{"id":169088,"date":"2019-04-05T14:14:02","date_gmt":"2019-04-05T12:14:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=169088"},"modified":"2019-04-05T14:14:02","modified_gmt":"2019-04-05T12:14:02","slug":"depression-kinder-jugendliche-gentest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/depression-kinder-jugendliche-gentest\/","title":{"rendered":"Risiko f\u00fcr Depression bei Kindern und Jugendlichen durch Gentest erkennbar"},"content":{"rendered":"<p>Depression ist heutzutage eine der h\u00e4ufigsten psychischen Erkrankungen, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen und zu schweren psychosozialen Beeintr\u00e4chtigungen oder sogar zu Selbstmord f\u00fchren k\u00f6nnen. Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation <a href=\"https:\/\/www.who.int\/\">WHO<\/a> leiden weltweit \u00fcber als 300 Millionen Menschen an einer Depression, mehr als vier Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. F\u00fcr Deutschland lagen die gesch\u00e4tzten Zahlen der Menschen mit Depressionen 2017 bei 4,1 Millionen, das waren 5,2 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Rund 4,6 Millionen Menschen litten unter Angstst\u00f6rungen. H\u00e4ufig wird die Krankheit, trotz vieler Diagnostikm\u00f6glichkeiten, besonders bei Kindern und Jugendlichen erst sp\u00e4t entdeckt, weshalb in Deutschland auch weniger als die H\u00e4lfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen angemessen behandelt wird.<\/p>\n<p>Bei Kindern seien Depressionen aber eher selten, erkl\u00e4rt Prof. Dr. med. Gerd Schulte-K\u00f6rne, der Direktor der <a href=\"https:\/\/www.kjp.med.uni-muenchen.de\/\">Klinik und Poliklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der LMU<\/a>. \u201eIm Grundschulalter trifft es zwischen ein und zwei Prozent. Im Jugendalter sind sie st\u00e4rker verbreitet. Und nach der Pubert\u00e4t nimmt die H\u00e4ufigkeit dann rapide zu. Ob die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen heute insgesamt h\u00e4ufiger auftritt, l\u00e4sst sich aufgrund der Datenlage nicht eindeutig beantworten. Aber der Kinder- und Jugendsurvey, eine nationale Erhebung in Deutschland, zeigt tats\u00e4chlich eine gewisse Zunahme unter weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18, so wie es aussieht aber eher von leichten Depressionen.\u201c<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr Depressionen sehen Wissenschaftler in genetischen, neurobiologischen, sozialen und psychologischen Faktoren, die sich gegenseitig verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Die Krankheit kann zwar im jedem Alter \u2013 also auch bei Erwachsenen \u2013 auftreten, oft beginnt sie aber schon im Kindes- und Jugendalter, ohne erkannt zu werden. F\u00fcr eine gezielte und effektive Behandlung ist es aber unerl\u00e4sslich, die Risikofaktoren zu kennen, die zur Entstehung der Erkrankung beitragen.<\/p>\n<h3>Viele Faktoren als Ausl\u00f6ser<\/h3>\n<p>\u201eSicher spielen da viele Faktoren eine Rolle, hierzu geh\u00f6ren individuelle Belastungen als auch traumatische Ereignisse. Was wir h\u00e4ufig erleben, ist, dass Jugendliche heute mit Stress schlechter umgehen k\u00f6nnen als fr\u00fcher\u201c, wei\u00df Schulte-K\u00f6rne. \u201eAu\u00dferdem haben sich die Umweltbelastungen f\u00fcr Jugendliche deutlich ver\u00e4ndert, in der Schule und auch im Freizeitbereich, bei der Nutzung von sozialen Medien etwa. Und mit der heute l\u00e4ngeren Adoleszenzphase stellt sich auch der Autonomie- und Abl\u00f6sungsprozess vom Elternhaus anders dar als noch vor zehn Jahren.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_169086\" aria-describedby=\"caption-attachment-169086\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-169086\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/family-3817056_1920-600x400.jpg\" alt=\"Depression\" width=\"400\" height=\"267\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-169086\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein internationales Forscherteam, unter der Leitung des <a href=\"https:\/\/www.psych.mpg.de\/\">Max-Planck-Instituts f\u00fcr Psychiatrie in M\u00fcnchen<\/a> und der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen hat deshalb 2.000 Kinder und Jugendliche genetisch, mit Frageb\u00f6gen und klinischen Interviews untersucht. Anhand des sogenannten genetischen Risikoscores konnten die Wissenschaftler erstmals voraussagen, ob bei einem Kind oder Jugendlichen ein erh\u00f6htes genetisches Risiko f\u00fcr eine Depression besteht.<\/p>\n<p>\u201eLetzten Endes bildet der Score ein umfangreiches Set von genetischen Informationen ab. Dabei handelt es sich um Varianten im Genom, meist nur kleinste Abweichungen, die zusammengenommen ein bestimmtes Merkmal oder eine Erkrankung, in diesem Fall die Depression, vorhersagen\u201c, beschreibt der Wissenschaftler die Funktionsweise des Scores.\u201cDiese genetischen Ver\u00e4nderungen einzeln tragen nur wenig bei, in der Summe jedoch bilden sie einen Score, der insgesamt das genetische Risiko des Betroffenen abbildet.\u201c<\/p>\n<p>Erkenntnisse zur Genetik der Depression bei Erwachsenen gibt es bereits, die Forscher haben nun getestet, ob diese genetischen Profile auch dazu geeignet sind, um Vorhersagen \u00fcber Entstehung, Schweregrad und Erkrankungsbeginn bei Kindern und Jugendlichen zu machen. \u201eDieser Score wurde urspr\u00fcnglich an einer sehr gro\u00dfen Stichprobe von Erwachsenen mit einer depressiven Erkrankung ermittelt und mit einer Kontrollgruppe abgeglichen. Die zentrale Frage unserer Untersuchung war, ob dieser genetische Score auch f\u00fcr Kinder und Jugendliche relevant ist und sich deshalb daf\u00fcr eignet, auch bei ihnen das Erkrankungsrisiko zu ermitteln\u201c, so Schulte-K\u00f6rne.<\/p>\n<h3>Erkrankung mit vielen Gesichtern<\/h3>\n<p>Die Ergebnisse h\u00e4tten das best\u00e4tigt. \u201eUm diesen Fortschritt einordnen zu k\u00f6nnen, muss man sagen, dass man gerade bei der Depression Jahrzehnte lang gesucht hat, um \u00fcberhaupt genetische Faktoren zu finden. Dass dies so lange nicht gelang, liegt wahrscheinlich daran, dass Depression eine Erkrankung mit vielen Gesichtern ist, mit so vielen Facetten, sodass genetische Mechanismen nur auf gewisse Symptome Einfluss haben, sich damit aber nicht die Komplexit\u00e4t dieser Erkrankung insgesamt erkl\u00e4ren l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_169085\" aria-describedby=\"caption-attachment-169085\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-169085\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/child-1855656_1920-600x557.jpg\" alt=\"Depression\" width=\"400\" height=\"371\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-169085\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine gro\u00dfe Stichprobe, bei der eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit einer Depression mit einer Kontrollgruppe verglichen wurde, habe gezeigt, dass der Score auch bei Kindern aussagekr\u00e4ftig sei, sagt der Jugendpsychiater. Dabei haben die Forscher auch den Zusammenhang zwischen der Belastung mit depressiven Gedanken und Emotionen und diesem genetischen Score untersucht. \u201eL\u00e4sst sich ein Zusammenhang finden, handelt es sich ja zun\u00e4chst erst einmal nur um eine einfache Korrelation. Darum versucht man im n\u00e4chsten Schritt zu ergr\u00fcnden, ob dahinter auch eine Kausalit\u00e4t steckt\u201c, so Schulte-K\u00f6rne weiter.<\/p>\n<p>\u201eWir haben au\u00dferdem untersucht, ob zus\u00e4tzlich auch belastende Lebenserlebnisse in der fr\u00fchen Kindheit [wie z.B. Missbrauch, Anm. d. Redaktion] diesen Zusammenhang beeinflussen, und ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der genetischen Disposition und der Schwere der Erkrankung oder auch dem Ersterkrankungsalter. Wenn der genetische Score relevant ist, f\u00fchrt das im letzten Fall dazu, dass Kinder, die ein Risiko f\u00fcr eine Depression haben, unter Umst\u00e4nden fr\u00fcher erkranken.\u201c<\/p>\n<p>In der klinischen Stichprobe fand das Forscherteam heraus, dass der Score acht Prozent der depressiven St\u00f6rung bei Kindern und Jugendlichen erkl\u00e4rt. \u201eUnd wenn man belastende Umweltereignisse oder belastende Ereignisse aus der Lebensgeschichte mit ber\u00fccksichtigt, dann kommt man schon auf fast 18 Prozent der depressiven Symptomatik, die dadurch erkl\u00e4rt werden kann. Und das ist ein relativ hoher Wert\u201c, betont Schulte-K\u00f6rne. Im Grunde ginge es aber erst einmal darum, \u201eein Ursachenmodell der Depression zu entwickeln und zu verstehen, wie genetische Faktoren, individuelle Belastungen und Umweltfaktoren zusammenwirken.\u201c<\/p>\n<p>Mit dieser Studie sei ein wichtiger Schritt gelungen, die komplexen genetischen Ursachen der Depression bei Kindern und Jugendlichen zu verstehen, sagt der Forscher. Allerdings erkl\u00e4re der Score nur eine Risikoerh\u00f6hung und nicht die Erkrankung selbst. Deshalb gebe es auch noch viel zu tun, um die fr\u00fchzeitige Diagnose von Depressionen bei Jugendlichen zu verbessern, sagt die Max-Planck-Direktorin und Leiterin der Studie, Elisabeth Binder. \u201eWenn wir jedoch wissen, welche Kinder mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit eine Depression entwickeln, haben wir die M\u00f6glichkeit, wirksame Pr\u00e4ventionsstrategien einzusetzen und die enorme Belastung der Depression zu reduzieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zum Thema:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/schwerste-depressionen-durch-tiefe-hirnstimulation-gelindert\/\">Schwerste Depressionen durch Tiefe Hirnstimulation gelindert<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/ein-geraet-gegen-depressionen\/\">Ein Ger\u00e4t gegen Depressionen?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hilfe-depression-rtms-therapie\/\">Hilfe bei Depression durch rTMS-Therapie<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/intelligente-spracherkennung-depression-selbstmord\/\">Mit intelligenter Spracherkennung gegen Depressionen und Selbstmorde<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Depression ist heutzutage eine der h\u00e4ufigsten psychischen Erkrankungen, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen und zu schweren psychosozialen Beeintr\u00e4chtigungen oder sogar zu Selbstmord f\u00fchren k\u00f6nnen. 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