{"id":168709,"date":"2019-04-02T11:18:33","date_gmt":"2019-04-02T09:18:33","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168709"},"modified":"2019-04-02T11:18:33","modified_gmt":"2019-04-02T09:18:33","slug":"meereisschmelze-schwaecht-transpolardrift-mit-folgen-fuer-oekologische-prozesse-in-der-arktis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/meereisschmelze-schwaecht-transpolardrift-mit-folgen-fuer-oekologische-prozesse-in-der-arktis\/","title":{"rendered":"Meereisschmelze schw\u00e4cht Transpolardrift mit Folgen f\u00fcr \u00f6kologische Prozesse in der Arktis"},"content":{"rendered":"<p>Wir alle wissen mittlerweile: Das Eis der Arktis schmilzt. Doch welche verheerenden Auswirkungen dies hat, wird erst jetzt durch verschiedene Forschungen so langsam\u00a0klar. Eine aktuelle Studie des <a href=\"https:\/\/www.awi.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alfred-Wegener-Instituts, dem Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresforschung (AWI)<\/a> bringt nun neue, erschreckende Erkenntnisse ans Licht: Die Transpolardrift wird mit gravierenden Folgen f\u00fcr \u00f6kologische Prozesse geschw\u00e4cht. Denn heutzutage erreichen nur noch 20 Prozent des Meereises \u2012 es entsteht in den flachen, russischen Randmeeren des Arktischen Ozeans \u2012, tats\u00e4chlich die zentrale Arktis. 80 Prozent schmelzen schon vorher. Somit geht dem Nordpolarmeer ein wichtiges Transportmittel f\u00fcr N\u00e4hrstoffe, Algen und Sedimente verloren, berichten die Wissenschaftler.<\/p>\n<figure id=\"attachment_168829\" aria-describedby=\"caption-attachment-168829\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-168829 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/csm_Transpolar_Drift_UK_733fb3067d-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-168829\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Hauptstr\u00f6mungen bewegen das Packeis in der Arktis weiter: der Beaufortwirbel, eine Zirkulation im Uhrzeigersinn, und die Transpolardrift, welches Meereis weiter von den flachen sibirischen Schelfen Richtung Framstrasse tr\u00e4gt. (Grafik: R. Botev, modifiziert durch T. Krumpen)<\/figcaption><\/figure>\n<h3><span style=\"font-size: 16px\">Eis schmilzt schon in der Kinderstube<\/span><\/h3>\n<p>Die Barentssee, der Karasee, der Laptewsee und der Ostsibirischen See gelten als Kinderstube des Meereises. Hier wird es im Winter n\u00e4mlich am laufenden Band produziert. Verantwortlich daf\u00fcr sind extrem niedrige Lufttemperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius. Hinzu kommt ein starker, ablandiger Wind. Letzterer schiebt das im Flachwasserbereich gebildete junge Eis auf das Meer hinaus. Im Verlauf des Winters wird das junge Meereis dann von der Transpolardrift erfasst. Diese ist eine der zwei Hauptstr\u00f6mungen des Arktischen Ozeans. Sie transportiert die Eisschollen innerhalb von zwei bis drei Jahren aus dem sibirischen Teil des Nordpolarmeeres quer durch die zentrale Arktis bis in die Framstra\u00dfe. Erst hier f\u00e4ngt das Meereis schlie\u00dflich an zu schmelzen. Vor zwei Jahrzehnten noch trat rund die H\u00e4lfte des Eises die transarktische Reise\u00a0aus den russischen Schelfmeeren an. Mittlerweile aber sind es nur noch 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent des jungen Eises schmelzen schon bevor es \u00e4lter als ein Jahr ist und die zentrale Arktis erreichen konnte.<\/p>\n<h3>Eisfreier Sommer in der Arktis<\/h3>\n<p>Zu diesem besorgniserregenden Ergebnis kommen die Wissenschaftler des AWI, nachdem sie die Wanderung des Meereises mit Hilfe von Satellitendaten f\u00fcr den Zeitraum von 1998 bis 2017 verfolgten und analysierten. \u201eUnsere Studie zeigt extreme Ver\u00e4nderungen in der Arktis: Das Meereis in der Karasee, der Laptewsee und der Ostsibirischen See schmilzt mittlerweile so schnell und fl\u00e4chendeckend, dass der Eisnachschub f\u00fcr die Transpolardrift nachhaltig abnimmt. Jenes Eis, welches heutzutage die Framstra\u00dfe erreicht, wird zum gr\u00f6\u00dften Teil nicht mehr in den Randmeeren gebildet, sondern stammt aus der zentralen Arktis&#8230;\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Wir werden derzeit Zeuge, wie ein wichtiger Transportstrom abrei\u00dft und die Welt einem meereisfreien Sommer in der Arktis einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommt\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u2026, beschreibt Erstautor Dr. Thomas Krumpen, Meereisphysiker am Alfred-Wegener-Institut die Situation.<\/p>\n<p>Best\u00e4tigt wird dieser Trend durch die Ergebnisse von Meereisdicken-Messungen in der Framstra\u00dfe. Diese werden von AWI-Meereisphysikern regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt. \u201eEis, das heutzutage die Arktis durch die Framstra\u00dfe verl\u00e4sst, ist rund 30 Prozent d\u00fcnner als noch vor 15 Jahren. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind zum einen die steigenden Wintertemperaturen in der Arktis sowie eine deutlich fr\u00fcher einsetzende Schmelzsaison. Zum anderen wurde dieses Eis eben nicht mehr in den Schelfmeeren gebildet, sondern viel weiter n\u00f6rdlich. Es hatte demzufolge deutlich weniger Zeit, durch die Arktis zu treiben und zu m\u00e4chtigerem Packeis heranzuwachsen\u201c, erkl\u00e4rt Krumpen.<\/p>\n<h3>K\u00fcstenferne Eisschollen mit weniger Partikeln<\/h3>\n<p>Jene Eisschollen, welche die Transpolardrift heute noch bis in die Framstra\u00dfe tr\u00e4gt, werden gr\u00f6\u00dftenteils auf hoher See, also in k\u00fcstenfernen Regionen des Arktischen Ozeans gebildet. Im Gegensatz zum Eis aus den Schelfmeeren enthalten sie daher deutlich weniger Partikel wie zum Beispiel Algen, Schweb- und N\u00e4hrstoffe. Denn Wellen, Wind und Gezeiten wirbeln in flachen K\u00fcstenzonen deutlich mehr Partikel vom Meeresboden auf als auf hoher See. Au\u00dferdem tragen Fl\u00fcsse wie die Lena und der Jenissei viele Schwebstoffe und Mineralien \u2012 die dann beim Gefrieren des Wassers im Eis eingeschlossen werden \u2012, in den K\u00fcstenbereich ein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_168831\" aria-describedby=\"caption-attachment-168831\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-168831 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Fig7_PackIce_Sampling_MarioHoppmann-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-168831\" class=\"wp-caption-text\">Eiskerne, anhand derer sich die Menge an eingeschlossenem Material bestimmen l\u00e4sst, zeigen die Folgen des sich \u00e4ndernden Eis- und Stofftransports f\u00fcr das \u00d6kosystem Arktis \u00a9Alfred-Wegener-Institut \/ Mario Hoppmann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Transportierte das Meereis aus den Schelfmeeren diese mineralische Fracht fr\u00fcher bis in die Framstra\u00dfe, so entlassen die schmelzenden Schollen diese heute vorab, und zwar schon auf ihrem Weg in die zentrale Arktis. In der Framstra\u00dfe dagegen kommt weniger\u00a0\u2012 und auch anders zusammengesetztes\u00a0\u2012, Material an. Diese Erkenntnis resultiert unter anderem aus Sinkstoffanalysen, die AWI-Biologen seit etwa zwei Jahrzehnten in der Framstra\u00dfe durchf\u00fchren.<\/p>\n<blockquote><p>Anstelle sibirischer Mineralien landen mittlerweile mehr \u00dcberreste abgestorbener Algen und Kleinstlebewesen in unseren Sedimentfallen\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u2026, so Co-Autorin Eva-Maria N\u00f6thig.<\/p>\n<p>Langfristig sei zu erwarten, dass die Ver\u00e4nderung des Partikeltransportes durch das Meereis die biogeochemischen Kreisl\u00e4ufe und \u00f6kologischen Prozesse im zentralen Arktischen Ozean nachhaltig ver\u00e4ndern werde.<\/p>\n<h3>Weitere Forschungen bei MOSAiC-Expedition<\/h3>\n<p>Die Entwicklung des Meereises und die \u00f6kologischen Prozesse im Arktischen Ozean sind Forschungsfragen, die neben weiteren Themen ab September auf der MOSAiC-Expedition untersucht werden sollen. Hierf\u00fcr wird dann der deutsche Eisbrecher Polarstern in die Arktis aufbrechen. Ein Jahr lang planen die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer zu driften. Insgesamt 600 Menschen aus 17 L\u00e4ndern nehmen an der Expedition teil. Versorgt werden sie von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen. Zudem wird ein Vielfaches an Wissenschaftlern mit den Daten arbeiten, um die Klima- und \u00d6kosystemforschung auf ein neues Niveau zu heben. Geleitet wird diese \u00fcbrigens gr\u00f6\u00dfte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten vom Alfred-Wegener-Institut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle wissen mittlerweile: Das Eis der Arktis schmilzt. Doch welche verheerenden Auswirkungen dies hat, wird erst jetzt durch verschiedene Forschungen so langsam\u00a0klar. 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