{"id":172046,"date":"2019-05-22T19:35:05","date_gmt":"2019-05-22T17:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=172046"},"modified":"2019-05-22T19:35:05","modified_gmt":"2019-05-22T17:35:05","slug":"18-exoplaneten-erdgross-deutsche-astronomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/18-exoplaneten-erdgross-deutsche-astronomen\/","title":{"rendered":"Deutsche Astronomen entdecken 18 erdgro\u00dfe Exoplaneten"},"content":{"rendered":"<p>Exoplaneten, also Planeten, die um Sterne au\u00dferhalb unseres Sonnensystems kreisen, spielen bei der Suche nach au\u00dferirdischem Leben eine besondere Rolle. Bisher sind etwas mehr als 4.000 bekannt, f\u00fcr menschliches oder menschen\u00e4hnliches Leben wirklich geeignet war aber noch keiner. Rund 96 Prozent dieser Exoplaneten sind deutlich gr\u00f6\u00dfer als unsere Erde und \u00e4hneln mehr Gasriesen in der Gr\u00f6\u00dfe von Neptun oder Jupiter. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass dieser Prozentsatz nicht die wirklichen Verh\u00e4ltnisse im Weltall widerspiegelt, da gro\u00dfe Planeten viel einfacher zu entdecken sind als kleine.<\/p>\n<p>Forscher des <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/de\">Max-Planck-Instituts f\u00fcr Sonnensystemforschung<\/a> (MPS), der <a href=\"http:\/\/www.uni-goettingen.de\/\">Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.astronomiemuseum.de\/\">Sternwarte Sonneberg<\/a> haben nun 18 Exoplaneten aufgesp\u00fcrt, die nur etwa so gro\u00df sind wie die Erde \u2013 in kosmischen Dimensionen gesehen also ziemlich klein. Aus diesem Grund wurden sie bei bisherigen Suchen nach weiteren Exoplaneten auch \u00fcbersehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_172047\" aria-describedby=\"caption-attachment-172047\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-172047\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/PIA18033medium-600x600.jpg\" alt=\"Erde\" width=\"400\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-172047\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 NASA\/JPL<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Erd\u00e4hnlicher Planet mit lebensfreundlichen Bedingungen<\/h3>\n<p>Einer der nun entdeckten Exoplaneten z\u00e4hlt sogar zu den kleinsten bisher bekannten, sein Radius misst nur 69 Prozent des Erdradius. Der Radius des gr\u00f6\u00dften ist kaum doppelt so gro\u00df wie der der Erde. Und es gibt neben der Tatsache, dass alle 18 Planeten anhand der Daten des Weltraumteleskops Kepler bisher nicht ausfindig gemacht werden konnten, eine weitere Besonderheit: Ein Planet k\u00f6nnte sogar lebensfreundliche Bedingungen aufweisen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Entdeckung gelang den Forschern dank einer neuen, von ihnen selbst entwickelten empfindlicheren Methode, mit der sie einen Teil der Daten des<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/mission_pages\/kepler\/main\/index.html\"> NASA-Weltraumteleskops Kepler<\/a> erneut ausgewertet haben. Nach dem vorl\u00e4ufigen Abschluss der Auswertungen rechnet die Gruppe damit, dass sich auf diese Weise noch mehr als 100 zus\u00e4tzliche Exoplaneten im gesamten Datenschatz der Kepler-Mission ausfindig machen lassen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Bisher nutzten Astronomen bei ihrer Suche nach fernen Welten die so genannte Transit-Methode. Dabei durchforsten sie Sterne gezielt nach periodisch wiederkehrenden Helligkeitsabf\u00e4llen, denn jedes Mal, wenn ein Exoplanet auf seiner Umlaufbahn von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vor\u00fcberzieht, verdunkelt er ihn leicht. Das hat zur Folge, dass der Stern ein paar Stunden lang weniger hell erscheint.<\/p>\n<h3>Traditionelle Transit-Methode zu ungenau<\/h3>\n<p>\u201eBisherige Such-Algorithmen versuchen, sprunghafte Helligkeitsabf\u00e4lle zu identifizieren\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Ren\u00e9 Heller vom MPS, der Erstautor der aktuellen Studien. \u201eIn Wirklichkeit erscheinen Sterne am Rand etwas dunkler als in der Mitte. Wenn ein Planet vor einem Stern entlang zieht, blockiert er anfangs weniger Sternlicht. Erst zur Mitte des Transits erscheint der Stern am dunkelsten. Danach wird er wieder graduell heller.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_172044\" aria-describedby=\"caption-attachment-172044\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-172044\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/original-1-600x600.jpg\" alt=\"Exoplanet\" width=\"400\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-172044\" class=\"wp-caption-text\">Ist der Orbit eines extrasolaren Planeten so ausgerichtet, dass er von der Erde aus gesehen vor seinem Stern entlangzieht, so verdunkelt der Planet den Stern auf charakteristische Weise. \u00a9 NASA\/SDO (Sonne), MPS\/Ren\u00e9 Heller<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei gro\u00dfen Planeten ist die Verdunklung ihres Sterns so stark, dass dieser feine Unterschied bei ihrer Entdeckung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ganz anders sieht das jedoch bei kleinen Planeten aus. Bei ihnen ist der Helligkeitsabfall oft so minimal, dass er in den nat\u00fcrlichen Helligkeitsschwankungen des Sterns und im Rauschen des Messinstrumentes kaum auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Das deutsche Team ging nun aber von einem realistischeren Helligkeitsverlauf aus und konnte so zeigen, dass sich die Empfindlichkeit der Transit-Methode unter dieser Annahme entscheidend verbessern l\u00e4sst. Als Testobjekt nahmen die Forscher Daten des NASA-Weltraumteleskops Kepler. Das Teleskop hatte in der ersten Missionsphase von 2009 bis 2013 den Helligkeitsverlauf von mehr als 100.000 Sternen aufgezeichnet und auf diese Weise mehr als 2.300 Planeten entdeckt. Bis zum Missionsende 2018 kamen, trotz eines technischen Defekts an Kepler, noch einmal mehr als 100.000 weitere Sterne hinzu.<\/p>\n<p>Um das Potential ihres neuen Algorithmus zu testen, h\u00e4tten sie sich in einem ersten Schritt den \u201e\u00fcberschaubareren Daten der zweiten Missionsphase zugewendet&#8221;, erkl\u00e4ren die Forscher. Dazu untersuchten sie alle 517 Sterne erneut, von denen bereits bekannt war, dass sie mindestens einen planetaren Begleiter haben. Dabei fanden sie 18 weitere Planeten, die bisher \u00fcbersehen worden waren.<\/p>\n<h3>Ma\u00dfgeblicher Fortschritt f\u00fcr die Suche nach erd\u00e4hnlichen Planeten<\/h3>\n<p>\u201eIn den meisten der von uns untersuchten Planetensystemen sind die jetzt gefundenen Planeten die kleinsten\u201c, beschreibt Co-Autor Kai Rodenbeck von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen und vom MPS die Ergebnisse. Diese w\u00fcrden au\u00dferdem fast immer weiter innen um ihren Stern kreisen als jene Planten, die bereits bekannt waren. Aufgrund dieser engeren Umlaufbahn liegen die Oberfl\u00e4chentemperaturen bei fast allen diesen neuen Planeten weit \u00fcber 100 Grad Celsius; bei einigen sind es sogar bis zu 1.000 Grad Celsius.<\/p>\n<p>Aber es gibt eine Ausnahme: Ein Planet, EPIC 201238110.02, kreist innerhalb der so genannten habitablen Zone um einen roten Zwergstern und es k\u00f6nnten somit durchaus Bedingungen herrschen, unter denen fl\u00fcssiges Wasser auf seiner Oberfl\u00e4che vorkommen k\u00f6nnte \u2013 eine der Grundbedingungen f\u00fcr Leben. \u201eUnser neuer Algorithmus tr\u00e4gt dazu bei, ein realistischeres Bild von der Exoplaneten-Population im Weltall zu gewinnen\u201c, bilanziert Michael Hippke von der Sternwarte Sonneberg. \u201eVor allem f\u00fcr die Suche nach erd\u00e4hnlichen Planeten bedeutet unsere neue Methode einen ma\u00dfgeblichen Fortschritt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_172045\" aria-describedby=\"caption-attachment-172045\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-172045\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/original1-600x500.jpg\" alt=\"Exoplanet\" width=\"400\" height=\"333\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-172045\" class=\"wp-caption-text\">Fast alle bisher bekannten Exoplaneten sind gr\u00f6\u00dfer als die Erde und typischerweise so gro\u00df wie der Gasplanet Neptun. Alle 18 neu entdeckten Planeten (hier orange und gr\u00fcn) hingegen sind deutlich kleiner als Neptun, drei von ihnen sogar kleiner als die Erde und zwei weitere genau so gro\u00df wie die Erde. \u00a9 NASA\/JPL (Neptun), NASA\/NOAA\/GSFC\/Suomi NPP\/VIIRS\/Norman Kuring (Erde), MPS\/Ren\u00e9 Heller<\/figcaption><\/figure>\n<p>Obwohl sie mit dieser neuen Methode die 18 bisher unbekannten Planeten entdeckt haben, wollen die Forscher nicht ausschlie\u00dfen, dass sie mit ihrer Methode immer noch einzelne Planeten \u00fcbersehen haben k\u00f6nnten. So k\u00f6nnte es beispielsweise weitere kleine Planeten geben, die in gro\u00dfem Abstand um ihren Stern kreisen und daher f\u00fcr einen Umlauf l\u00e4nger brauchen als solche Planeten, die ihren Stern eng umrunden. Daher w\u00fcrden sie ihren Stern auch in gr\u00f6\u00dferen Zeitabst\u00e4nden verdunkeln und ihr ohnehin schwaches Signal sei so noch schwieriger auszumachen.<\/p>\n<p>Die neue Methode der Wissenschaftler um Ren\u00e9 Heller k\u00f6nnte in n\u00e4chster Zeit noch die eine oder andere faszinierende Entdeckung erm\u00f6glichen, denn die Kepler-Mission bietet noch Datens\u00e4tze von hunderttausenden weiteren Sternen. Daher gehen die Wissenschaftler auch davon aus, dass sie noch mehr als 100 weitere erdgro\u00dfe Welten finden k\u00f6nnen. \u201eAuch f\u00fcr die k\u00fcnftige PLATO-Mission der ESA ist diese neue Methode wertvoll\u201c, betont Prof. Dr. Laurent Gizon, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des MPS. PLATO soll 2026 ins All starten und dann zahlreiche Exoplaneten-Systeme um sonnen\u00e4hnliche Sterne finden und n\u00e4her charakterisieren.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studien wurden in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.aanda.org\/\">Astronomy &amp; Astrophysics<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><strong>Zum Thema:<\/strong><br \/>\nForscher entdecken Seltene Erden in der Atmosph\u00e4re eines Exoplaneten<br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/exoplanet-vlt-teleskop-gravity\/\">VLT-Teleskop der ESO zeigt Details eines st\u00fcrmischen Exoplaneten<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/supererde-lebensfeindlich-kalt\/\">Supererde entdeckt \u2013 ein kalter, lebensfeindlicher Ort<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/asteroiden-berechnung-groesse-ferner-sterne\/\">Asteroiden helfen bei der Berechnung der Gr\u00f6\u00dfe ferner Sterne<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schwarzes-loch-einstein-bild\/\">Einstein hatte doch recht: Erstes Bild eines schwarzen Lochs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/milchstrasse-gewicht-esa-hubble\/\">Die Milchstra\u00dfe wiegt 3 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 Tonnen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/quasar-hubble-universum-entdeckung\/\">Hubble entdeckt den hellsten Quasar im fr\u00fchen Universum<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-triangulum-galaxie-sterne-bild\/\">Hubble-Panoramabild bietet Blick auf Milliarden Sterne der Triangulum-Galaxie<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-hinweise-mond-ausserhalb-sonnensystem\/\">Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond au\u00dferhalb des Sonnensystems<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exoplaneten, also Planeten, die um Sterne au\u00dferhalb unseres Sonnensystems kreisen, spielen bei der Suche nach au\u00dferirdischem Leben eine besondere Rolle. 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