{"id":167422,"date":"2019-03-14T15:04:30","date_gmt":"2019-03-14T14:04:30","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=167422"},"modified":"2019-03-14T15:04:30","modified_gmt":"2019-03-14T14:04:30","slug":"orion-vlt-eso-kosmisch-fledermaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/orion-vlt-eso-kosmisch-fledermaus\/","title":{"rendered":"VLT der ESO fotografiert eine kosmische Fledermaus in der Dunkelheit"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/\">Very Large Telescope<\/a> (VLT) der <a href=\"http:\/\/www.eso.org\/\">Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte<\/a> (ESO) hat wieder einmal spektakul\u00e4re Bilder eingefangen. Dieses Mal von einem Nebel im Sternbild Orion, rund 2.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. NGC 1788, auch bekannt als Fledermausnebel, weil seine Form an eine Fledermaus erinnert, liegt in einer der dunkelsten Ecken des Sternbilds Orion und ist daher mit blo\u00dfem Auge nicht wahrnehmbar.<\/p>\n<p>Der Nebel selbst strahlt auch kein Licht aus und wird nur von den jungen Sternen in seinem Innern beleuchtet. Die Strahlen dieser Sterne schaffen es dennoch, die undurchsichtigen Staubwolken, die sie umgeben, zu durchdringen und ein schwaches Licht aus dem Nebel zu senden. \u201eMan unterscheidet hier zwischen leuchtenden Gasnebeln und Dunkelnebeln, die das Licht nur absorbieren. Nebel wie der Orionnebel oder derjenige in der Gro\u00dfen Magellanschen Wolke werden zum Leuchten angeregt. Sie leuchten also selber. Dieser Nebel hier kann das nicht\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Markus Nielbock vom <a href=\"http:\/\/www.haus-der-astronomie.de\/\">Haus der Astronomie in Heidelberg<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eEr erscheint daher als Silhouette vor den Sternen. Teilweise werden Bereiche des Nebels so beleuchtet, dass man darin das Sternenlicht reflektiert sieht. Diese Bereiche erscheinen dann leicht bl\u00e4ulich.\u201c Das sei derselbe Effekt, der den Himmel in unserer Atmopsh\u00e4re blau erscheinen l\u00e4sst\u201c, betont er. \u201eDie Photonen des Sternlichts werden leicht an den Staubteilchen gestreut und k\u00f6nnen so auf Umwegen zu uns kommen, auch wenn wir die Sterne nicht direkt sehen, da sie verdeckt werden. Blaues Licht wird besonders stark abgelenkt, rotes Licht kann nahezu ohne Streuung den Nebel (die Wolke) passieren. Daher erscheinen die Sterne, die durch die Wolke leuchten auch leicht ger\u00f6tet. Licht, das auf direktem Weg zu uns kommt, hat einen h\u00f6heren Rotanteil als das Sternlicht, das auf Umwegen \u00fcber Streuung zu uns kommt. Zusammengefasst: Dieser Nebel leuchtet nicht von selbst sondern reflektiert und absorbiert Sternlicht.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_167411\" aria-describedby=\"caption-attachment-167411\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-167411\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/eso1009b-600x584.jpg\" alt=\"Fledermausnebel\" width=\"600\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-167411\" class=\"wp-caption-text\">Dieses Bild aus dem Digitized Sky Survey 2 deckt ein Sichtfeld von 3,0\u00b0 x 2,9\u00b0 ab und zeigt, dass der Fledermausnebel Teil einer viel gr\u00f6\u00dferen Nebelstruktur ist. \u00a9 ESO\/Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide de Martin<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Detailliertestes Portr\u00e4t des Nebels<\/h3>\n<p>Der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel entdeckte NGC 1788 am 1. Februar 1786, die wissenschaftlichen Messger\u00e4te haben seit dieser ersten Beschreibung aber einen langen Weg der Entwicklung beschritten. Im Jahr 2010 wurde am ESO-Observatorium La Silla mit dem MPG\/ESO 2,2-Meter-Teleskop bereits ein sch\u00f6nes Bild gemacht, das vom VLT aufgenommene Bild ist jedoch das detaillierteste Portr\u00e4t dieses Nebels, das je aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>\u201eAber diese erneut beobachtete Szenerie l\u00e4sst es dagegen sprichw\u00f6rtlich verblassen\u201c, freut man sich bei der ESO. \u201eWie im Flug eingefangen, wurden die winzigen Details der staubigen Fl\u00fcgel dieser kosmischen Fledermaus zum zwanzigsten Jahrestag eines der vielseitigsten Instrumente der ESO, des FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph 2 (FORS2), aufgenommen.\u201c<\/p>\n<p>Der Nebel im Orion scheint von anderen kosmischen Objekten isoliert zu sein, trotzdem vermuten Astronomen, dass er von starken Sternwinden der massereichen Sterne hinter ihm geformt wurde. Dabei werden die Str\u00f6me aus gl\u00fchendem Plasma mit unglaublicher Geschwindigkeit aus der oberen Atmosph\u00e4re eines Sterns geschleudert und formen die Wolken, die die sich entwickelnden Sterne der kosmischen Fledermaus umh\u00fcllen. Die starken Winde und ihr Licht formen den Nebel aber nicht nur, sie machen ihn auch zu einem Zuhause f\u00fcr eine Vielzahl von jungen Sonnen.<\/p>\n<p>\u201eDunkelnebel sind die \u00dcberbleibsel bei der Entstehung von eher massearmen Sternen, die sich aus Wolken aus Staub und Gas bilden. Ganz in der N\u00e4he befinden sich sehr junge massearme Sterne (sog. T-Tauri-Sterne) die sich wahrscheinlich aus der Wolke gebildet haben\u201c, sagt Nielbock. \u201eDiese sind gerade dabei, ihre unmittelbare Umgebung durch ihren Sternwind frei zu blasen. Offenbar gibt es aber auch den einen oder anderen massereichen Stern in der Umgebung. Diese k\u00f6nnen aber entweder nicht allzu massereich sein oder m\u00fcssten in einiger Entfernung zum Nebel stehen.\u201c<\/p>\n<p>Das sei ein \u00e4hnliches Ph\u00e4nomen wie bei den <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/vlt-eso-blasen-brandneue-sterne\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">blasenbildenden Sternen<\/a> in der Gro\u00dfen Magellanschen Wolke. \u201eDa war es ganz \u00e4hnlich. Nur dort waren massereiche Sterne dabei, die das umgebende Gas zudem zum Leuchten anregen. Das ist hier nicht der Fall. Die Sterne geben keine Strahlung ab, die energiereich genug w\u00e4re, um das zu schaffen. Die dortigen massereichen Sterne haben dann zwar genug Kraft, die Wolke zu durchl\u00f6chern, regen den Nebel aber nicht zum Leuchten an\u201c, f\u00fchrt Niebock aus. \u201eGerade solche jungen Sterne sind recht aktiv und haben wom\u00f6glich starke Sternwinde. Zudem ist das der \u00fcbliche Prozess, der gerade neu entstandene Sternhaufen freilegt. Sie schl\u00fcpfen sozusagen aus dem Ei, in dem sie sich entwickelt haben. \u00dcblicherweise bleibt ein freier Sternhaufen \u00fcbrig und das \u00fcbrig gebliebene Ausgangsmaterial verteilt sich in der Umgebung.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_167462\" aria-describedby=\"caption-attachment-167462\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-167462\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/eso1904c-466x600.jpg\" alt=\"\" width=\"466\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-167462\" class=\"wp-caption-text\">Diese Grafik zeigt die Position des Reflexionsnebels NGC 1788 im Sternbild Orion (Der J\u00e4ger). Die Karte enth\u00e4lt die meisten Sterne, die f\u00fcr das blo\u00dfe Auge unter guten Bedingungen sichtbar sind. Der auf dem Bild dargestellte Himmelsbereich ist markiert. \u00a9 ESO, IAU and Sky &amp; Telescope<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Junge H\u00fcpfer<\/h3>\n<p>NGC 1788 ist rund 3.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt und seine Sterne sind nach kosmischen Ma\u00dfst\u00e4ben mit einem Durchschnittsalter von rund einer Million Jahren noch sehr jung. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist bereits stattliche 4,5 Milliarden Jahre alt. Astronomen haben in detaillierten Untersuchungen au\u00dferdem herausgefunden, dass die Sterne in NGC 1788 ihrem Alter nach geordnet sind. An der linken Seite des roten Wasserstoffbandes befinden sich die \u00e4lteren Sterne, rechts des Bandes die etwas j\u00fcngeren. Aus diesen j\u00fcngeren Sternen besteht auch der Sternhaufen, der den Reflexionsnebel beleuchtet. Noch weiter rechts sind die j\u00fcngsten Sterne, die sich allerdings noch in den Staubkokons, in denen sie entstanden sind und nur durch Beobachtungen im Infrarot- oder Millimeterwellenbereich nachgewiesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieses Bild von NGC 1788 wurde im Rahmen des ESO Cosmic Gems-Programms erstellt, einer Initiative, die Bilder von interessanten, faszinierenden oder optisch ansprechenden Objekten mit ESO-Teleskopen f\u00fcr Zwecke der Bildung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit liefert. Das Programm nutzt Teleskopzeit und liefert mit Hilfe von FORS2 atemberaubende Bilder von einigen der markantesten Objekte am Nachthimmel, wie zum Beispiel diesem filigranen Reflexionsnebel.<\/p>\n<p>Laut Dr. Nielbock gibt es keine speziellen neue Erkenntnisse aus dieser neuen Aufnahme, die bisher nicht bekannt waren. \u201eDa die Aufnahme aus dem Cosmic Gems-Programm stammt, wurde das Bild lediglich aus \u00e4sthtischen Gr\u00fcnden aufgenommen. Es ist aber nicht auszuschlie\u00dfen, dass es f\u00fcr manche wissenschaftlichen Zwecke verwertbar ist. So k\u00f6nnte man bei wiederholter Aufnahme durch die gute Detailsch\u00e4rfe mit der Zeit Bewegungen erkennen. Dadurch k\u00f6nnte man auf die Geschwindigkeit schlie\u00dfen, mit der die Wolke sich aufl\u00f6st. Das k\u00f6nnte einen R\u00fcckschluss auf die Eigenschaften der Sternwinde zulassen.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"ESOcast 195 Light: A Cosmic Bat in Flight\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/iSyI0m77uSM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/vlt-eso-blasen-brandneue-sterne\/\">VLT der ESO zeigt Blasen von brandneuen Sternen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/milchstrasse-gewicht-esa-hubble\/\">Die Milchstra\u00dfe wiegt 3 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 Tonnen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hippocamp-neptun-mond-nicht-gebe\/\">Hippocamp \u2013 der Neptunmond, den es nicht geben d\u00fcrfte<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/planetarischer-nebel-vlt-eso\/\">VLT der ESO h\u00e4lt den letzten Atemzug eines Sterns fest<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/r-aquarii-todeskampf-stern\/\">R Aquarii \u2013 der Todeskampf eines Sterns<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/sternwinde-geburtenkontrolle-orionnebel\/\">Sternwinde \u00fcben Geburtenkontrolle im Orionnebel aus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/quasar-hubble-universum-entdeckung\/\">Hubble entdeckt den hellsten Quasar im fr\u00fchen Universum<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-triangulum-galaxie-sterne-bild\/\">Hubble-Panoramabild bietet Blick auf Milliarden Sterne der Triangulum-Galaxie<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hubble-hinweise-mond-ausserhalb-sonnensystem\/\">Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond au\u00dferhalb des Sonnensystems<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/supererde-lebensfeindlich-kalt\/\">Supererde entdeckt \u2013 ein kalter, lebensfeindlicher Ort<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/eso-teleskop-neugeboren-planet-pds-70\/\">ESO-Teleskop zeigt erstes best\u00e4tigtes Bild eines neugeborenen Planeten<\/a><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) hat wieder einmal spektakul\u00e4re Bilder eingefangen. 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