{"id":171424,"date":"2019-05-15T08:00:02","date_gmt":"2019-05-15T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=171424"},"modified":"2019-05-15T08:00:02","modified_gmt":"2019-05-15T06:00:02","slug":"mit-vr-die-hoehenangst-beim-klettern-ueberwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mit-vr-die-hoehenangst-beim-klettern-ueberwinden\/","title":{"rendered":"Mit VR die H\u00f6henangst beim Klettern \u00fcberwinden"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, ein begeisterter Kletterer hat selten H\u00f6henangst. Aber: Er hat die Angst in die Tiefe zu fallen und sich zu verletzen. Diese Angst zeigt sich, je nachdem auf welchem Level sich der Kletterer befindet, bei jedem Menschen in einer anderen H\u00f6he. Ein Anf\u00e4nger mag sie also schon ein paar Meter \u00fcber dem Boden empfinden, w\u00e4hrend ein besserer Kletterer hier sicher ganz andere Toleranzschwellen vorweisen kann.<\/p>\n<h3>Exposition als Ansatz<\/h3>\n<p>Um die Angst zu \u00fcberwinden, gibt es im Sport einen goldenen Weg, der aus der Psychotherapie stammt: Die Exposition. Der \u201ePatient\u201c beziehungsweise Sportler setzt sich also immer wieder gezielt und dosiert der ihm die Angst verursachenden Situation aus. Und das Gute bei H\u00f6henangst \u2012 auch wenn sie in diesem Fall nicht eine irrationale Phobie ist, sondern sich mit dem Selbsterhaltungstrieb begr\u00fcndet \u2012, sie kann besonders erfolgreich therapiert werden. Durch die stete Konfrontation lernt der Mensch, dass nicht sofort sein Leben bedroht ist, nur weil er sich ein paar Meter \u00fcber dem Boden befindet und unter ihm die Tiefe liegt. Letztendlich ist also die \u00dcberwindung der Angst eine Sache der \u00dcbung, die viel Geduld braucht, aber durchaus von Erfolg gekr\u00f6nt ist.<\/p>\n<p>Doch vor zu viel Ehrgeiz sei gewarnt: Wer seine Komfortzone zu weit verl\u00e4sst, riskiert Panikattacken. Und diese zeigen sich mit Herzklopfen, Atemnot, Schwei\u00dfausbr\u00fcchen und zittrigen Knien. Symptome, die f\u00fcr das Klettern an Felsw\u00e4nden ziemlich kontraproduktiv sind. Zumal sich dieses mulmige Gef\u00fchl auch gleich f\u00fcr die n\u00e4chste Tour einpr\u00e4gt. Somit macht es also durchaus Sinn, ein System zu haben, das die Komfortzone bequem absichert. Eines, das eine bestm\u00f6gliche Therapie \u2013 beziehungsweise in diesem Fall einen bestm\u00f6glichen Trainingserfolg \u2012 garantiert.<\/p>\n<h3>Drei Versuchsanordnungen<\/h3>\n<p>Und genau an einem solchen arbeitet der begeisterte Kletterer, Student und Wissenschaftler des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/tzi\/\">Technologie-Zentrums f\u00fcr Informatik und Informationstechnik der Uni Bremen<\/a>, Peter Schulz. F\u00fcr seine Masterarbeit mit dem Titel \u201eEffects of Physical Interaction While Sport Climbing in Virtual Reality\u201c untersuchte er, inwieweit durch Virtual Reality (VR) die H\u00f6henangst beim Klettern \u00fcberwunden werden kann. Hierf\u00fcr f\u00fchrte er mit insgesamt 28 teilweise leistungsstarken, durchschnittlich guten m\u00e4nnlichen und weiblichen Kletterern drei verschiedene Versuche durch. Alle drei sollten das Klettern in zehn Metern H\u00f6he darstellen. Sein Forschungslabor richtete er im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.kletterzentrum-bremen.com\/\">Kletterzentrum des DAV-Bremen<\/a>\u00a0ein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_171433\" aria-describedby=\"caption-attachment-171433\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-171433\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/vive-setup-climbing-002-347x600.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"334\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171433\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Peter Schulz \/TZI<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier kletterten die Probanden zum einen real und mit Sicherung per Topseil. Bei der zweiten Versuchsanordnung befanden sie sich w\u00e4hrend des Kletterns an realen Griffen und waren in Bodenn\u00e4he auf der gleichen Route unterwegs. Das Besondere an dieser Situation war, dass die Probanden zwar einerseits jederzeit unproblematisch aussteigen konnten, gleichzeitig aber durch das freie Klettern (Free Solo) in Kombination mit den VR-Bildern von zehn Metern Kletterh\u00f6he eine begr\u00fcndete Sturzangst hatten. Bei der dritten Versuchsanordnung kletterten die Probanden nur virtuell. Sie hatten also nur die VR-Brille auf und Controller, wie sie von Spielekonsolen bekannt sind, vor sich.<\/p>\n<h3>VR bei gleichzeitiger physischer Bet\u00e4tigung realit\u00e4tsnah<\/h3>\n<p>Bei dem Experiment, das von den Professoren Dr. Rainer Malaka und Dr. Johannes Sch\u00f6ning betreut wurde, ging es Schulz vor allem darum, m\u00f6glichst realistische Eindr\u00fccke von Aktivit\u00e4ten in der H\u00f6he zu erzeugen. Denn er wollte mit Hilfe von an den Probanden angebrachten Sensoren das Angst- und Stressempfinden beobachten. F\u00fcr seine Untersuchungen f\u00fchrte der Student anschlie\u00dfend pers\u00f6nliche Befragungen durch. Zudem zeichnete er die Herzfrequenz (HR), den Puls, die Ratenvariabilit\u00e4t (HRV), die Resorptionsrate (RR) sowie die elektrodermale Aktivit\u00e4t (EDA), also eine erh\u00f6hte Schwei\u00dfproduktion mit Zunahme der Hautleitf\u00e4higkeit, auf.<\/p>\n<p>Schulz fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>Wir konnten beobachten, dass einige Effekte auf Bodenh\u00f6he mit Virtual Reality auftreten, die ohne VR nur in der H\u00f6he stattfinden. Dabei wurde ein Stresslevel beim Kletterer erzeugt, das dem des realen Kletterns entspricht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ausgel\u00f6ste H\u00f6hengef\u00fchl h\u00e4ngt also mit zwei Faktoren zusammen: Einmal der physischen Bet\u00e4tigung beim Klettern sowie der Virtual Reality, die den Menschen virtuell in die H\u00f6he bef\u00f6rdert. \u201eWir konnten auch zeigen, dass etwas zum Anfassen sehr wichtig ist \u2013 also richtige Griffe\u201c, so Schulz. Das Klettern allein mit den Controllern wirkte auf die Anwender weniger realistisch.<\/p>\n<h3>Weitere Schritte geplant<\/h3>\n<p>Die VR-Kletterbrille scheint also f\u00fcr jeden interessant, der sein Niveau in der Vertikalen erh\u00f6hen m\u00f6chte, es aber aus Angst bisher noch nicht geschafft hat. Dies kann ein Anf\u00e4nger sein, aber durchaus auch ein fortgeschrittener Kletterer. Zun\u00e4chst ist geplant, die Erkenntnisse in effektive Trainingspl\u00e4ne f\u00fcr Kletterer zu integrieren. Daf\u00fcr sollen Tests mit den Sportlern durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Schulz brachte \u00fcbrigens in die Arbeit sein langj\u00e4hriges Kletter-Know-how sowie die Erfahrungen als Jugendleiter beim DAV \u2012 wo er sich intensiv mit der Vermittlung von Kletterwissen befasst \u2012, mit ein. Auch die beiden Gutachter, Prof. Dr. Rainer Malaka und Prof. Dr. Johannes Sch\u00f6ning sind Kletterer. Gleichzeitig besch\u00e4ftigen sie sich intensiv mit den Forschungsbereichen Digitale Medien und Mensch-Maschine-Interaktion inklusive VR. Nachzulesen ist die gesamte Arbeit <a href=\"http:\/\/bit.ly\/master-thesis-climbing-vr\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, ein begeisterter Kletterer hat selten H\u00f6henangst. Aber: Er hat die Angst in die Tiefe zu fallen und sich zu verletzen. Diese Angst zeigt sich, je nachdem auf welchem Level sich der Kletterer befindet, bei jedem Menschen in einer anderen H\u00f6he. 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