{"id":167551,"date":"2019-03-15T18:05:44","date_gmt":"2019-03-15T17:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=167551"},"modified":"2019-03-15T18:05:44","modified_gmt":"2019-03-15T17:05:44","slug":"caring-communities-als-alternative-zu-pflegeeinrichtungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/caring-communities-als-alternative-zu-pflegeeinrichtungen\/","title":{"rendered":"Caring Communities als Alternative zu Pflegeeinrichtungen"},"content":{"rendered":"<p>Mit den Achtundsechzigern altert eine selbstbestimmte Generation, die das traditionelle Versorgungssystem in Frage stellt, so der Experte f\u00fcr Palliativpflege und Organisationsethik <em>Andreas Heller<\/em>. Er forscht am alternativen Konzept der <em>Caring Communities<\/em> und setzt sich f\u00fcr eine Sorgerevolution ein.<\/p>\n<p>\u201eDie Baby-Boomer stellen hohe Autonomie- und Flexibilit\u00e4tsanspr\u00fcche und wollen nicht in die derzeitigen Pflegeeinrichtungen gehen\u201c, sagt<em> Heller<\/em>, Professor f\u00fcr <a href=\"https:\/\/online.uni-graz.at\/kfu_online\/wbforschungsportal.cbshowportal?pPersonNr=58493\"><em>Palliative Care und Organisationsethik<\/em><\/a> an der <a href=\"https:\/\/www.uni-graz.at\/de\/\"><em>Universit\u00e4t Graz<\/em><\/a>. Eine Erkenntnis, die er aus mehreren Studien zog. Damit begibt er sich in Opposition zu den laufenden Ausbau-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Versorgung \u00c4lterer und Sterbender &#8211; und fordert L\u00f6sungen, die derzeit politisch nicht angedacht seien. Obwohl die gesellschaftliche Entwicklung dies nahelegt: Es gibt immer mehr Pflegebed\u00fcrftige, aber weniger Angeh\u00f6rige, die sie betreuen k\u00f6nnen. 2015 werden 1,25 Millionen Menschen \u00fcber achtzig Jahre alt sein (Quelle: <em>Aktionsnetzwerk Alt sein und gut leben 2050<\/em>). Ein Versorgungssystem, das sich an der Bettenkapazit\u00e4t in den Pflegeeinrichtungen orientiert, kann Heller ebenso wenig guthei\u00dfen, wie Roboter und die Ausbeutung von Pflegepersonal aus Osteuropa.<\/p>\n<h3>Intergenerationelle Stadtl\u00f6sungen<\/h3>\n<p>Geeigneter erscheinen ihm sogenannte <em>Caring Communities.<\/em> <em>Heller<\/em> widmet seine Forschungsarbeit der Funktion von sorgenden Gemeinschaften und setzt sich f\u00fcr intergenerationellen Zusammenhalt ein. Konkret sind es intergenerationelle Stadtl\u00f6sungen, an denen er gemeinsam mit seinen Kollegen <a href=\"https:\/\/online.uni-graz.at\/kfu_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=90EA1B5E46E65B78&amp;pPersonenGruppe=3\"><em>Klaus Wegleitner<\/em> <\/a>und <a href=\"https:\/\/online.uni-graz.at\/kfu_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=F1C3DB999EC6D462&amp;pPersonenGruppe=3\"><em>Patrick Schuchter<\/em><\/a> forscht. \u201eDie professionelle Versorgung von Menschen am Lebensende reicht nicht aus, es braucht einen Sorgemix, der nachbarschaftlich und wohnortbezogen organisiert wird\u201c, so<em> Wegleitner<\/em>. Dabei sind es Angeh\u00f6rige, Nachbarn und freiwillig Unterst\u00fctzende, die sich um die Stabilisierung des Alltags \u00e4lterer und chronisch kranker Menschen k\u00fcmmern und T\u00e4tigkeiten wie etwa Kochen, Einkauf und Haushalt \u00fcbernehmen oder einfach nur Gesellschaft leisten.<\/p>\n<h3>Transdisziplin\u00e4re Kooperationen<\/h3>\n<p>Laut <em>dem Forscherteam<\/em> sind die interdisziplin\u00e4re Ausrichtung ihres Lehrstuhls und die Abteilung <em>Public Care<\/em> an der <em>Universit\u00e4t Graz<\/em> einzigartig in Europa. Neu an deren Ansatz ist eine transdisziplin\u00e4re und partizipative Kooperation. Neben Betroffenen, Angeh\u00f6rigen, Organisationen und Politik sind auch Architektenb\u00fcros eingebunden. Im Sorgerecht soll es eine sektoren\u00fcbergreifende Zusammenarbeit geben und diese \u00fcbergreifende Zusammenarbeit soll auch forscherisch zusammengedacht werden, erkl\u00e4rt Wegleitner.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir untersuchen vielschichtige Standpunkte, um gemeinsam tragbare Konzepte zu entwickeln. Wichtig ist dabei auch die Vernetzung mit anderen Sorgebereichen und eine Reflexion auf den Status von Sorgearbeit in unserer Gesellschaft insgesamt.\u201c <em>Schuchter<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3><\/h3>\n<h3>Die soziale Debatte aufgreifen<\/h3>\n<p>Die Forscher kommen aus den Bereichen Philosophie, Theologie und Soziologie und setzen zwei Schwerpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>die Bed\u00fcrfnisse kranker, alter und beeintr\u00e4chtigter Menschen;<\/li>\n<li>die Frage, wie sich die Zivilgesellschaft mobilisieren l\u00e4sst, einen Teil der Sorge zu \u00fcbernehmen;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dar\u00fcberhinaus gr\u00fcndeten sie mit der Altersforscherin <a href=\"https:\/\/online.uni-graz.at\/kfu_online\/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=F934EF32EF8DC7CA&amp;pPersonenGruppe=3\"><em>Ulla Kriebernegg<\/em><\/a> den Cluster f\u00fcr <em>Care and Age Research<\/em>. Gemeinsam wollen sie die sozialpolitische Debatte aufgreifen und L\u00f6sungen f\u00fcr ein gutes Leben bis zum Schluss entwickeln. \u201eDiese Arbeit gibt generell Impulse f\u00fcr die Zukunft der Gesellschaft. Im Sterben sieht man die existenziellen Fragen des Lebens wie unter einem Vergr\u00f6\u00dferungsglas. Wir forschen nach Antworten, die f\u00fcr alle relevant sind\u201c, so <em>Heller<\/em>.<\/p>\n<h3>Wissenschaftliche Begleitung von Projekten<\/h3>\n<p>Das Team war bereits an der Entwicklung von <em>Caring Communities<\/em> Konzepten in <a href=\"https:\/\/campus.aau.at\/cris\/publication\/0f4de0c74ece99e6014ecfe6383500d3;jsessionid=53D8F546385B04FA53618360F7B046A4.app-campus2\"><em>Landeck<\/em><\/a> (Vorarlberg) 2014, einer Initiative des <em>\u00d6sterreichischen Roten Kreuz<\/em> in <em>Gro\u00dfenzersdorf<\/em> (Nieder\u00f6sterreich) und Eferding (Ober\u00f6sterreich) 2018 beteiligt. Dazu <em>Heller<\/em> in einem <a href=\"https:\/\/alt-sein-und-gut-leben-2050.at\/2016\/11\/22\/interview-dr-mag-andreas-heller\/\">Interview<\/a> mit dem <a href=\"https:\/\/alt-sein-und-gut-leben-2050.at\/\"><em>Aktionsnetzwerk Alt sein und gut leben 2050<\/em>:<\/a> \u201eDabei arbeiten wir mit nachbarschaftlich \u00fcberschaubaren Einheiten. Pflegende Angeh\u00f6rige werden aus der Isolation an runde Tische zum Austausch geholt. Das Echo war enorm. Wir hatten mit zwanzig bis f\u00fcnfzig Personen gerechnet, gekommen sind hundertvierzig (Anmerkung: in Landeck). Die dr\u00e4ngendsten Fragen der Menschen: \u201eEinsamkeit\u201c und \u201eWas schulden wir einander?\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcberhinaus brachten die Forscher ihr Wissen auch in Projekten in Deutschland ein. Im <em>Projekt Caring Cologne<\/em> kooperierte die Universit\u00e4tsklinik mit der Stadt K\u00f6ln, um gemeinsam mit Unternehmen, Institutionen und Schulen ein Entwicklungsforum in Gang zu bringen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel ist die Umsetzung eines Caring Communities Projektes in Berlin, das unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-treptow-koepenick\/politik-und-verwaltung\/service-und-organisationseinheiten\/sozialraumorientierte-planungskoordination\/artikel.653403.php\"><em>Sorgender Bezirk \u2013 <\/em><\/a><a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-treptow-koepenick\/politik-und-verwaltung\/service-und-organisationseinheiten\/sozialraumorientierte-planungskoordination\/artikel.653403.php\"><em>Compassionate Community Treptow-K\u00f6penick<\/em><\/a> 2017 an den Start ging. Die Idee wurde unter der Schirmherrschaft von <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-treptow-koepenick\/politik-und-verwaltung\/bezirksamt\/artikel.260103.php\">Gernot Klemm<\/a>, <em>Bezirksstadtrat f\u00fcr Soziales und Jugend<\/em> entwickelt und umgesetzt. <em>Wegleitner <\/em>unterst\u00fctzte das Projekt auf wissenschaftlicher Basis. Dabei ging es um folgende Aspekte:<\/p>\n<ul>\n<li>die Erforschung des Status Quo in der Betreuung von Behinderten, Schwerkranken und alten Menschen;<\/li>\n<li>die St\u00e4rkung der Sorgenetzwerke und \u2013kultur;<\/li>\n<li>die Verbesserung des Zusammenspiels zwischen informellem Netz und professionellen Diensten;<\/li>\n<li>die Unterst\u00fctzung der Selbsthilfe von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern;<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Symposion<\/h3>\n<p>Am 15. und 16. M\u00e4rz 2019 f\u00fchrt die Abteilung f\u00fcr <em>Palliative Care und Organisationsethik<\/em> in Kooperation mit dem <a href=\"http:\/\/sorgenetz.at\/\"><em>Sorgenetz<\/em><\/a> ein internationales Symposion in Graz durch. Der Titel: <em>Horizonte der Sorge \u2013 Palliative\/Hospice Care und Caring Communities. <\/em>N\u00e4here Informationen dazu finden Sie<a href=\"http:\/\/sorgenetz.at\/downloads\/Sorge_Symposium_Graz_2019.pdf\"> hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<p class=\"post-title entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/eine-automatisierte-erinnerung-fuer-menschen-mit-demenz\/\">Eine automatisierte Erinnerung f\u00fcr Menschen mit Demenz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den Achtundsechzigern altert eine selbstbestimmte Generation, die das traditionelle Versorgungssystem in Frage stellt, so der Experte f\u00fcr Palliativpflege und Organisationsethik Andreas Heller. 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