{"id":168867,"date":"2019-04-02T20:30:49","date_gmt":"2019-04-02T18:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168867"},"modified":"2019-04-02T20:30:49","modified_gmt":"2019-04-02T18:30:49","slug":"holzmarmorierung-aus-dem-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/holzmarmorierung-aus-dem-labor\/","title":{"rendered":"Holzmarmorierung aus dem Labor"},"content":{"rendered":"<p>Holz ist ein beliebter Werkstoff f\u00fcr M\u00f6belst\u00fccke. Je sch\u00f6ner es marmoriert ist, desto dekorativer macht es sich im Wohnambiente. Die faszinierenden Muster aus Farben und Linien stammen \u00fcbrigens von Pilzen, die das tote Holz besiedeln. Schon seit der Antike ist beispielsweise die Tr\u00fcffelbuche mit ihrer einzigartigen Holzmarmorierung ein gesuchter Rohstoff. Das Muster entsteht \u00fcbrigens durch einen spontanen Schimmelpilzbefall. Das Auffinden eines solch exklusiven Tr\u00fcffelst\u00fcckes war bisher mit langen Wartezeiten und vor allem auch mit viel Gl\u00fcck verbunden.<\/p>\n<h3>Pilze lernen zeichnen<\/h3>\n<p>Doch Forscher der Empa-Akademie St. Gallen entwickelten nun ein Verfahren, das die Entstehung der Holzmusterung beschleunigt. Sie luden daf\u00fcr kurzerhand die Pilze ins Labor ein und brachten ihnen dort das gezielte Zeichnen bei. \u201eWir konnten in der Natur wachsende Pilzarten identifizieren und analysieren, um jene mit den g\u00fcnstigsten Eigenschaften als Holzveredler auszuw\u00e4hlen\u201c, so Empa-Forscher Hugh Morris von der Abteilung \u201eApplied Wood Materials\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_168869\" aria-describedby=\"caption-attachment-168869\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-168869\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Marmorholz-Kulturen-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-168869\" class=\"wp-caption-text\">Empa-Forscher w\u00e4hlten im Labor jene Pilzkulturen aus, die die interessantesten Linien zeichnen konnten \u00a9Empa<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Brandkrustenpilz etwa, oder die Schmetterlingstramete, hinterlassen mit dem Farbstoff Melanin pigmentierte schwarze Linien. Gleichzeitig bleichen sie das umliegende Holz dank ihres Enzyms Laccase aus.<\/p>\n<blockquote><p>So entsteht ein Muster mit besonders starkem Kontrast im Holz\u201c, erkl\u00e4rt Morris.<\/p><\/blockquote>\n<p>Je nach Kombination der eingesetzten Pilzspezies gestalten sich die Linien mal wild und ungest\u00fcm oder auch geometrisch pr\u00e4zise. Dann wieder schl\u00e4ngeln sie sich unruhig aufeinander zu und trennen kleine Parzellen auf ihrem hellen Untergrund ab. An anderen Stellen flie\u00dfen die dunklen Zeichnungen ruhig und gelassen als Mahnmal einer Grenze, die keiner der Beteiligten \u00fcberschreiten mag.<\/p>\n<h3>Muster sind Demarkationslinien<\/h3>\n<p>Pilze tragen im Holz ein Gefecht um Territorium und Ressourcen aus. Dieses grenzt sich mit dunkel pigmentierten Linien deutlich voneinander ab. Die feinen F\u00e4den der Pilzgemeinschaft sch\u00fctzen mit diesen Demarkationslinien ihre Kolonie zum einen vor anderen Pilzen. Zum anderen sorgt die Pigmentgrenze daf\u00fcr, dass Bakterien und Insekten fernbleiben. Somit bleibt dem Lebensraum ein ideales Ma\u00df an Feuchtigkeit erhalten.<\/p>\n<p>Besonders vorteilhaft an den im Empa-Labor verwendeten Pilzen ist deren sanfter Biss: Denn trotz des ausgepr\u00e4gten Zeichentalents zernagen die ausgew\u00e4hlten Kandidaten ihren Untergrund kaum.<\/p>\n<blockquote><p>Das Holz wird zwar von den Pilzen gro\u00dfz\u00fcgig mit Pigmenten versorgt, beh\u00e4lt aber seine Stabilit\u00e4t und Form bei\u201c, so der Biologe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Harth\u00f6lzer wie Buche, Esche und Ahorn eignen sich zur Behandlung mit den Pilzkulturen am besten. Dass der Prozess je nach gew\u00fcnschtem Ergebnis gesteuert werden kann, liegt jedoch nicht nur an der Art der verwendeten F\u00e4ulniserreger. Die Forscher entwickelten zudem ein Verfahren, bei dem das Holz bereits innerhalb von Wochen zur Verarbeitung bereitsteht. Grund ist unter anderem, dass die gew\u00e4hlten Pilzarten bei deutlich geringerer Feuchtigkeit im Holz zur Tat schreiten. Daher muss der Rohstoff nach seiner Veredlung und vor der Verarbeitung zum M\u00f6bel nicht erst langwierig, kosten- und energieintensiv getrocknet werden.<\/p>\n<h3>Industriepartner fertigt M\u00f6bel<\/h3>\n<p>Gemeinsam mit der <a href=\"http:\/\/www.holzwelten.ch\/\">Koster Holzwelten AG<\/a> in Arnegg (SG) arbeiten die Forscher nun daran einen effizienten und \u00f6kologisch nachhaltigen Produktionsweg zu implementieren. Hierzu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch die Nutzung von regionalem Holz. \u201eBuchenholz ist ein in der Schweiz h\u00e4ufiges, aber f\u00fcr M\u00f6beldesigner uninteressantes Hartholz\u201c, erkl\u00e4rt Koster. Mit Marmorholz aus einheimischer Buche k\u00f6nne man jedoch am Schweizer Holzmarkt, dessen j\u00e4hrlicher Umsatz rund drei Milliarden Franken betrage, gesuchte Produkte anbieten. Zus\u00e4tzlich zu M\u00f6beln, Parkettb\u00f6den und K\u00fcchenfronten kann Marmorholz auch f\u00fcr dekorative Objekte und Musikinstrumente verwendet werden. Mit der neuen Technologie lassen sich diese Einzelst\u00fccke nun schneller, nachhaltiger und mit dem gew\u00fcnschten Muster herstellen.<\/p>\n<p>Doch die Forscher haben noch ein weiteres Ziel: Morris ist sich sicher, dass er den Pilzen demn\u00e4chst sogar das Schreiben von Worten \u201ebeibringen\u201c kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holz ist ein beliebter Werkstoff f\u00fcr M\u00f6belst\u00fccke. Je sch\u00f6ner es marmoriert ist, desto dekorativer macht es sich im Wohnambiente. Die faszinierenden Muster aus Farben und Linien stammen \u00fcbrigens von Pilzen, die das tote Holz besiedeln. Schon seit der Antike ist beispielsweise die Tr\u00fcffelbuche mit ihrer einzigartigen Holzmarmorierung ein gesuchter Rohstoff. 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