{"id":171107,"date":"2019-05-10T16:02:54","date_gmt":"2019-05-10T14:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=171107"},"modified":"2019-05-10T16:02:54","modified_gmt":"2019-05-10T14:02:54","slug":"neue-erkenntnisse-durch-praezise-modellierung-von-gletschereisdicke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/neue-erkenntnisse-durch-praezise-modellierung-von-gletschereisdicke\/","title":{"rendered":"Neue Erkenntnisse durch pr\u00e4zise Modellierung von Gletschereisdicke"},"content":{"rendered":"<p>Gebirgsforscher entwickelten eine neue Methode zur Messung der Gletschereisdicke. Diese erlaubt deren pr\u00e4zisere Modellierung und die Beobachtung deren zeitlicher Entwicklung. Informationen, die in der Einsch\u00e4tzung des Klimawandels im Hochgebirge zentral sind.<\/p>\n<p>\u201eBisher wurde die Eismasse in erster Linie anhand der Gletscherfl\u00e4che abgesch\u00e4tzt\u201c, erl\u00e4utert der Gebirgsforscher <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/igf\/team\/wiss-mitarbeiterinnen\/kay-helfricht\/\"><em>Kay Helfricht<\/em><\/a>. Bestehende Eisdicken-Sch\u00e4tzverfahren zeigten eine Schw\u00e4che in der Ber\u00fccksichtigung der regionalen Unterschiede in den grundlegenden Modellparametern \u2013 und diese sind erheblich.<\/p>\n<p><em>Helfricht<\/em> ist Teil des Projektteams <em>FutureLake<\/em>s, das an einer pr\u00e4ziseren Modellierung der Eismasse forscht. Gemeinsam entwickelten sie ein Modell, das die Ermittlung der Dicke von Eismasse an unterschiedlichen Stellen eines Gletschers erm\u00f6glicht. Dadurch k\u00f6nnen auch topographische Bedingungen einbezogen werden. Dar\u00fcberhinaus erlaubt das Modell auch ein Monitoring: die Entwicklung der Eisdicke kann im Zeitablauf beobachtet werden. Je exakter die Eisdicke ermittelt werden kann, desto genauer k\u00f6nnen Szenarien des Klimawandels berechnet werden, so die Forscher. Ihr Modell ist in der Lage, die gesamte Eisdicke im \u00f6sterreichischen Hochgebirge zu berechnen &#8211; und konnte den globalen Gletscherschwund erneut best\u00e4tigen.<\/p>\n<h3>Die Eismasse im \u00f6sterreichischen Hochgebirge berechnen<\/h3>\n<p>Basis der Untersuchung waren<\/p>\n<ul>\n<li>Daten zur beobachteten Gletschergeometrie aus drei \u00f6sterreichischen Gletscherinventaren von 1969 bis 2006: Gletschergrenzen, Laserscanning-Aufnahmen sowie H\u00f6henmodelle auf Grundlage von Luftbildern;<\/li>\n<li>In-situ-Messdaten der Eisdicke von achtundf\u00fcnfzig \u00f6sterreichischen Gletschern;<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Kombination dieser Daten wurde ein Rechenmodell zur realistischen Ermittlung der Eisdecke aller Gletscher \u00d6sterreichs ermittelt \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung der jeweiligen topographischen Bedingungen. Die Forscher k\u00f6nnen pr\u00e4zisere Aussagen \u00fcber die derzeitige Verteilung der Eismasse machen &#8211; und auch \u00fcber deren zeitliche Entwicklung. Die j\u00fcngsten Daten interpretiert <em>Helfricht<\/em> folgend:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e2006 betrug das gesamte Volumen der Gletscher \u00d6sterreichs knapp 15,9 km\u00b3. Dies w\u00e4re ausreichend, um ganz \u00d6sterreich mit sechzehn Zentimeter Wasser zu bedecken. Bis 2016 haben die Gletscher \u00d6sterreichs aber bereits ein weiteres F\u00fcnftel ihrer Eismasse verloren.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn sich die Eismasse der \u00f6sterreichischen Gletscher von 2006 bis 2016 um ein F\u00fcnftel reduziert hat, dann ergibt das einen j\u00e4hrlichen Verlust von durchschnittlich einen Meter Eismasse.<\/p>\n<h3>Ber\u00fccksichtigung der regionalen Unterschiede<\/h3>\n<p>Im Modell k\u00f6nnen auch die regionalen Unterschiede in der Gletscherschmelze ber\u00fccksichtigt werden. Diese Informationen erm\u00f6glichen noch pr\u00e4zisere Einsch\u00e4tzungen f\u00fcr die regionalen Auswirkungen des Klimawandels \u2013 im Hinblick auf Hydrologie, Wirtschaft und Naturgefahren. Anwendbar sind diese zum Beispiel f\u00fcr die Wasserversorgung und die Gefahr durch Muren. Wie die Befunde zeigen, sind die regionalen Unterschiede erheblich:<\/p>\n<p>Gletscher mit einer Eisfl\u00e4che von weniger als einem Quadratkilometer, sind relativ stark vom R\u00fcckgang der Eismasse betroffen. Wobei dies auch von den topographischen Bedingungen abh\u00e4ngt. Beispiele daf\u00fcr sind der <a href=\"https:\/\/www.sn.at\/wiki\/Stubacher_Sonnblickkees\"><em>Stubacher Sonnblick-Kees<\/em><\/a> oder der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brandner_Gletscher\"><em>Brandner Gletscher<\/em><\/a>. Die relative \u00c4nderung der Eisdicke war in allen beobachteten Zeitr\u00e4umen gr\u00f6\u00dfer als die relative Eisfl\u00e4chen\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Die Erkenntnisse erm\u00f6glichen auch eine Prognose des weiteren Verlaufs der Gletscherschmelze, erkl\u00e4rt <em>Helfricht<\/em>. Vor allem die gro\u00dfen Gletscher verf\u00fcgen noch \u00fcber relativ dicke Eiszungen. Deshalb werde in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten weniger Gletscherfl\u00e4che als Eisdicke verloren gehen. Danach werde der Verlust der Fl\u00e4che umso schneller voranschreiten \u2013 wenn sich die Rahmenbedingungen nicht \u00e4ndern &#8230;<\/p>\n<h3>Verbesserter Datensatz<\/h3>\n<p>Eine Kreuzvalidierung zwischen modellierter und gemessener Eisdicke zeigte eine Modellunsicherheit von f\u00fcnfundzwanzig bis einunddrei\u00dfig Prozent der gemessenen Eisdicke. Der Vergleich der modellierten und gemessenen durchschnittlichen Gletschereisdicke ergab eine Untersch\u00e4tzung von f\u00fcnf Prozent bei einer mittleren Standardabweichung von f\u00fcnfzehn Prozent f\u00fcr die Gletscher mit Kalibrierdaten.<\/p>\n<h3>Das Projekt<\/h3>\n<p>Das Projekt <em>FutureLakes<\/em> wurde von der <em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\">\u00d6AW<\/a>) gef\u00f6rdert. Der Bericht wurde in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals <em>Frontiers in Earth Science<\/em> ver\u00f6ffentlicht. Hier finden Sie den Link zur <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/feart.2019.00068\/full\">Publikation<\/a>:<\/p>\n<p><span class=\"citeproc-author\">Helfricht, K., Huss, M., Fischer, A., &amp; Otto, J. -C<\/span>. (2019). <span class=\"citeproc-title-plus-extra\">Calibrated Ice Thickness Estimate for All Glaciers in Austria<\/span>. <span class=\"citeproc-container\"><span class=\"citeproc-container-title\">Frontiers In Earth Science<\/span><\/span><span class=\"citeproc-locators\">, <span class=\"citeproc-volume\">7<\/span>, <span class=\"citeproc-page\">1-15<\/span><\/span>. https:\/\/doi.org\/10.3389\/feart.2019.00068<\/p>\n<figure id=\"attachment_171110\" aria-describedby=\"caption-attachment-171110\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-171110\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IGFO\u0308AWBlue-Sky-Wetteranalysen-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-171110\" class=\"wp-caption-text\">Hallst\u00e4tter Gletscher im Dachsteinmassiv. \u00a9 IGF\/\u00d6AW\/BLUE SKY Wetteranalysen<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Im Bild: Der Hallst\u00e4tter Gletscher, der gr\u00f6\u00dfte Gletscher des Dachsteinmassivs, der nahezu vollkommen geschwunden ist.<\/em><\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/quantenphysikalische-analyse-zur-praezisen-datierung-von-gletschereis\/\">Quantenphysik zur pr\u00e4zisen Datierung von Gletschereis<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-empfindliche-blutalge-entzieht-sich-der-forschung\/\">Die empfindliche Blutalge ist noch weitgehend unerforsch<\/a>t<\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/antarktis-hier-sollte-eis-sein\/\">Antarktis: Hier sollte Eis sein!<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/gletscherschmelze-in-groenland-der-antarktis-und-am-hindukusch\/\">Gletscherschmelze in Gr\u00f6nland, der Antarktis und am Hindukusch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebirgsforscher entwickelten eine neue Methode zur Messung der Gletschereisdicke. 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