{"id":168092,"date":"2019-03-22T15:05:02","date_gmt":"2019-03-22T14:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=168092"},"modified":"2019-03-22T15:05:02","modified_gmt":"2019-03-22T14:05:02","slug":"seven-steps-to-heaven-hochtechnologisiertes-indoor-farming-ermoeglicht-qualitativ-wertvolle-und-sichere-lebensmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/seven-steps-to-heaven-hochtechnologisiertes-indoor-farming-ermoeglicht-qualitativ-wertvolle-und-sichere-lebensmittel\/","title":{"rendered":"Seven Steps to Heaven: Hochtechnologisiertes Indoor-Farming erm\u00f6glicht qualitativ wertvolle und sichere Lebensmittel"},"content":{"rendered":"<p>Lebensmittelproduktion in der Vertikalen \u2013 so ungef\u00e4hr kann man sich die Praxis des Indoor-Farmings vorstellen. Dabei k\u00f6nnen die senkrechten Fl\u00e4chen in einem Lagerhaus, einem Wolkenkratzer aber auch in einem gro\u00dfen Container angebaut werden. Unter dem Namen \u201eSeven Steps To Heaven\u201c gr\u00fcndeten Gertjan und Lianne Meeuws eine solche Hight-Tech Farm. Die Besonderheit des Eindhovener Unternehmens: In ihrem landwirtschaftliche Betrieb werden die frischen Produkte nicht nur in der Vertikalen, sondern auch mit LEDs anstelle von Tageslicht und in Kombination mit Temperatur- und Verdunstungssteuerung angebaut. Den gr\u00f6\u00dften Unterschied zwischen traditioneller Landwirtschaft sieht Gertjan Meeuws, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Seven Steps to Heaven, darin, dass sein Indoor-Bauernhof \u00fcberall dort betrieben werden kann, wo auch der Verbraucher lebt. Das k\u00f6nnte auch im Zentrum einer Gro\u00dfstadt sein. \u201eAnstatt eine lange Lieferkette zu haben, bei der die frischen Produkte aus der ganzen Welt kommen, stammt das gesamte Obst- und Gem\u00fcse von einem lokalen Bauernhof\u201c, erkl\u00e4rt Meeuws das Prinzip. Und er prognostiziert: \u201eDie Indoor-Landwirtschaft ist die neue Lieferkette.&#8221;<\/p>\n<h3>\u00d6kologischer Landbau 2.0<\/h3>\n<p>\u201eVertikale Landwirtschaft wurde nicht von den Bauern erfunden. Normalerweise arbeiten traditionelle Bauern weit entfernt von den Verbrauchern und m\u00fcssen sich auf den Ertrag konzentrieren, so dass sie\u00a0 Geld verdienen\u201c, beschreibt Meeuws die derzeitige Situation. \u201eZ\u00fcchter entwickeln neue Gem\u00fcsesorten mit den Schwerpunkten auf Resistenz und hohe Ertr\u00e4ge, nicht aber auf Geschmack und Ern\u00e4hrung. In der Indoorlandwirtschaft geht es \u2012 wie in der traditionellen Landwirtschaft auch \u2012 um Ertr\u00e4ge und Lebensunterhalt, aber dar\u00fcber hinaus konzentrieren wir uns auch darauf, so nah wie m\u00f6glich am Markt sichere, schmackhafte und nahrhafte Produkte anzubauen.&#8221;<\/p>\n<p>Meeuws ist davon \u00fcberzeugt, dass die traditionelle Landwirtschaft und die Indoor-Landwirtschaft sehr gut zusammenarbeiten k\u00f6nnen: \u201eSo k\u00f6nnte unser Unternehmen junge Pflanzen z\u00fcchten, die in einem Gew\u00e4chshaus oder auf einem offenen Feld angepflanzt werden k\u00f6nnen und die lebenswichtiger sind als die Pflanzen, die auf traditionelle Weise angebaut werden. Wir k\u00f6nnen beispielsweise junge Tomatenpflanzen herstellen, die \u00fcber zus\u00e4tzliche Energie verf\u00fcgen, so dass sie, wenn sie unsere G\u00e4rtnerei verlassen, in den ersten Wochen noch von dieser Energie im Gew\u00e4chshaus profitieren. Da diese Pflanzen so stark sind, erm\u00f6glicht das den Landwirten sogar, keine oder kaum Pestizide zu verwenden,\u00a0 Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, wie unsere Technologie sowie unser Know-how die traditionelle Landwirtschaft und Zucht unterst\u00fctzen kann.&#8221;<\/p>\n<h3>Qualti\u00e4t, Geschmack und Mehrwert<\/h3>\n<p>Alle Pflanzen betreiben Photosynthese: Sie nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und produzieren Sauerstoff und Glukose. Meeuws erkl\u00e4rt, dass es drei Ebenen des Stoffwechsels gibt. Auf der ersten Ebene produzieren die Pflanzen gerade genug Zucker, um am Leben zu bleiben. Auf der zweiten Ebene produzieren sie genug Glukose f\u00fcr die Aufrechterhaltung und das Wachstum. Auf der dritten Ebene produzieren die Pflanzen schlie\u00dflich mehr Zucker, als sie f\u00fcr ihr Wachstum ben\u00f6tigen. Sie beginnen nun mit der Produktion sekund\u00e4rer Stoffwechselprodukte. Diese sind besser bekannt als Vitamine und Antioxidantien. Stoffe, die wir f\u00fcr unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden dringend ben\u00f6tigen. Sekund\u00e4re Metaboliten (Zwischenstoffe) sind auch f\u00fcr das Leben der Pflanzen wichtig. Sie nutzen diese zum Schutz vor Sch\u00e4dlingen oder zur Anziehung von Insekten, die wiederum an der Best\u00e4ubung beteiligt sind. Dazu Meeuws: \u201eWenn die Pflanzen die dritte Ebene des Stoffwechsels erreichen, beginnen sie so etwas wie ein Signal nach dem Motto \u201aUmwelt, iss mich nicht!\u2018 zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Im Vergleich zum traditionellen Landbau ist es in der kontrollierten Umgebung einer Indoor-Farm einfacher, die Pflanzen auf das h\u00f6chste Niveau ihres Stoffwechsels \u2012 wo sie mit Vitaminen gef\u00fcllt \u00a0werden \u2012 zu bringen. Zudem m\u00fcssen in einem vertikalen Anbau nicht aus Transportgr\u00fcnden unreife Produkte geerntet werden. Denn das Konzept eines Indoor-Bauernhofs beinhaltet den lokalen Konsum. Meeuws weist noch auf einen weiteren wesentlichen Unterschied hin: \u201eDer gr\u00f6\u00dfte Teil der frischen Produkte die wir heute essen wird viel zu fr\u00fch geerntet \u2012 die Pflanzen haben noch nicht ihr volles Potenzial erreicht. Sie sind nicht so lecker und nahrhaft, wie sie h\u00e4tten werden k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<h3>Gr\u00fcnde f\u00fcr Indoor-Farming<\/h3>\n<p>Laut Meeuws k\u00f6nnte die Indoor-Landwirtschaft eine vielversprechende L\u00f6sung f\u00fcr die Regionen in der Welt sein, in denen die Gem\u00fcseproduktion begrenzt ist oder frische Produkte nicht v\u00f6llig sicher zu genie\u00dfen sind. Er sieht Sicherheitsprobleme vor allem in den Bereichen, in denen die Landwirte aus Ertragsgr\u00fcnden viele Chemikalien verwenden m\u00fcssen. Und davon gibt es viele Orte in der Welt.<\/p>\n<p>Auch bringen Indoor-Farmen in den Regionen, in denen die Erzeuger und die Verbraucher durch lange Strecken weit voneinander entfernt sind, erhebliche Vorteile. Dies ist zum Beispiel in Afrika der Fall. Hier k\u00f6nnten Indoor-Farmen ihr volles Potenzial entfalten. Meeuws beschreibt afrikanische St\u00e4dte als st\u00e4dtische Gebiete von enormer Gr\u00f6\u00dfe. Sie seien einerseits viel gr\u00f6\u00dfer als Europas St\u00e4dte, gleichzeitig sei aber meist nicht viel Ackerland drumherum.<\/p>\n<p>So dauere der Transport von den Bauernh\u00f6fen in die St\u00e4dte oftmals zwei bis vier Tage. Hinzu kommt, dass die Stra\u00dfen nicht besonders gut sind. Dar\u00fcber hinaus gibt es in Afrikas Trockenzeit nicht sehr viel Wasser f\u00fcr die Pflanzen.<\/p>\n<blockquote><p>Ein moderner Supermarkt in Abu Dhabi, Algerien, Ruanda oder Angola sieht fast so aus wie ein Jumbo oder Albert Heijn [niederl\u00e4ndische Supermarktketten]. Aber wenn Sie in die Frischwarenabteilung gehen, werden Sie feststellen, dass das Gem\u00fcse 2 &#8211; 3 mal so teuer ist, wie in den Niederlanden.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch sei die Qualit\u00e4t laut Meeuws unterschiedlich: Gem\u00fcse sei nicht immer gut und frisch. Deshalb sieht er in Afrika ein riesiges Potenzial f\u00fcr die vertikale Landwirtschaft. Doch unter dem Aspekt der Qualit\u00e4tssteigerung bei gleichzeitiger Preissenkung schient dieses Potenzial eigentlich \u00fcberall auf der Welt vorhanden.<\/p>\n<p>Doch was kostet eine Indoor-Farm eigentlich? Um eine vertikale Farm zu bauen, braucht man einen Investor und einen Betreiber der Farm. Das muss nicht zwangsl\u00e4ufig das gleiche Unternehmen sein. \u201eIn der traditionellen Landwirtschaft besitzt und betreibt der Landwirt den Betrieb in der Regel selbst. Doch wir sind davon \u00fcberzeugt, dass es vorteilhaft sein k\u00f6nnte, diese Funktionen auf zwei verschiedene Parteien aufzuteilen. Deshalb sehen wir die Zukunft der vertikalen Landwirtschaft in einem Modell aus Immobiliengesellschaft und Betriebsgesellschaft. Diese sollte den Betrieb von den Immobiliengesellschaften pachten. So k\u00f6nnte der Bau-Prozess von Indoor-Farmen beschleunigt werden&#8221;, vermutet Meeuws.<\/p>\n<h3>Die Zukunft der vertikalen Landwirtschaft<\/h3>\n<p>\u201eWenn wir in den n\u00e4chsten drei Jahrzehnten 10 Milliarden Menschen auf rationale Weise ern\u00e4hren wollen, m\u00fcssen wir zwischen den Lebensmitteln wie Mais, Weizen und Sojabohnen, die nur als reiner Brennstoff f\u00fcr den K\u00f6rper dienen und den Lebensmitteln, die die Menschen zum Aufbau oder zur Genesung ihres K\u00f6rpers ben\u00f6tigen \u2013 dazu geh\u00f6ren Vitamine, Antioxidantien usw. \u2013, unterscheiden. Wenn wir diese beiden Arten von Lebensmitteln auf intelligente Weise kombinieren, werden wir in der Lage sein, Menschen auf der ganzen Welt mit Lebensmitteln zu versorgen, die vielleicht nicht billig, aber erschwinglich sind&#8221;, so Meeuws. Und er weist darauf hin: \u201eEine ausgewogene Ern\u00e4hrung ist wichtig. Denn wenn die Kinder in den ersten 4 &#8211; 5 Lebensjahren die Nahrung erhalten, die sie wirklich brauchen, entwickelt sich ihr Gehirn besser. Als Folge sind die lebenslangen Kosten in der Gesundheitsversorgung niedriger.&#8221; Deshalb h\u00e4lt es der Gesch\u00e4ftsf\u00fcher von Seven Steps To Heaven f\u00fcr vern\u00fcnftiger, zuk\u00fcnftig etwas mehr in qualitativ hochwertige Lebensmittel zu investieren als viel mehr f\u00fcr Medikamente und Krankenhausbehandlung auszugeben. \u201eWir brauchen einen ganzheitlicheren Ansatz in der Landwirtschaft. Sie kann nicht ohne Bezug zu anderen Disziplinen behandelt werden. Das Gesundheitswesen sollte zu diesen Disziplinen geh\u00f6ren, damit die Lebensmittel zu Medikamenten anstelle der pharmazeutischen Produkte werden k\u00f6nnen.&#8221; Diesen multidisziplin\u00e4ren Ansatz der vertikalen Landwirtschaft setzt das Unternehmen bereits jetzt in seiner Arbeit ein.<\/p>\n<p>In Zukunft k\u00f6nnte die Entwicklung der Indoor-Landwirtschaft das Angebot von Men\u00fcset-Lieferanten wie HelloFresh ver\u00e4ndern. \u201eIm Moment haben Sie ein Abonnement, Sie bestellen eine Schachtel und erhalten alle Produkte, die Sie brauchen, um eine Mahlzeit f\u00fcr eine Familie zu kochen. Dabei enth\u00e4lt die Box die Lebensmittel, die der Lieferant beschaffen konnte. Der n\u00e4chste Schritt ist es, diese Beschaffung einzustellen und selbst mit dem Anbau der Produkte zu beginnen&#8221;, so Meeuws.<\/p>\n<p>\u201eDie gesamte Einzelhandelslandschaft von heute basiert auf \u00dcberproduktion. Deshalb stehen uns Tomaten, Gurken und anderes Gem\u00fcse jederzeit zur Verf\u00fcgung. Wenn niemand diese Produkte kauft, werden 40 Prozent von allem, was wir anbauen, weggeworfen. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum Lebensmittel teuer sind. Mit der Entwicklung des Indoor-Farmings kann ein Verbraucher Mitglied eines Familienbetriebs, der frische Produkte f\u00fcr eine bestimmte Anzahl lokaler Familien liefert, sein \u2012 unter diesen Umst\u00e4nden wissen die Landwirte, was und wie viel sie produzieren sollten, damit sie die Produktion im Gleichgewicht halten k\u00f6nnen&#8221;, so Meeuws.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir weniger Lebensmittel verschwenden wollen, sollten wir in der Lage sein, die Verbraucherw\u00fcnsche zu kennen \u2013 und zwar nicht heute, sondern in 5 &#8211; 6 Wochen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Meeuws warnt zudem: &#8220;Solange wir Last-Minute-Bestellungen annehmen und morgen frische Produkte liefern, k\u00f6nnen wir nur weiter \u00fcberproduzieren \u2012 und das ist kein guter Weg, um die schnell wachsende Bev\u00f6lkerung unserer Welt zu ern\u00e4hren.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebensmittelproduktion in der Vertikalen \u2013 so ungef\u00e4hr kann man sich die Praxis des Indoor-Farmings vorstellen. 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