{"id":171219,"date":"2019-05-12T18:00:35","date_gmt":"2019-05-12T16:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=171219"},"modified":"2019-05-12T18:00:35","modified_gmt":"2019-05-12T16:00:35","slug":"glioplastom-hirntumor-experimentell-led-implantat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/glioplastom-hirntumor-experimentell-led-implantat\/","title":{"rendered":"Mit experimentellem LED-Implantat gegen Hirntumorzellen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Hirntumor ist zwar eine relativ seltene Krebsform \u2013 sie macht nur zwei Prozent aller b\u00f6sartigen Tumore aus \u2013 daf\u00fcr ist sie aber umso aggressiver. Die h\u00e4ufigste b\u00f6sartige Form des Hirntumors bei Erwachsenen ist das Glioblastom, das als unheilbar gilt, weil es immer wieder zur\u00fcckkehrt. Es kann den Frontal- und Temporallappen und sogar das R\u00fcckenmark befallen und seine rasante Zellteilung l\u00e4sst den Tumor sehr schnell wachsen. Im schlimmsten Fall, einem Grad 4 Glioblastom, betr\u00e4gt die mittlere Lebenserwartung nach der Diagnose gerade mal 10 bis 15 Monate.<\/p>\n<p>Ber\u00fchmte Opfer eines Hirntumors sind unter anderem Komponist George Gershwin (1898-1937), Hollywoodstar Elizabeth Taylor (1932-2011), Senator Edward Kennedy (1932-2009), Skilegende Toni Sailer (1935-2009), Modesch\u00f6pfer Yves Saint Laurent (1936-2008) und die Musiker Bob Marley (1945-1981) und George Harrison (1943-2001). Im August vergangenen Jahres erlag der ehemalige US-Senator John McCain vier Tage vor seinem 82. Geburtstag einem Glioblastom. Nur ein Jahr zuvor, im Juli 2017, war den \u00c4rzten der Mayo-Klinik der Tumor bei der Entfernung eines Blutgerinnsels \u00fcber dem Auge aufgefallen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_171216\" aria-describedby=\"caption-attachment-171216\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-171216\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/csm_Prof._Marc-Eric_Halatsch_8bafb1731c-400x600.jpg\" alt=\"Glioplastom\" width=\"300\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171216\" class=\"wp-caption-text\">Dr. med. Marc-Eric Halatsch forscht seit \u00fcber 20 Jahren an M\u00f6glichkeiten, die Behandlung der aggressiven Glioblastome zu verbessern. \u00a9 Universit\u00e4tsklinikum Ulm<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Keine spezifischen Symptome<\/h3>\n<p>Das T\u00fcckische an einem Glioblastom ist, dass es lange keine Beschwerden verursacht und es keine bekannten Blutwerte oder andere Fr\u00fcherkennungszeichen gibt. Dadurch w\u00e4chst es h\u00e4ufig unbemerkt, bis es entweder, wie bei McCain durch Zufall, oder durch ausgepr\u00e4gte neurologische Ausf\u00e4lle entdeckt wird. Diese reichen von Kopfschmerzen, Antriebsst\u00f6rungen und Krampfanf\u00e4llen bis hin zu Sprachst\u00f6rungen und L\u00e4hmungen. All diese Symptome k\u00f6nnen aber auch auf andere Krankheiten hindeuten und sind nicht spezifisch f\u00fcr einen Hirntumor.<\/p>\n<p>Bisher werden Glioblastome durch chirurgische Entfernung gefolgt von Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Eine Heilung gibt es aber nicht und die Krankheit verl\u00e4uft immer t\u00f6dlich. \u201eTrotz operativer Entfernung, Bestrahlung und Chemotherapie treten Glioblastome meist innerhalb weniger Monate erneut auf\u201c, erl\u00e4utert der Neurochirurg Professor Dr. Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik f\u00fcr Neurochirurgie am <a href=\"https:\/\/www.uniklinik-ulm.de\/\">Universit\u00e4tsklinikum Ulm<\/a>. \u201eDenn f\u00fcr ein Nachwachsen des aggressiven Hirntumors reichen einzelne Zellen aus, die der Tumor in das ihn umgebende Hirngewebe gestreut hat. Diese k\u00f6nnen wir jedoch \u2013 um so viel gesundes Hirngewebe wie m\u00f6glich zu erhalten \u2013 h\u00e4ufig nicht operativ zusammen mit dem eigentlichen Tumor entfernen.\u201c<\/p>\n<p>Ein Team um Professor Halatsch und Medizintechnikingenieur Professor Dr. Felix Capanni von der <a href=\"https:\/\/www.hs-ulm.de\/en\/\">Technischen Hochschule Ulm<\/a> hat nun ein LED-Implantat entwickelt, das die aggressiven Hirntumorzellen mittels direkt im Hirn ausgesendetem Lichts abt\u00f6ten soll. Bei ersten Untersuchungen im Labor und auch am lebenden Organismus bei Hausschweinen hat diese neue Methode vielversprechende Ergebnisse und auch eine sehr gute Vertr\u00e4glichkeit gezeigt. Au\u00dferdem hatte das Implantat mit Licht emittierenden Dioden (LED), das elektromagnetische Strahlung unterschiedlicher Wellenl\u00e4ngen einschlie\u00dflich UV-Licht aussenden kann, auch zu Folge, dass das Tumorwachstum entscheidend gebremst oder die Glioblastomzellen sogar komplett eliminiert wurden.<\/p>\n<h3>Methode bei Hauttumoren schon erprobt<\/h3>\n<p>Die Wissenschaftler bedienten sich als Ausgangspunkt f\u00fcr ihre Erfindung einer Methode, die beispielsweise bei Hauttumoren bereits zum Einsatz kommt: der photodynamischen Therapie. Hier werden b\u00f6sartigen Tumorzellen zun\u00e4chst mithilfe einer chemischen Substanz (Photosensibilisator) selektiv lichtempfindlich gemacht und dann mit Licht einer genau festgelegten Wellenl\u00e4nge bestrahlt. Im Idealfall sterben die Tumorzellen ab (phototoxischer Effekt).<\/p>\n<figure id=\"attachment_171214\" aria-describedby=\"caption-attachment-171214\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-171214\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/csm_Simulation-PDT-Implantat_85b7d25723-600x400.jpg\" alt=\"Glioplastom\" width=\"500\" height=\"334\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171214\" class=\"wp-caption-text\">Das LED-Implantat ist das Ergebnis einer mehrj\u00e4hrigen Kooperation des Universit\u00e4tsklinikums Ulm und der Technischen Hochschule Ulm. \u00a9 Prof. Dr. med. Marc-Eric Halatsch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das in Ulm neu entwickelte LED-Implantat soll nach der operativen Entfernung des Tumors genau an der Stelle im Gehirn platziert werden, an der die so genannte Resektionsh\u00f6hle entstanden ist. \u201eDa Glioblastome meist innerhalb eines Saums von zwei Zentimetern um die Resektionsh\u00f6hle herum erneut auftreten, sollen insbesondere die in diesem Bereich vorhandenen Tumorzellen durch die wiederholte Bestrahlung erreicht und zerst\u00f6rt werden\u201c, erkl\u00e4ren die Forscher. Die Eindringtiefe der verwendeten Strahlung in das Gewebe sei dabei Gegenstand aktueller Untersuchungen.<\/p>\n<p>Bis die Methode beim Menschen angewendet werden kann, wird allersings noch einige Zeit ins Land gehen, da noch zahlreiche zus\u00e4tzliche Tests erfolgen m\u00fcssen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie werden im Rahmen der Mitte Mai in W\u00fcrzburg stattfindenden 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurochirurgie vorgetragen.<\/p>\n<h3>Das LED-Implantat<\/h3>\n<p>Das \u201eMikrocontroller-basierte LED-Implantat f\u00fcr die postoperative intrazerebrale photodynamische Therapie von Glioblastomzellen\u201c, wie das Implantat offiziell hei\u00dft, soll nach der operativen Entfernung des Glioblastoms direkt im Gehirn platziert und mit dem Mikroprozessor und einer Stromquelle in Form einer wieder aufladbaren Batterie, die mit dem Verbindungskabel in den K\u00f6rper implantiert wird, verbunden werden.<\/p>\n<p>Das Implantat selbst besteht aus einem Glask\u00f6rper mit integrierten LED, die in der Lage sind, Licht mit den Wellenl\u00e4ngen 405 und 635 nm sowie UV-Licht auszustrahlen. Dabei kann das Licht umso tiefer ins Hirngewebe eindringen, je gr\u00f6\u00dfer die Wellenl\u00e4nge ist. Die Gr\u00f6\u00dfe des Glask\u00f6rpers kann den Dimensionen der Resektionsh\u00f6hle angepasst werden.<\/p>\n<p>Zur technischen Umsetzung der gemeinsam mit Dr. Richard Kast (Burlington, Vermont, U.S.A.) entwickelten Implantatidee hat sich Prof. Halatsch im Jahr 2012 die Unterst\u00fctzung des Medizintechnikingenieurs Prof. Felix Capanni (Prodekan der Fakult\u00e4t Mechatronik und Medizintechnik, Technische Hochschule Ulm) geholt. F\u00fcr ihr Projekt hatten die Wissenschaftler 2015 eine F\u00f6rderung in H\u00f6he von 151.800 Euro im Rahmen der Ausschreibung \u201eInnovative Projekte\/Kooperationsprojekte\u201c des Ministeriums f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-W\u00fcrttemberg erhalten.<\/p>\n<p><strong>Zum Thema:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hirntumoren-therapie-kuenstliche-intelligenz\/\">Bessere Therapie von Hirntumoren durch K\u00fcnstliche Intelligenz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Hirntumor ist zwar eine relativ seltene Krebsform \u2013 sie macht nur zwei Prozent aller b\u00f6sartigen Tumore aus \u2013 daf\u00fcr ist sie aber umso aggressiver. Die h\u00e4ufigste b\u00f6sartige Form des Hirntumors bei Erwachsenen ist das Glioblastom, das als unheilbar gilt, weil es immer wieder zur\u00fcckkehrt. 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