{"id":172113,"date":"2019-05-24T11:30:48","date_gmt":"2019-05-24T09:30:48","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=172113"},"modified":"2019-05-24T11:30:48","modified_gmt":"2019-05-24T09:30:48","slug":"a-take-on-tech-wie-technologie-die-modeproduktion-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/a-take-on-tech-wie-technologie-die-modeproduktion-veraendert\/","title":{"rendered":"A Take on Tech: Wie Technologie die Modeproduktion ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Das diesj\u00e4hrige <em>Take Festival <\/em>in Wien wurde erstmals Schauplatz eines Symposiums. <em>A Take on Tech<\/em>, so der Name des Event, war den innovativen Technologien in der Modeproduktion gewidmet.<\/p>\n<p>Take Festival ist ein alternatives Modefestival, das einmal j\u00e4hrlich die lokale Kunst- und Modeszene versammelt und die Modeindustrie neu gedacht haben will. Technologie beeinflusst die Arbeit junger Modeschaffender zunehmend. Die Arbeit mit Technologie ist aber nach wie vor eine Nische. Zus\u00e4tzliche Ausbildungen und interdisziplin\u00e4re Kooperationen sind gefragt.<\/p>\n<p>Mit <a href=\"http:\/\/northumbria.academia.edu\/VeronikaKapsali\/CurriculumVitae\"><em>Veronika Kapsali<\/em><\/a> aus London konnte eine Sprecherin gewonnen werden, die beide Seiten kennt: Sie schloss an ihr Modedesign-Studium ein Studium in Textiltechnik an und wechselte sp\u00e4ter in die Forschung. Als Expertin im Bereich Bekleidungskomfort und biomimetische Textilien, verfasste sie mehrere B\u00fccher und ber\u00e4t private und \u00f6ffentliche Organisationen. Darunter auch das britische und amerikanische Milit\u00e4r und die <em>Europ\u00e4ische Kommission<\/em>.<\/p>\n<h3>\u00dcberlebenssichernde Technologie<\/h3>\n<p>Am <a href=\"https:\/\/take-festival.com\/portfolio_page\/fashion-symposium\/\">Take on Tech Symposium<\/a> in Wien sprach <em>Kapsali<\/em> \u00fcber die \u00fcberlebenssichernde Funktion von Bekleidungs-Technologie. Diese war schon bei den Vorfahren entscheidend. Neueren Theorien zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Niedergang der <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/40026145?seq=1#page_scan_tab_contents\">Neanderthaler<\/a> und deren mangelhafter F\u00e4higkeit, K\u00e4lteschutz-Kleidung herzustellen. Lange Zeit hatten sie den biologischen Vorteil einer dickeren Haut. Dadurch mussten sie sich sp\u00e4ter als andere menschliche Spezies mit der Herstellung von w\u00e4rmender Kleidung auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Einen wesentlichen Technologie-Fortschritt der neueren Zeit sieht sie in der Entstehung von <em>vom Menschen gemachten Fasern<\/em> &#8211; und vor allem <em>Nylon.<\/em> Nylon ist der Handelsname f\u00fcr Polyamid und wurde 1935 von <a href=\"http:\/\/www.dupont.de\/\">Dupont<\/a> entwickelt. Eigentlich eine Rekreation der empfindlichen Seide, brachte das Material neue Superfunktionen: Kleidung aus Nylon, Spandex, Urethan und Polyester erm\u00f6glichte den Astronauten bei der ersten Mondlandung ein \u00dcberleben im Weltall.<\/p>\n<h3>Technologien, die gebraucht werden<\/h3>\n<p>\u00dcber Wearables, 3D-Druck und oberfl\u00e4chliche Effekte wie in Kleidung eingebettete LED-Systeme, Soundshirts und die Farbe wechselnde Materialien, kam <em>Kapsali<\/em> zu den j\u00fcngsten Entwicklungen. Einendes Merkmal sei der Trend zu Nachhaltigkeit und funktionellen Technologien, die wirklich gebraucht werden, so die Expertin. Als Beispiel nannte sie Biotechnologien, wie diese etwa von <a href=\"http:\/\/www.modernmeadow.com\/\"><em>Modern Meadow <\/em><\/a>angewendet werden. Das Unternehmen fertigt aus Zellen, DNA und Protein von Leder inspirierte Materialien. Der Prozess kann nach strukturellen und \u00e4sthetischen Merkmalen geplant werden und in umweltfreundlichen F\u00e4rbungen und Finishes aufbereitet.<\/p>\n<h3>Formged\u00e4chtnis<\/h3>\n<p>Der vielbesprochene Weltraum-Tourismus kann kommen, wie <em>Kapsali<\/em> pointiert anmerkte. <a href=\"https:\/\/aeroastro.mit.edu\/dava-newman\"><em>Dava Newman<\/em><\/a>, Professorin f\u00fcr <em>Aeronautik, Astronautik und technische Systeme<\/em> am <em>Massachusetts Institute of Technology<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.mit.edu\/\">MIT<\/a>) entwickelte die dazu erforderlichen <em>Shrink Fit<\/em> Kompressions-Kleidungsst\u00fccke. Dabei orientierte sie sich an konventionellen Weltraumanz\u00fcgen, in denen sich der Astronaut in einer Art Gasballon befindet. Dieser liefert den notwendigen Druck, der notwendig ist, um im Vakuum des Weltraums am Leben zu bleiben. Dieses Prinzip nutzt <em>Newman<\/em> um Kleidungsst\u00fccke automatisch an K\u00f6rperformen anzupassen. Das macht sie, indem sie den Gasballoneffekt mit mechanischem Gegendruck imitiert:<\/p>\n<p>Das leichte, dehnbare <a href=\"http:\/\/news.mit.edu\/2014\/second-skin-spacesuits-0918\"><em>Shrink Fit<\/em>-Kompressions-Kleidungsst\u00fcck<\/a> ist mit winzigen, muskel\u00e4hnlichen Windungen best\u00fcckt, die sich bei Hitze-Einwirkung zusammenziehen. Das erfordert ein bestimmtes Procedere beim An- und Ausziehen: Wenn der Tr\u00e4ger in den Anzug geschl\u00fcpft ist, wird der Anzug elektrisch erhitzt. Dadurch aktiviert das Material der Windungen sein Formged\u00e4chtnis. Es erinnert sich an seine konstruierte Form und legt sich eng an den K\u00f6rper an, ohne die Bewgungsfreiheit des Tr\u00e4gers zu hemmen. Beim Ausziehen des Kleidungsst\u00fccks ist dieser Vorgang r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend berichtete <em>Kapsali<\/em> von textilen Systemen, die sich beim Kontakt mit hei\u00dfem Wasser in vollst\u00e4ndig verarbeitete Kleidungsst\u00fccke verwandeln \u2013 ohne zus\u00e4tzliche Aufbereitung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_172130\" aria-describedby=\"caption-attachment-172130\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-172130\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/20190517_take_\u00a9_Maximilian_Pramatarov_081-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-172130\" class=\"wp-caption-text\">Take Festival \u00a9 Maximilian Pramatarov<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Im Bild: Von links nach rechts: Barnaby Caven, Kristina Dimitrova (Interlaced), Sophie Skach, Veronika Kapsali, Sabine Seymour;<\/em><\/p>\n<h3>A Take on Tech<\/h3>\n<p>Weitere Speaker aus dem Forschungsbereich waren <a href=\"http:\/\/www.sophieskach.com\/\"><em>Sophie Skach<\/em><\/a>, Designerin und Forscherin an der <a href=\"https:\/\/www.qmul.ac.uk\/\"><em>Queen Mary University of London<\/em><\/a>, die Sensoren in Textilien f\u00fcr gespr\u00e4chsanalytische Zwecke nutzt. <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Barnaby_Caven\"><em>Barnaby Caven<\/em><\/a> vom <em>Forschungsinstitut f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/textilchemie\/\">Textilchemie und Textilphysik<\/a><\/em> der <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em> berichtete vom Stand der Technologie im Bereich der Stretchables. Das sind smarte Textilien, die wasch- und knautschbar sind. <em>Sabine Seymour<\/em>, ehemalige Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.newschool.edu\/search\/?q=Fashionable+Technology+Lab+&amp;type=&amp;submit=\"><em>Fashionable Technology Lab<\/em> <\/a>an der <a href=\"https:\/\/www.newschool.edu\/parsons\/\"><em>Parsons The New School for Design<\/em><\/a> in New York, ist mehrfache Buchautorin sowie Gr\u00fcnderin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von <a href=\"https:\/\/www.supa.ai\">SUPA<\/a> und <a href=\"http:\/\/moondial.com\">MOONDIAL<\/a>. In Wien berichtete sie von ihrem neuesten Projekt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Qe6c7kSk04I\"><em>Tokenizing your Body<\/em><\/a> &#8211; ein DSGVO-konformes Bezahlmodell f\u00fcr Daten. Zielgruppe ist die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generation_Z\"><em>Generation Z<\/em><\/a>, die ab 1996 Geborenen, die \u00fcber die App <em>@suoa_a<\/em>i zur Verwaltung ihrer eigenen Daten erm\u00e4chtigt werden &#8211; und bei Freigabe mit Token bezahlt werden.<\/p>\n<p>Das Symposium wurde in Kooperation mit <a href=\"https:\/\/wirtschaftsagentur.at\/kreativwirtschaft\/ueber-departure\/\">Departure<\/a>, der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien, durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>Take Festival<\/h3>\n<p>Die Inspiration zum <em>Take Festival<\/em> lieferte <a href=\"https:\/\/www.edelkoort.com\/\"><em>Lidewij Edelkoort<\/em> <\/a>mit ihrem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LV3djdXfimI\"><em>Anti-Mode-Manifest<\/em><\/a> aus 2015. Darin prognostizierte die Trendexpertin unter anderem eine Implosion der Mode, weil diese der Zeit hinterherhinke und mit Stardesignern und It-People auf die Ausnahme und nicht die Regel setzte. Die Regel, das seien Menschen, die ihrer Pers\u00f6nlichkeit weniger \u00fcber theatralische Kleidung als \u00fcber ein Tattoo oder eine gewagte Haarfarbe Ausdruck verleihen wollen.<\/p>\n<h3>Kunstinspiriert<\/h3>\n<p>Das Modedesign in Wien ist kunstinspiriert \u2013 und auch die junge Kunstszene bezieht sich gern auf die Mode. Das ergibt viele potenzielle Akteure f\u00fcr das<em> Take Festival<\/em>. J\u00e4hrlich werden etwa vierzig Positionen pr\u00e4sentiert. Locations sind \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude im Zwischennutzungsmodus. Bei der dritten Auflage des <em>Take Festival<\/em>, die vom 14. bis 18. Mai 2019 lief, wurden die verlassenen R\u00e4ume des<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialmedizinisches_Zentrum_Sophienspital\"><em> Sophienspitals<\/em><\/a> im siebten Bezirk zum Parcours. Die Installationen, Mode-Objekte, Fotos, Pr\u00e4sentationen und Screenings zeigten einen experimentellen Zugang zu Mode. In Zusammenarbeit mit dem <a href=\"https:\/\/www.playground-av.com\/\"><em>AV Festival<\/em><\/a> konnten auch audiovisuelle Beitr\u00e4ge gezeigt werden, die einen neuen Erlebnisbereich f\u00fcr Mode schaffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_172132\" aria-describedby=\"caption-attachment-172132\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-172132\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Shittytrack-by-Elsa-Okazaki-\u00a9-Maximilian-Pramatarov-400x600.jpg\" alt=\"Shittytrack by Elsa Okazaki \u00a9 Maximilian Pramatarov\" width=\"400\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-172132\" class=\"wp-caption-text\">Shittytrack by Elsa Okazaki \u00a9 Maximilian Pramatarov<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/mode-im-kontext-von-technologie-neu-denken\/\">Mode im Kontext von Technologie neu denken<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/elektronische-textilien-zur-messung-menschlichen-sozialverhaltens\/\">Elektronische Textilien zur Messung menschlichen Sozialverhaltens<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schneiderei-fuer-massgefertigte-technologien\/\">Schneiderei f\u00fcr ma\u00dfgefertigte Technologien<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/digitale-loesung-macht-personalisierte-kleidung-fuer-viele-zugaenglich\/\">Digitalisierung erm\u00f6glicht personalisierte Kleidung f\u00fcr viele<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das diesj\u00e4hrige Take Festival in Wien wurde erstmals Schauplatz eines Symposiums. 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