{"id":169788,"date":"2019-04-17T18:08:24","date_gmt":"2019-04-17T16:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=169788"},"modified":"2019-04-17T18:08:24","modified_gmt":"2019-04-17T16:08:24","slug":"hefen-als-natuerliche-eiweissquelle-fuer-tierfutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/hefen-als-natuerliche-eiweissquelle-fuer-tierfutter\/","title":{"rendered":"Hefen als alternative Eiwei\u00dfquelle f\u00fcr Tierfutter"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere Teams weltweit forschen an einer Methode, Hefen mit Kohlendioxid aus der Luft zu n\u00e4hren. Einem Dissertanten in Wien ist es erstmals gelungen. Jetzt soll die neue Technologie f\u00fcr die nachhaltige Herstellung von eiwei\u00dfreichem Tierfutter genutzt werden.<\/p>\n<p>Der Fleischkonsum stieg zwischen 1961 und 2009 von dreiundzwanzig Kilogramm auf zweiundvierzig Kilogramm pro Kopf und Jahr (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/fleischatlas_1_1.pdf?dimension1=division_oen\">Fleischatlas<\/a> 2013). Um den hohen Bedarf decken zu k\u00f6nnen, ist eine effiziente Tierzucht mit eiwei\u00dfreichem Futter erforderlich. Gras allein reicht nicht. Bislang wird das Tierfutter \u00fcberwiegend aus Soja gewonnen. Die Nutzung von Soja f\u00fcr Tierfutter ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Schwerwiegende Gr\u00fcnde sind der Klimawandel und die globale Ern\u00e4hrungs-Sicherheit. In der <em>Europ\u00e4ischen Union<\/em> m\u00fcssen siebzig Prozent der erforderlichen eiwei\u00dfreichen Futtermittel importiert werden. Allein in \u00d6sterreich sind es 600.000 Tonnen pro Jahr. Soja wird auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen in Nord- und S\u00fcdamerika angebaut. Die Fl\u00e4chen w\u00e4ren besser f\u00fcr den Anbau menschlicher Nahrung genutzt. Au\u00dferdem ist der Anbau von Sojaprodukten arbeitsintensiv, leitet gro\u00dfe Mengen an Pestiziden an die Umwelt und verursacht klimasch\u00e4digende Treibhausgase.<\/p>\n<h3>Alternative Eiwei\u00dfquelle<\/h3>\n<p>Forschern der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur (<a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\">BOKU<\/a>) Wien<\/em> und des <em>Austrian Centre of Industrial Biotechnology<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.acib.at\/\">ACIB<\/a>) in Wien gelang es, eine alternative Eiwei\u00dfquelle f\u00fcr Tierfuttermittel zu entwickeln. Diese ist frei von Pestiziden und erfordert keine landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen &#8211; ein Bioreaktor gen\u00fcgt. Zentral im Prozess ist ein Hefestamm. Hefen sind einzellige Pilze, die sich von Kohlehydraten ern\u00e4hren. In der Biotechnologie sind Hefen nicht neu und wurden schon zuvor f\u00fcr die Produktion von Futtermitteln eingesetzt. Die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Kohlehydrate stammen jedoch aus Pflanzen &#8211; und diese erfordern wertvolle Anbaufl\u00e4che.<\/p>\n<h3>Pichia Pastoris<\/h3>\n<p>Dem Dissertanten<a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/EA40116F98F3B956\"> <em>Thomas Ga\u00dfler <\/em><\/a>gelang es gemeinsam mit seinem Betreuer <em><a href=\"https:\/\/forschung.boku.ac.at\/fis\/suchen.person_uebersicht?sprache_in=en&amp;menue_id_in=101&amp;id_in=441\">Diethard Mattanovich<\/a> (beide BOKU) <\/em>und <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/8CB792B5F778581F\"><em>Matthias Steiger<\/em><\/a> vom <em>ACIB<\/em>, den Hefepilz <em>Pichia Pastoris<\/em> mit Kohlendioxid zu ern\u00e4hren. In Kombination mit einer flexiblen Energiequelle wie <em>Methanol<\/em> oder <em>Formiat<\/em> soll dieser als Nahrungsquelle genutzt werden. Die <em>Pichia Pastoris<\/em> lebt auch unter nat\u00fcrlichen Bedingungen von <em>Methanol.<\/em> Aber um Kohlendioxid aus der Luft verwenden zu k\u00f6nnen, muss ein schwieriger Stoffwechselweg vollzogen werden: Die Hefe muss C-Atome chemisch reduzieren und miteinander verkn\u00fcpfen. Die Technologie des Stammes wurde weltweit patentrechtlich gesch\u00fctzt.<\/p>\n<blockquote><p>Das Ziel von Carbofeed: Eine alternative Proteinquelle als Futtermittel zur Verf\u00fcgung zu stellen und dabei gleichzeitig CO2 als Rohstoffquelle nachhaltig nutzbar zu machen.<\/p><\/blockquote>\n<h3><\/h3>\n<h3>Kommerzialisierung<\/h3>\n<p>Jetzt erhielten die Forscher eine Spin-Off Fellowship Finanzierung des <em>Forschungsf\u00f6rderungsfonds<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.ffg.at\/\"><em>FFG<\/em><\/a>) um das Projekt <em>Carbofeed<\/em> zur Marktreife zu bringen. Mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/A4AF097B546A1D91\"><em>Michael Egermeier<\/em><\/a> erhielten sie auch personelle Unterst\u00fctzung. Die industrielle Anwendung f\u00fcr die kosteng\u00fcnstige Herstellung von Hefebiomasse aus Biomethanol und CO2 ist insofern beg\u00fcnstigt, als im <em>Carbofeed<\/em>-Prozess auf ein bekanntes Herstellungsverfahren von Biomasse zur\u00fcckgegriffen wurde. Das bedeutet, dass bestehende Industrie-Anlagen f\u00fcr die Produktion genutzt werden k\u00f6nnen. Im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Produktionsprozessen von Hefebiomasse sind h\u00f6here Ausbeuten und daher geringere Produktionskosten zu erwarten.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Spin-Off Fellowship soll die Kerntechnologie als Plattform f\u00fcr die CO2-neutrale Herstellung von mikrobiellen Industrieg\u00fctern weiterentwickelt werden. Um die Qualit\u00e4t des Prozesses zu st\u00e4rken, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Prozesses geplant.<\/p>\n<h3>Markt<\/h3>\n<p>Die Technologie soll \u00fcber Lizenzen f\u00fcr lokal produzierende Unternehmen zug\u00e4nglich werden. Im ersten Schritt will man sich an Hersteller von Futtermittel-Zusatzstoffen wenden, deren Marktvolumen 2015 in Europa bei f\u00fcnf Milliarden Euro und weltweit bei achtzehn Milliarden Euro lag. Im zweiten Schritt ist der Eintritt in den gesamten europ\u00e4ischen Futtermittelmarkt angedacht, der 2015 ein Volumen von f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Milliarden Euro umfasste.<\/p>\n<p>Die Technologie funktioniert ohne Photosynthese und kann auch f\u00fcr eine Lebensmittelversorgung in der Raumfahrt genutzt werden.<\/p>\n<p>Die FFG Spin-Off Fellowship Finanzierung erm\u00f6glicht Forschenden die bestm\u00f6gliche Vorbereitung der Umsetzung ihrer Gr\u00fcndungsideen. F\u00fcr die Dauer von achtzehn Monaten k\u00f6nnen sich die Forschenden voll auf die Weiterentwicklung ihrer Technologie konzentrieren und erhalten zus\u00e4tzlich ein breites Angebot an Weiterbildungen, Coaching und Mentoring.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/industrielle-co2-nutzung-vor-durchbruch\/\">Industrielle CO2-Nutzung steht vor dem Durchbruch<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/grassa-innerhalb-von-zehn-jahren-isst-jeder-burger-aus-gras\/\">Grassa!: \u201eIn zehn Jahren wird jeder Burger aus Gras essen.\u201c<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere Teams weltweit forschen an einer Methode, Hefen mit Kohlendioxid aus der Luft zu n\u00e4hren. Einem Dissertanten in Wien ist es erstmals gelungen. 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