{"id":172754,"date":"2019-06-04T14:00:52","date_gmt":"2019-06-04T12:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=172754"},"modified":"2019-06-04T14:00:52","modified_gmt":"2019-06-04T12:00:52","slug":"doppeltherapie-zur-senkung-der-rueckfallquote-bei-krebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/doppeltherapie-zur-senkung-der-rueckfallquote-bei-krebs\/","title":{"rendered":"Doppeltherapie zur Senkung der R\u00fcckfallquote bei Krebs"},"content":{"rendered":"<p>Der Onkologe <a href=\"https:\/\/haema-onko-cvk.charite.de\/metas\/person\/person\/address_detail\/schmitt-3\/\"><em>Clemens Schmitt<\/em><\/a> von der <em>Kepler Universit\u00e4t Linz<\/em> entwickelt eine pr\u00e4ventive Doppeltherapie f\u00fcr Krebspatienten. Ziel ist es, die R\u00fcckfallquote zu senken.<\/p>\n<p>Manche Patienten besiegen den Krebs endg\u00fcltig, andere erleiden einen R\u00fcckfall. Dies zu verhindern, ist die Medizin noch nicht in der Lage. Die Ursachen f\u00fcr einen R\u00fcckfall sind vielf\u00e4ltig. <em>Schmitt <\/em>vom Lehrstuhl f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.kepleruniklinikum.at\/versorgung\/kliniken\/haematologie-und-internistische-onkologie\/team\/\"><em>H\u00e4matologie und internistische Onkologie<\/em><\/a> forscht an geeigneten Therapien. Der Onkologe wechselte im Januar 2019 von der <a href=\"https:\/\/www.charite.de\/\"><em>Berliner Charit\u00e9<\/em><\/a> an die medizinische Fakult\u00e4t der <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/\"><em>Johannes Kepler Universit\u00e4t<\/em> <\/a>in Linz, die er seither leitet. In seiner Forschung fokussiert er auf die seneszenten Zellen, die einen R\u00fcckfall ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Eliminierung von Tumormasse<\/h3>\n<p>Im ersten Schritt gibt es in der klinischen Krebstherapie keinen Raum f\u00fcr Alternativen. Es geht um die Eliminierung der Tumormasse. Das ist immer das erste Ziel, sagt <em>Schmitt<\/em> in einem Artikel der aktuellen <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/kepler-tribune\/\"><em>Kepler Tribune<\/em><\/a> (2\/19). Zur Verf\u00fcgung stehen Therapien wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung. Dabei sollen jeweils m\u00f6glichst viele Tumorzellen get\u00f6tet werden. Das Normalgewebe soll dabei nicht wesentlich gesch\u00e4digt werden.<\/p>\n<h3>Aktivierung von Schutzmechanismen<\/h3>\n<p>Bei der Chemotherapie werden in jeder Tumorzelle Programme ausgel\u00f6st \u2013 die Apoptose und die Seneszenz. Bei diesen Programmen handelt es sich um k\u00f6rpereigene Schutzmechanismen. Sie greifen ein, wenn es im K\u00f6rper zu bedrohlichen Ver\u00e4nderungen kommt und schalten die Gefahr aus. Erfolgt dies nicht, k\u00f6nnen sich b\u00f6sartige Zellen ausbreiten.<\/p>\n<h3>Zelltod<\/h3>\n<p>Apoptose bezeichnet den programmierten Zelltod und Seneszenz die Zellalterung. Letztere f\u00fchrt dazu, dass sich Zellen nicht mehr teilen. In der Chemotherapie versucht man die Apoptose, den Zelltod, in den Tumorzellen anzuregen. Allerdings ver\u00e4ndern sich Tumore st\u00e4ndig \u2013 in der Entstehung und unter Therapiedruck. Es sind Teile dieser Ver\u00e4nderung, die zu einer Resistenz einzelner Zellen gegen\u00fcber diesem Abt\u00f6tungsmechanismus beitragen, so der Onkologe.<\/p>\n<h3>Zellalterung<\/h3>\n<p>Es gibt auch Tumorzellen, die apoptoseresistent sind und sich auch in der Chemotherapie nicht selbst zerst\u00f6ren. Dann kann alternativ die Seneszenz aktiviert werden, die Selbstalterung der Tumorzelle. Diese Behandlung hat einen tumorkontrollierenden und damit lebensverl\u00e4ngernden Effekt f\u00fcr tumorbetroffene Organismen. Das konnte best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<h3>Nebeneffekt der Reprogrammierung<\/h3>\n<p>Allerdings wirft eine auf Seneszenz abzielende Therapie neue Probleme auf. Das stellte <em>Schmitt<\/em> in seiner j\u00fcngsten Studie fest:<\/p>\n<p>Seneszente Tumorzellen nehmen die Zellteilung fallweise spontan wieder auf. Geschieht dies, so sind diese gef\u00e4hrlicher als Tumorzellen, die nicht im Seneszenz-Zustand waren. Das liegt daran, dass die Zellen beim Wechsel in die Seneszenz epigenetisch massiv reprogrammiert werden.<\/p>\n<p>Unter anderem stellten die Forscher die Aktivierung eines Stammzell-Programms fest. Durch die Teilung nehmen die Zellen ihre Stammzellenf\u00e4higkeit wieder auf und leiten eine besonders aggressive R\u00fcckfallerkrankung ein. Dabei kann eine einzelne Krebsstammzelle einen kompletten Tumor herstellen.<\/p>\n<h3>Neues therapeutisches Fenster<\/h3>\n<p>Dennoch h\u00e4lt Schmitt an der Qualit\u00e4t der auf Seneszenz abzielenden Therapie fest. Mithilfe der Seneszenz sei eine h\u00f6chst aggressive Krebserkrankung zun\u00e4chst einzuschr\u00e4nken. Allerdings sei das nur eine \u00dcbergangsl\u00f6sung, sagt der Onkologe. Er geht nun in die n\u00e4chste Forschungsphase und versucht Methoden zu finden, die seneszenten Zellen gezielt anzugreifen. Dabei fokussiert er die Phase der Reprogrammierung, welche die Zelle beim Wechsel in den Zustand der Seneszenz durchl\u00e4uft. In dieser Phase werden viele biologische Eigenschaften der Zellen ver\u00e4ndert und dadurch neue Verwundbarkeiten geschaffen. Diese m\u00fcsse man finden, erkennen und nutzen, um seneszente Zellen selektiv ausschalten zu k\u00f6nnen. Das ist der Ansatz, der sich unter dem Oberbegriff <em>Senolyse<\/em> etabliert hat.<\/p>\n<p>Die Verwundbarkeiten seneszenter Zellen bieten ein neues therapeutisches Fenster. Die Daten aus dem Tiermodell waren ermutigend. Jetzt gilt es, das therapeutische Potenzial der Senolyse klinisch zu pr\u00fcfen. Das sei der logische n\u00e4chste Schritt, erkl\u00e4rt <em>Schmitt.<\/em><\/p>\n<h3>R\u00fcckfallquote senken<\/h3>\n<p>Diese Doppeltherapie \u2013 eine auf die Chemotherapie folgende <em>Senolyse<\/em> \u2013 will er jetzt in einer klinischen Studie testen. Ziel ist es, die R\u00fcckfallquote deutlich zu senken. Bis jetzt k\u00f6nne man nur hoffen, dass es zu keinem R\u00fcckfall kommt. Die Behandlung wird erst wieder aufgenommen, wenn es tats\u00e4chlich zu einer klinisch sichtbaren Wiedererkrankung kommt.<\/p>\n<p>Wenn <em>Schmitts<\/em> Studie erfolgreich verl\u00e4uft und zeigt, wie man mit verbliebenen Tumorzellen umgehen kann, so wird es allerdings noch etwa ein Jahrzehnt dauern, bis die Methode auch anwendbar ist. Denn dann brauche es erst Studien, um zu einem Perspektivenwechsel in der klinischen Community zu kommen, so <em>Schmitt<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/sport-krebs-therapie-strahlentherapie\/\">Sport als effektive Zusatztherapie zur Strahlentherapie bei Krebs<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/darmkrebs-forscher-massgeschneiderte-therapie\/\">Forscher entwickeln ma\u00dfgeschneiderte Therapie gegen Darmkrebs<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-1-gentherapie-mit-clostridien\/\">Innovationen, die die Krebsbehandlung ver\u00e4ndern werden (1): Gentherapie mit Clostridien<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-2-schnellerer-einblick-durch-molekulare-bildgebung\/\">Innovationen, die die Krebsbehandlung ver\u00e4ndern werden (2): Schnellerer Einblick durch molekulare Bildgebun<\/a>g<\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/innovationen-die-die-krebsbehandlung-veraendern-werden-3-immuntherapie\/\">Innovationen, die die Krebsbehandlung ver\u00e4ndern werden (3): Immuntherapie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Onkologe Clemens Schmitt von der Kepler Universit\u00e4t Linz entwickelt eine pr\u00e4ventive Doppeltherapie f\u00fcr Krebspatienten. 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