{"id":169583,"date":"2019-04-14T13:15:58","date_gmt":"2019-04-14T11:15:58","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=169583"},"modified":"2019-04-14T13:15:58","modified_gmt":"2019-04-14T11:15:58","slug":"bluttest-diagnose-brustkrebs-funktioniert-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/bluttest-diagnose-brustkrebs-funktioniert-nicht\/","title":{"rendered":"Bluttest zur Diagnose von Brustkrebs: So funktioniert er (nicht)"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp zwei Monaten machte das <a href=\"https:\/\/www.klinikum.uni-heidelberg.de\/\">Universit\u00e4tsKlinikum Heidelberg<\/a> mit einem \u201eMeilenstein in der Fr\u00fcherkennung von Brustkrebs\u201c weltweit Schlagzeilen. \u201eDer von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolution\u00e4re M\u00f6glichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen und k\u00f6nnte noch in diesem Jahr marktreif werden\u201c, hatte der \u00c4rztliche Direktor der Universit\u00e4tsfrauenklinik, Prof. Dr. Christof Sohn, erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Laut Aussagen des Forscherteams der Universit\u00e4t Heidelberg und einer Tochterfirma der Uniklinik, der <a href=\"https:\/\/www.heiscreen.de\/\">HeiScreen GmbH<\/a>, an der auch 2 Mitglieder des Forscherteams finanziell beteiligt sein sollen, sei das neue Verfahren \u201edeutlich weniger belastend f\u00fcr Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht.\u201c Erstaunen l\u00f6sten zudem die Tatsachen aus, dass die Leiterin des Test-Entwicklerteams, die Molekularbiologin Rongxi Yang, 2017 die Uniklinik verlassen hat und dass die Tochterfirma der Uniklinik an der Heiscreen NKY GmbH beteiligt ist, die die Test-Vermarktung in Fernost \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz ruderte das Klinikum dann zur\u00fcck und entschuldigte sich f\u00fcr die PR-Kampagne. Der Grund: Der HeiScreen GmbH fehlten Beweise und ver\u00f6ffentlichte Ergebnisse aus klinischen Studien, dass der Bluttest \u00fcberhaupt funktioniert und Angaben dazu, wie viele falsch positive Testresultate an gesunden Probanden es gab.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen hat die Staatsanwaltschaft Heidelberg Vorermittlungen aufgenommen, nachdem die Uniklinik Strafanzeige gegen unbekannt erstattet hatte. \u201eAls \u00f6ffentliche Einrichtung sieht sich das Universit\u00e4tsklinikum aufgrund der Anzeichen eines unlauteren Vorgehens bei der Entwicklung und Ank\u00fcndigung des potentiellen Bluttests zur Brustkrebsdiagnostik, der am 21. Februar der wissenschaftlichen Fachwelt und \u00d6ffentlichkeit vorgestellt worden war, zu diesem Schritt veranlasst\u201c, erkl\u00e4rten die Verantwortlichen in einer Mitteilung. Das Universit\u00e4tsklinikum selbst habe \u201ebereits umf\u00e4ngliche Ma\u00dfnahmen zur Aufarbeitung getroffen: Eine interne wissenschaftliche Arbeitsgruppe und die Innenrevision des Klinikums sind mit der Analyse der Vorg\u00e4nge beauftragt und berichten direkt an den Vorstand. Eine externe neutrale Expertenkommission konstituiert sich.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_169581\" aria-describedby=\"caption-attachment-169581\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-169581\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/1024px-USMC-090518-M-8355A-001-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-169581\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 commons.wikimedia.org\/wiki\/File:USMC-090518-M-8355A-001.jpg<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Kein Ersatz vor Mammographie und Co.<\/h3>\n<p>Der auf der sogenannten \u201eLiquid Biopsy\u201c basierende Test sollte eine Brustkrebserkrankung anhand von Biomarkern im Blut, Urin oder Speichel erkennen und langfristig die herk\u00f6mmlichen Untersuchungen wie Mammographie-Screening oder MRT ersetzen k\u00f6nnen. Die Grundlage des Tests ist, dass sich das Erbmaterial ver\u00e4ndert, sobald eine gesunde Zelle zur Krebszelle mutiert und hierbei spezifische Biomarker produziert. Diese befinden sich an der Tumorzelloberfl\u00e4che und werden zum Beispiel beim Untergang der Tumorzelle von deren Oberfl\u00e4che abgeschilfert. So gelangen sie in die Blutbahn und k\u00f6nnen dann im Serum nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Bei dem Heidelberger Forschungsprojekt wurde das Blut von gesunden Frauen und von Frauen mit bekanntem Brustkrebs auf das Vorhandensein von verschiedenen bei Brustkrebsformen auftretende Biomarker (zumeist Eiwei\u00dfbestandteile) getestet und auf typische Krebsmutationen untersucht.<\/p>\n<p>Der Nachweis solcher sogenannter biologischen Tumormarker (\u201eBiomarker\u201c) erfolgt mit molekularbiologischen Untersuchungsverfahren. Die in der klinischen Praxis bisher an Tumorgewebe untersuchten Marker erm\u00f6glichen eine Charakterisierung von Eigenschaften eines bereits diagnostizierten Tumors: einerseits erm\u00f6glichen sie eine Einsch\u00e4tzung \u00fcber die B\u00f6sartigkeit des Tumors und dessen Behandlungsaussichten (= pr\u00e4diktiver Wert) und andererseits Hinweise auf die Wirksamkeit einer zielgerichteten Therapie (= prognostischer Wert). Beispiele von solchen Biomarkern sind der Hormonrezeptorstatus, der Auskunft \u00fcber den Einsatz einer anti-hormonellen Behandlung erm\u00f6glicht, oder der Her2-Rezeptorstatus, der Auskunft \u00fcber einen stimulierenden Wachstumsfaktor f\u00fcr die Tumorzellteilung gibt.<\/p>\n<p>In der Theorie klingt der neue Test sehr gut, um die Alltagstauglichkeit gibt es jedoch noch einige Fragen. Zum einen gibt es nicht nur eine Art von Brustkrebs, sondern biologisch unterschiedlichste Arten, die in verschiedenen Erkrankungsstadien diagnostiziert werden. Alleine die sogenannten \u201einvasiven Brust-Karzinomen\u201c werden untergliedert in duktale (die Milchg\u00e4nge betreffend), lobul\u00e4re (die Milchdr\u00fcsen betreffend) und weitere seltenere Varianten, wobei die duktalen Karzinome mit 70 bis 80 Prozent die h\u00e4ufigsten sind. Dazu kommt das DCIS (Ductales Carcinoma in situ), eine Brustkrebs-Fr\u00fchform in den Milchg\u00e4ngen, die noch nicht in das umgebende Gewebe hineingewachsen (= nicht-invasiv)ist, bei der aber ein Risiko besteht, dass sie sich zum Krebs (=invasives Karzinom) entwickelt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_169582\" aria-describedby=\"caption-attachment-169582\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-169582\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/red-blood-cells-3188223_1920-600x360.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"240\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-169582\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Geringe Wahrscheinlichkeit Krebszellen zu entdecken<\/h3>\n<p>Der Bericht aus der Heidelberger Uniklinik erweckt den Eindruck, mit einer Blutuntersuchung und speziellen molekularbiologischen Untersuchungen k\u00f6nne man einen bisher klinisch (noch) nicht diagnostizierten b\u00f6sartigen Brusttumor nachweisen. Ohne entsprechende Hintergrundinformation mag das beim Lesen suggerieren, dass man bei diesem Test im Blut eine zuf\u00e4llig vorbeistr\u00f6mende Tumorzelle herausfischen k\u00f6nne und damit den Brusttumorbeweis habe. Eine solche irrige Vorstellung w\u00e4re leicht zu widerlegen: Bei einer Blutuntersuchung werden 5-10 ml Blut entnommen. Frauen haben 4-5 l Blut im K\u00f6rper. Es ist also ziemlich unwahrscheinlich, dass eine bestimmte Tumorzelle genau in dem Augenblick vorbeischie\u00dft, in dem das Blut abgenommen wird. Daher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Krebszellen als solche bei einem solchen Test identifitierbar w\u00e4ren, sehr gering.<\/p>\n<h3>Falsche Diagnosen<\/h3>\n<p>Die Idee eines Bluttests, wie ihn das Universit\u00e4tsklinikum in Heidelberg vorgestellt hat, ist in den Augen vieler Mediziner zwar sehr gut, man m\u00fcsse ihn aber erst intensiv auf seine Alltagstauglichkeit pr\u00fcfen. Wie die Uniklinik k\u00fcrzlich best\u00e4tigte, wurden bei den Untersuchungen von 100 Frauen 30 f\u00e4lschlicherweise positiv auf Brustkrebs getestet, w\u00e4hrend der Krebs bei daran erkrankten Frauen nicht immer erkannt wurde.<\/p>\n<p>Bis ein solcher Bluttest Alltagstauglichkeit erreicht hat, kann es also noch dauern. Mediziner finden es allerdings erstaunlich und auch ethisch bedenklich, dass eine so renommierte Einrichtung, wie das Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg, sich einen derart gravierenden Fauxpas erlaubt und Millionen Frauen falsche Hoffnungen macht, indem es einen ungen\u00fcgend erprobten Test ohne sorgf\u00e4ltige Nachweise der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Laut Zahlen der Deutschen Krebsgesellschaft ist Brustkrebs mit etwa 30,5 Prozent die h\u00e4ufigste Krebserkrankung bei Frauen in Industriel\u00e4ndern. In Deutschland erkranken j\u00e4hrlich mehr als 70.000 Frauen, knapp 20.000 sterben daran.<\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/stresshormone-foerdern-die-metastasierung-von-brustkrebs\/\">Stresshormone f\u00f6rdern die Metastasierung von Brustkrebs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/bluttest-zur-diagnose-von-brustkrebs\/\">Bluttest zur Diagnose von Brustkrebs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/protein-entstehung-therapie-krebs\/\">Unbekanntes Protein entdeckt: Neue Erkenntnisse zur Entstehung und Therapie von Krebs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/sport-krebs-therapie-strahlentherapie\/\">Sport als effektive Zusatztherapie zur Strahlentherapie bei Krebs<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp zwei Monaten machte das Universit\u00e4tsKlinikum Heidelberg mit einem \u201eMeilenstein in der 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