{"id":167227,"date":"2019-03-12T07:00:18","date_gmt":"2019-03-12T06:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=167227"},"modified":"2019-03-12T07:00:18","modified_gmt":"2019-03-12T06:00:18","slug":"amazonaswald-resilienter-als-gedacht-doch-klimawandel-und-rodung-birgen-erhebliche-gefahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/amazonaswald-resilienter-als-gedacht-doch-klimawandel-und-rodung-birgen-erhebliche-gefahren\/","title":{"rendered":"Amazonaswald kann Resilienz trainieren \u2013 doch Klimawandel und Rodung als Gefahr"},"content":{"rendered":"<p>Keine Frage: beim globalen Klimaschutz hat der Amazonaswald als gr\u00f6\u00dfter zusammenh\u00e4ngender Regenwald eine bedeutende Rolle inne. Mit einer derzeitigen Fl\u00e4che von etwa 7.500.000 km\u00b2 bedeckt er etwa zwei Drittel S\u00fcdamerikas. Dank seiner Gr\u00f6\u00dfe gilt das Amazonas-Becken als gr\u00f6\u00dfte Kohlenstoffsenke der Welt. Denn hier wird ungef\u00e4hr so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in rund zehn Jahren auf der ganzen Erde freigesetzt wird. Wissenschaftler des <a href=\"https:\/\/www.pik-potsdam.de\/pik-startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK)<\/a> sowie der <a href=\"http:\/\/structure.ufsc.br\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Federal University of Santa Catarina (UFSC)<\/a> haben nun noch eine weitere erstaunliche Eigenschaft entdeckt: Der Amazonaswald kann sozusagen durch wechselhafte Regenf\u00e4lle trainiert werden. Das hei\u00dft, die Regionen des Waldes, in denen die Regenmengen st\u00e4rker schwanken, sind widerstandsf\u00e4higer gegen heutige und zuk\u00fcnftige Klimast\u00f6rungen.<\/p>\n<h3><strong>Kombination aus Analyse und Beobachtungsdaten<\/strong><\/h3>\n<p>\u201eAngesichts der enormen Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes f\u00fcr unser Klima und die Artenvielfalt ist es erstaunlich, wie wenig wir immer noch \u00fcber seine F\u00e4higkeit wissen, sich im Laufe der Zeit an ver\u00e4nderte Umweltbedingungen anzupassen&#8221;, stellt Leitautorin Catrin Ciemer vom PIK fest und erg\u00e4nzt: \u201eWir haben einen Mechanismus entdeckt, der die Widerstandsf\u00e4higkeit des \u00d6kosystems mitbestimmt. Dabei haben wir herausgefunden, dass Regionen des Amazonas-Regenwaldes, die st\u00e4rker wechselnden Regenmengen ausgesetzt waren, offenbar mehr Widerstandskraft haben gegen Klimast\u00f6rungen.&#8221;<\/p>\n<p>Basierend auf Daten zum Niederschlag und zur Baumbedeckung im brasilianischen Amazonasbecken ermittelten die Wissenschaftler die Stabilit\u00e4t verschiedener Vegetationstypen in Abh\u00e4ngigkeit der Regenmengen und identifizierten auf diesem Weg kritische Schwellenwerte, jenseits derer die Vegetation von einem Wald zu einer Savanne, also einem tropischen Grasland, wechseln kann. In diesem Kontext entdeckten die Forscher nun den oben erw\u00e4hnten Trainingseffekt.<\/p>\n<p>\u201eWir konnten dieses bislang unbekannte dynamische Stabilit\u00e4tsverhalten quantifizieren, indem wir moderne Techniken [mathematische Methoden] der Analyse nicht-linearer Systeme\u00a0kombiniert haben mit modernsten Beobachtungsdaten [Satellitendaten]&#8221;, erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Kurths, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Komplexit\u00e4tsforschung und Ko-Autor der Studie. Marina Hirota von der UFSC, ebenfalls Ko-Autorin der Untersuchung, erg\u00e4nzt: \u201eWir entwickeln und nutzen innovative mathematische Methoden, um reale Probleme zu untersuchen, die enorme Auswirkungen auf Menschen auf dem ganzen Planeten haben. Denn klar ist: der Amazonas-Regenwald ist von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr globale CO2- und Wasserkreisl\u00e4ufe und steht in Wechselwirkung mit einer Reihe anderer kritischer Elemente [denkbar ist z.B. das s\u00fcdamerikanische Monsunsystem] des Erdsystems.&#8221;<\/p>\n<h3><strong>Gravierende \u00c4nderungen erwartet<\/strong><\/h3>\n<p>So erlaube es der Ansatz zu erkennen, welche Regionen anf\u00e4lliger f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen des Niederschlags sein k\u00f6nnten, unterstreicht Ricarda Winkelmann, Leiterin des PIK FutureLab &#8216;Earth Resilience in the Anthropocene&#8217; und ebenfalls Ko-Autorin der Studie. Weniger &#8216;trainierte&#8217; Regionen, die nicht an h\u00e4ufige \u00c4nderungen der Niederschl\u00e4ge gew\u00f6hnt sind, werden dabei besonders betroffen sein. Die Analyse zeigt, dass in einem Business-as-usual-Szenario in Bezug auf den Aussto\u00df von Treibhausgasen eine gro\u00dfe zusammenh\u00e4ngende Region im s\u00fcdlichen Amazonasgebiet Gefahr laufen k\u00f6nnte, vom Wald zur Savanne zu werden.<\/p>\n<p>Noch ist unklar, wie viel Ver\u00e4nderung die Amazonasregion verkraften kann. So ist der Amazonaswald einerseits ein sehr altes \u00d6kosystem, das sich \u00fcber Millionen von Jahren entwickelte und sogar Eiszeiten \u00fcberlebte. Es konnte sich also \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume anpassen. Aber heute ist es fraglich, ob es dem Tempo des fortschreitenden Klimawandels gewachsen ist.<\/p>\n<p>Deshalb sind die Forschenden trotz der positiven Erkenntnis zur Anpassungsf\u00e4higkeit in gro\u00dfer Sorge um die Zukunft des Waldes. Denn dem einzigartigen System droht nun durch menschlichen Einfluss und durch den weltweiten Klimawandel ein gro\u00dffl\u00e4chiges Absterben \u2012 mit weitreichenden Folgen f\u00fcr seine Funktion als globale CO2-Senke. Zwar speichert eine w\u00e4rmere Atmosph\u00e4re grunds\u00e4tzlich mehr Feuchtigkeit, doch wird es im Amazonasbecken wahrscheinlich vermehrt D\u00fcrren geben, die die Baumsterblichkeit und das Brandrisiko erh\u00f6hen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Niklas Boers, Koautor der PIK-Studie f\u00fcgt noch ein weiteres gro\u00dfes Problem, das der Erhaltung des Amazonas Regenwaldes entgegenwirkt, hinzu: So stellen die gro\u00dffl\u00e4chigen Rodungen, die zur Umwandlung der Naturlandschaft in Weidelandschaft f\u00fcr Rinder zur Fleischerzeugung geschehen, eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr den Regenwald dar. Das bedeutet, dass die aktuelle Forstpolitik Brasiliens und anderer L\u00e4nder die Frage der Widerstandsf\u00e4higkeit des Regenwaldes bedeutungslos machen k\u00f6nnte. \u201eMit oder ohne Widerstandsf\u00e4higkeit gegen Klimast\u00f6rungen: Es gibt keine M\u00f6glichkeit, sich an Motors\u00e4gen anzupassen,\u201c fasst er die aktuelle Situation zusammen.<\/p>\n<p>Die Studie wurde Ende Februar in <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41561-019-0312-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nature Geoscience<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<h3>Dieser Artikel k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/co2-aufnahme-bei-jungen-waeldern-um-25-prozent-erhoeht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CO2-Aufnahme bei jungen W\u00e4ldern um 25 Prozent erh\u00f6ht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Frage: beim globalen Klimaschutz hat der Amazonaswald als gr\u00f6\u00dfter zusammenh\u00e4ngender Regenwald eine bedeutende Rolle inne. 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