{"id":170888,"date":"2019-05-06T14:34:16","date_gmt":"2019-05-06T12:34:16","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=170888"},"modified":"2019-05-06T14:34:16","modified_gmt":"2019-05-06T12:34:16","slug":"blickfeld-deutsches-start-up-entwickelt-serientaugliche-schluesseltechnologie-fuer-autonomes-fahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/blickfeld-deutsches-start-up-entwickelt-serientaugliche-schluesseltechnologie-fuer-autonomes-fahren\/","title":{"rendered":"Blickfeld: Deutsches Start-up entwickelt serientaugliche Schl\u00fcsseltechnologie f\u00fcr autonomes Fahren"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAutonomes Fahren \u2013 wie funktioniert das eigentlich und welche Technik steckt dahinter?\u201c, mag sich manch einer schon gefragt haben. Klar ist: Grunds\u00e4tzlich muss das selbstfahrende Auto erst einmal seine Umgebung erkennen k\u00f6nnen, um dann entsprechend zu agieren. Mittlerweile gibt es in Bezug auf \u201ek\u00fcnstliche Augen\u201c verschiedene Sensorik-Ans\u00e4tze, die ein Erkennen erm\u00f6glichen. So ist bis dato beispielsweise der Einsatz von Radar-System und Kameras weit verbreitet.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend Radar nicht die entsprechend hohe Aufl\u00f6sung bietet, um Objektcharakteristika tats\u00e4chlich erkennen zu k\u00f6nnen, liefern Kameras nur 2D-Bilder. Um hier aussagekr\u00e4ftige 3D-Informationen zu generieren, sind komplexe Algorithmen, die die Bilder interpretieren, notwendig. Beide L\u00f6sungsans\u00e4tze sind also offensichtlich nicht wirklich geeignet, um ein sicheres autonomes Fahren zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<h3>LiDAR-Technologie<\/h3>\n<p>Derzeit wird noch eine weitere Technologie namens LiDAR eingesetzt. Die Buchstaben stehen f\u00fcr Light Detection and Ranging. LiDAR ist eine dem Radar verwandte L\u00f6sung. Doch anstelle von Radiowellen werden Laserpulse ausgesendet, die, f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar, auf Objekte treffen und reflektiert werden. Der Sensor misst die Laufzeit zwischen Aussenden und R\u00fcckkehr des Laserpulses und errechnet daraus die Entfernung zwischen Sensor und Objekt. Dies macht ein LiDAR bis zu einer Million mal pro Sekunde. In Echtzeit fasst er seine Ergebnisse \u00fcber die Umwelt in einer 3D-Karte zusammen. Diese sogenannten Punktwolken sind so detailliert, dass sie nicht nur dazu verwendet werden k\u00f6nnen, Gr\u00f6\u00dfendimensionen und die Form von Objekten zu erkennen, sondern auch, um diese zu identifizieren. Zudem erfassen LiDARs Abst\u00e4nde und Geschwindigkeiten. Das Fahrzeug erh\u00e4lt somit hochpr\u00e4zise 3D-Umgebungsdaten, auf dessen Auswertung es letztendlich Fahrentscheidungen ableitet.<\/p>\n<p>LiDAR gilt mittlerweile als der entscheidende Baustein f\u00fcr autonomes Fahren. Und Experten sind sich einig, dass erst diese Technik vollautonomes Fahren ab <a href=\"https:\/\/www.adac.de\/rund-ums-fahrzeug\/autonomes-fahren\/grundlagen\/autonomes-fahren-5-stufen\/\">Level 3<\/a>, das bedeutet hochautomatisiertes Fahren, m\u00f6glich macht.<\/p>\n<h3>LiDAR im Einsatz<\/h3>\n<p>Wer in letzter Zeit in Kalifornien oder Shenzhen unterwegs war, hat sie vielleicht sogar schon einmal gesehen: Die selbstfahrenden Autos, bei denen vor allem ein massiver Dachaufbau ins Auge sticht. Dabei k\u00f6nnte es sich eventuell um LIDAR-Sensoren zur Umfelderfassung handeln. Die Sensoren bestehen aus drei Hauptkomponenten: Scanner, Detector und Strahlablenkung. Die bis jetzt noch verwendete Generation basiert zudem auf Getrieben und Motoren, um die Laserpulse mechanisch \u00fcber die Umgebung zu lenken.<\/p>\n<p>Man kann es sich vorstellen: Diese Mechanik ist sehr empfindlich. Somit ist sie f\u00fcr die typischen Belastungen w\u00e4hrend einer Autofahrt nicht ideal. Zudem sind mechanische LiDARs aufgrund der kostenintensiven Komponenten sowie einer recht komplexen und manuellen Bauweise extrem teuer. So kosten allein die g\u00fcnstigsten Modelle schon Tausende von Dollar. Und davon br\u00e4uchte man, um ein Auto vollautonom steuern zu lassen, eine ganze Menge. Das macht den Einsatz von aktuellen LiDAR-Sensoren in massentauglichen Serien so gut wie unm\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Solid-State-LiDAR-Sensoren<\/h3>\n<p>Das deutsche Start-up <a href=\"https:\/\/www.blickfeld.com\/\">Blickfeld GmbH<\/a> revolutioniert nun die LiDAR-Welt. Denn es hat eine neue Sensor-Technologie entwickelt. Diese kommt ohne mechanisch bewegliche Bauteile aus. Die Innovation der M\u00fcnchener beruht n\u00e4mlich auf einem in Halbleiter Technologie gefertigten Scanner. Dieser kommt komplett in Silizium auf Waferlevel daher. Der Vorteil: Auf einer Siliziumplatte k\u00f6nnen gleich mehrere Sensoren parallel gefertigt werden. Die Steuerung des Laserstrahls erfolgt durch eine patentierte Laserablenkeinheit. Diese kommt mittels sogenannter Micro-Electro-Mechanical-Systems (MEMS) ohne bewegliche Bauteile aus. Von daher ist die Technologie deutlich robuster und damit langlebiger.<\/p>\n<figure id=\"attachment_170892\" aria-describedby=\"caption-attachment-170892\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-170892\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/cube-tripod--600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-170892\" class=\"wp-caption-text\">Cube Tripod \u00a9Blickfeld<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch braucht die L\u00f6sung von Blickfeld nur noch einen statt 64 Laser. Dies schl\u00e4gt sich sowohl in der Gr\u00f6\u00dfe, dem Gewicht sowie auch in der Produzierbarkeit nieder.<\/p>\n<h3>Blickfeld-Cube<\/h3>\n<p>Das erste Produkt der M\u00fcnchener ist ein handlicher W\u00fcrfel. Mit seinem Sichtfeld von 100\u00b0 x 30\u00b0, einer hohen Punktdichte sowie einer Erkennungsreichweite von mehr als 150 m entspricht er zudem h\u00f6chsten Performancebedingungen. Ein weiterer Vorteil sind seine geringen Abmessungen von 80 x 60 x 50 mm. Verteilt auf die Ecken eines Fahrzeugs k\u00f6nnen die Cubes zusammen mit einer LiDAR-Blind-Spot-Detection, einen Radius von 80 Metern vollst\u00e4ndig \u00fcberwachen.<\/p>\n<p>Die Solid-State-Technologie sorgt dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Robustheit gegen\u00fcber Witterungsbedingungen und mechanischen Einfl\u00fcssen. Der kleine LiDAR-W\u00fcrfel kann zudem pr\u00e4zise und so hoch skalierbar wie ein Computerchip hergestellt werden. Gleichzeit l\u00e4sst sich sein Preis, in Kombination mit g\u00fcnstigen Standardbauteilen f\u00fcr leistungsf\u00e4hige LiDAR-Sensoren, auf nur wenige hundert Euro reduzieren. Somit wird der Weg zu sicheren und erschwinglichen autonomen Fahrzeugen mit LiDAR-Hightech-Ger\u00e4ten geebnet.<\/p>\n<p>Die Sensorik-Spezialisten aus M\u00fcnchen sehen auch noch weitere Anwendungsfelder, wie zum Beispiel: Internet of Things, Smart City-L\u00f6sungen, Logistik, Landwirtschaft und diverse Security-Thematiken. Der Verkaufsstart des Cubes ist \u00fcbrigens noch f\u00fcr 2019 geplant.<\/p>\n<p>Neben der Hardware arbeitet Blickfeld auch an einem Software-Stack, um die gewonnenen 3D-Informationen zum Zweck der abstrakten Umgebungswahrnehmung b\u00fcndeln und auswerten zu k\u00f6nnen. M\u00f6gliche Automotive Anwendungsszenarien reichen von Platooning (dichtes Hintereinanderfahren von Autos) \u00fcber Highway Pilot (teilautonomes Fahren) bis hin zu Level 4\/5-autonomen Fahrzeugen.<\/p>\n<h3>European Startup Prize<\/h3>\n<figure id=\"attachment_170893\" aria-describedby=\"caption-attachment-170893\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-170893\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Blickfeld-Gr\u00fcnder-Mathias-M\u00fcller-Florian-Petit-Rolf-Wojtech-600x401.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"401\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-170893\" class=\"wp-caption-text\">Founder Blickfeld \u00a9Blickfeld<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die M\u00fcnchener wurden im April als eines von zehn Unternehmen mit dem <a href=\"https:\/\/startupprize.eu\/\">European Startup Prize for mobility<\/a> ausgezeichnet. Dazu Dr. Florian Petit (Business Development), der zusammen mit Dr. Matthias M\u00fcller (CEO und R&amp;D), Rolf Wojtech (Software), und Dr. Sebastian Neusser (Patentanwalt) im Jahre 2017 das Unternehmen gr\u00fcndete:<\/p>\n<blockquote><p>Wir sind stolz darauf, zu den 10 Gewinnern des Europ\u00e4ischen Startup-Preises f\u00fcr Mobilit\u00e4t zu geh\u00f6ren. Es ist wirklich toll zu sehen, dass so viele Start-ups in ganz Europa an der Mobilit\u00e4t von morgen arbeiten. Der Preis bietet eine gute Plattform, um alle diese Unternehmen zusammenzubringen und das Bewusstsein f\u00fcr die innovativen Ideen zu sch\u00e4rfen. Auch unter den anderen Bewerbern haben wir sehr interessante Ideen gesehen!&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Gr\u00fcnder von Blickfeld verf\u00fcgen \u00fcbrigens \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrungen im Bereich Robotik, optische Sensortechnologie und Software. Mittlerweile besteht das Team aus mehr als 80 hochqualifizierten Mitarbeitern, die neben Automotive- und IoT-Branchenkenntnissen \u00fcber profunde technische Expertise in den Bereichen Elektronik, Optik, MEMS und Software verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/sensoren-autonomes-fahren-tests-labor\/\">Autonomes Fahren: Tests im Labor statt auf der Stra\u00dfe\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAutonomes Fahren \u2013 wie funktioniert das eigentlich und welche Technik steckt dahinter?\u201c, mag sich manch einer schon gefragt haben. Klar ist: Grunds\u00e4tzlich muss das selbstfahrende Auto erst einmal seine Umgebung erkennen k\u00f6nnen, um dann entsprechend zu agieren. Mittlerweile gibt es in Bezug auf \u201ek\u00fcnstliche Augen\u201c verschiedene Sensorik-Ans\u00e4tze, die ein Erkennen erm\u00f6glichen. 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