste Erkenntnisse zur Wechselwirkung des Klimas mit Mikroorganismen in B\u00f6den und im Wasser zeigen, dass die R\u00fcckkopplungseffekte nicht zu unseren Gunsten ausgehen. Wenn es w\u00e4rmer wird, produzieren die Mikroben mehr CO2. Das Ausma\u00df der Klima- und Umweltsch\u00e4den sowie Artenverluste insgesamt macht es dringlich, unseren Pfad zu \u00e4ndern.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_174596\" aria-describedby=\"caption-attachment-174596\" style=\"width: 465px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-174596\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/csm_20150311_AntjeBoetius_012_JRiephoff_1c7b8d9376-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"310\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-174596\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Antje Boetius \u00a9 Jan Riephoff<\/figcaption><\/figure><\/blockquote>\n<h3>Mikroorganismen k\u00f6nnten Teil der L\u00f6sung sein<\/h3>\n<p>Boetius sieht zudem mehrere R\u00fcckkopplungseffekte, die die Umweltbelastung noch zus\u00e4tzlich beschleunigen. So steige die Produktion mikrobieller Treibhausgase mit zunehmender Landwirtschaft und Tierhaltung. Auch scheine in einigen Ozeanregionen die biologische Pumpe schw\u00e4cher zu werden. Zudem k\u00f6nnten sich Krankheiten \u00fcber breitere Klimazonen ausbreiten. Gleichzeitig betont Boetius in ihrem, die Studie begleitenden, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41579-019-0197-2\">Kommentar<\/a>, der schon im Mai in Bezug auf den aktuellen Aufruf im \u201eNature Reviews Microbiology\u201c erschien, dass Mikroorganismen auch ein Teil der L\u00f6sung zum einen bei der Suche nach nachhaltigen Energien sowie der Sanierung von Lebensr\u00e4umen aber auch in Bezug auf die Gesundheit unseres Planeten und schlie\u00dflich von uns Menschen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Entsprechend ist Prof. Dr. Antje Boetius ist \u00fcberzeugt:<\/p>\n<blockquote><p>Da Mikroorganismen eine gro\u00dfe Auswirkung auf die Stoffkreisl\u00e4ufe, Produktivit\u00e4t und Gesundheit unseres Planeten wie auch auf uns Menschen haben, wird dieses Forschungsfeld wesentliche Kenntnisse f\u00fcr die Zukunft der Erde liefern.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Rolle der Mikroorgansimen verstehen<\/h3>\n<p>Und genau deshalb ruft jetzt ein internationales Komitee von mehr als 30 f\u00fchrenden Mikrobiologen alle Forschenden dazu auf, bei ihren Studien \u00fcber den Klimawandel in den verschiedensten Disziplinen sowie auch bei technischen Ma\u00dfnahmen den Einfluss der Mikroben zu ber\u00fccksichtigen. Und sie gehen noch weiter: Sie fordern zudem, das Thema Mikroorganismen auch in Schullehrpl\u00e4ne einzubinden, um hier ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die flei\u00dfigen kleinen Lebewesen zu erzielen.<\/p>\n<p>Denn wie schon erw\u00e4hnt sind Mikroorganismen unverzichtbar f\u00fcr die Existenz aller h\u00f6heren Lebewesen \u2013 einschlie\u00dflich uns Menschen. Dennoch kommen sie in den aktuellen Debatten \u00fcber den menschgemachten Klimawandel kaum vor.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, wie der Klimawandel funktioniert und was er f\u00fcr uns bedeutet, m\u00fcssen wir die <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/1462-2920.14611\">Rolle der Mikroorganismen<\/a> aber mitbetrachten, betonen die Forscherinnen und Forscher. Das beinhaltet einerseits, wie Mikroben den Klimawandel beeinflussen und andererseits, wie auch dieser die Mikroben beeinflusst.<\/p>\n<p>Der Aufruf erscheint nun in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41579-019-0222-5\">\u201eNature Reviews Microbiology\u201c<\/a> unter der Federf\u00fchrung von Professor Rick Cavicchioli von der <a href=\"https:\/\/www.unsw.edu.au\/\">Universit\u00e4t von New South Wales<\/a> in Sydney, Australien.<\/p>\n<p>\u201eMikroorganismen, darunter Bakterien und Viren, sind wichtig f\u00fcr alle h\u00f6heren Lebensformen und von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Regulierung des Klimawandels&#8221;, so Cavicchioli. &#8220;Dennoch stehen sie selten im Mittelpunkt von Untersuchungen zum Klimawandel und werden von Entscheidungstr\u00e4gern nicht ber\u00fccksichtigt.&#8221;<\/p>\n<h3>Deutsche Beteilung<\/h3>\n<p>Aus Deutschland sind neben Professorin Boetius auch Prof. Dr. Emeritus Kenneth Timmis von der Technischen Universit\u00e4t Braunschweig an dem Appell beteiligt. Der Mikrobiologe betont die Auswirkungen des Klimawandels auf Infektionskrankheiten \u2013 sowohl in Bezug auf die geografische Reichweite der Krankheitserreger als auch auf ihre Insektenvektoren. \u201eDies ist der Grund f\u00fcr die fortschreitende Migration einiger Infektionskrankheiten wie Malaria und der Lyme-Krankheit in Breiten, wo sie bisher nicht endemisch waren.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_174687\" aria-describedby=\"caption-attachment-174687\" style=\"width: 334px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-174687\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Timmis-400x600.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"501\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-174687\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Kenneth Nigel Timmis @private archive<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verursacht werde der Klimawandel durch einen Anstieg der Treibhausgase. Mikroben produzieren diese einerseits \u2013 zum Beispiel im Pansen von Nutztieren und auf Reisfeldern \u2013 und nehmen andererseits Treibhausgase auf.<\/p>\n<blockquote><p>Mikroben spielen eine zentrale Rolle beim Klimawandel. Bisher konzentrierten sich die Diskussionen auf anthropogene [von Menschen verursachte], Quellen von Treibhausgasen. In unserem Aufruf betonen wir die dringende Notwendigkeit, mikrobielle Aktivit\u00e4ten bei der Diskussion und politischen Entwicklung im Zusammenhang mit der globalen Erw\u00e4rmung und der Pr\u00fcfung von Optionen zur Minderung der Treibhausgasemissionen zu ber\u00fccksichtigen\u201c, erkl\u00e4rt Professor Timmis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Boetius erg\u00e4nzt: \u201eWir wissen, dass mikrobielle Prozesse die Erderw\u00e4rmung verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Nun m\u00fcssen wir dringend herausfinden, inwieweit Mikroorganismen auch Teil der L\u00f6sung unseres Problems sein k\u00f6nnen, beispielsweise im Bereich der Medizin, der nachhaltigen Energien oder der Sanierung zerst\u00f6rter Lebensr\u00e4ume.\u201c<\/p>\n<h3>Warnung an die Menschheit<\/h3>\n<p>Die Wissenschaftler bezeichnen ihren Aufruf als eine Warnung an die Menschheit vom Blickpunkt der Mikrobiologie aus: Ein besseres Verst\u00e4ndnis der Zusammenh\u00e4nge helfe auch, Ma\u00dfnahmen und Entscheidungen nachhaltiger und zielgenauer zu gestalten. Der Aufruf beinhaltet zudem die Aufforderung, Mikrobiologie in den Lehrpl\u00e4nen st\u00e4rker zu verankern. Forschende sind eingeladen, sich dem Appell der Mikrobiologen anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Der aktuellen Initiative vorausgegangen war ein <a href=\"https:\/\/www.babs.unsw.edu.au\/research\/microbiologists-warning-humanity\">Aufruf<\/a> von Kenneth Timmis und zahlreicher weiterer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, den Mikrobiologieunterricht an Schulen zu verbessern. Im n\u00e4chsten Schritt sollen Unterrichtsmaterialien f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte entstehen, die dann auf der Website der Society for Applied Microbiology frei verf\u00fcgbar sein werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie tun Gutes \u2013 und doch sind sie weit mehr f\u00fcr Ihre negativen Auswirkungen bekannt: Mikroben. Kaum wird den Menschen bewusst, dass sie vielleicht irgendwo vorhanden sein k\u00f6nnten, breitet sich eine \u00fcbertriebene Vorsicht aus. Doch sollten wir besser die winzig kleinen Einzeller viel \u00f6fter mal ihre Arbeit machen lassen, als wir uns vorstellen k\u00f6nnen. 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