{"id":173425,"date":"2019-06-10T08:00:21","date_gmt":"2019-06-10T06:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=173425"},"modified":"2019-06-10T08:00:21","modified_gmt":"2019-06-10T06:00:21","slug":"holzige-reststoffe-liefern-wertvolle-substanzen-fuer-arzneien-und-sonnencremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/holzige-reststoffe-liefern-wertvolle-substanzen-fuer-arzneien-und-sonnencremen\/","title":{"rendered":"Holzige Reststoffe liefern wertvolle Substanzen f\u00fcr Arzneien und Sonnencremen"},"content":{"rendered":"<p>Es w\u00e4re schade, holzige Reststoffe einfach zu verbrennen. In der Bioraffinerie lassen sich daraus wertvolle Rohstoffe gewinnen. Zumindest theoretisch. Tats\u00e4chlich erfordern verschiedene Reststoffe verschiedene Methoden und es braucht noch intensive Forschung. Eine neue Pilotanlage an der <em>TU Wien<\/em> l\u00e4sst das Ziel n\u00e4her r\u00fccken.<\/p>\n<p>Bisher wurde pflanzliche Biomasse einfach nur verbrannt \u2013 und h\u00f6chstens thermisch verwertet. Das mag eine einfache L\u00f6sung sein, aber weder die beste noch die wirtschaftlichste. Umgekehrt hat die chemische Industrie Bedarf an pflanzlicher Biomasse. An der <em>TU Wien<\/em> forscht man an einer L\u00f6sung f\u00fcr dieses Dilemma.<\/p>\n<p>Jetzt wurde eine neue Pilotanlage zur Entwicklung von Bioraffinerien in Betrieb genommen. Diese erm\u00f6glichen es, Rohstoffe in ihre chemischen Grundbestandteile zu zerlegen. In einer Kombination aus hohem Druck und hoher Temperatur lassen sich aus dem biologischen Material verschiedene Substanzen extrahieren.<\/p>\n<h3>Holzige Reststoffe<\/h3>\n<p>Dabei fokussieren die Forscher auf die besonders schwierige Verwertung von holzigen Reststoffen. Die Kategorie fasst Dinge wie Stroh, Holzabf\u00e4lle aus S\u00e4gewerken oder Papierfabriken, Strauchschnitt sowie Bioabf\u00e4lle aus der Lebensmittelproduktion zusammen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Pflanzen eigens anzubauen, um sie f\u00fcr die chemische Industrie zu nutzen, w\u00e4re \u00f6kologisch nicht sinnvoll. Wir entwickeln daher Verfahren, mit denen man Reststoffe nutzbar machen kann, die bisher einfach weggeworfen oder h\u00f6chstens thermisch verwertet wurden&#8221;,<\/p><\/blockquote>\n<p>sagt<a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/person\/52230\"> <em>Angela Miltner<\/em><\/a> aus dem Team von Professor <a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/adressbuch\/adressbuch\/person\/152170\"><em>Anton Friedl<\/em><\/a> <em>am <a href=\"https:\/\/www.vt.tuwien.ac.at\/home\/\">Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften<\/a><\/em>.<\/p>\n<p>Allen holzigen Rohstoffen gemeinsam ist die schwere Verwertbarkeit. Das liegt an der darin enthaltenen<em> Lignozellulose<\/em>, die nur bei h\u00f6heren Temperaturen abgebaut werden kann. Gleichzeitig sind es gerade diese Rohstoffe, die ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr die Herstellung hochwertgesch\u00f6pfter nachhaltiger Produkte darstellen.<\/p>\n<h3>Hauptkomponenten<\/h3>\n<p>Das Team um Professor <em>Friedl<\/em> hat diese Herausforderung angenommen und nutzt eine speziell f\u00fcr das Problem entwickelte Anlage. Diese erreicht einen Druck von bis zu drei\u00dfig bar und Temperaturen von zweihundertf\u00fcnfzig Grad Celsius. Das reicht, um die Lignozellulose in der Biomasse in ihre Hauptkomponenten aufzuspalten: Zellulose, Hemicellulose und Lignin. Abh\u00e4ngig vom Rohstoff k\u00f6nnen auch bioaktive Substanzen wie Cannabinoide, Flavonoide oder Polyphenole extrahiert werden.<\/p>\n<h3>Lignin<\/h3>\n<p>Das Lignin wird in Nanolignin-Partikel umgewandelt. Das Verfahren wurde von der TU Wien patentiert. Nanolignin-Partikel bilden viele wertvolle Anwendungsm\u00f6glichkeiten wie etwa als UV-Schutz in Sonnencremes, in Lacken oder in Verpackungen verwenden.<\/p>\n<h3>Hemicellulose<\/h3>\n<ul>\n<li>Die Hemicellulose besteht aus einem Gemisch verschiedener Zucker. Verwendet werden kann diese f\u00fcr die<\/li>\n<li>Herstellung von Zuckerersatzstoffen wie Xylitol und Erythritol;<\/li>\n<li>Gewinnung pharmakologischer Substanzen;<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Betriebsparameter<\/h3>\n<p>Zur Extraktion der gew\u00fcnschten Substanzen werden L\u00f6sungsmittel wie Mischungen aus Wasser und Ethanol eingesetzt. Zur weiteren Konzentration gelangt das gewonnene Extrakt in einen Verdampfungsteil. Dabei kann das L\u00f6sungsmittel zur\u00fcckgewonnen und einer neuerlichen Verwendung zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Alternativ zu den L\u00f6sungsmitteln forscht das Team an einem Aufkonzentrations-Verfahren mit einer speziellen Membrane.<\/p>\n<p>&#8220;In den n\u00e4chsten Jahren werden wir mit unserer neuen Anlage genau untersuchen, wie man Betriebsparameter wie Druck, Temperatur, L\u00f6sungsmittel und Extraktionszeit am besten kombinieren muss, um die gew\u00fcnschten Stoffe zu extrahieren&#8221;, erkl\u00e4rt Professor <em>Friedl<\/em>.<\/p>\n<p>Alle Einstellungen der Anlage k\u00f6nnen exakt programmiert und automatisch ausgef\u00fchrt werden. Auch mehrstufige Extraktionsverfahren sind m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Keine Standardisierung<\/h3>\n<p>An ein Verfahren, das allen Anforderungen gerecht wird, glaubt man im Team nicht. \u201eMan muss die Verfahren immer an die lokal verf\u00fcgbaren Reststoffe anpassen,\u201c erkl\u00e4rt<em> Angela<\/em> <em>Miltner<\/em>. Holzabf\u00e4lle aus dem S\u00e4gewerk erfordern andere Verfahren, als Holzabf\u00e4lle aus einem G\u00e4rtnereibetrieb. Man muss die chemischen und prozesstechnischen Details sehr gut kennen, um f\u00fcr jede Anforderung die richtige Bioraffinerie planen zu k\u00f6nnen, so <em>Miltner<\/em>.<\/p>\n<h3>Bioraffinerie<\/h3>\n<p>Bioraffinerien sind ganzheitliche multifunktionale Konzepte, die eine hochwertige Nutzung von Biomasse zum Ziel haben. Als solches bieten diese die M\u00f6glichkeit, Zwischen- und Endprodukte wie Chemikalien, Materialien, Bioenergie und Biotreibstoff nachhaltig zu generieren. Das Konzept befindet sich noch in Entwicklung, ist aber in Ans\u00e4tzen schon umgesetzt. Zum Beispiel bei der Herstellung von Zucker, Bioethanol und Biodiesel, wo versucht wird, auch die Nebenprodukte hochwertig zu nutzen.<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/start-up-lignopure-aus-holz-und-stroh-wird-plastik\/\">Start-up of the day: Aus Holz und Stroh wird Plastik<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/grassa-innerhalb-von-zehn-jahren-isst-jeder-burger-aus-gras\/\">Grassa!: \u201eIn zehn Jahren wird jeder Burger aus Gras essen.\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es w\u00e4re schade, holzige Reststoffe einfach zu verbrennen. In der Bioraffinerie lassen sich daraus wertvolle Rohstoffe gewinnen. Zumindest theoretisch. Tats\u00e4chlich erfordern verschiedene Reststoffe verschiedene Methoden und es braucht noch intensive Forschung. Eine neue Pilotanlage an der TU Wien l\u00e4sst das Ziel n\u00e4her r\u00fccken. 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