{"id":168346,"date":"2019-03-26T12:12:14","date_gmt":"2019-03-26T11:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168346"},"modified":"2019-03-26T12:12:14","modified_gmt":"2019-03-26T11:12:14","slug":"fast-vollstaendige-dekarbonisierung-des-industriesektors-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/fast-vollstaendige-dekarbonisierung-des-industriesektors-moeglich\/","title":{"rendered":"Fast vollst\u00e4ndige Dekarbonisierung des Industriesektors m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>Der Industriesektor ist f\u00fcr etwa 20 Prozent der EU-weiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wenn er die Ziele aus dem <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/clima\/policies\/international\/negotiations\/paris_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Paris-Abkommen,<\/a> die in der <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/clima\/policies\/strategies\/2050_en#tab-0-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Langfriststrategie<\/a>\u00a0der EU-Kommission niedergeschrieben sind, erreichen m\u00f6chte, sollten seine Emissionen bis 2050 nahezu vollst\u00e4ndig reduziert werden. Dies ist tats\u00e4chlich m\u00f6glich, wie eine aktuelle Studie des <a href=\"https:\/\/www.isi.fraunhofer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fraunhofer Instituts f\u00fcr System- und Innovationsforschung (ISI)<\/a> in Zusammenarbeit mit <a href=\"https:\/\/www.icf.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ICF Consulting Services Limited<\/a> zeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berechneten, dass bis zum Jahr 2050 eine Dekarbonisierung des Industriesektors von 95 Prozent machbar ist. Doch Voraussetzung f\u00fcr die fast vollst\u00e4ndige Emissionsfreiheit sind innovative, CO2-neutrale Technologien sowie ein umfassender technischer Wandel.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Arbeit untersuchten die Forschenden, welchen Beitrag einzelne Technologien f\u00fcr die Dekarbonisierung leisten k\u00f6nnen. Gleichzeitig schauten sie auch, wie diese Technologien gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten. Denn parallel zu ihrer Studie untersuchte das Fraunhofer ISI die Rolle eines Innovationsfonds. Dieser soll den Technologien mit Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel zur Marktdiffusion verhelfen.<\/p>\n<h3>Fokus auf Produktion von Grundstoffen<\/h3>\n<p>Ein besonderes Augenmerk der Studie <a href=\"https:\/\/www.isi.fraunhofer.de\/de\/competence-center\/energietechnologien-energiesysteme\/projekte\/pathways.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Industrial Innovation: Pathways to deep decarbonisation of Industry<\/a>\u00a0galt der industriellen Produktion von Grundstoffen wie Stahl, Zement, Ethylen, Ammoniak und Glas: Denn sie ist f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Industrieemissionen verantwortlich. Zudem gilt sie in Bezug auf Dekarbonisierung als besonders schwierig.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Forschungen setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das vom Fraunhofer ISI entwickelte <a href=\"https:\/\/www.forecast-model.eu\/\">Simulationsmodell FORECAST<\/a> mit hoher Technologieaufl\u00f6sung ein. Hiermit berechneten sie acht alternative Szenarien. Alle acht zeigten, dass eine ambitionierte Verbesserung der Energieeffizienz die Kosten der Dekarbonisierung senken w\u00fcrden. Sie k\u00f6nnten somit besonders in den kommenden 10 bis 20 Jahren substanzielle Beitr\u00e4ge zur CO<sub>2<\/sub>-Einsparung leisten. Demnach k\u00f6nnten die Treibhausgasemissionen des Industriesektors bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegen\u00fcber 1990 reduziert werden. Doch reicht das allein nicht aus, um die Emissionen ausreichend zu mindern.<\/p>\n<h3>Zentraler Faktor: Erneuerbare Energien<\/h3>\n<p>Ein entscheidender Faktor ist ein schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien, um CO<sub>2<\/sub>-freien Strom zu gewinnen. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da sich der Stromverbrauch des Industriesektors bis 2050 stark erh\u00f6hen k\u00f6nnte. Je nach Szenario k\u00f6nnte er sich verdoppeln oder sogar verdreifachen. Dies w\u00fcrde vor allem dann geschehen, wenn Strom verst\u00e4rkt f\u00fcr die Prozessw\u00e4rmeerzeugung eingesetzt wird. Auch die Umstellung von wichtigen Prozessen der Chemie- und Stahlindustrie auf Elektrolyse-Wasserstoff gehen mit einem h\u00f6heren Stromverbrauch einher.<\/p>\n<p>Somit verlangt eine 95-prozentige Reduktion der Treibhausgase und damit eine nahezu CO<sub>2<\/sub>-neutrale industrielle Produktion bis 2050 grundlegende \u00c4nderungen entlang der Wertsch\u00f6pfungskette. Dazu geh\u00f6ren die Verbreitung CO<sub>2<\/sub>-arm produzierter Zementsorten, ein effizienter Materialeinsatz und eine umfassende Kreislaufwirtschaft. Auch die Abscheidung und Speicherung von CO<sub>2<\/sub> kann eine Rolle spielen, um beispielsweise verbleibende Emissionen bei der Herstellung von Zementklinker und Kalk zu mindern.<\/p>\n<h3>F\u00f6rderung CO<sub>2<\/sub>-neutraler Herstellungsprozesse<\/h3>\n<p>Doch laut Studie ist mit den heute verf\u00fcgbaren Technologien und dem bestehenden regulatorischen Rahmen die ambitionierte Transformation nicht m\u00f6glich. \u201eBereits zwischen 2020 und 2030 m\u00fcssen neue Technologien Marktreife erlangen, die Infrastruktur gebaut und der regulatorische Rahmen angepasst werden\u201c, betont Dr. Tobias Fleiter, Projektleiter am Fraunhofer ISI. \u201eHierf\u00fcr braucht es einen umfassenden Instrumentenmix, der unter anderem die Forschung und Entwicklung f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-neutrale Herstellungsprozesse sowie die Schaffung von Nischenm\u00e4rkten f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-arme Grundstoffprodukte f\u00f6rdert. Zentral ist, nicht nur die Grundstoffindustrie selbst zu ver\u00e4ndern, sondern die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette einzubeziehen\u2026\u201c<\/p>\n<blockquote><p>\u2026Besonders die Bauwirtschaft sollte sich als gr\u00f6\u00dfter Nachfrager von CO<sub>2<\/sub>-intensiven Produkten wie Stahl, Zement und Glas daran orientieren, wieviel Emissionen bei der Herstellung ausgesto\u00dfen werden. Deshalb m\u00fcssten die Kosten der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in der Produktverwendung eingepreist werden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Innovationsfonds von Bedeutung<\/h3>\n<p>Ein wesentlicher Schritt zur Entwicklung CO<sub>2<\/sub>-neutraler Herstellungsprozesse ist der Innovationsfonds (IF), den die EU-Kommission derzeit vorbereitet: Ab 2021 soll er Einnahmen aus dem Emissionshandel unter anderem f\u00fcr die Forschung und Entwicklung zur Dekarbonisierung der Industrie bereitstellen.<\/p>\n<p>Deshalb standen die <a href=\"https:\/\/publications.europa.eu\/en\/publication-detail\/-\/publication\/669226c7-b6ff-11e8-99ee-01aa75ed71a1\/language-en\/format-PDF\/source-77120765\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Konzeption und Ausgestaltung des IF sowie dessen Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft<\/a> im Rahmen einer weiteren Studie im Fokus. Diese f\u00fchrte das Fraunhofer ISI in Kooperation mit <a href=\"https:\/\/www.navigant.com\/news\/energy\/2019\/ecofys-joins-navigant\">Ecofys<\/a> (heute: Navigant) ebenfalls im Auftrag der EU-Kommission durch. F\u00fcr Projektleiter Prof. Dr. Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer ISI ist der IF \u201e\u2026ein wichtiger Schritt zur F\u00f6rderung innovativer CO<sub>2<\/sub>-neutraler Industrieprozesse: Der CO<sub>2<\/sub>-Preis im Emissionshandel reicht trotz des k\u00fcrzlichen starken Anstiegs in absehbarer Zeit allein nicht aus, um die Wirtschaftlichkeit dieser neuen Technologien zu erreichen. Daher scheuen sich Unternehmen, die im weltweiten Wettbewerb stehen, diese Technologien in gro\u00dfem Ma\u00dfstab in die industrielle Anwendung zu bringen. Der weiter steigende CO<sub>2<\/sub>-Preis wird jedoch in den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahrzehnten die heutigen Standardtechnologien, die auf fossilen Energietr\u00e4gern beruhen, zunehmend unwirtschaftlich machen. Der IF ist daher ein wichtiger Baustein, um in der Anfangsphase diese Technologien wirtschaftlich zu machen und das Risiko f\u00fcr die Unternehmen zu senken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/forschungsprojekt-digitalisierung-von-abbrucharbeiten-fuer-sortenreinen-bauschutt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Forschungsprojekt: Digitalisierung von Abbrucharbeiten f\u00fcr sortenreinen Bauschutt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/abfaelle-mit-ausweis-das-grundbuch-der-materialien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abf\u00e4lle mit Ausweis: Das Grundbuch der Materialien<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Industriesektor ist f\u00fcr etwa 20 Prozent der EU-weiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. 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