{"id":170040,"date":"2019-04-21T12:46:05","date_gmt":"2019-04-21T10:46:05","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=170040"},"modified":"2019-04-21T12:46:05","modified_gmt":"2019-04-21T10:46:05","slug":"durch-saubere-siphons-krankenhauskeime-reduzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/durch-saubere-siphons-krankenhauskeime-reduzieren\/","title":{"rendered":"Durch saubere Siphons Krankenhauskeime reduzieren"},"content":{"rendered":"<p>J\u00e4hrlich erkranken allein in Deutschland etwa 800.000 &#8211; 900.000 Menschen an\u00a0in Verbindung mit einem Krankenhausaufenthalt entstandenen \u2012 sogenannten nosokomialen \u2012 Infektionen. Etwa ein Drittel dieser F\u00e4lle werden durch einen sp\u00e4teren, retrograden (r\u00fcckl\u00e4ufigen) Bakterieneintrag bei immun-geschw\u00e4chten Patienten verursacht. Die Patienten erkranken also erst im Krankenhaus. Eine der vielen Keim-Quellen ist das klinische Wassernetz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_170045\" aria-describedby=\"caption-attachment-170045\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-170045\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/06-2019_DE-446x600.jpg\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"333\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-170045\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9FEP<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend das Frischwasser sterilisiert wird, k\u00f6nnen \u00fcber die Abfl\u00fcsse Bakterien nahezu ungehindert in die Klinik gelangen. Wie eine im Januar ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.journalofhospitalinfection.com\/article\/S0195-6701(19)30005-2\/abstract\">Studie<\/a> zeigte, findet die bakteriologische Besiedlung zun\u00e4chst in den Abwasserleitungen der wasserf\u00fchrenden Geruchssperre des Siphons statt. Wird nun der Wasserhahn ge\u00f6ffnet, l\u00e4uft frisches Wasser durch das Abwasserrohr. Dabei str\u00f6mt die Luftmasse \u00fcber dem Siphon nach oben aus dem Waschbecken heraus. Gleichzeit rei\u00dft sie die hier vorhandenen Bakterien mit nach oben. Diese sind in einem Radius von ca. 1,5 Meter rund um das Waschbecken nachweisbar. Da sich bei laufendem Wasser stets auch eine Person in der N\u00e4he des Waschbeckens aufh\u00e4lt, ist davon auszugehen, dass auf diesem Wege praktisch immer eine \u00dcbertragung von Bakterien stattfinden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Aktuelle Methoden sind kostspielig und aufwendig<\/h3>\n<p>Doch f\u00fchrt zum Gl\u00fcck nicht gleich jeder Kontakt mit Bakterien sofort zu einer Erkrankung. Ganz im Gegenteil: Denn die meisten Bakterien in und um unseren K\u00f6rper sind wertvolle Helfer. Dennoch k\u00f6nnen sich auf die beschriebene Weise auch pathogene Erreger ausbreiten. Und gerade in Krankenh\u00e4usern \u2013 hier kommen viele Menschen mit Abwehrschw\u00e4che auf engem Raum zusammen \u2012, kann dies ein besonders gro\u00dfes Problem darstellen: Denn solche Patienten sind besonders anf\u00e4llig f\u00fcr bakterielle Infektionen.<\/p>\n<p>Das ist schon l\u00e4nger bekannt. Als Pr\u00e4vention wird bis dato durch Ausheizen oder Behandlung mit antibakteriellen Reinigungsmitteln der Siphon intervallartig unter gro\u00dfem Aufwand ges\u00e4ubert. So kann ein Gro\u00dfteil der Weiterverbreitung von Bakterien verhindert werden. Prinzipiell funktionieren diese Methoden sehr gut. Sie sind jedoch zeitlich und logistisch anspruchsvoll. Zudem belasten sie das Krankenhaus auch finanziell und damit am Ende das Gesundheitssystem.<\/p>\n<h3>Forschungsvereinigung<\/h3>\n<p>Grund genug f\u00fcr die Forscher am <a href=\"https:\/\/www.fep.fraunhofer.de\/\">Fraunhofer-Institut f\u00fcr Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP<\/a>) ein Siphon zu entwickeln, das \u2012 einmal eingebaut \u2012 in der Lage ist, eine bakterielle Besiedlung fortlaufend und sicher zu verhindern. F\u00fcr ihre Arbeit schlossen sie sich mit der Firma <a href=\"https:\/\/moveomed.com\/index.php\/de\/\">MoveoMed GmbH<\/a> zu einem von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gef\u00f6rderten Projekt zusammen.<\/p>\n<blockquote><p>Der neuartige Ansatz besteht in der Entwicklung eines Siphon-Einsatzes, der permanent die bakteriologische Besiedlung unterbindet und somit auch eine retrograde Infektion verhindert\u201c, erl\u00e4utert Jan-Michael Albrecht, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von MoveoMed.<\/p><\/blockquote>\n<p>Technologisch soll die bereits bekannte fotokatalytische \u2013 also durch Licht selbstreinigende \u2012 Wirkung von Titandioxid (TiO<sub>2<\/sub>) verwendet werden. Dieser Stoff erzeugt bei Kontakt mit UV-Licht sogenannte Radikale, welche innerhalb k\u00fcrzester Zeit Bakterien oder andere biologische Verunreinigungen zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Derzeit wird diese Technologie schon in selbstreinigenden Fassaden oder Wandfarben angewendet. Interessant dabei ist, dass schon winzige TiO<sub>2<\/sub>-Partikel im Sonnenlicht ihre reinigende Wirkung erzielen k\u00f6nnen. Hierbei wird jedes Mal, wenn ein TiO<sub>2<\/sub>-Partikel von einem Sonnenstrahl \u2012 genauer dem UV-Anteil des Strahls \u2012 getroffen wird, ein Sauerstoffradikal gebildet. Je st\u00e4rker die Einstrahlung ist, und je mehr Titan-Partikel vorhanden sind, desto st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt ist die Radikalbildung und damit der Reinigungseffekt.<\/p>\n<h3>Herausforderungen des Siphons<\/h3>\n<p>Doch gelangt in ein Abwasserrohr kein einziger Sonnenstrahl und somit auch keine nat\u00fcrliche UV-Strahlung hinein. Auch wird das Vorhaben durch den geringen Platz erschwert: Im Unterschied zu der normalerweise recht gro\u00dfen Fl\u00e4che einer Hauswand \u2012 die gleichzeitig die gro\u00dfe Reaktionsfl\u00e4che darstellt \u2012, finden sich in haus\u00fcblichen Abwasserrohren weder gro\u00dfe Fl\u00e4chen noch sonstiger verf\u00fcgbarer Platz.<\/p>\n<p>Die Forscher m\u00fcssen also die fotokatalytische, selbstreinigende Wirkung einer Fassade in der prallen Sonne so komprimieren, dass Reinigung sowie Desinfektion in der Dunkelheit und Enge eines Abwasserrohres m\u00f6glich sind. Den Platzmangel m\u00f6chten sie dabei durch die Verwendung por\u00f6ser Sintermaterialien \u00fcberwinden. Das sind Metalle, die zun\u00e4chst zu F\u00e4den gezogen werden, um dann lose zusammengelegt ein Geflecht mit viel Platz zu bilden. In einem finalen Erw\u00e4rmungsschritt werden sie dann verfestigt. Auf diese Weise entsteht ein Werkstoff mit sehr gro\u00dfer innerer Oberfl\u00e4che, der anschlie\u00dfend mit Titandioxid beschichtet werden kann. Das mangelnde Tageslicht m\u00f6chten die Dresdener durch im Siphon verbaute, spezielle UV-LEDs ersetzen.<\/p>\n<h3>\u00dcbertragung bestehender Techniken<\/h3>\n<p>Deshalb liegen die Schwierigkeiten des Projektes nicht in der Erforschung prinzipiell neuer Technologien, sondern vielmehr in der \u00dcbertragung bestehender Techniken auf v\u00f6llig neue Anwendungsfelder. Zun\u00e4chst ist es mittlerweile gelungen, diverse Expertisen aus unterschiedlichsten Gebieten zu verkn\u00fcpfen und zu b\u00fcndeln. So wird das vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM entwickelte Sinterverfahren zur Herstellung von metallischen Materialen mit gro\u00dfen Oberfl\u00e4chen verwendet. Dr. Ulla K\u00f6nig, stellvertretende Bereichsleiterin \u201eMedizinische und biotechnologische Applikationen\u201c freut sich: \u201eDas Fraunhofer FEP steuert sowohl seine Expertise in der Beschichtungstechnologie als auch in der Mikrobiologie und Analytik bei.\u201c Und mit Moveomed hat das Konsortium einen erfahrenen Player im Bereich innovativer Abwassertechnik mit an Bord. Das aktuelle Model MoveoSiphon ST24 dient als Ma\u00dfstab der anvisierten mikrobiologischen Wirksamkeit.<\/p>\n<p>Das Projekt Siphon ist im Januar 2019 gestartet. Es wird vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Programms \u201eZentrales Investitionsprogramm Mittelstand (ZIM)\u201c \u00fcber den Projekttr\u00e4ger Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigung (AiF) gef\u00f6rdert. Am Ende der zweij\u00e4hrigen Laufzeit soll ein Prototyp pr\u00e4sentiert werden. Das FEP stellt seine\u00a0aktuellen Forschungsschwerpunkte im Bereich Hygiene und Reinigung, darunter auch das Projekt Siphon, \u00fcbrigens vom\u00a021.-23. Mai 2019 auf\u00a0der Messe MedTecLIVE in N\u00fcrnberg (Halle 10, Stand 10.0 &#8211; 621) vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00e4hrlich erkranken allein in Deutschland etwa 800.000 &#8211; 900.000 Menschen an\u00a0in Verbindung mit einem Krankenhausaufenthalt entstandenen \u2012 sogenannten nosokomialen \u2012 Infektionen. Etwa ein Drittel dieser F\u00e4lle werden durch einen sp\u00e4teren, retrograden (r\u00fcckl\u00e4ufigen) Bakterieneintrag bei immun-geschw\u00e4chten Patienten verursacht. Die Patienten erkranken also erst im Krankenhaus. Eine der vielen Keim-Quellen ist das klinische Wassernetz. 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