{"id":167364,"date":"2019-03-13T17:09:57","date_gmt":"2019-03-13T16:09:57","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=167364"},"modified":"2019-03-13T17:09:57","modified_gmt":"2019-03-13T16:09:57","slug":"sanfte-landung-nach-achtzig-kilometer-freiem-fall-aus-dem-weltraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/sanfte-landung-nach-achtzig-kilometer-freiem-fall-aus-dem-weltraum\/","title":{"rendered":"Sanfte Landung nach freiem Fall aus dem Weltraum"},"content":{"rendered":"<p>Ein Messger\u00e4t aus dem Weltraum im freien Fall abwerfen, Daten sammeln und das Messger\u00e4t auf der Erde unversehrt in Empfang nehmen \u2013 das war der Plan eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Studententeams. Und er war erfolgreich!<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/spaceteam.at\/\"><em>Space Team<\/em><\/a> der <em>TU Wien <\/em>ist ein Studierenden-Verein, der in den letzten Jahren immer wieder aufw\u00e4ndige Weltraumprojekte durchgef\u00fchrt hat \u2013 von der Entwicklung eigener Raketen bis zum Start eines Mini-Satelliten. Zuletzt war das Team an einem Projekt mit Studierenden der <em><a href=\"https:\/\/www.uni-wuerzburg.de\/startseite\/\">Universit\u00e4t W\u00fcrzburg<\/a><\/em> beteiligt.\u00a0Ziel des Projektes war es, auf einfache und kosteng\u00fcnstige Art in h\u00f6heren Atmosph\u00e4reschichten meteorologische Daten zu sammeln. Wobei die H\u00f6he von siebzig bis achtzig Kilometern besonders interessant ist, weil sie weder von Satelliten noch von Wetterballons abgedeckt wird. Wetterballons k\u00f6nnen maximal auf drei\u00dfig bis vierzig Kilometer aufsteigen und mit Satelliten l\u00e4sst sich dieser Teil der Atmosph\u00e4re nur schwer erfassen.<\/p>\n<p><em>Daedalus<\/em>, so der Name des Projekts, sollte beweisen, dass es keinen Fallschirm braucht, um Messger\u00e4te, die im freien Fall aus dem Weltraum abgeworfen werden, wohlbehalten auf der Erde ankommen zu lassen.<\/p>\n<h3>Inspiration Ahornsamen<\/h3>\n<p>Die Studierenden gaben dem Messger\u00e4t eine Form, die am <a href=\"https:\/\/www.fotocommunity.de\/photo\/ahornsamen-eberhard-weible\/35978135\">Ahornsamen<\/a> inspiriert war. Dieser verf\u00fcgt \u00fcber zwei Fl\u00fcgel und sinkt in Rotationsbewegungen langsam und sanft zu Boden. Lange Fl\u00fcgel sollen auch den Fall der r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Sonden bremsen.<\/p>\n<p>Wir wollten eine Alternative f\u00fcr Fallschirme anbieten, erkl\u00e4rt Projektleiter <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=43RETMhCPzU\"><em>Clemens Riegler<\/em><\/a> von der <em>Universit\u00e4t W\u00fcrzburg<\/em>. \u201eFallschirme sind sehr temperaturempfindlich und neigen bei Weltraumbedingungen dazu, br\u00fcchig zu werden. Riegler nennt drei gravierende Gr\u00fcnde, die f\u00fcr das Ahornsamenprinzip sprechen:<\/p>\n<ul>\n<li>Fl\u00fcgel aus solidem Material sind mehr oder weniger unempfindlich und daher eine sehr gute Alternative zum Fallschirm.<\/li>\n<li>Fl\u00fcgel erm\u00f6glichen Steuerbarkeit, das hei\u00dft man kann den Landeort bestimmen, was mit Fallschirmen m\u00f6glich, aber komplex ist.<\/li>\n<li>Rotoren k\u00f6nnen die Landegeschwindigkeit gegen Null bringen und somit eine sanfte Landung erm\u00f6glichen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><\/h3>\n<h3>Test in Schweden<\/h3>\n<p>Eigentlich sollte das Experiment schon vor einem Jahr starten, scheiterte aber an unvorhergesehenen Problemen mit der deutsch-schwedischen Tr\u00e4gerrakete. Die Sonden sollten im Rahmen von <em>Rexus\/Bexus<\/em>, einer Kooperation des <a href=\"https:\/\/www.dlr.de\/dlr\/desktopdefault.aspx\/tabid-10002\/\"><em>Deutschen Zentrums f\u00fcr Luft- und Raumfahrt<\/em><\/a> mit dem<a href=\"https:\/\/www.rymdstyrelsen.se\/en\/\"> <em>Swedish National Space Board<\/em><\/a> und der <em>ESA<\/em>. Am vierten M\u00e4rz 2019 war es dann soweit: Die <em>Orion 5<\/em> Rakete startete in einem unbesiedelten Gebiet in Schweden und transportierte die Instrumente in eine H\u00f6he von siebzig bis achtzig Kilometern.<\/p>\n<h3>Unversehrte Landung<\/h3>\n<p>Die Rakete stieg einhundertdrei\u00dfig Sekunden lang auf und die drei Sonden wurden in einer H\u00f6he von f\u00fcnfundsiebzig Kilometern planm\u00e4\u00dfig abgeworfen. Die Geschwindigkeit beschleunigte im freien Fall auf achthundert Meter pro Sekunde und wurde nach dem Wiedereintritt in die Atmosph\u00e4re reduziert. Bei der Landung betrug das Tempo noch etwa f\u00fcnfundzwanzig Meter pro Sekunde. Auf der Erde angekommen, meldeten die Sonden mit Hilfe von Satellitenkommunikations-Modulen ihren Aufenthaltsort. Sie befanden sich etwa dreiunddrei\u00dfig Kilometer von der Startrampe entfernt und konnten per Hubschrauber geborgen werden. Die Sonden blieben unversehrt \u2013 bis auf einige Fl\u00fcgel, die vermutlich durch Kontakt mit B\u00e4umen bei der Landung gebrochen sind.<\/p>\n<h3>Stabile Rotationsbewegung<\/h3>\n<p>Die entscheidende Frage, ob der ahornsamenartige Bremsmechanismus auch tats\u00e4chlich korrekt funktioniert hat, konnte durch die Auswertung der Sensordaten beantwortet werden, berichtet <a href=\"https:\/\/www.acin.tuwien.ac.at\/staff\/cfr\/\"><em>Christoph Fr\u00f6hlich<\/em><\/a>, Pr\u00e4sident des <em>Space Teams<\/em>. Erhoben wurden die Sinkgeschwindigkeit und die Drehgeschwindigkeit der Sonden. Laut Auswertung bewegten sich die Sonden in einer stabilen Rotation, wodurch deren Geschwindigkeit abgebremst wurde. Ein negativer Befund h\u00e4tte ergeben, dass diese wie ein Stein zu Boden gefallen oder in ein unkontrolliertes Trudeln gekommen sind, so <em>Fr\u00f6hlich<\/em>. Das Projekt hat also bewiesen, dass die neu entwickelte Technologie f\u00fcr Atmosph\u00e4renexperimente geeignet ist. \u201eIn Zukunft wollen wir auch wissenschaftliche Experimente in der Atmosph\u00e4re durchf\u00fchren, sagt <em>Fr\u00f6hlich<\/em>. Ein Nachfolgeprojekt ist bereits geplant.<\/p>\n<h3>Vielf\u00e4ltige Anwendungen<\/h3>\n<p>Neben dem Sammeln von meteorologischen Daten k\u00f6nnte die Innovation in Zukunft auch eingesetzt werden, um kleinere Nutzlasten (wie etwa Experimente oder Proben) von der <em>International Space Station<\/em> (<em>ISS)<\/em> zur\u00fcck zur Erde zu senden, erkl\u00e4rt <em>Riegler<\/em>. \u201eDas w\u00fcrde die derzeit genutzte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dragon_(Raumschiff)\"><em>Dragon Capsule<\/em><\/a> oder den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Versorgungsraumschiff\"><em>Progress Frachter<\/em><\/a> ersetzen. Wobei man auch den Landeort w\u00e4hlen k\u00f6nnte und zum Beispiel sehr pr\u00e4zise auf Schiffen landen, so wie <em>SpaceX<\/em> das tut. Au\u00dferdem k\u00f6nnte das Prinzip zur Landung von Nutzlasten auf anderen Planeten oder Monden mit dichter Atmosph\u00e4re eingesetzt werden\u201c, so <em>Riegler<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_167369\" aria-describedby=\"caption-attachment-167369\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-167369\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Daedalus_EjectionMechanism-600x399.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"399\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-167369\" class=\"wp-caption-text\">Die Messger\u00e4te mit eingeklappten Fl\u00fcgeln, eingebaut in den Auswurfmechanismus. (c) TU Wien<\/figcaption><\/figure>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch interessant:<\/h3>\n<div class=\"post-content\">\n<p class=\"post-title entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/erfolgreicher-test-von-raketentriebwerk-aus-3d-druck\/\">Erfolgreicher Test von Raketentriebwerk aus 3D-Druck<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Messger\u00e4t aus dem Weltraum im freien Fall abwerfen, Daten sammeln und das Messger\u00e4t auf der Erde unversehrt in Empfang nehmen \u2013 das war der Plan eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Studententeams. Und er war erfolgreich! 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