{"id":168761,"date":"2019-04-01T18:13:10","date_gmt":"2019-04-01T16:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168761"},"modified":"2019-04-01T18:13:10","modified_gmt":"2019-04-01T16:13:10","slug":"medien-sehen-in-nachhaltigkeit-eine-unbequeme-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/medien-sehen-in-nachhaltigkeit-eine-unbequeme-wahrheit\/","title":{"rendered":"Medien sehen in Nachhaltigkeit eine unbequeme Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Nachhaltige Entwicklung ist zweifellos notwendig, leicht zu vermitteln ist sie aber nicht, sagt der Kommunikationsforscher <em>Matthias Karmasin<\/em>. Der Grund daf\u00fcr liegt in der unbequemen Wahrheit, die mit Nachhaltigkeit verbunden ist \u2013 dem Verzicht und der Umverteilung.<\/p>\n<p>Den Begriff der <em>Inconvenient Truth<\/em> pr\u00e4gte der amerikanische Politiker, Unternehmer und Umweltsch\u00fctzer <em>Al Gore<\/em> mit seiner gleichnamigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eine_unbequeme_Wahrheit\">Dokumentation<\/a> im Jahr 2006. <em>Karmasin<\/em> benutzt den Begriff im Vorfeld der Nachhaltigkeitskonferenz der <em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschafte<\/em>n (\u00d6AW). Der Kommunikationsexperte ist im Organisationsteam und bereitet eine Diskussion \u00fcber die Rolle der Medien bei der Umsetzung der insgesamt siebzehn Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bis 2030 vor.<\/p>\n<h3>Verzicht und Umverteilung<\/h3>\n<p>Medien k\u00f6nnen entscheiden, in welcher Form sie \u00fcber aktuelle Entwicklungen schreiben. In ihrer Rolle der Informationsvermittlung tragen sie auch Verantwortung. Es sind medial vermittelte Diskurse, die entscheiden, welche Priorit\u00e4ten Gesellschaften setzen, so Karmasin. Theoretisch k\u00f6nnten Medien also viel zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen. Experten sehen allerdings einen negativen Effekt. Die Medienberichterstattung hat den Zweifel am Klimawandel nicht beseitigt, sondern gef\u00f6rdert, so ein amerikanischer Medienhistoriker.<\/p>\n<p>Es ist nicht zuletzt die Sensationslust der Medien, welche die Zweifel am Klimawandel gen\u00e4hrt haben. Sensationsjournalismus f\u00fchrt zur Verdrossenheit von Medienkonsumenten, so <em>Karmasin<\/em>.<\/p>\n<p>Der Kommunikationsforscher ortet zwei Schwierigkeiten in der Rolle der Medien im Nachhaltigkeitsdiskurs:<\/p>\n<p>Die Wahrheit liegt uns heute wissenschaftlich evident vor, erlebt aber gleichzeitig eine schwere Krise.<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit handelt nicht nur von gr\u00fcnen Jobchancen und Standortvorteilen, sondern auch von Verzicht und Umverteilung. Das ist eine unangenehme Geschichte, die sich in den medialen Verwertungszyklen nicht gut erz\u00e4hlen l\u00e4sst.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u201eWir werden nicht nur individuell verzichten m\u00fcssen, sondern auch global umverteilen.\u201c <em>Matthias Karmasin<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3>Glaubw\u00fcrdigkeitskrise<\/h3>\n<p>Die an Klicks, Quoten und Verkaufszahlen orientierte Sensationslust kostet die Medien Glaubw\u00fcrdigkeit. Aber nicht nur die Medien leiden an einer Glaubw\u00fcrdigkeitskrise. Vielmehr ist diese ein Merkmal unserer Zeit und umfasst alle etablierten Institutionen \u2013 selbst Wissenschaft und Universit\u00e4ten. Schlie\u00dflich kann im Moment auch wissenschaftlich Erwiesenes auf breiter Ebene in Frage gestellt werden. Mehr denn je ist die Politik gefordert, die Bev\u00f6lkerung in ihren nachhaltigen Handlungen zu unterst\u00fctzen &#8211; wie etwa weniger Fleisch zu essen und vom Auto auf \u00f6ffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, so <em>Karmasin<\/em>. Auch auf wirtschaftlicher Ebene pl\u00e4diert der Kommunikationsforscher f\u00fcr ein politisches Umdenken. Zitat: \u201eEs kann nicht mehr l\u00e4nger der globale Standortwettbewerb im Vordergrund stehen, wenn die Existenz des Planeten in Frage steht.\u201c<\/p>\n<h3>Zivilgesellschaftliche Beteiligung<\/h3>\n<p>Einen positiveren Effekt auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit sieht <em>Karmasin<\/em> in den Sozialen Medien. Diese erm\u00f6glichen zivilgesellschaftliche Beteiligung und k\u00f6nnen viel bewegen, wenn sie richtig genutzt werden. Das zeigte zuletzt die #metoo Bewegung. Initiativen in den Sozialen Medien k\u00f6nnen viel \u00e4ndern, werden aber wahrscheinlich nicht reichen, so der Kommunikationsforscher.<\/p>\n<p>Die Sozialen Medien haben die B\u00fcrger auch in ihrer Funktion als Verbraucher erm\u00e4chtigt. Jeder kann einfach \u00fcber das Internet und Apps Informationen abrufen und Unternehmen \u00f6ffentlich Feedback geben. Nicht selten werden bei \u00f6kologischen oder sozialen Verfehlungen auch Konsumboykotts ausgerufen.<\/p>\n<p><em>Karmasin<\/em> weist darauf hin, dass der Diskurs auf drei Ebenen ausgetragen wird, die ein Zusammenspiel erfordern:<\/p>\n<ul>\n<li>Auf der Mikroebene k\u00f6nnen Konsumierende mit ihren Kaufentscheidungen Einfluss nehmen.<\/li>\n<li>Auf der Makroebene k\u00f6nnen ordnungspolitische Vorgaben gemacht werden.<\/li>\n<li>Auf der Mesoebene k\u00f6nnen Unternehmen entsprechend darauf reagieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Beitrag der Wissenschaft<\/h3>\n<p>Auch Wissenschaft kann den Nachhaltigkeitsdiskurs positiv beeinflussen und sollte noch lauter als bisher Fakten \u00fcber den Zustand des Planeten vermitteln. Im Vordergrund sollte die Verantwortung stehen, die vor allem gegen\u00fcber zuk\u00fcnftigen Generationen besteht. <em>Karmasin<\/em>: \u201eDabei m\u00fcssen wir mehr denn je die Welt als Gemeinschaft aller denken: Wenn die <em>emerging economies<\/em> weiter aufholen und die westliche Welt weiter in dem Ma\u00dfe Ressourcen verbraucht, wird sich das alles sehr bald nicht mehr ausgehen.\u201c<\/p>\n<h3>Die Konferenz<\/h3>\n<p>Die Konferenz <em>Global Sustainable Development Goals in a Mediatized World<\/em> wird von vierten bis f\u00fcnften April an der <em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\">\u00d6AW<\/a>) abgehalten. Rund vierzig Experten und Expertinnen aus aller Welt werden dar\u00fcber diskutieren, welche wissenschaftlichen und technischen Innovationen notwendig sind, um die <a href=\"https:\/\/www.bundeskanzleramt.gv.at\/nachhaltige-entwicklung-agenda-2030\"><em>Nachhaltigkeitsziele 2030<\/em><\/a> zu erreichen. Die Veranstaltung wird in englischer Sprache durchgef\u00fchrt und ist \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Das Programm finden Sie <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/sustainable-development2019\/program\/\">hier<\/a>:<\/p>\n<p><em>Matthias Karmasin<\/em> unterrichtet am <em>Institut f\u00fcr Medien- und Kommunikationswissenschaft <\/em>der <a href=\"https:\/\/www.aau.at\/\"><em>Alpen-Adria-Universit\u00e4t Klagenfurt<\/em><\/a> und ist der Direktor des <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/cmc\/home\/\"><em>Instituts f\u00fcr vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung<\/em><\/a> der \u00d6AW.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/automatische-erkennung-von-fake-news-mit-software-von-fraunhofer\/\">Automatische Erkennung von Fake News mit Software von Fraunhofer<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/ki-nicht-nur-facebook-sollte-reguliert-werden\/\">KI: Nicht nur Facebook sollte reguliert werden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltige Entwicklung ist zweifellos notwendig, leicht zu vermitteln ist sie aber nicht, sagt der Kommunikationsforscher Matthias Karmasin. 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