{"id":173362,"date":"2019-06-08T11:57:28","date_gmt":"2019-06-08T09:57:28","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=173362"},"modified":"2019-06-08T11:57:28","modified_gmt":"2019-06-08T09:57:28","slug":"e-roller-von-den-tuecken-der-sharing-society","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/e-roller-von-den-tuecken-der-sharing-society\/","title":{"rendered":"E-Roller: Von den T\u00fccken der Sharing-Society"},"content":{"rendered":"<p>Sharing ist eine gute Sache. Da braucht es nicht das eigene Auto, den eigenen Motorroller oder, wie nun bald auch in Deutschland, den eigenen E-Roller. Einfach sich bei der entsprechenden App anmelden, Vehikel freischalten und schon kann\u2019s losgehen. Dem bequemen Cruisen durch die Stadt steht nichts mehr im Weg. In vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten sind die Roller bereits sehr verbreitet.<\/p>\n<h2>E-Roller nerven viele<\/h2>\n<p>Was so einfach klingt, bringt aber auch viele Menschen auf die Palme. Die Bewohner von Paris beispielsweise. E-Roller geh\u00f6ren hier schon seit L\u00e4ngerem zum Verkehrsgeschehen. Die praktischen, zusammenfaltbaren Roller sind fix und wendig. Da ist es f\u00fcr manchen E-Roller-Fahrer in der franz\u00f6sischen Hauptstadt auch kein Problem mitten im Sto\u00dfverkehr \u2013 und den gibt es dort fast rund um die Uhr \u2013 sich gegen Lastwagen, Autos, Motorr\u00e4der und andere Verkehrsteilnehmer durchzusetzen. Vielleicht w\u00e4re gegen sie zu k\u00e4mpfen der bessere Ausdruck daf\u00fcr.<\/p>\n<h2>R\u00fccksichtslos<\/h2>\n<p>Wer erst k\u00fcrzlich in Paris war, wird schnell merken, dass E-Roller-Fahrer in der Stadt der Liebe entweder v\u00f6llig verr\u00fcckt sind oder nahezu lebensm\u00fcde. Viele Fahrten mit den elektrischen Rollern gleichen Himmelfahrtskommandos. Sei es gegen Lastwagen auf einer dreispurigen Stra\u00dfe anzutreten. Oder rasch mal \u00fcber den \u00fcberf\u00fcllten Gehsteig vor dem Eiffelturm durch die Touristenmassen zu d\u00fcsen. F\u00fcr E-Roller-Fahrer kein Problem. F\u00fcr andere Verkehrsteilnehmer ein riesiges \u00c4rgernis. Ganz zu schweigen von der Unfallgefahr. Klingt nach Kamikaze \u2013 ist es auch.<\/p>\n<p>Das ist nicht nur die Meinung der genervten Pariser Bewohner. Sondern auch dem E-Roller-Verleihdienst <a href=\"https:\/\/www.li.me\/de\/how-to-lime\">Lime<\/a> kommen Zweifel. Das amerikanische Unternehmen bietet Micro-Mobility-L\u00f6sungen f\u00fcr Leute an, die in und um St\u00e4dten leben. Eben auch in Paris.<\/p>\n<h2>Sharing-Albtraum<\/h2>\n<p>Keine Frage, Sharing ist eine gute Sache. Doch was Lime gerade erlebt, damit hat wohl auch deren Krisen-Kommunikations-Manager nicht gerechnet. In Paris benutzt einer von zehn Personen bereits einen ausleihbaren E-Roller. Jeder Vierte plant, E-Roller-Sharing zu nutzen. W\u00e4re das nicht ein Grund f\u00fcr Lime zu jubeln? Ganz und gar nicht.<\/p>\n<p>Lime hat die Rechnung nicht dem Mensch gemacht. Und der agiert, sobald er einen geliehen E-Roller f\u00e4hrt, meist r\u00fccksichtslos und egoistisch. Vom verantwortungsbewussten Umgang keine Spur. Geschweige denn respektvollem Verhalten gegen\u00fcber anderen Verkehrsteilnehmern.<\/p>\n<h2>Nicht meins, also egal<\/h2>\n<p>Ausbaden muss das r\u00fcpelhafte, egoistische Verhalten der E-Roller-Fahrer nun Lime. Viel negative Schlagzeilen hat es der US-Firma schon beschert. Auch Anne Hidalgo, die B\u00fcrgermeisterin von Paris hat bereits angek\u00fcndigt, die Zahl der E-Roller und den widrigen Umgang mit ihnen massiv einschr\u00e4nken zu wollen.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte auch derartiges menschliches Verhalten voraussehen k\u00f6nnen? Oder doch? Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass Menschen in der Regel mit eigenen Sachen pfleglicher umgehen, als mit geliehenen. Kein Wunder, denn f\u00fcr den eigenen Roller muss ein Fahrer zun\u00e4chst wesentlich mehr Geld berappen, als f\u00fcr einen Leihroller. Da ist es auch nicht weiter schlimm, wenn etwas kaputt geht oder das Verhalten im Stra\u00dfenverkehr nicht vorbildlich ist. Ist ja nicht der eigene E-Roller. \u00dcbrigens ist das nicht nur ein franz\u00f6sisches Ph\u00e4nomen. In Schweden hat die Fahrt mit dem elektrischen Roller einem 27-J\u00e4hrigen das Leben gekostet.<\/p>\n<h2>Teure Kampagne<\/h2>\n<p>Lime will nun mit einer kostspieligen Print-Kampagne in den franz\u00f6sischen Metropolen gegen das negative Image der flinken E-Roller steuern. Zudem sollen die Fahrer zu einem respektvollen Umgang angehalten werden. Mit knallgr\u00fcnen Kampagnen-Lettern will das Unternehmen E-Roller-Fahrer zur Vernunft bringen. Ob das Wirkung zeigen wird?<\/p>\n<p>Vielleicht t\u00e4te Lime schon mal gut daran, die Mitarbeiterzahl im Krisenmanagement zu erh\u00f6hen. Nur f\u00fcr den Fall, dass die Kampagne ein Flop werden sollte.<\/p>\n<h2>Und Deutschland?<\/h2>\n<p>In Deutschland warten wir schon sehns\u00fcchtig auf die endg\u00fcltige Stra\u00dfenzulassung er handlichen E-Flitzer. Mitte des Monats soll es endlich soweit sein. Offensichtlich gibt es keine anderen Verkehrsmittel mehr, die wir ansonsten benutzen k\u00f6nnten. Nicht nur E-Roller-Verleiher scharren mit den Hufen. Auch potenzielle Nutzer k\u00f6nnen es kaum erwarten, auf E-Roller steigen.<\/p>\n<p>Und wenn es dann soweit ist? Erleben wir das gleiche Ph\u00e4nomen wie in franz\u00f6sischen St\u00e4dten? Keine R\u00fccksichtnahme, kein Respekt vor anderen Verkehrsteilnehmern? Denn inzwischen gilt auf den Stra\u00dfen nicht mehr das Recht des St\u00e4rkeren, sondern des Schnelleren. Egal wie. Hauptsache schnell von A nach B. Fahrradfahrer machen es bereits vor, wie das geht. Nicht mal rote Ampeln, Staus oder Fu\u00dfg\u00e4nger k\u00f6nnen sie aufhalten.<\/p>\n<h2>Wunsch und Realit\u00e4t<\/h2>\n<p>Jetzt kommen E-Roller-Fahrer noch dazu. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es da, wenn sie zeigen w\u00fcrden, wie R\u00fccksichtnahme und Respekt im Stra\u00dfenverkehr funktionieren. Einfach mal bremsen, wenn der Weg gerade nicht frei ist. Sich nicht mal schnell irgendwo vorbei quetschen. Pfleglich mit Leih-Fahrzeugen umgehen. Hach, w\u00e4r\u2018 das grandios \u2013 ganz ohne Regeln und massive Kontrollen. Ohne gesellschaftliche Proteste und Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>In St\u00e4dten wie etwa M\u00fcnchen ist das allerdings schwer vorstellbar. Hier gibt es schon genug Schwierigkeiten mit rechthaberischen Auto-, Motorroller-, Motorrad- und Fahrradfahrern. Ach ja, Fu\u00dfg\u00e4nger nicht zu vergessen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Denn Sharing ist eigentlich eine gute Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Sharing auf unserer englisch-sprachigen Seite:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/tomorrow-is-good-from-possession-to-access-and-back-again\/\">Tomorrow is good: From ownership to access &#8211; and back again<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sharing ist eine gute Sache. Da braucht es nicht das eigene Auto, den eigenen Motorroller oder, wie nun bald auch in Deutschland, den eigenen E-Roller. Einfach sich bei der entsprechenden App anmelden, Vehikel freischalten und schon kann\u2019s losgehen. Dem bequemen Cruisen durch die Stadt steht nichts mehr im Weg. 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