{"id":172009,"date":"2019-05-23T14:00:08","date_gmt":"2019-05-23T12:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=172009"},"modified":"2019-05-23T14:00:08","modified_gmt":"2019-05-23T12:00:08","slug":"bessere-soziale-kooperation-mit-den-betroffenen-bei-epidemien-wie-ebola-und-gelbfieber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/bessere-soziale-kooperation-mit-den-betroffenen-bei-epidemien-wie-ebola-und-gelbfieber\/","title":{"rendered":"Bessere soziale Kooperation mit Betroffenen bei Epidemien wie Ebola und Gelbfieber"},"content":{"rendered":"<p>Die Bev\u00f6lkerung im Kongo leidet am bisher gr\u00f6\u00dften Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes. Mehrere Hilfsprojekte laufen. Im sozialwissenschaftlichen Netzwerk <em>SONAR global<\/em> sollen die Projekte jetzt koordiniert werden \u2013 und Modelle f\u00fcr die bessere Einbindung von Betroffenen entstehen.<\/p>\n<p>Es ist der zehnte Ebola-Fieber-Ausbruch in der <em>Demokratischen Republik Kongo.<\/em> Seit Ende Juli 2018 wurden mehr als 1700 F\u00e4lle von Ebola-Fieber gemeldet. 1100 Betroffene sind gestorben (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/E\/Ebola\/Infos_zu_Ebola_im_Kongo_Mangina_08-2018.html\">Robert Koch Institut<\/a>). Mehrere internationale Organisationen sind vor Ort, um den Ausbruch einzud\u00e4mmen. Seitens der Bev\u00f6lkerung mangelt es allerdings oft an Vertrauen. So werden zum Beispiel die Ebola-Zentren gemieden und lokale Gesundheitszentren aufgesucht.<\/p>\n<h3>Soziale Einbindung<\/h3>\n<p>Der Kongo ist nur ein Gefahrenherd. Weltweit kommt es zu Ausbr\u00fcchen von <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/de\/media-centre\/sections\/statements\/2015\/statement-population-movement-is-a-challenge-for-refugees-and-migrants-as-well-as-for-the-receiving-population\/frequently-asked-questions-on-migration-and-health\"><em>Lassa-Fieber<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/de\/publications\/abstracts\/training-curriculum-on-invasive-mosquitoes-and-re-emerging-vector-borne-diseases-in-the-who-european-region-2016\"><em>Gelbfieber<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/de\/media-centre\/sections\/press-releases\/2018\/measles-cases-hit-record-high-in-the-european-region\"><em>Masern<\/em><\/a> und anderen Infektionskrankheiten. Begleiterscheinung von Epidemien ist der unkontrollierte Gebrauch von Medikamenten. Dadurch werden zus\u00e4tzlich <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/de\/health-topics\/disease-prevention\/antimicrobial-resistance\/antibiotic-resistance\"><em>antimikrobielle Resistenzen<\/em><\/a> (<em>AMR<\/em>) gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Die Einfluss-Faktoren auf die infekti\u00f6sen Bedrohungen sind komplex: politische und wirtschaftliche Instabilit\u00e4t, sich \u00e4ndernde \u00f6kologische Bedingungen, Tierhaltung und Lebensmittelproduktion sowie lokale Gemeinschaften und deren marginalisierte Bev\u00f6lkerungsgruppen sind zu ber\u00fccksichtigen. Die Bew\u00e4ltigung der Gesundheitsbedrohung geht \u00fcber herk\u00f6mmliche Reaktionsstrategien hinaus. Nationale Regierungen und einzeln agierende Organisationen sind \u00fcberfordert.<\/p>\n<h3>Faktor Bewusstseinsbildung<\/h3>\n<p>Um in Zukunft besser &#8211; und in Kooperation mit der Bev\u00f6lkerung &#8211; agieren zu k\u00f6nnen, wurde das internationale sozialwissenschaftliche Netzwerk <em>SONAR global<\/em> ger\u00fcndet. Gemeinsam mit den Betroffenen will man vor Ort Modelle entwerfen, welche die Probleme der Bev\u00f6lkerung vor, w\u00e4hrend und nach Epidemien l\u00f6sen und das Leben verbessern. Wesentlicher Faktor ist die Bewusstseinsbildung.<\/p>\n<p>Die anhand der akuten Situation im Kongo entwickelten Tools sollen k\u00fcnftig weltweit dazu betragen, Epidemien durch die bessere Einbindung von Betroffenen zu verk\u00fcrzen. Diese sollen auch unter anderen politischen Verh\u00e4ltnissen und bei anderen Infektionserkrankungen und <em>antimikrobiellen Resistenzen<\/em> eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Kommunikative Aufgabe<\/h3>\n<p>Ziel ist es, die Resilienz (Widerstandskraft) in der Bev\u00f6lkerung zu verbessern, die bestehenden Unsicherheiten zu verstehen und zu gemeinsamen L\u00f6sungen zu gelangen. Problemfelder sind etwa die Isolation und Behandlung von Erkrankten oder die Quarant\u00e4ne von Angeh\u00f6rigen. Die Sozialwissenschafter \u00fcbernehmen dabei eine kommunikative Aufgabe. Sie erkl\u00e4ren, warum die Ma\u00dfnahmen notwendig sind und in welchen Situationen diese wichtig sind. So soll das notwendige Problembewusstsein geschaffen werden.<\/p>\n<p>Auch die <a href=\"https:\/\/www.meduniwien.ac.at\/web\/\"><em>Medizinische Universit\u00e4t Wien <\/em><\/a>ist an dem Projekt beteiligt. Im Team um <a href=\"https:\/\/www.meduniwien.ac.at\/web\/index.php?id=688&amp;res=ruth_kutalek\"><em>Ruth Kutalek<\/em><\/a> von der <a href=\"https:\/\/www.meduniwien.ac.at\/hp\/sozialmedizin\/\"><em>Abteilung f\u00fcr Sozial- und Pr\u00e4ventivmedizin<\/em><\/a> geht es um sozialwissenschaftliche Fragestellungen wie<\/p>\n<ul>\n<li>das soziale Verhalten bei Epidemien;<\/li>\n<li>das gezielte Ansprechen von besonders verletzlichen Gruppen;<\/li>\n<li>die Integration von geeigneten Public Health-Ma\u00dfnahmen in Gemeinschaften;<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote><p>\u201eDas alles geht nur mit der betroffenen Bev\u00f6lkerung, wir entwerfen gemeinsam mit ihnen Modelle, die zu geeigneten L\u00f6sungen beitragen, um das Leben der Menschen vor, w\u00e4hrend und nach Epidemien zu verbessern.\u201c <em>Ruth Kutalek<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Steigerung der Effizienz<\/h3>\n<p>Um m\u00f6glichst effizient arbeiten zu k\u00f6nnen, wurden im ersten Schritt \u00e4hnlich gelagerte Projekte im Kongo erfasst. Projekte, die sich vor Ort mit sozialwissenschaftlichen Aspekten von Pr\u00e4vention, Behandlung und mentaler Unterst\u00fctzung besch\u00e4ftigen. M\u00f6glich wurde dies in der engen Zusammenarbeit mit dem <em>Global Outbreak Alert &amp; Response Network<\/em> <em>(<\/em><em>GOARN<\/em>), das L\u00e4nder weltweit bei der Bek\u00e4mpfung von Krankheitsausbr\u00fcchen unterst\u00fctzt. Die so entstandene <em>Landkarte<\/em> verhindert, dass in einem Bereich mehrere, gleiche Projekte gestartet werden.<\/p>\n<h3>Verletzliche Gruppen<\/h3>\n<p>Unter anderem werden Instrumente f\u00fcr eine verbesserte Ansprache von besonders verletzlichen Gruppen entwickelt. Dabei gilt es zun\u00e4chst zu eruieren, welche Bev\u00f6lkerungsgruppen wie und wo besonders ansteckungsgef\u00e4hrdet sind oder besonderer Hilfe bed\u00fcrfen. Das kann von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein, wei\u00df <em>Kutalek<\/em>. Wie sich bereits zeigte, sind jedoch besonders Frauen gef\u00e4hrdet \u2013 erwachsene genauso wie minderj\u00e4hrige. Aufgrund von Kriegsereignissen werden Familien oft von weiblichen Kindern gef\u00fchrt. Sie sind diejenigen, welche die Erkrankten zum \u00fcberwiegenden Teil pflegen, erkl\u00e4rt <em>Kutalek<\/em>.<\/p>\n<h3>Erarbeitung von Lehrpl\u00e4nen<\/h3>\n<p>Die Ergebnisse des Projekts sollen unter anderem in die Erarbeitung von Lehrpl\u00e4nen f\u00fcr die Vorbereitung und Reaktion auf Infektionsbedrohungen und AMR einflie\u00dfen. Diese sollen innerhalb und au\u00dferhalb der Sozialwissenschaften eingesetzt werden, um das Wissen \u00fcber Infektionsbedrohungen und antimikrobiellen Resistenzen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<h3>Das Projekt &#8230;<\/h3>\n<p><em>&#8230; SONAR global<\/em> l\u00e4uft \u00fcber drei Jahre und wird im Rahmen von <em>Horizon 2020<\/em> von der <em>Europ\u00e4ischen Kommission<\/em> finanziell unterst\u00fctzt. Die Leitung des Projekts obliegt <a href=\"https:\/\/research.pasteur.fr\/en\/member\/tamara-giles-vernick\/\"><em>Tamara Giles-Vernick<\/em><\/a> vom <a href=\"https:\/\/www.pasteur.fr\/en\"><em>Institut Pasteur<\/em><\/a>, einem global agierenden Netzwerk, das zur Verbesserung der \u00f6ffentlichen Gesundheit &#8211; speziell bei Infektionskrankheiten beitr\u00e4gt.<\/p>\n<h3>Originalpublikation:<\/h3>\n<p><em>Dr\u00fcckers, M.\/Giles-Vernick, T.\/Kaawa-Mafgiri, D.\/Kutalek, R.\/Napier, D.\/Paget, J. et al.<\/em> (2019): <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/laninf\/article\/PIIS1473-3099(19)30159-8\/fulltext\">A new social sciences network for infectuous threats<\/a>. In: <em>The Lancet Infectious Deseases.<\/em> Volume 19, issue 5, 461-463.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/bestaetigt-zu-viel-hygiene-im-kindesalter-schlecht-fuer-das-immunsystem\/\">Best\u00e4tigt: Zu viel Hygiene im Kindesalter schlecht f\u00fcr das Immunsystem<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/kunststofftechniker-kooperieren-mit-sozial-orientiertem-recycling-startup-in-kenia\/\">Kunststofftechniker kooperieren mit sozial orientiertem Recycling Startup in Kenia<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/tuberkulose-toxin-bakterien-selbstmord\/\">Eigenes Toxin treibt Tuberkulosebakterien in den \u201eSelbstmord\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bev\u00f6lkerung im Kongo leidet am bisher gr\u00f6\u00dften Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes. 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