{"id":171319,"date":"2019-05-13T21:12:58","date_gmt":"2019-05-13T19:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=171319"},"modified":"2019-05-13T21:12:58","modified_gmt":"2019-05-13T19:12:58","slug":"seltene-erden-atmosphaere-exoplanet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/seltene-erden-atmosphaere-exoplanet\/","title":{"rendered":"Forscher entdecken Seltene Erden in der Atmosph\u00e4re eines Exoplaneten"},"content":{"rendered":"<p>Seit Mitte der 1990er Jahre haben Astronomen mehr als 3.000 Exoplaneten, also Planten, die au\u00dferhalb unseres Sonnensystems um andere Sterne als die Sonne kreisen, untersucht. Im Gegensatz zu den Planeten in unserem Sonnensystem kreisen diese Gasriesen sehr nah und sehr schnell um ihren Wirtssterne. Oft dauert eine Umlaufbahn nur wenige Tage.<\/p>\n<p>Diese N\u00e4he zu ihren Wirtssternen ist auch der Grund, wieso es sehr schwierig ist, Exoplaneten im Detail zu untersuchen. Das ist umso schwieriger, je weiter sie entfernt sind. \u201eGew\u00f6hnlich sind die Exoplaneten von uns gesehen sehr nah an den Muttersternen dran. Daher wird das Licht des Planeten \u2013 reflektiertes Sternlicht \u2013 meistens vom Licht des Sterns \u00fcberstrahlt\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Markus Nielbock vom Haus der Astronomie in Heidelberg. \u201eDie Sterne kann man daher normalerweise in den Beobachtungen von den Planeten nicht sauber trennen. Zumindest wird das Licht des Sterns von der Teleskopoptik in den meisten F\u00e4llen so \u201averschmiert\u2018, dass das vom Planeten stammende Licht dadurch \u201averunreinigt\u2018 ist.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_171316\" aria-describedby=\"caption-attachment-171316\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-171316\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/20190509_MM_UniBE_Seltene_Erden_Exoplanet_KELT-9b_Sonnenuntergang__Denis_Bajram-450x600.jpg\" alt=\"Seltene Erden\" width=\"350\" height=\"467\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171316\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Ansicht eines Sonnenuntergangs \u00fcber KELT-9b \u00a9 Denis Bajram<\/figcaption><\/figure>\n<p>Forscher der Universit\u00e4ten <a href=\"https:\/\/www.unibe.ch\/index_ger.html\">Bern<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.unige.ch\/\">Genf<\/a> haben nun KELT-9 b, den bisher hei\u00dfesten bekannten Exoplanet genauer untersucht, nachdem das Team der beiden Hochschulen schon im Sommer 2018 Signaturen von gasf\u00f6rmigem Eisen und Titan in dessen Atmosph\u00e4re gefunden hat. Jetzt konnten sie auch Spuren von verdampftem Natrium, Magnesium, Chrom und erstmals auch Spuren von Scandium und Yttrium, zwei Metallen der sogenannten seltenen Erden, nachweisen.<\/p>\n<h3>Ein extremer Gasriese<\/h3>\n<p>KELT-9 ist ein Stern im Sternbild Schwan, 650 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sein im Jahr 2016 entdeckter Exoplanet KELT-9b ist der bislang extremste sogenannte \u201ehei\u00dfe Jupiter\u201c. Seine Atmosph\u00e4re wird durch die extreme N\u00e4he zu seinem Stern KELT -9, der fast doppelt so hei\u00df ist wie die Sonne, auf rund 4.000 Grad aufgeheizt. Aufgrund dieser au\u00dferordentlich hohen Temperaturen verdampfen alle Elemente fast vollst\u00e4ndig und die Molek\u00fcle werden in ihre Atome zerlegt. Auf der anderen Seite hat das aber auch zur Folge, dass es in der Atmosph\u00e4re von KELT-9b keinerlei Wolken oder Aerosole gibt und der Himmel klar ist und das Licht des Sterns nicht getr\u00fcbt wird.<\/p>\n<p>\u201eDie Atome in der Atmosph\u00e4re des Exoplaneten absorbieren jeweils einen Teil des Lichts des Sterns\u201c, sagen die Schweizer Forscher. \u201eJedes Atom hat so einen einzigartigen \u201aFingerabdruck\u2018 der Farben, die es absorbiert.\u201c Diese Fingerabdr\u00fccke k\u00f6nnten, trotz der gro\u00dfen Entfernung von der Erde, mit einem empfindlichen Spektrographen gemessen werden, und aus diesen \u201eFingerabdr\u00fccken\u201c k\u00f6nnten die Wissenschaftler dann die chemische Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re ableiten.<\/p>\n<h3>Erstmals Seltene Erden in der Atmosph\u00e4re<\/h3>\n<p>Bei ihrer Entdeckung auf KELT-9b im vergangenen Jahr bedienten sich die Forscher des Nationalen Forschungsschwerpunkts PlanetS genau dieser Technik. \u201eWir benutzten den HARPS-North Spektrografen auf dem italienischen Telescopio Nazionale Galileo auf der Insel La Palma. Damals fanden wir Eisen- und Titanatome in der heissen Atmosph\u00e4re von KELT-9 b\u201c, erkl\u00e4rt Kevin Heng, Direktor und Professor am Center for Space and Habitabilty (CSH) an der Universit\u00e4t Bern und Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts PlanetS.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Rare-Earth metals in the atmosphere of a glowing-hot exoplanet\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/eCYX4kv5cSM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Ziel der j\u00fcngsten Beobachtung des KELT-9-Systems war es in diesem Jahr, die bisherigen Erkenntnisse zu best\u00e4tigen und nach zus\u00e4tzlichen Elementen zu suchen. Heng und sein Team untersuchten dazu die Daten nach 73 Atomen und fanden tats\u00e4chlich auch Seltene Erden. Diese Metalle kommen auf der Erde nur selten vor und werden bei der Produktion von Hightech-Produkten genutzt, unter anderem bei LCD\/LED-Bildschirmen, Smartphones und in Notebooks.<\/p>\n<p>Jens Hoeijmakers, Erstautor der nun im Journal Astronomy &amp; Astrophysics publizierten Studie und Postdoc am CSH sowie am Astronomy Department der Universit\u00e4t Genf, sagt: \u201eWir gingen davon aus, dass das Spektrum dieses Planeten eine Fundgrube sein k\u00f6nnte. Wir hofften, Elemente zu finden, die bisher noch nie in der Atmosph\u00e4re eines Exoplaneten beobachtet worden waren.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_171317\" aria-describedby=\"caption-attachment-171317\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-171317\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/20190509_MM_UniBE_Seltene_Erden_Exoplanet_TNG__INAF-TNG-600x423.jpg\" alt=\"Seltene Erden\" width=\"400\" height=\"282\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171317\" class=\"wp-caption-text\">Das Telescopio Nazionale Galileo (TNG) auf der Kanareninsel La Palma \u00a9 INAF-TNG<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Suche nach Leben<\/h3>\n<p>Und sie hatten Erfolg, denn Chrom, Scandium und Yttrium konnten zuvor nie in der Atmosph\u00e4re eines Exoplaneten nachgewiesen werden. \u201eWir k\u00f6nnen aufgrund unserer Analysen nun auch absch\u00e4tzen, in welcher H\u00f6he in der Atmosph\u00e4re des Planeten die Atome das Licht absorbieren\u201c, sagt Hoeijmakers. Zudem wisse man nun mehr \u00fcber die Winde hoch in der Atmosph\u00e4re, die Atome von einer Hemisph\u00e4re zur anderen blasen.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00f6chten mit dieser Technik noch viel mehr \u00fcber die Atmosph\u00e4re dieses Exoplaneten aber auch anderer Planeten erfahren, die \u00e4hnlich hohe Temperaturen aufweisen wie KELT-9 b\u201c, betont der Wissenschaftler und sein Kollege Kevin Heng erg\u00e4nzt: \u201eDie Chancen stehen gut, dass wir mit derselben Technik dereinst sogenannte Biosignaturen, also Anzeichen f\u00fcr Leben, auf einem Exoplaneten finden werden.<\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/exoplanet-vlt-teleskop-gravity\/\">VLT-Teleskop der ESO zeigt Details eines st\u00fcrmischen Exoplaneten<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/supererde-lebensfeindlich-kalt\/\">Supererde entdeckt \u2013 ein kalter, lebensfeindlicher Ort<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/sofia-fliegende-sternwarte-aeltestes-molekuel-universum\/\">Fliegende Sternwarte SOFIA entdeckt \u00e4ltestes Molek\u00fcl des Universums<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/asteroiden-berechnung-groesse-ferner-sterne\/\">Asteroiden helfen bei der Berechnung der Gr\u00f6\u00dfe ferner Sterne<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schwarzes-loch-einstein-bild\/\">Einstein hatte doch recht: Erstes Bild eines schwarzen Lochs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/milchstrasse-gewicht-esa-hubble\/\">Die Milchstra\u00dfe wiegt 3 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 Tonnen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/saturn-geheimnis-ravioli-kartoffel-mond\/\">Das Geheimnis hinter Saturns Ravioli- und Kartoffel-Monden<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/orion-vlt-eso-kosmisch-fledermaus\/\">VLT der ESO fotografiert eine kosmische Fledermaus in der Dunkelheit<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/vlt-eso-blasen-brandneue-sterne\/\">VLT der ESO zeigt Blasen von brandneuen Sternen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hippocamp-neptun-mond-nicht-gebe\/\">Hippocamp \u2013 der Neptunmond, den es nicht geben d\u00fcrfte<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/planetarischer-nebel-vlt-eso\/\">VLT der ESO h\u00e4lt den letzten Atemzug eines Sterns fest<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/r-aquarii-todeskampf-stern\/\">R Aquarii \u2013 der Todeskampf eines Sterns<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/quasar-hubble-universum-entdeckung\/\">Hubble entdeckt den hellsten Quasar im fr\u00fchen Universum<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-triangulum-galaxie-sterne-bild\/\">Hubble-Panoramabild bietet Blick auf Milliarden Sterne der Triangulum-Galaxie<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-hinweise-mond-ausserhalb-sonnensystem\/\">Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond au\u00dferhalb des Sonnensystems<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte der 1990er Jahre haben Astronomen mehr als 3.000 Exoplaneten, also Planten, die au\u00dferhalb unseres Sonnensystems um andere Sterne als die Sonne kreisen, untersucht. 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