{"id":170945,"date":"2019-05-07T14:43:56","date_gmt":"2019-05-07T12:43:56","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=170945"},"modified":"2019-05-07T14:43:56","modified_gmt":"2019-05-07T12:43:56","slug":"alternative-verwendungszwecke-fuer-zucker-in-kosmetik-und-bioplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/alternative-verwendungszwecke-fuer-zucker-in-kosmetik-und-bioplastik\/","title":{"rendered":"Alternative Verwendungszwecke f\u00fcr Zucker in Kosmetik und Bioplastik"},"content":{"rendered":"<p>Die europ\u00e4ische Zuckerr\u00fcben-Industrie steht vor einer gro\u00dfen Herausforderung. Der Weltmarktpreis ist niedrig und die Zuckerlager sind voll. Experten erwarten einen j\u00e4hrlichen \u00dcberschuss von bis zu 300.000 Tonnen. Zucker ist aber nicht alles, was sich aus Zuckerr\u00fcben herstellen l\u00e4sst. Die Biotechnologie hat bereits neue Verwendungszwecke gefunden.<\/p>\n<p>Mit einem Anteil von f\u00fcnfzig Prozent dominiert die Europ\u00e4ische Union (EU) den Weltmarkt im Segment R\u00fcbenzucker. Allerdings stammen nur zwanzig Prozent der globalen Zuckerproduktion von Zuckerr\u00fcben. Die verbleibenden achtzig Prozent werden aus dem preiswerteren Zuckerrohr gewonnen. Zur Anwendung kommt Zucker vorwiegend in Nahrung und Getr\u00e4nken. Nur ein kleiner Teil des Weltmarktvolumens wird direkt an Konsumenten verkauft.<\/p>\n<h3>Fall der Zuckermarkt-Ordnung<\/h3>\n<p>Im Gesch\u00e4ftsjahr 2016\/17 lag das Volumen der Zuckerproduktion in der EU bei 16,84 Millionen Tonnen. Damals war der Export europ\u00e4ischer Zuckerr\u00fcben laut EU-Zuckermarkt-Ordnung auf acht Prozent limitiert. 2017 fiel die EU-Zuckermarkt-Ordnung. Seither k\u00f6nnen europ\u00e4ische Zuckerr\u00fcbenbauern unbeschr\u00e4nkt produzieren. Aber das Ende des Quotensystems stellt die europ\u00e4ische Zuckerindustrie vor eine gro\u00dfe Herausforderung. Zucker aus R\u00fcben ist teurer als jener aus Zuckerrohr. Gef\u00e4hrdet sind 145.000 Zuckerr\u00fcbenbauer in Europa und deren 28.000 Mitarbeiter. Dazu kommen Aufbereitungsindustrie, H\u00e4ndler und Zulieferer, die vom Sektor abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<h3>Wohin mit dem Zucker?<\/h3>\n<p>Der Fall der EU-Zuckermarkt-Ordnung regte das Projekt <em>Carbafin<\/em> an. Seit Januar 2018 forscht ein europ\u00e4isches Team an neuen Verwendungszwecken f\u00fcr die Zuckerbestandteile Glukose und Fruktose. Ziel der Forschung ist es, bis Ende 2021 eine Plattform-Technologie f\u00fcr eine \u00f6konomische und \u00f6kologische industrielle Verwertung von Glukose und Fruktose zu schaffen.<\/p>\n<p>\u201eEs geht beim Projekt CARBAFIN darum, vorhandene biotechnologische Kenntnisse und Methoden auf einen industriellen Ma\u00dfstab zu skalieren und zu pr\u00fcfen, ob sich die Prozesse wirtschaftlich rentieren\u201c. <a href=\"https:\/\/online.tugraz.at\/tug_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=730D0EAC40339E86&amp;pPersonenGruppe=3\"><em>Christiane Luley<\/em><\/a>, Expertin f\u00fcr Enzymtechnologie und Projektmanagerin von<em> CARBAFIN.<\/em><\/p>\n<p>Leiter des EU-Projekts ist <a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/institute\/biote\/institute\/team\/\"><em>Bernd Nidetzky<\/em><\/a>, Professor an der <em>TU Graz<\/em> und wissenschaftlicher Leiter des <a href=\"https:\/\/www.ffg.at\/compentence-centers-excellent-technologies-k2-centers\"><em>K2-Kompetenzzentrums<\/em><\/a> <em>Austrian Centre of Industrial Biotechnology<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.acib.at\/\">ACIB<\/a>) in Graz. Die <em>TU Graz <\/em>ist gleich mit mehreren Forschungsgruppen am Projekt beteiligt. Deren Aktivit\u00e4ten werden von <em>Barbara Petschacher<\/em> vom <em><a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/institute\/biote\/home\/\">I<\/a><a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/institute\/biote\/home\/\">nstitut f\u00fcr Biotechnologie und Bioprozesstechnik<\/a><\/em> koordiniert. Au\u00dferdem mit im Team: Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen aus Deutschland, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden.<\/p>\n<h3>Glukose in neuen Verbindungen<\/h3>\n<p>Die Plattform-Technologie basiert auf dem biokatalytischen Prozess der Glukosylierung. Dabei werden optimierte Enzyme eingesetzt, um Glukos<em>e<\/em> mit anderen Molek\u00fclen zu verbinden. Die Optimierung der Enzyme erfolgt an der <a href=\"https:\/\/www.ugent.be\/en\"><em>Universit\u00e4t Gent<\/em><\/a>. Die so entstehenden Glykosid<em>e<\/em> k\u00f6nnen vielseitig eingesetzt werden. Abh\u00e4ngig von der beteiligten Stoffgruppe, eignen sich diese als:<\/p>\n<ul>\n<li>funktionelle Zus\u00e4tze in Kosmetika;<\/li>\n<li>Ballaststoffe in Nahrungs- und Tierfuttermitteln;<\/li>\n<li>oberfl\u00e4chenaktive Substanzen in Reinigungsmitteln;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum Beispiel entwickelte der Projektpartner <em>Bitop <\/em>(Dortmund) auf Glyzerinbasis einen glykosidischen Naturstoff, der imstande ist, die Zellalterung der Haut zu bremsen.<\/p>\n<h3><em>Hydroxymethylfurfural<\/em> aus Fruktose<\/h3>\n<p>Nebenprodukt der <em>Glukosylierung<\/em> ist Fruktose, die bisher als alternatives S\u00fc\u00dfungsmittel in Lebensmitteln verwendet wurde. Im Projekt <em>Carbafin<\/em> fokussiert man das daraus zu gewinnende <em>Hydroxymethylfurfural<\/em>. Dieses findet in Bioplastik Anwendung &#8211; wie zum Beispiel in Harzen, Klebstoffen, Biokraftstoffen und Biopolymerprodukten. Mit <a href=\"http:\/\/www.ava-biochem.com\/pages\/en\/home.php\"><em>AVA Biochem<\/em><\/a> aus Zug (Schweiz) ist ein Projektpartner im Team, der in der Produktion von <em>Hydroxymethylfurfural<\/em> Weltmarktf\u00fchrer ist.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Carbafin<\/em> hat einen hohen Technology-Readyness-Level und es wird im Zuge des Projekts zu einer Anwendungsdemonstration bei den beteiligten Firmen kommen. Akademisch betrachtet steigen wir mit gro\u00dfem Vorwissen ein, was die Biokatalyse betrifft, und konzentrieren uns mehr auf die wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung der Reaktions- und Prozessf\u00fchrung.\u201c <a href=\"https:\/\/online.tugraz.at\/tug_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenGruppe=3&amp;pPersonenId=C220930C58B4C4B6\"><em>Barbara Petschacher<\/em><\/a>, Projektkoordinatorin <em>TU Graz<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3>\u00d6kologische und \u00f6konomische Optimierung<\/h3>\n<p>Zentral ist die Evaluierung der technischen Strategien der Glukosylierung. Diese erfolgt in der Arbeitsgruppe von <em>Alexander Passer<\/em> am <em>I<a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/institute\/imbt-tvfa\/home\/\">nstitut f\u00fcr Materialpr\u00fcfungen und Baustoff-Technologie <\/a><\/em>mit angeschlossener <a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/institute\/imbt-tvfa\/tvfa\/organisation\/geschichte-tvfa\/\">TVFA<\/a> f\u00fcr Festigkeits- und Materialpr\u00fcfung. Einem neuen Ansatz folgend wird die Lebenszyklus und Kostenanalyse schon fr\u00fch in die Entwicklung einbezogen. Die k\u00fcnftigen Verfahren sollen sowohl in \u00f6kologischer als auch in \u00f6konomischer Hinsicht optimiert werden. Ein wichtiger Aspekt in der Prozessentwicklung ist die Einhaltung von EU-Richtlinien \u2013 speziell im Lebensmittelbereich. Diese wird vom Projektpartner <a href=\"https:\/\/www.galab.de\/\"><em>GALAB Laboratories<\/em><\/a> kontrolliert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.carbafin.eu\/\"><em>Carbafin<\/em><\/a> wird im Rahmen von <a href=\"https:\/\/www.ffg.at\/europa\/h2020\"><em>Horizon 2020<\/em> <\/a>gef\u00f6rdert und bietet einen offenen Zugang zu Forschungsdaten. Die Projektergebnisse sollen verbreitet und verwertet werden. Bei der Verwertung der Technologie wird das Team von <a href=\"https:\/\/www.pnoconsultants.com\/\"><em>PNO Consultants<\/em><\/a> unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/insektenbasiertes-tierfutter-fuer-eine-umweltvertraegliche-nutztierhaltung\/\">Tierfutter aus Insekten erm\u00f6glicht eine umweltvertr\u00e4gliche Nutztierhaltung<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hefen-als-natuerliche-eiweissquelle-fuer-tierfutter\/\">Hefen als alternative Eiwei\u00dfquelle f\u00fcr Tierfutter<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-empfindliche-blutalge-entzieht-sich-der-forschung\/\">Die empfindliche Blutalge ist noch weitgehend unerforscht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die europ\u00e4ische Zuckerr\u00fcben-Industrie steht vor einer gro\u00dfen Herausforderung. Der Weltmarktpreis ist niedrig und die Zuckerlager sind voll. Experten erwarten einen j\u00e4hrlichen \u00dcberschuss von bis zu 300.000 Tonnen. Zucker ist aber nicht alles, was sich aus Zuckerr\u00fcben herstellen l\u00e4sst. Die Biotechnologie hat bereits neue Verwendungszwecke gefunden. 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