{"id":168201,"date":"2019-03-24T11:42:49","date_gmt":"2019-03-24T10:42:49","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168201"},"modified":"2019-03-24T11:42:49","modified_gmt":"2019-03-24T10:42:49","slug":"gruener-ammoniak-kraftstoff-und-energiespeicher-fuer-eine-emissionsfreie-schifffahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/gruener-ammoniak-kraftstoff-und-energiespeicher-fuer-eine-emissionsfreie-schifffahrt\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcner Ammoniak \u2013 Kraftstoff und Energiespeicher f\u00fcr eine emissionsfreie Schifffahrt"},"content":{"rendered":"<p>Das B\u00fcndnis <a href=\"http:\/\/wir-campfire.de\/\">Campfire<\/a> \u2013 es forscht an der dezentralen Herstellung gr\u00fcnen Ammoniaks aus erneuerbaren Energien \u2013 erhielt nun von einer Expertenjury positive Nachrichten: Es wird in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren durch das <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/\">Bundesministerium f\u00fcr Forschung und Bildung (BMBF)<\/a> mit acht Millionen Euro gef\u00f6rdert. Diese wird es nutzen, um ihre Vision von der emissionsfreien Schifffahrt voranzutreiben und eine gr\u00fcne Ammoniak-Technologie zu etablieren. Elementarer Baustein des neuen Verfahrens sind keramische D\u00fcnnschichtmembranen, die eine hohe Effizienz und Lebensdauer aufweisen. Dank ihrer Eigenschaften erm\u00f6glichen sie ein effizientes Festk\u00f6rper-Elektrolyseverfahren (SOEC) f\u00fcr die Wasserstoffsynthese aus Wasserdampf.<\/p>\n<p>\u201eWir freuen uns, dass sich die Jury f\u00fcr unser Konzept entschieden hat, an dem wir mehr als sieben Monate intensiv gearbeitet haben und eine breite Wissensallianz schaffen konnten&#8221;, kommentiert Projektleiterin Dr. Angela Kruth vom\u00a0<a href=\"https:\/\/www.inp-greifswald.de\/\">Leibniz-Institut f\u00fcr Plasmaforschung und Technologie (INP)<\/a>\u00a0in Greifswald die Neuigkeiten nicht ohne Stolz. Das Know-how bez\u00fcglich innovativer Energietechnologien sowie aus dem maritimen und chemischen Bereich ist in der Region \u2013 sie erstreckt sich von Rostock bis ins polnische Stettin \u2012, seit vielen Jahren vorhanden. Nun wird es erstmals im B\u00fcndnis Campfire zu einem neuen Technologiepfad zusammengef\u00fchrt. Das B\u00fcndnis verfolgt das Ziel, durch die Entwicklung innovativer Energietechnologien und der Verflechtung der lokalen Energiebranche mit der maritimen und chemischen Industrie einen neuen, zukunftstr\u00e4chtigen Wirtschaftszweig in der Projektregion Nord-Ost zu etablieren. Die Erarbeitung des Konzepts wurde vom Leibnizer INP sowie dem <a href=\"https:\/\/www.ikem.de\/\">Institut f\u00fcr Klimaschutz, Energie und Mobilit\u00e4t (IKEM)<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.hochschule-stralsund.de\/host\/aktuelles\/news\/detail\/n\/campfire-8-millionen-euro-zur-entwicklung-gruener-ammoniak-technologien-fuer-eine-emissionsfreie-schi\/\">Hochschule Stralsund (HOST)<\/a> koordiniert. Wichtige Impulse setzten auch die externen Partner wie beispielsweise das <a href=\"https:\/\/www.zbt-duisburg.de\/meta-menu\/home\/\">Zentrum f\u00fcr Brennstoffzellentechnik (ZBT)<\/a> sowie das <a href=\"https:\/\/www.ikam.ovgu.de\/\">Institut f\u00fcr Kompetenz in der Automobilit\u00e4t (IKAM)<\/a>.<\/p>\n<p>Inzwischen z\u00e4hlen 31 Partner zu Campfire. Dazu geh\u00f6ren erfolgreiche Unternehmen im Spezialschiffbau und der Energieerzeugung. Zudem sind auch gro\u00dfe Reedereien und D\u00fcngemittel-Produzenten vertreten. Die beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen machen etwa ein Drittel der Projektpartner aus. Sie erforschen unter anderem Nanotechnologien und Brennstoffzellen f\u00fcr den Energiesektor.<\/p>\n<h3>CO2-neutrales Ammoniak aus Luft und Wasser<\/h3>\n<p>Schwerpunkt des Innovationskonzepts ist die dezentrale Herstellung von gr\u00fcnem \u2013 also CO2-neutralen \u2013 Ammoniak aus Luft und Wasser. Die daf\u00fcr notwendige Energie soll ausschlie\u00dflich aus Wind- und Solaranlagen stammen. Herzst\u00fcck dieses neuen Verfahrens sind \u2013 da sie eine hohe Effizienz und Lebensdauer aufweisen \u2013, keramische D\u00fcnnschichtmembranen mit kubischen Perowskitstrukturen. Perowskite \u00fcberzeugen mit ihrem Vorteil in Bezug auf Betriebstemperaturen, mechanischer Belastbarkeit sowie der physikalisch-chemischen Eigenschaften und Temperaturbest\u00e4ndigkeit als Hochtemperatur-Elektrolytmaterialien. Zudem k\u00f6nnen sie Sauerstoffionen, Protonen und Elektronen leiten. F\u00fcr die Nutzung von Ammoniak als Energietr\u00e4ger spricht, dass das Gas\u00a0\u2013 bei Normaldruck bei -33\u00b0C \u2013,\u00a0 bar verfl\u00fcssigbar ist. Von daher kann es leicht gespeichert und transportiert werden. Ammoniak ist wasserstoffreich und enth\u00e4lt Energiemengen, die mit Dieselkraftstoff vergleichbar sind. Zudem k\u00f6nnte das Gas auch in konventionellen Verbrennungsmotoren genutzt werden. Die Endprodukte sind nur Wasser und Stickstoff. Letzterer kann gefahrlos an die Luft zur\u00fcckgegeben werden. Im Rahmen von Campfire sollen durch die hohe Prozesseffizienz und niedrigen Kosten f\u00fcr die Ammoniaksynthese aus regenerativem Strom\u00a0die Produktionsprozesse erstmals wirtschaftlich darstellbar werden.<\/p>\n<h3>Entwicklungsarbeit steht bevor<\/h3>\n<p>Allerdings steht die Entwicklung dieser Materialien als erstes Forschungsvorhaben von Campfire noch bevor. Parallel dazu erarbeiten die ostdeutschen Experten technologisch-\u00f6konomische Studien f\u00fcr die nachhaltige Produktion von Ammoniak und dessen Nutzung als Kraftstoff. Ebenso m\u00fcssen rechtliche Rahmenbedingungen angepasst und aufw\u00e4ndige Genehmigungsverfahren vorbereitet werden. Das B\u00fcndnis setzt sich auch f\u00fcr einen nachhaltigen Politikrahmen ein. Dieser soll die wirtschaftlichen Voraussetzungen f\u00fcr das Projekt schaffen. \u201eEs braucht eine realistische CO2-Bepreisung, die auch langfristige Klimakosten widerspiegelt. Statt fossile Brennstoffe zu subventionieren m\u00fcssen klimaneutrale Kraftstoffe wirtschaftlich werden. Da hilft ein angemessener CO2-Preis\u201c, betont IKEM-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Simon Sch\u00e4fer-Stradowsky. Je h\u00f6her dieser ausfalle, desto schneller vollziehe sich der Umstieg auf neue Technologien.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen in der Ammoniakproduktion \u2013 bis jetzt werden daf\u00fcr gro\u00dfe Mengen fossiler Energietr\u00e4ger ben\u00f6tigt \u2013, reichen bereits 150 Jahre zur\u00fcck. Die Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff ist eine der meistproduzierten Chemikalien und Ausgangsstoff unter anderem f\u00fcr D\u00fcngemittel.<\/p>\n<p>Gr\u00fcn gewonnenes Ammoniak k\u00f6nnte nicht nur wertvoll f\u00fcr den Einsatz in Zero-Emission-Antrieben, die in den kommenden Jahren f\u00fcr die Schifffahrt entwickelt werden, sein. Ebenso l\u00e4sst sich daraus nachhaltiger D\u00fcnger herstellen, was zur Sicherung der globalen Nahrungsmittelproduktion beitr\u00e4gt. CO2-neutrales Ammoniak auf Basis von elektrochemischen Verfahren k\u00f6nnte aber auch in station\u00e4re Energieversorgungssysteme eingespeist werden. \u201eDie neuen Ammoniak-Technologien sind ein Schl\u00fcssel f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der k\u00fcnftigen gesellschaftlichen Herausforderungen\u201c, so Kruth. Ein weiteres Ziel sei, die in der Region entstehenden High-Tech-L\u00f6sungen weltweit zu exportieren.<\/p>\n<h3>Hintergrund zur F\u00f6rderung<\/h3>\n<p>Schon im Jahr 2017 startete das BMBF unter dem Namen <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/de\/wir---wandel-durch-innovationen-in-der-region-4056.html\">\u201eWir! &#8211; Wandel durch Innovationen in der Region\u201c<\/a> die ostdeutsche Innovationsinitiative. Ab dem 1. April 2019 werden insgesamt 20 ostdeutsche B\u00fcndnisse mit innovativen Ans\u00e4tzen den Strukturwandel in ihren Regionen vorantreiben. Daf\u00fcr entwarfen die Akteure der interdisziplin\u00e4ren Zusammenschl\u00fcsse im vergangenen Jahr verschiedene Innovationskonzepte f\u00fcr ihre Region. Die Innovationsfelder reichen dabei von der Bio\u00f6konomie \u00fcber neue Materialien und Rohstoffeffizienz bis hin zur Gesundheitsversorgung in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen. Von den 100 Initiativen wurden nun 20 von einer Expertenjury ausgew\u00e4hlt. Sie werden in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren mit insgesamt 200 Millionen Euro vom Bund unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/siemens-setzt-mit-brennstoffzellenpartnerschaft-auf-eine-null-emissions-strategie-auf-see\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Siemens setzt mit Brennstoffzellenpartnerschaft auf eine Null-Emissions-Strategie auf hoher See<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das B\u00fcndnis Campfire \u2013 es forscht an der dezentralen Herstellung gr\u00fcnen Ammoniaks aus erneuerbaren Energien \u2013 erhielt nun von einer Expertenjury positive Nachrichten: Es wird in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren durch das Bundesministerium f\u00fcr Forschung und Bildung (BMBF) mit acht Millionen Euro gef\u00f6rdert. 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